Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 13
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1863, Seite 13
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 4
Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. 13
trägt, überlegen ist. Er wird ihm gleichwohl, als dem Hirten der ganzen Heerde, also auch als seinem Lehrer, Seelsorger und Spender der Gnadenmittel auch gegen ihn, und als seinem nächsten Ueberwacher und Aufseher mit schuldiger Ehrerbietung zuvorkommen und schon innerlich die aufsteigende Selbstüberhebung, eben weil er ihn vielleicht in diesem und jenem formellen Wissen und Können übertrifft, von Herzen hassen und unterdrücken. Vielmehr wird er von seinem Pastor, wenn dieser seinem Unterricht beiwohnt, diese und jene angemessene Bemerkung und helfende Zurechtweisung, vornehmlich im Handeln des göttlichen Wortes, willig und gern annehmen, zumal wenn der Pastor älter, und im Lehren erfahrener ist, als er selber. Denn jüngeren Lehrern, die durchschnittlich auch eine geringere Selbsterkenntniß und Erfahrung von Sünde und Gnade im Herzen haben und in der Selbstapplikation des göttlichen Wortes auf ihr eigenes Herz und Gewissen häufig selber noch Anfänger sind — jüngeren Lehrern wird es vielfach bei ihrem Unterrichten begegnen, daß sie im Handeln des Wortes Gottes gegen ihre Schulkinder dieses dem Herzen und Gewissen derselben entweder zu wenig, oder zu viel appliciren. Jenes nämlich geschieht, wenn die Lehrer nur im Aeußerlichen und Formellen der Geschichte oder Lehre, selbst bei rechtgläubiger Fassung und Behandlung derselben, hangen bleiben, und sich damit begnügen, daß die Kinder das äußerliche Wissen haben. Es soll aber billig z. B. in jedem einzelnen Gebot durch die Auslegung des Lehrers die erste und unverbrüchliche Forderung des heiligen Gottes zu heiligem Wesen und Leben mächtig an die Seele treten, und durch die Gnade des h. Geistes eine reumüthige Erkenntniß der Sünde und ein heilsames Erschrecken vor Gottes Zorn und Gericht im Herzen wirken. Und wiederum soll jede Vormalung Christi in der evangelischen Geschichte, oder nach dem zweiten Artikel also geschehen, daß durch dieselbe der wahre Glaube an Christum in den Kindern gestärkt werde. Dagegen wird ihnen zu viel applicirt, wenn die Lehrer, etwa aus pietistisch gehaltenen Handbüchern, unabhängig von dem Hauptpunkt, um den es sich in der betreffenden Lehre oder Geschichte handelt, zu viel auf Nebenpunkte gerathen und zugleich damit auf gesetzliche und treiberische Weise die Kinder bearbeiten, um allerlei Erschütterungen oder Rührungen in ihnen hervor zu bringen.
Unter solchen Umständen nun wird sicherlich ein zudem jüngerer, demüthiger Schullehrer von seinem Pastor gern die nöthige Zurechtweisung und Hülfe annehmen und den guten Rath auch befolgen. Und nicht minder wird er auch seine Schulzucht der Aufsicht seines Pastors willig unterwerfen, da es sich leicht zutragen kann, daß er sie zu viel oder zu wenig, oder zuweilen mit Anwendung ungeeigneter Mittel übt, und der gesetzliche Geist noch nicht gründlich ausgefegt ist.
Wenn nun von Seiten des Schullehrers gegen seinen Pastor, als seinen nächsten Vorgesetzten, die eben dargestellte herzliche Ehrerbietung stattfindet, und wiederum dieser ihm auch mit Ehrerbietung zuvorkommt, so ist in dieser Beziehung das gegenseitige Verhältniß christlich richtig und gesund. Da
English translation AI translation
On the Evangelical Conduct of a Christian-minded Parish Schoolteacher, etc. 13
...he bears, is superior. He will nevertheless, as to the shepherd of the whole flock, and thus also as to his teacher, pastor of souls, and dispenser of the means of grace toward him as well, and as to his nearest supervisor and overseer, show him the deference that is due, and will hate and suppress from the heart, even inwardly, the rising self-exaltation that comes precisely because he may perhaps surpass him in this or that matter of formal knowledge and ability. Rather, when his pastor is present at his instruction, he will willingly and gladly accept from him this or that fitting remark and helpful correction, especially in the handling of the divine Word, particularly when the pastor is older and more experienced in teaching than he himself. For younger teachers — who on the whole also have a lesser self-knowledge and experience of sin and grace in the heart, and are frequently still beginners themselves in applying the divine Word to their own heart and conscience — younger teachers will often find, in their teaching, that in handling the Word of God toward their schoolchildren they apply it to the hearts and consciences of the children either too little or too much. The former happens when the teachers remain fixed only on the external and formal aspects of the history or doctrine, even where it is grasped and treated in an orthodox manner, and are satisfied that the children have merely an external knowledge of it. But rather, in each individual commandment, for instance, the holy God's first and inviolable demand for a holy being and life ought, through the teacher's exposition, to come powerfully upon the soul, and through the grace of the Holy Spirit work in the heart a repentant recognition of sin and a wholesome terror before God's wrath and judgment. And likewise every portrayal of Christ in the Gospel history, or according to the Second Article, ought to be carried out in such a way that through it the true faith in Christ is strengthened in the children. Too much, on the other hand, is applied to them when the teachers, perhaps out of pietistically composed handbooks, independent of the main point at issue in the doctrine or history in question, dwell too much on side issues, and at the same time work upon the children in a legalistic and driving manner, in order to produce in them all sorts of shocks or emotional stirrings.
Under such circumstances, a younger and humble schoolteacher will certainly gladly accept the necessary correction and help from his pastor, and will also follow his good advice. And no less will he willingly submit his school discipline to his pastor's oversight, since it can easily happen that he exercises it too much or too little, or at times with the application of unsuitable means, and the legalistic spirit has not yet been thoroughly swept out.
Now when, on the schoolteacher's part, the cordial deference just described exists toward his pastor as his immediate superior, and when the pastor, in turn, likewise shows him deference, then in this respect the mutual relationship is Christianly right and healthy. Then