Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 3 › Seite 81
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1861, Seite 81
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung
Referat über die Predigt der rechten Lehre von der Rechtfertigung. 81
schon gerechtfertigt worden und also alle Menschen in ihm, so könnte der Glaube nicht rechtfertigen, denn der Glaube ist eine Hand, die nicht giebt, sondern das bereits Vorhandene nimmt. Aber darum ist eben die Gottesthat der Rechtfertigung Adams und aller seiner Kinder in das Wort gefaßt und sie wird durch die Predigt des Evangelii, wenn es einem größern oder kleineren Haufen sündiger Menschen verkündigt wird, zugleich Allen von Seiten Gottes ausgetheilt, damit ein jeder arme Sünder in fröhlicher Zuversicht des Herzens sie hinnehme, das ist: glaube. Denn das gepredigte Evangelium ist nicht eine nackte Verkündigung, daß da oder dort der Schatz, das ist die Rechtfertigung oder Vergebung der Sünden, zu haben und zu finden sei, sondern es ist eben zugleich die Austheilung des Schatzes selber; und es soll auch den gröbsten und gräulichsten Sündern — möchten sie darnach dieser tröstlichen Lehre zu um so frecherer Zügellosigkeit des Fleisches noch so schändlich mißbrauchen — nicht verhalten werden, daß auch sie wirklich und wahrhaft von Christo erlöst und Gott ihnen versöhnt sei und daß auch sie in seinem Gerichte von Gottes Seiten in Christi Person gerechtfertigt seien. Grade deßhalb aber — so lautet das Zeugniß an sie weiter — sei ihr Unglaube, nach Anhörung solcher Lossprechung und Befreiung aus dem Schuldthurm des Gesetzes und des bösen Gewissens, die Sünde aller Sünden, weil sie dadurch den barmherzigen und wahrhaftigen Gott zum Lügner machten, den gnädigen Rath Gottes gegen sich verachteten, den auch ihnen ausgetheilten Schatz gleichsam mit geballter Faust von sich stießen und sich nicht werth achteten des ewigen Lebens.
Summa, wenn also jene pietistischen Werkler von der feinen Sorte sagen und lehren: Ihr seid erlöst, wenn und weil ihr glaubet, so verwechseln sie nicht nur in großer Unklarheit des Verstandes die Aneignung des Heils mit der Erwerbung desselben — denn zu jener gehört ja freilich der Glaube, zu dieser aber nicht — sondern sie setzen, werkerischer Weise, den Glauben als eine mitwirkende Kraft, die Erlösung in den Einzelnen erst zu Stande zu bringen; ja sie gehen noch weiter und kommen endlich dahin, zu sagen und zu setzen, daß es außerhalb des Menschen gar keine Erlösung gäbe und stellen in ihren Predigten und Büchern die Sache also dar, als ob diese Erlösung aller Sünder keine durch Christum bereits geschichtlich vollbrachte göttliche Thatsache sei, wie es doch gewißlich der Fall ist, auch wenn kein Mensch glaubte, d. i. sie für göttlich gewiß hielte und sie heilsam sich aneignete.
Dieses pietistischen, unevangelischen d. i. unlutherischen Unraths ist aber, wie gesagt, unser ganzes heutiges Christen⸗ und Kirchenthum voll; und diese Predigtweise scheint leider auch von den meisten christgläubigen lutherischen Predigern fleißig getrieben zu werden.
Dadurch wird aber der Bibelchristus in einen Gefühlschristus verwandelt, und das thatsächlich außerhalb des Menschen vollkommen vollbrachte Erlösungswerk Christi zu einem innerlichen Vorgang und zu einem in jedem Einzelnen sich stetiglich erneuernden Glaubenswerk gemacht. Demgemäß wird dann auch aus dem Bibelglauben unserer Väter ein bloßer Gefühls⸗
English translation AI translation
Report on the Preaching of the Correct Doctrine of Justification. 81
already been justified, and thus all people in him, then faith could not justify, for faith is a hand that does not give, but takes what is already present. But that is precisely why the divine act of the justification of Adam and all his children is put into the Word, and it is, through the preaching of the Gospel — whenever it is proclaimed to a larger or smaller crowd of sinful people — distributed by God to all of them at once, so that every poor sinner may, with joyful confidence of heart, receive it, that is: believe. For the preached Gospel is not a bare announcement that the treasure — that is, justification, or the forgiveness of sins — is to be had and found here or there, but it is, at the very same time, the distribution of the treasure itself; and it must not be withheld even from the coarsest and most abominable sinners — even should they afterward, out of this comforting doctrine, abuse it ever so shamefully for all the more brazen licentiousness of the flesh — that they too have truly and actually been redeemed by Christ, that God is reconciled to them, and that they too, in his judgment, have on God's part been justified in Christ's person. Precisely for this reason, however — so the testimony continues to them — their unbelief, after hearing such an absolution and release from the debtors' prison of the Law and of the evil conscience, is the sin of all sins, because by it they make the merciful and truthful God a liar, despise God's gracious counsel toward them, thrust away from themselves, as it were with clenched fist, the very treasure distributed to them as well, and count themselves unworthy of eternal life.
In sum, when those Pietist work-righteous of the subtler sort say and teach: You are redeemed when and because you believe — they not only confuse, in a great obscurity of understanding, the appropriation of salvation with its acquisition (for faith does indeed belong to the former, but not to the latter), but, in a work-righteous manner, they make faith a cooperating power that first brings about redemption in the individual; indeed, they go further still and finally come to say and maintain that outside of man there is no redemption at all, and in their sermons and books they present the matter as though this redemption of all sinners were not a divine fact already historically accomplished by Christ — which, however, it certainly is, even if no one believed it, that is, held it to be divinely certain and appropriated it savingly to himself.
But our whole present-day Christendom and church life is, as has been said, full of this Pietist, unevangelical — that is, unlutheran — rubbish; and this manner of preaching seems, unfortunately, to be diligently practiced also by most Lutheran preachers who are themselves believing Christians.
By this means, however, the Christ of the Bible is transformed into a Christ of feeling, and the redemptive work of Christ, actually accomplished once for all outside of man, is turned into an inward process and into a work of faith continually renewing itself in each individual. Accordingly, out of the Bible-faith of our fathers there also arises a mere feeling-