Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 250
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1862, Seite 250
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250 Litterarische Intelligenzen.
des persönlichen Beliebens. Das, was allein die Kirche macht, die Lehre,
die Ueberzeugung, der Glaube, das ist der Willkür freigegeben und hat keine
Regel noch Ordnung. Das Kirchenregiment hat sein Möglichstes gethan,
Regel und Ordnung in den hohen Hauptsachen auf die Seite zu schaffen.
Die Landeskirche ohne innere Einheit würde daher einem Haufen abgelager⸗
ter Gerölle aus der Zeitströmung ähnlich sehen, wenn dieser Haufen nicht
cementirt und in einen äußern Verband und Schick gebracht wäre.
Dieser Verband ist die Kirchenordnung. Die Einheit der weimarschen Kirche
ist also die Kirchenordnung. Man wird daher begreifen, welch ein Heilig⸗
thum sie ist, und wie der Kirchenrath, der mit ihr steht und fällt, alles daran⸗
setzen muß, um sie zu vertheidigen. Die Lehre der Kirche darf und soll nur
gelten, insofern sie mit Gottes Wort übereinstimmt. Als aber Vollert bat,
man möge ihm dieselbe Weite und Freiheit bei der Kirchenordnung gestatten,
da sie nur Menschensatzung sei; da fuhr der Kirchenrath zusammen, als sollte
der Hirte geschlagen werden, und die Schafe der Herde sich zerstreuen.
Selbst der Großherzog, der Vollert gern gerettet hätte, sah ein, daß es mit
der Landeskirche aus wäre, wenn man ihr letztes Heiligthum ins persönliche
Belieben stellen wollte.
Wenn denn nun auch Vollert das rechte Maß überschritten hat, so muß
man nicht vergessen, daß die größere Schuld nicht auf seiner Seite, sondern
auf Seiten der weimarschen Landeskirche liegt. Sie ist fürwahr nicht in
einem solchen Zustande der Ordnung und Reinheit, daß Vollert an ihr hätte
lernen und sie achten können. Zustände wie die weimarschen müssen noth⸗
wendig zu Unordnung, Ausschreitung und einseitigen Entwickelungen führen;
und die vornehmste Strafe müßte nicht auf diese, sondern auf die Urheber,
Pfleger und Vertheidiger solcher Zustände fallen.
Vollert hat jedoch mit seiner Absetzung sein Werk nicht aufgegeben.
„Meine nächste Sorge, Arbeit, Gebet ist nun die Constituirung einer freien
lutherischen Gemeinde, welche zunächst aus alle den Christen bestehen wird,
die mich zu ihrem Pfarrer freiwillig erwählt haben,“ schreibt er. Um für
diese Sache in größeren Kreisen zu wirken, giebt er ein „kirchliches Blatt
für evangelische Wahrheit und Freiheit“ heraus unter dem Titel Gideon.
Die Sache scheint nicht von großer Erheblichkeit zu sein. Doch übersehe
man nicht, daß solche Erscheinungen jetzt an mehreren Orten wie die schla⸗
genden Wetter hervorbrechen, welche den Landeskirchen eine starke Erschütte⸗
rung drohen. Im Stillen bereitet sich eine große Scheidung vor, die mit
dem Verfalle der Landeskirchen Schritt hält.
Bei Vandenhoeck und Ruprecht in Göttingen erschien:
C. Schulze, die biblischen Sprichwörter der deutschen Sprache. 1860.
S. 200. 1 Thlr.
Dr. Münkel zeigt diese Schrift in seinem Neuen Zeitblatt vom 6. Juni
mit Folgendem an: Es sind in diesem Werke alle Sprichwörter seit den
ältesten Zeiten gesammelt, so viele aus der heil. Schrift geflossen und nach⸗
weislich ins Leben übergegangen sind. Bald ist das Sprichwort unverändert
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250 Literary Notices.
of personal preference. That which alone makes the Church — doctrine,
conviction, faith — is left free to arbitrariness and has neither rule nor
order. The church government has done its utmost to set rule and order
aside in the weightiest matters. The territorial church, without inner
unity, would therefore resemble a heap of deposited rubble washed together
by the current of the age, were this heap not cemented and brought into an
outward bond and shape. This bond is the church order. The unity of the
Weimar church is thus the church order. One will therefore understand what
a sanctuary it is, and how the church council, which stands and falls with
it, must set everything at stake to defend it. The doctrine of the Church
may and shall count as valid only insofar as it agrees with God's Word. But
when Vollert asked that he be granted the same latitude and freedom
regarding the church order, since it was but a human institution, the
church council recoiled as though the shepherd were to be struck and the
sheep of the flock scattered. Even the Grand Duke, who would gladly have
saved Vollert, recognized that it would be all over with the territorial
church if its last sanctuary were placed at personal discretion.
If, then, Vollert too has overstepped the proper measure, one must not
forget that the greater guilt lies not on his side, but on the side of the
Weimar territorial church. It is truly not in such a state of order and
purity that Vollert could have learned from it and respected it.
Conditions such as those in Weimar must necessarily lead to disorder,
excess, and one-sided developments; and the foremost punishment ought to
fall not upon these, but upon the authors, fosterers, and defenders of such
conditions.
Vollert, however, has not given up his work with his removal from office.
"My next concern, labor, and prayer," he writes, "is now the constituting
of a free Lutheran congregation, which for the present will consist of all
those Christians who have freely chosen me as their pastor." In order to
work for this cause in wider circles, he publishes a "church paper for
evangelical truth and freedom" under the title Gideon. The matter does not
seem to be of great importance. Yet let one not overlook that such
phenomena are now breaking out in several places like thunderstorms
threatening the territorial churches with a severe shaking. In quiet a
great separation is being prepared, which keeps pace with the decline of
the territorial churches.
From Vandenhoeck und Ruprecht in Göttingen has appeared:
C. Schulze, The Biblical Proverbs of the German Language. 1860.
Pp. 200. 1 Thaler.
Dr. Münkel reviews this work in his Neues Zeitblatt of the 6th of June
with the following notice: In this work are gathered all the proverbs,
from the earliest times, that have flowed from Holy Scripture and
demonstrably passed into common life, as many as there are. Sometimes the
proverb is unchanged