Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 31
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1863, Seite 31
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Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 31
Kirchenordnung angegeben, ohne daß im einzelnen bezeichnet wäre, worin derselbe bestanden. Ist damit das gemeint, daß ich wiederholt erklärt habe, daß ich die den Synodalbeschlüssen, welche doch nur ein Theil der Kirchenordnung, und nicht der vornehmste, sind, von Anfang an zum Grunde gelegten Anschauungen für falsch und unevangelisch halte, wobei ich jedoch den einzelnen Beschlüssen nach Möglichkeit mich gemäß zu halten bereit sei, daß ich namentlich die Vorsteher-Ordnung und die Kirchenzucht-Ordnung, so wie sie in den Synodalbeschlüssen lauten, bei der Verwaltung meines Amts nicht auszuführen, auch das Richteramt „der Kirche,“ so wie es in den Synodalbeschlüssen begründet und dargestellt sei, nicht anzuerkennen vermöge, — wie ich denn das in verschiedenen Schriften weiter ausgeführt, dabei natürlich bereit, Widerlegung aus Gottes Wort anzunehmen, — so hat es damit seine Richtigkeit. In anderer Weise habe ich nicht grundsätzlich ungehorsam sein wollen, glaube es auch nicht gewesen zu sein, obgleich unvermeidlich der Widerstreit in der Lehre mancherlei Conflicte in der Praxis mit sich bringen mußte. Dem ersten und Hauptstück der Kirchenordnung, dem kirchlichen Bekenntniß, glaube ich durch Gottes Gnade durchaus getreu gewesen zu sein.
Nach gründlicher Ueberlegung vor Gott bei mir selbst und mit Gliedern meiner Gemeinde, die sich von mir durch eine Maßregel nicht wollten trennen lassen, deren Wiederabänderung wir, wie ungerechtfertigt der Sache nach wir sie auch hielten, nach allem vorhergegangenen durchaus nicht erwarten konnten, und die mit ihren entscheidenden Folgen sogleich eintrat, habe ich mich andern Tages von der bisherigen kirchlichen Verbindung mit dem Ober-Kirchen-Collegium losgesagt und damit mein Amt an denen meiner bisherigen Gemeindeglieder, welche an dieser Verbindung festhalten wollten, für von selbst erlöschend erklärt. Sieben meiner Kirchenvorsteher und ein nicht unbedeutender Theil meiner bisherigen Gemeinde, dessen Größe ich noch nicht genau übersehen kann, sind an dem nämlichen und in den folgenden Tagen bisher diesem meinem Schritte gefolgt, und haben von mir begehrt, daß ich an ihnen das Predigtamt weiter fortführen soll, was ich denn auch mit der Hülfe des HErrn zu thun gewillt bin. Während Pastor Feldner in der Kirche, hielt ich den Sonntag, den Tag vor Michaelis, und zum zweiten Mal gestern in meiner Wohnung unter zahlreicher Betheiligung Gottesdienst.“
Vorparlament zu Celle. Am 7. October sind auf Baurschmidts Einladung 44 Geistliche zu einer Conferenz zusammengetreten, darunter sich eine ziemliche Zahl Superintendenten und auch einige auswärtige, wie der Sup. Alt aus Hamburg, befand. Baurschmidt selbst wurde als der hannoversche Ronge vom Bahnhofe abgeholt, angesungen und von weißgekleideten Mägdlein bewillkommt, die ihm Blumen streuten, und denen er mit dem Worte begegnete: Lasset die Kindlein zu mir kommen. Allerlei Ehrengeschenke sollten den Tag unvergeßlich machen und seine That krönen. Die Conferenz, mit Gebet eröffnet und mit dem leider zur protestantischen Marseillaise gewordenen Liede: Ein' feste Burg ꝛc., geschlossen, brachte Baurschmidt ihre Huldigung dafür, daß er mit Mannesmuth das harte Eis gebrochen, und berieth ihre Aufgaben, den Katechismus und die Synode betreffend. Sie einigte sich in den Beschlüssen zuerst „die Grundsätze der evangelischen Kirche, wie die Reformatoren dieselbe gestellt haben, gestützt auf das Wort Gottes in der Bibel“ als Richtschnur der Lehre und des Glaubens anzuerkennen. Der oberste dieser Grundsätze, Glaubens- und Gewissensfreiheit, läßt auch nicht einmal das Ansehen der Bibel aufkommen, natürlich konnten die Bekenntnisse gar nicht erwähnt werden. Ferner beschloß man, daß jeder lutherische Geistliche sich in den Willen der Gemeinde fügen müsse, wenn sie den alten Katechismus fordere; für ihn ist also die Glaubens- und Gewissensfreiheit nicht da. Endlich beschloß man auf eine Synode hinzuarbeiten und zu diesem Zwecke eine Art Durlacher Versammlung aus Geistlichen und Laien zu berufen, die denn wohl eine neue Bewegung in Tritt setzen wird. Schenkel war nicht anwesend, und Baurschmidt, welcher der leitende Geist hätte sein sollen, offenbarte dazu keine Gaben. Manche wollten an ihm die Unbedeutendheit bemerken, die schon seiner Flugschrift „Prüfet alles,“ auf der Stirn geschrieben steht. Er wird sehr bald abgenutzt sein. (Dr. Münkels Zeitblatt.)
English translation AI translation
Church and Contemporary History. 31
...church order was cited, without specifying in detail wherein it consisted. If what is meant by this is that I have repeatedly declared that I hold the views underlying the synodical resolutions from the outset — which are, after all, only a part of the church order, and not the foremost part — to be false and unevangelical; that I am nevertheless prepared to conform myself, so far as possible, to the individual resolutions; that in particular I am unable to carry out, in the administration of my office, the Vorsteher-Ordnung [order of elders] and the Kirchenzucht-Ordnung [order of church discipline] as they stand in the synodical resolutions, and am equally unable to recognize the judicial office „of the Church,“ as it is grounded and set forth in the synodical resolutions — as I have indeed further set forth in various writings, being naturally ready to accept refutation from God's Word — then this is correct. In no other way have I wished to be disobedient on principle, nor do I believe I have been, although the conflict in doctrine inevitably had to bring with it various conflicts in practice. To the first and chief article of the church order, the ecclesiastical confession, I believe myself, by God's grace, to have remained altogether faithful.
After thorough deliberation before God, within myself and with members of my congregation — who did not wish to be separated from me by a measure whose reversal, unjust as we held it to be in itself, we could, after all that had gone before, by no means expect, and which took effect at once with its decisive consequences — I renounced, the following day, my hitherto existing ecclesiastical connection with the Ober-Kirchen-Collegium, and thereby declared my office, with respect to those of my former congregation members who wished to hold fast to this connection, to have lapsed of itself. Seven of my church elders, and a not inconsiderable part of my former congregation, the size of which I cannot yet exactly estimate, have on the same day and on the following days thus far followed this step of mine, and have requested of me that I continue to carry on the preaching office among them, which, with the help of the LORD, I am indeed resolved to do. While Pastor Feldner was in the church, I held service on Sunday, the day before Michaelmas, and for the second time yesterday in my dwelling, with numerous attendance.“
Pre-Parliament at Celle. On October 7, at Baurschmidt's invitation, 44 clergymen assembled for a conference, among whom was a fair number of superintendents, and also some from elsewhere, such as Superintendent Alt of Hamburg. Baurschmidt himself was fetched from the railway station like the Hanoverian Ronge, serenaded, and welcomed by maidens dressed in white who strewed flowers before him, and whom he greeted with the words: Suffer the little children to come unto me. All manner of tokens of honor were to make the day unforgettable and crown his deed. The conference, opened with prayer and closed with the hymn that has unfortunately become the Protestant Marseillaise, A Mighty Fortress, etc., paid Baurschmidt its homage for having, with manly courage, broken the hard ice, and deliberated on its business, concerning the catechism and the synod. It agreed in its resolutions, first, to recognize „the principles of the evangelical Church, as the Reformers established it, grounded on the Word of God in the Bible“ as the rule of doctrine and of faith. The foremost of these principles, freedom of faith and conscience, does not even allow the authority of the Bible to arise; naturally the confessions could not be mentioned at all. Further, it was resolved that every Lutheran clergyman must yield to the will of the congregation should it demand the old catechism; for him, then, freedom of faith and conscience does not exist. Finally, it was resolved to work toward a synod, and for this purpose to convene a kind of Durlach assembly of clergy and laity, which will no doubt set a new movement in motion. Schenkel was not present, and Baurschmidt, who should have been the guiding spirit, showed no gifts for it. Many thought they could detect in him the insignificance already written on the brow of his pamphlet „Test Everything.“ He will very soon be worn out. (Dr. Münkel's Zeitblatt.)