Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 7 › Seite 212
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1861, Seite 212
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Predigtamt. 45⁵5⁷ · Rechtfertigung
212 Die deutschen Lutheraner in America ꝛc.
beiden genannten Missionare etwas von Christi Versöhnungstode zu hören
erwartet hatten, nicht davon geredet hat.
Wäre die Schrift des Herrn Lehrers Schütze anders geartet, so würde
ich nicht Anstand nehmen, im Einzelnen unbegründeten Anklagen gegenüber
als Entlastungszeuge aufzutreten. Bei dem Eindrucke, den die Anklageschrift
auf jeden unbefangenen Christenmenschen machen muß, unterlasse ich billig
jede weitere Vertheidigung der angegriffenen Männer. Zur Kennzeichnung
der Geschichtlichkeit, womit der Herr Ankläger seine Beweise aufbringt, will
ich nur ein Beispiel anführen. Als Beweis dafür, daß Dr. Graul's Herz
„„die Liebe Jesu so wenig kenne, wie der Nordpol die Wärme,““ wird an⸗
gegeben, daß derselbe für eine Missionsstunde, die er in Dresden oder ander⸗
wärts hält, 10 Thaler Vergütung verlange. Das klingt, als ob Dr. Graul
für sein Halten von Missionsstunden sich baar bezahlen ließe. Selbstver⸗
ständlich kann nur von Reisekosten die Rede sein. Die Worte „„oder ander⸗
wärts““ brechen entweder der Anklage den Stachel ab (wenn die Reiseziele
über Dresden hinaus angenommen sind), oder sie enthalten eine Insinuation,
für deren Bezeichnung mir der Ausdruck fehlt. Was Dresden betrifft, so
liegt mir von der Hand des Cassirers des Sächsischen Hauptmissionsvereins
folgender Rechnungsauszug vom 14. März 1861 vor:
Wegen Abhaltung der Missionsstunde sind aus der Casse des Sächs.
Hauptmissionsvereins verabreicht worden, als:
den 21. December 1854 für Reisekosten an Herrn Dr. Besser 5 Thlr.
„ 11. April 1855 „ „ „ denselben 5 „
„ 7. Januar 1856 „ „ „ Herrn Dr. Graul 5 „
„ 8. Juli 1855 „ „ „ „ Miss. Ochs 10 „
„ 5. Februar 1858 „ „ „ „ „ Cordes 10 „
Weder dem Miss. Cordes noch dem Miss. Ochs will ich einen Vorwurf
daraus machen, wenn sie — etwa bei mehrtägigem Aufenthalte in Dresden
im Gasthofe — 10 Thlr. liquidirt haben. Merkwürdig ist's aber, daß diese
10 Thlr. auf Dr. Graul's Rechnung übertragen worden sind.
„„Recht muß doch Recht bleiben, und dem werden alle frommen Herzen
zufallen.““
Die deutschen Lutheraner in America
in den Zeiten der americanischen Freiheitskriege.
Namentlich in jetziger Zeit dürfte es von hohem Interesse sein, sich die
Situation zu vergegenwärtigen, in welcher sich die deutschen Lutheraner im
letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts in Nordamerica befanden, die Ge⸗
danken und Anschauungen kennen zu lernen, welche damals in ihren Seelen
lebten, und von dem Verhalten etwas zu erfahren, welches sie dabei einschlu⸗
gen. Einiges hieher Gehörige finden wir in folgender Schrift: „Nachrichten
von den vereinigten deutschen ev.⸗luth. Gemeinen in Nord⸗America, abson⸗
English translation AI translation
212 The German Lutherans in America, etc.
two missionaries named had expected to hear something of Christ's atoning
death, he did not speak of it.
Were the writing of Mr. Schütze, teacher, of another character, I should not
hesitate to appear as a witness for the defense against unfounded accusations
in particular cases. Given the impression which the indictment must make upon
every unprejudiced Christian, I fairly refrain from any further defense of
the men attacked. To characterize the historical accuracy with which the
accuser produces his proofs, I will adduce only one example. As proof that
Dr. Graul's heart "knows as little of the love of Jesus as the North Pole
knows of warmth," it is stated that for a mission hour which he holds in
Dresden or elsewhere he demands 10 thalers' compensation. That sounds as
though Dr. Graul had himself paid in cash for holding mission hours.
Self-evidently only travel expenses can be meant. The words "or elsewhere"
either take the sting out of the accusation (if destinations beyond Dresden
are assumed), or they contain an insinuation for which I lack a name. As far
as Dresden is concerned, I have before me the following account extract of
March 14, 1861, from the hand of the treasurer of the Saxon Chief Mission
Society:
For the holding of the mission hour there have been disbursed from the
treasury of the Saxon Chief Mission Society, namely:
Dec. 21, 1854, for travel expenses, to Dr. Besser . . . 5 Thlr.
Apr. 11, 1855, " " " to the same . . . 5 "
Jan. 7, 1856, " " " to Dr. Graul . . . 5 "
July 8, 1855, " " " to Missionary Ochs . . . 10 "
Feb. 5, 1858, " " " to Missionary Cordes . . . 10 "
I will make it no reproach either to Missionary Cordes or to Missionary Ochs
if they — in the case, say, of a stay of several days at an inn in Dresden —
charged 10 Thlr. It is remarkable, however, that these 10 Thlr. have been
transferred to Dr. Graul's account.
"'Right must yet remain right, and to it all upright hearts will fall.'"
The German Lutherans in America
in the Times of the American Wars of Independence.
Especially at the present time it should be of high interest to call to mind
the situation in which the German Lutherans in North America found themselves
in the last quarter of the previous century, to become acquainted with the
thoughts and views which then lived in their souls, and to learn something of
the conduct they adopted in that situation. Some material belonging here we
find in the following work: "Reports of the United German Ev.-Luth.
Congregations in North America, particularly