Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 3 › Seite 76

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1861, Seite 76

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung

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76 Referat über die Predigt der rechten Lehre von der Rechtfertigung.

Zum Ersten nämlich geschieht dies darin, wenn gelehrt wird, daß ein bestimmter, bald so, bald anders bezeichneter Grad der Reue und Zerknirschung des Herzens müsse vorhanden sein, ehe ein Mensch an Christum wahrhaft glauben könne. Es ist dies die alte und neue Gefühlstreiberei der alten und neuen Pietisten, dadurch gerade die bereits durch das Amt des Gesetzes erschrockenen und zarten Gewissen aufgehalten werden, alsbald zu ihrem Heilande sich herzuzumachen und im Glauben des Evangelii seines Verdienstes sich zu getrösten. Das ist ja freilich wahr: wer muthwillens, nach wie vor, im alten beliebten und gewohnten Sündendienst, sei dieser vor Menschen mehr offenbar oder verborgen, fortfährt, ohne vor Gottes Zorn und Gericht zu erschrecken und im Gewissen den Fluch des Gesetzes zu fühlen, der steht in keiner wahren Reue, auch wenn er sie vorgäbe. Desgleichen ist dies keine rechtschaffene Reue und Leid, wenn der Sünder unter der strafenden Hand Gottes nur der Strafe, aber nicht der Schuld der Sünde los sein will, dagegen der wahrhaft bußfertige Sünder nur nach Erlösung dieser Schuld trachtet, die gerechte Strafe Gottes aber gerne so lange leidet, als es Gott gefällt, sie ihm etwa als väterliche Züchtigung aufzulegen. Das ist aber falsch von der Buße gelehrt und ist zugleich eine mittelbare Beschädigung der Lehre von der Rechtfertigung, wenn den armen Sündern gesagt wird, sie könnten nicht an Christum wahrhaft glauben, bevor sie nicht so und so tief und so und so lange den Sündenschmerz gefühlt und mit steigendem Erfolg wider die Sünde angekämpft und sie immer mehr überwunden hätten. Was nämlich die erste irrige Behauptung anlangt, so stammt sie aus einem dummklugen vermessenen Meistern der Wege und Führungen Gottes mit den einzelnen Seelen, darin er seine heimliche Weisheit und Regiment hat und will nicht überklügelt sein von den hoffärtigen Frommen und Weisen. Denn wiewohl es wahr ist, daß er einen Menschen viel mächtiger und länger die Schrecknisse und den fressenden Feuereifer seines Gesetzes erfahren läßt, als den andern, so kann die Reue und das Leid dieses letztern über seine Sünde doch eben so wahr und aufrichtig sein, als die des erstern; und das Verlangen nach Gnade aus der Kunde des Evangelii kann in beiden gleich stark sein. Da wäre es nun eben so ungerecht, als unweise gehandelt, wenn man auf gut pietistisch fortführe, den letzteren mit dem Gesetz zu bearbeiten, um die gleichen Zeichen der Buße und Zerknirschung wie bei dem erstern zu sehen und ihm bis dahin den Schatz des tröstlichen Evangelii verschlösse.

In Hinsicht aber auf die andere irrige Behauptung, so ist in ihr vor dem Menschen etwas vor dem rechtfertigenden Glauben gefordert, was erst nach demselben, als seine Frucht, erfolgen kann; denn das Gesetz giebt keine Kraft zum siegreichen Kampfe wider die Sünde. Es kann wohl durch seine Drohungen und Flüche und durch seine dadurch erregte knechtische Furcht vor zeitlicher Strafe vor dem Tode und vor Gottes Zorn und Gericht, als Riegel die groben Ausbrüche der Sünde zurück halten, aber die Herrschaft der bösen Lust bleibt nach wie vor, ja durch die Schranke des Verbots wird sie innerlich um so heftiger und mächtiger und die innerliche Einwilligung in die Reizun⸗

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76 Report on the Preaching of the Correct Doctrine of Justification.

In the first place, namely, this happens when it is taught that a definite degree of contrition and remorse of heart, described now one way, now another, must be present before a person can truly believe in Christ. This is the old and new emotion-mongering of the old and new Pietists, whereby precisely those tender consciences already terrified by the office of the Law are held back from at once betaking themselves to their Savior and comforting themselves, in faith in the Gospel, with his merit. This, indeed, is certainly true: whoever willfully continues, as before, in an old, beloved, and accustomed service of sin — whether this be more open or more hidden before men — without being terrified before God's wrath and judgment and without feeling in his conscience the curse of the Law, stands in no true repentance, even if he were to profess it. Likewise it is no honest repentance and sorrow when the sinner, under God's chastising hand, wishes to be rid only of the punishment but not of the guilt of sin, whereas the truly penitent sinner seeks only the removal of this guilt, while gladly enduring God's just punishment for as long as it pleases God to impose it upon him as fatherly discipline. It is, however, falsely taught concerning repentance, and is at the same time an indirect corruption of the doctrine of justification, when poor sinners are told that they cannot truly believe in Christ until they have felt the pain of sin so and so deeply and so and so long, and have fought against sin with increasing success and overcome it more and more. As for the first erroneous assertion, it stems from a foolishly clever, presumptuous mastering-over of the ways and leadings of God with individual souls, wherein he has his own secret wisdom and governance, and does not wish to be outwitted by the haughty pious and wise. For although it is true that he lets one person experience the terrors and the consuming fiery zeal of his Law much more powerfully and for a longer time than another, the repentance and sorrow for sin of this latter person can nevertheless be just as true and sincere as that of the former; and the longing for grace arising from the message of the Gospel can be equally strong in both. It would therefore be just as unjust as unwise to proceed, in good Pietist fashion, to work upon the latter with the Law in order to see in him the same signs of repentance and contrition as in the former, and until then to keep closed to him the treasure of the comforting Gospel.

With regard, however, to the other erroneous assertion, something is required of a person before justifying faith which can only follow after it, as its fruit; for the Law gives no power for the victorious struggle against sin. It can, indeed, through its threats and curses, and through the servile fear it thereby arouses of temporal punishment, of death, and of God's wrath and judgment, hold back, as a bolt, the gross outbreaks of sin; but the dominion of evil desire remains as before — indeed, through the barrier of the prohibition it becomes only the more violent and powerful within, and the inner consent to the entice-