Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 10 › Seite 297

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1861, Seite 297

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Predigtamt. 45⁵5⁷

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Bemerkungen über das Amt. 297

Im Gegentheil: gerade wenn wir uns überzeugen, daß hier nur über das
Predigtamt seinem wesentlichen Begriffe nach, also ohne alle Rücksicht auf
irgendwelche besondere Bestimmtheit dieses Begriffs etwas ausgesagt sei,
müssen wir anerkennen, daß damit eben so gut für die gleiche, wie freilich
auch für eine entgegengesetzte Aussage über das Predigtamt in einem beson⸗
deren, engeren Sinn des Worts Raum gelassen sei. Logisch wäre es offen⸗
bar gleich möglich, daß der Verfasser der Augustana an jene Anfangsworte
des Art. V, wenn er sie so verstund, wie wir es eben annahmen, unmittelbar
entweder den Satz angereiht hätte: „und in keinem andern Sinn hat
Gott das Predigtamt eingesetzt,“ oder einen Satz, wie den: „und zugleich
hat Gott auch die Stiftung gemacht, daß nur ordentlich Berufene das Pre⸗
digtamt verwalten sollen,“ womit dann eben eine göttliche Einsetzung des
Predigtamts in einem doppelten, einem unbestimmteren und bestimmteren
Sinne ausgesagt wäre.

Fragen wir uns zunächst: welche verschiedene Bedeutungen kann das
Wort „Predigtamt“ nach dem deutschen Sprachgebrauch, wie wir ihn
uns oben vor Augen stellten, außer jener nächstliegenden überhaupt haben?

Es könnte offenbar 1) einen Auftrag zu predigen, d. h. die Heilsbot⸗
schaft zu verkündigen, als einen solchen bedeuten, der nur einer bestimmten
Person oder einzelnen bestimmten Personen ertheilt wäre, wobei dann auch
wieder die Verschiedenheit möglich wäre, daß dieser Auftrag nur für einmal,
für mehrere einzelne Fälle, oder allgemein, für immer ertheilt wäre. Es
könnte dann 2) einen Auftrag zu predigen bedeuten, welcher die bestimmten
Personen ausschließlich bände, aber nicht ausschließlich ermächtigte, zu pre⸗
digen; aber 3) auch einen Auftrag, der sie ebenso ausschließlich ermächtigte,
wie bände, des Predigens zu warten. Bei 2) und 3) wäre aber wieder zu⸗
gleich eine erhebliche Verschiedenheit des Sinnes möglich, in welchem das
Wort „predigen“ genommen würde, im Sinn des Predigens überhaupt oder
einer bestimmten Art des Predigens, z. B. des öffentlichen Predigens. Fer⸗
ner kann 4) Predigtamt einen Auftrag zu predigen bedeuten, der von Hand
zu Hand gehen soll, so daß er zum Voraus für alle künftigen Zeiten denje⸗
nigen ertheilt ist, bei welchen bestimmte thatsächliche Bedingungen eintreten
werden, vermöge deren er sich dann auf sie gerade bezieht, wobei hernach na⸗
türlich an sich wieder sehr verschiedene Bestimmungen dieser thatsächlichen
Bedingungen denkbar wären. Endlich 5) könnte Predigtamt auch eine
Rechtsanstalt, eine rechtliche Ordnung bedeuten, wornach eine aus⸗
schließliche rechtliche Verpflichtung zu predigen (mit oder ohne aus⸗
schließliche Berechtigung dazu) fortwährend den dazu in bestimmter
Ordnung Berufenen zukäme; wobei dann ebenfalls wieder sehr verschiedene
Bestimmungen dieser Berufsordnung sich denken ließen.

So ist es uns nun noch näher gerückt, wie leicht es möglich ist, daß Ver⸗
schiedene gleichmäßig die göttliche Einsetzung des Predigtamtes behaupten
oder leugnen, dabei aber gänzlich Verschiedenes meinen, und zwar ohne daß
ihnen deshalb ein willkürlicher Sprachgebrauch vorgeworfen werden kann.

English translation AI translation

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Remarks on the Office. 297

On the contrary: precisely when we convince ourselves that here
something is stated only about the preaching office according to its
essential concept, that is, without any regard to any particular
determination of this concept, we must acknowledge that thereby room is
left just as much for the same, as, indeed, also for an opposite statement
about the preaching office in a particular, narrower sense of the word.
Logically it would evidently be equally possible that the author of the
Augustana, if he understood those opening words of Art. V as we have
just assumed, had immediately appended either the sentence: "and in no
other sense has God instituted the preaching office," or a sentence such as:
"and at the same time God has also made the institution that only those
duly called shall administer the preaching office" — by which then
precisely a divine institution of the preaching office would be stated in a
double sense, one less determinate and one more determinate.

Let us ask first: what different meanings can the word "preaching
office," according to German usage as we set it before our eyes above,
have at all, beyond that nearest one?

It could evidently, first, mean a commission to preach, that is, to
proclaim the message of salvation, as one given only to a specific person or
to individual specific persons, whereby again the further variation would
be possible that this commission was given only for once, for several
individual cases, or generally, for all time. It could then, second, mean a
commission to preach which exclusively bound the specific persons but did
not exclusively authorize them to preach; but, third, also a commission
that authorized them exclusively, just as much as it bound them, to attend
to preaching. In the case of the second and third, however, there could
again at the same time be a considerable difference of the sense in which
the word "to preach" was taken — in the sense of preaching in general, or
of a particular kind of preaching, for example, public preaching. Further,
fourth, "preaching office" can mean a commission to preach that is meant
to pass from hand to hand, so that it is given in advance, for all future
times, to those in whom certain factual conditions will occur, by virtue of
which it then applies precisely to them — whereby afterward, of course,
very different determinations of these factual conditions would again be
conceivable in themselves. Finally, fifth, "preaching office" could also
mean a legal institution, a legal order, according to which an exclusive
legal obligation to preach (with or without an exclusive entitlement
thereto) would continually belong to those called to it in a definite order;
whereby, again, very different determinations of this order of calling could
likewise be conceived.

So it has now been brought still closer to us how easily it is possible
that different people equally assert or deny the divine institution of the
preaching office, while meaning something entirely different by it, and
that without their being chargeable, on that account, with an arbitrary
use of language.