Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 9
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1863, Seite 9
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Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. 9
es vor, daß die Eltern den Schullehrer auch um der Kinder willen in ihre geselligen Kreise ziehen. Die große Masse der Eltern ist zufrieden, daß Schule da ist, bezahlt regelmäßig oder unregelmäßig ihren Beitrag zur Erhaltung derselben, besucht aber wenig oder gar nicht die jährlichen Schulprüfungen, hält ihre Kinder, um leichter Ursache willen, vom Besuch der Schule zurück und nimmt von den hier und da ertheilten schriftlichen, halbjährlichen Censuren wenig Notiz.
Unter solchen meist sehr betrübten Umständen ist es zwiefach der dienenden Liebe des christlich gesinnten Schullehrers gemäß, so viel, als möglich und thunlich ist, sich in Gemeinschaft mit den Eltern seiner Schulkinder zu setzen, und zwar theils mit solchen, denen es durchschnittlich ein Ernst ist mit ihrer häuslichen Kinderzucht, theils aber vornehmlich mit solchen, denen es bis dahin noch kein Ernst damit ist, und die auch hierin sicher und gleichgültig dahinleben. Denn gerade bei den Kindern dieser Letzteren trägt es sich öfter zu, daß sie auch in der Schule bisweilen gröblich sich wider Gottes Gebote versündigen und deßhalb sich auch eine schärfere Züchtigung zuziehen; und da entsteht denn auch häufig die Nothwendigkeit, daß der Lehrer den betreffenden Eltern davon Mittheilung macht, was diesen selber durch Gottes Gnade sehr heilsam zu tieferer Sünden⸗ und Selbsterkenntniß ausschlagen kann. Wiewohl nun die Kinder ernsterer Christen in der Schule meist eine andere und bessere Art und Weise haben, als die der trägeren Gemeindeglieder, so kann es sich doch auch hier zuweilen zutragen, daß selbst solche Kinder einen schwereren Sündenfall thun, oder in diesem und jenem Kinde offenbart sich, zumal bei ausgezeichneter Begabung, ein ziemlicher Dünkel und Hochmuth. Wie wichtig ist es da für die Eltern, und wie ist es der dienenden Liebe des Lehrers gemäß, wenn dieser sie davon in Kenntniß setzt, vielleicht auch, wenn es heilsam erscheint, beide Theile, Eltern und Lehrer, das Kind vereinigt ermahnen. Nicht minder ist es dieser Liebe gemäß, daß der Schullehrer solche Eltern, die ihre Kinder gewohnheitsmäßig schlecht zur Schule schicken, straft und in zweifelhaften Fällen es sucht in Erfahrung zu bringen, ob das öftere Fehlen Schuld der Eltern, oder gar Betrug der Kinder sei.
Zum Andern wird sich die dienende Liebe des Schullehrers gegen die Gemeinde darin erzeigen, daß er in den Gemeinde⸗Versammlungen, zumal wenn er ein älterer Christ ist, mit seiner reiferen Erkenntniß und Erfahrung in Sachen der Lehre oder Zucht, oder in äußerlichen Angelegenheiten gern und willig dem gemeinen Nutz dient; denn so übel es einem jüngeren Schullehrer von noch geringerer Erkenntniß und Erfahrung ansteht, in der Verhandlung kirchlicher Angelegenheiten unreif und vorlaut darein zu zu reden, so wenig will es einem herangereiften Lehrer geziemen, aus falscher Rücksicht und Bescheidenheit den guten Schatz seiner reiferen Erkenntniß dem gemeinen Nutz zu verschließen. Auch in der Führung des Protokolls wird, wo nöthig, der Schullehrer der Gemeinde sich auf deren Ersuchen gern willfährig und dienstlich erzeigen.
English translation AI translation
On the evangelical conduct of a Christian-minded parish schoolteacher, etc. 9
it happens that the parents draw the schoolteacher into their social circles for the children's sake as well. The great mass of parents is content that a school exists, pays its contribution toward its upkeep regularly or irregularly, but attends little or not at all the annual school examinations, keeps its children from attending school on the flimsiest pretext, and takes little notice of the written half-yearly reports issued here and there.
Under such, for the most part quite troubled, circumstances it is doubly in keeping with the serving love of the Christian-minded schoolteacher, so far as is possible and feasible, to place himself in fellowship with the parents of his schoolchildren — partly with those to whom the domestic rearing of their children is, on the whole, a serious matter, but chiefly with those to whom it has not yet become a serious matter, and who live on carelessly and indifferently in this respect too. For it is precisely among the children of these latter that it more often happens that they, even in school, sin grossly against God's commandments and thereby draw upon themselves a sharper chastisement; and then the need frequently arises that the teacher inform the parents concerned of this, which through God's grace can turn out very salutary to them for a deeper knowledge of their sin and themselves. Although the children of more earnest Christians generally have a different and better manner and bearing in school than those of the more indifferent members of the congregation, it can nevertheless happen even here at times that even such children commit a graver fall into sin, or that in this or that child — especially where there is outstanding talent — a considerable conceit and pride reveals itself. How important it is then for the parents, and how it accords with the serving love of the teacher, when he informs them of this, perhaps also, where it seems salutary, admonishing both parties, parents and teacher, together with the child. No less is it in keeping with this love that the schoolteacher reprove such parents as habitually send their children to school poorly, and in doubtful cases seek to ascertain whether the frequent absence is the parents' fault or perhaps the children's deception.
Secondly, the schoolteacher's serving love toward the congregation will show itself in this, that in the congregational meetings — especially if he is an older Christian — he gladly and willingly serves the common good with his riper knowledge and experience in matters of doctrine or discipline, or in external affairs; for just as ill as it becomes a younger schoolteacher of still lesser knowledge and experience to speak into the transaction of church affairs immaturely and presumptuously, just as little does it befit a more mature teacher, out of false regard and modesty, to withhold the good treasure of his riper knowledge from the common good. Likewise, in the keeping of the minutes, the schoolteacher will, where needful, gladly and dutifully show himself compliant toward the congregation at its request.