Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 32

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1863, Seite 32

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32	Kirchlich-Zeitgeschichtliches.

Diedrich schreibt in Räthsen's Kirchenzeitung für Lutheraner vom 28. Oct. v. J.: „Nagel selbst und andere schwärzten mich auf der Synode '60 vor den Laien als einen Grabaujaner an; nun beruft er sich auf Grabau, weil der auf mich losschlägt. Wie soll man es nennen, wenn Nagel's Blatt No. 13 meine Zeitung des Liebäugelns mit Grabau anklagt als dem „„Regimentsmann über alle Regimentsmänner“““; und das Gegentheil ist wahr. Aber siehe, schon in No. 16 werden zwei Aufsätze desselben gegen uns als „„besonders beherzigenswerth““ von Nagel seinen Lesern mitgetheilt, um so das breslauer Regimentswesen zu verdeutlichen. Das ist doch stark, wenn auch nicht sehr edel. Durch den Satz Grabaus: „„Auch hier in Amerika ist das Didrichisiren und krypto-missourianisiren los gegangen““ — läßt er ahnden, wofür er uns hält, nämlich für heimliche Missourier. Er mag die Brüder Missourier selbst fragen, ob sie uns für geheime Freunde halten. Nach ihren öffentlichen Blättern nicht.“ Wir Missourier glauben allerdings, daß sich Herr Pastor Diedrich noch nie die Mühe genommen, zu erfahren, was wir eigentlich lehren. Er urtheilt offenbar über uns nur nach Hörensagen und abgerissenen Sätzen.

Haag und Ludwig. In Räthsen's Zeitung lesen wir: „Haag hat bereits den Rückweg in die Union gesucht; ist ihm dort aber noch verschlossen, wo man ihn genauer kennt. Leider war es ihm besser gelungen, Past. Ludwig auf seine trügerischen Bahnen zu locken. Und als dieser den Ruin vor Augen sah, segelte er mit günstigem Winde in den Hafen der badischen Landeskirche, und ist jetzt Pfarrverweser in Helmstadt bei Sinsheim.“

Kirchliche Zustände in Schleswig. Hierüber berichtet der Weimarer Sonntagsbote Folgendes: „In Angeln, dem größten und wichtigsten unter den gemischten Distrikten, war früher eine Kirchlichkeit, die in ganz Deutschland ihresgleichen suchen konnte. Und heute? Man kann über den jetzigen Zustand Männer blutige Thränen weinen sehen, Thränen, die eine beredtere Sprache führen, als die schlagendsten Deductionen. Von 52 Sonntagen sind den Bewohnern gemischter Distrikte 26 genommen und der „dänischen Lehre“ geweiht, wie der Volksmund den dänischen Gottesdienst nennt. Sie, die an der deutschen Bibel und dem deutschen Gesangbuch halten, wie am besten Erbe der Väter, sind genöthigt, für ihre Kinder eine dänische Bibel und ein dänisches Gesangbuch anzuschaffen. Die Prediger sind keineswegs Gegenstand des Vertrauens und der Zuneigung, in den meisten Kirchspielen werden sie geradezu gehaßt, und die Bezeichnung „schwarze Gensdarmen,“ wie sie in diesen Gegenden heißen, zeigt genug, mit welchem Auge man sie betrachtet.

Am Schleswiger Dom ist jetzt ein gewisser Martens Probst, ein geborener Flensburger, vordem auf einer kleinen Dorfstelle. 1849 schrieb er eine die Dänenwirthschaft vertheidigende Schrift und wurde darnach Domprobst und Ritter vom Danebrog. Trotzdem, daß er in sehr üblem Rufe steht, möchten die Bauern doch lieber ihn als einen Dänen zum Pastor haben. Ein Reisender berichtet folgendes Gespräch, das er mit Bauern aus verschiedenen Kirchspielen Angelns über ihre dänische Pastoren geführt hat. „Sagt, kennt ihr den Pastor Martens in Schleswig, Probst und Pastor an der Domkirche?“ — „Ja,“ war die allgemeine Antwort. „Würdet ihr den Martens für irgend einen eurer dänischen Pastoren als Pfarrer annehmen?“ Sie starrten mich an. „Für irgend einen?“ riefen sie dann — „für jeden wechseln wir ihn aus.“ — „Aber, lieben Leute, wißt ihr auch, daß Martens säuft; daß er an nichts weiter denkt als Geld zu verdienen und alles zu nehmen, was er kriegen kann; daß er auf Kindtaufen und Hochzeiten alles einsteckt, was an Eßwaaren, Cigarren und Wein zu bekommen ist; daß er sich zu dem Zwecke lederne Taschen in seinen Priesterrock machen ließ; daß er die Sporteltaxe überschreitet, wo man so dumm ist zu bezahlen; daß er in Schleswig in allgemeiner Verachtung steht; daß man ihn dort nur den „Swinemartens“ nennt, weil““ — „Wir wissen das alles; aber jedes Kirchspiel in Angeln tauscht seinen Pastor gern gegen den „Swinemartens“ aus!“

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32	Church and Contemporary History.

Diedrich writes in Räthsen's Kirchenzeitung für Lutheraner [Church Paper for Lutherans] of October 28 of last year: „Nagel himself and others slandered me at the '60 synod before the laity as a Grabauite; now he appeals to Grabau, because Grabau is striking out at me. What is one to call it when Nagel's paper No. 13 accuses my paper of flirting with Grabau, calling him „„a regiment-man above all regiment-men“““ — when the opposite is true. But see, already in No. 16 two essays of his are passed on to Nagel's readers as „„particularly worth taking to heart,““ so as the better to illustrate the Breslau system of church government. That is strong stuff indeed, even if not very noble. By the sentence of Grabau's: „„Here in America too the Diedrich-izing and crypto-Missourianizing has broken loose““ — he lets it be guessed what he takes us for, namely secret Missourians. Let him ask the Missourian brethren themselves whether they consider us secret friends. Not, to judge by their public papers.“ We Missourians, however, believe that Pastor Diedrich has never yet taken the trouble to learn what we actually teach. He evidently judges us only by hearsay and disjointed sentences.

Haag and Ludwig. In Räthsen's paper we read: „Haag has already sought the way back into the Union; but it is still closed to him there, where he is better known. Unfortunately he succeeded better in luring Pastor Ludwig onto his deceptive paths. And when the latter saw ruin before his eyes, he sailed with a favorable wind into the harbor of the Baden territorial church, and is now assistant pastor in Helmstadt near Sinsheim.“

Church Conditions in Schleswig. On this the Weimarer Sonntagsbote reports the following: „In Angeln, the largest and most important of the mixed districts, there was formerly a churchliness that could find its equal nowhere in all Germany. And today? One can see men weep bloody tears over the present state of things — tears that speak a more eloquent language than the most striking arguments. Of 52 Sundays, the inhabitants of the mixed districts are deprived of 26, which are given over to „the Danish teaching,“ as popular speech calls the Danish worship service. They who hold to the German Bible and the German hymnal as the best inheritance of their fathers are compelled to procure a Danish Bible and a Danish hymnal for their children. The preachers are by no means an object of trust and affection; in most parishes they are downright hated, and the name „black gendarmes,“ as they are called in these districts, shows plainly enough with what eye people regard them.

At the Schleswig cathedral there now presides a certain Martens as Probst, a native of Flensburg, formerly holding a small village living. In 1849 he wrote a pamphlet defending Danish rule, and was afterward made cathedral provost and Knight of the Danebrog. Despite standing in very ill repute, the peasants would still rather have him, a Dane, as their pastor. A traveler reports the following conversation, which he had with peasants from various parishes of Angeln about their Danish pastors. „Tell me, do you know Pastor Martens in Schleswig, provost and pastor at the cathedral church?“ — „Yes,“ was the general answer. „Would you accept Martens as pastor in place of any of your Danish pastors?“ They stared at me. „In place of any of them?“ they then cried — „we would trade him for any one of them.“ — „But, my good people, do you also know that Martens drinks; that he thinks of nothing but making money and taking everything he can get; that at christenings and weddings he pockets everything he can in the way of food, cigars, and wine; that he had leather pockets made for this purpose in his clerical coat; that he exceeds the fee schedule wherever people are foolish enough to pay it; that in Schleswig he stands in general contempt; that there they call him nothing but „Swinemartens“ [Pig-Martens], because““ — „We know all that; but every parish in Angeln would gladly trade its own pastor for „Swinemartens“!“

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