# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S81 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die Predigt der rechten Lehre von der Rechtfertigung. 81 schon gerechtfertigt worden und also alle Menschen in ihm, so könnte der Glaube nicht rechtfertigen, denn der Glaube ist eine Hand, die nicht giebt, sondern das bereits Vorhandene nimmt. Aber darum ist eben die Gottesthat der Rechtfertigung Adams und aller seiner Kinder in das Wort gefaßt und sie wird durch die Predigt des Evangelii, wenn es einem größern oder kleineren Haufen sündiger Menschen verkündigt wird, zugleich Allen von Seiten Gottes ausgetheilt, damit ein jeder arme Sünder in fröhlicher Zuversicht des Herzens sie hinnehme, das ist: glaube. Denn das gepredigte Evangelium ist nicht eine nackte Verkündigung, daß da oder dort der Schatz, das ist die Rechtfertigung oder Vergebung der Sünden, zu haben und zu finden sei, sondern es ist eben zugleich die Austheilung des Schatzes selber; und es soll auch den gröbsten und gräulichsten Sündern — möchten sie darnach dieser tröstlichen Lehre zu um so frecherer Zügellosigkeit des Fleisches noch so schändlich mißbrauchen — nicht verhalten werden, daß auch sie wirklich und wahrhaft von Christo erlöst und Gott ihnen versöhnt sei und daß auch sie in seinem Gerichte von Gottes Seiten in Christi Person gerechtfertigt seien. Grade deßhalb aber — so lautet das Zeugniß an sie weiter — sei ihr Unglaube, nach Anhörung solcher Lossprechung und Befreiung aus dem Schuldthurm des Gesetzes und des bösen Gewissens, die Sünde aller Sünden, weil sie dadurch den barmherzigen und wahrhaftigen Gott zum Lügner machten, den gnädigen Rath Gottes gegen sich verachteten, den auch ihnen ausgetheilten Schatz gleichsam mit geballter Faust von sich stießen und sich nicht werth achteten des ewigen Lebens. Summa, wenn also jene pietistischen Werkler von der feinen Sorte sagen und lehren: Ihr seid erlöst, wenn und weil ihr glaubet, so verwechseln sie nicht nur in großer Unklarheit des Verstandes die Aneignung des Heils mit der Erwerbung desselben — denn zu jener gehört ja freilich der Glaube, zu dieser aber nicht — sondern sie setzen, werkerischer Weise, den Glauben als eine mitwirkende Kraft, die Erlösung in den Einzelnen erst zu Stande zu bringen; ja sie gehen noch weiter und kommen endlich dahin, zu sagen und zu setzen, daß es außerhalb des Menschen gar keine Erlösung gäbe und stellen in ihren Predigten und Büchern die Sache also dar, als ob diese Erlösung aller Sünder keine durch Christum bereits geschichtlich vollbrachte göttliche Thatsache sei, wie es doch gewißlich der Fall ist, auch wenn kein Mensch glaubte, d. i. sie für göttlich gewiß hielte und sie heilsam sich aneignete. Dieses pietistischen, unevangelischen d. i. unlutherischen Unraths ist aber, wie gesagt, unser ganzes heutiges Christen⸗ und Kirchenthum voll; und diese Predigtweise scheint leider auch von den meisten christgläubigen lutherischen Predigern fleißig getrieben zu werden. Dadurch wird aber der Bibelchristus in einen Gefühlschristus verwandelt, und das thatsächlich außerhalb des Menschen vollkommen vollbrachte Erlösungswerk Christi zu einem innerlichen Vorgang und zu einem in jedem Einzelnen sich stetiglich erneuernden Glaubenswerk gemacht. Demgemäß wird dann auch aus dem Bibelglauben unserer Väter ein bloßer Gefühls⸗