Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 12 › Seite 374
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — December 1857, Seite 374
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374 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek.
das der beständige Text der theatralischen Gedichte. Die Wettkämpfe im Circus waren nicht mehr auf gute körperliche Uebungen berechnet, sondern nur auf Stillung der Eitelkeit und auf seelenloses Gaffen. Und die grausame Schlächterei der Fechterspiele mußte das Gemüth gegen alle christlichen Eindrücke abstumpfen. Augustins ernsterer Sinn bewahrte ihn vor der Neigung zu diesen verführerischen Ergötzungen, und Nebridius war ihm hierin wohl ähnlich. Auch die Mutter war dem Sohne, der nun in Mailand einen bleibenden Aufenthalt zu finden schien, aus Afrika nachgezogen. Hier fand er endlich den Mann, der ihn dem Herrn gewinnen sollte. Ambrosius war vor neun Jahren aus einem der ersten Staatsmänner Bischof von Mailand geworden, hatte die mächtigen Secten mit der Macht des göttlichen Wortes und mit der Umsicht seiner Amtsführung überwunden, und war der Gegenstand der tiefsten Liebe seiner Gemeinde. Er nahm den Ankömmling freundlich auf, freute sich besonders seiner frommen Mutter und gewann Augustins Aufmerksamkeit und Achtung mit seinen Predigten. Dieser trennte sich nun, nach dreizehnjährigem Umgange, von der Genossin seiner Sünde und verlobte sich zur Freude der Mutter, die ihn durch den Ehestand dem Herrn zu gewinnen hoffte. (Sechstes Buch.)“
„Noch sollte er einen Umweg zur Wahrheit einschlagen; er gerieth auf neuplatonische Schriften, die ihm viel von einem ewigen Gotteswort, aber nichts von einem Erlöser der Menschen sprachen, und ihm nicht genügten. Auch von seiner Neigung zur Sterndeuterei wurde er jetzt gründlich geheilt. Die Predigten des Ambrosius rissen einen Zweifel nach dem andern ein, und endlich wurde er fähig, die Bibel gläubig zu lesen, wo besonders des Paulus Briefe ihm zur Klarheit halfen. Der Herr gefiel ihm, nicht aber die demüthige, reine Nachfolge auf seinem Wege; und von Neuem wurde er wieder von der gewöhnten Sinnenlust gebunden. (Siebentes Buch.)“
„Seine Unruhe nahm zu, er sehnte sich nach Freiheit, denn er hatte das Verderbliche seiner früheren Wege zu tief erkannt, er hatte ihre Häßlichkeit im Lichte des Glaubens gesehen, nur fehlte ihm die Kraft, sie zu verlassen. Der vielbeschäftigte Ambrosius war für ihn nicht zu sprechen, wie er es, um sein bedrängtes Herz auszuschütten, bedurft hätte; daher wandte er sich an den alten Presbyter Simplicianus, der seit dem Jahre 374 in Mailand lebte, wohin ihn der Bischof von Rom an Ambrosius auf seine Bitten entlassen hatte, um den neuen Hirten mit seiner erprobten Erfahrung zu unterstützen. Simplicianus traf vorzüglich seines jungen Verehrers Herz mit der Erzählung von der Bekehrung des berühmten römischen Redners Victorinus, seines Freundes, den er unserem Augustin zur Nachahmung aufstellte. Sein Sehnen wuchs, aber noch hielten ihn Zweifel, Hang der Welt und das Gefühl seiner Unwürdigkeit vor Gott. Ein anderer Freund, Pontitian, führte ihn um eine Stufe näher. Er erzählte ihm und seinen Freunden von Menschen, die oft durch eine einzige Stunde der Rührung gewonnen, der Welt sich entschlugen und sich ganz dem Herrn ergaben. Wir dürfen uns nicht wundern, daß solche
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374 The Lutheran-Theological Pastor's Library.
this was the constant theme of the theatrical poems. The contests in the circus were no longer designed for good bodily exercise, but only to satisfy vanity and for soulless gaping. And the cruel butchery of the gladiatorial games could not but blunt the mind against all Christian impressions. Augustine's more serious disposition preserved him from an inclination toward these seductive entertainments, and Nebridius was much like him in this. The mother too had followed her son from Africa, since he now seemed to have found a lasting residence in Milan. Here he at last found the man who was to win him for the Lord. Nine years earlier Ambrose had become bishop of Milan out of the first rank of statesmen; he had overcome the powerful sects by the power of the divine Word and by the prudence of his administration, and was the object of the deepest love of his congregation. He received the newcomer kindly, rejoiced especially over his pious mother, and won Augustine's attention and respect by his sermons. Augustine now separated himself, after a thirteen-year association, from the partner of his sin and became engaged, to the joy of his mother, who hoped to win him for the Lord through the married estate. (Sixth book.)“
„He was still to take a detour on the way to truth; he came upon Neoplatonic writings, which spoke to him much of an eternal Word of God, but nothing of a Redeemer of men, and did not satisfy him. Of his inclination to astrology too he was now thoroughly cured. The sermons of Ambrose broke down one doubt after another, and at last he became able to read the Bible believingly, where especially the letters of Paul helped him to clarity. The Lord pleased him, but not the humble, pure following in His way; and anew he was again bound by his accustomed sensual pleasure. (Seventh book.)“
„His unrest increased; he longed for freedom, for he had recognized too deeply the ruinous character of his earlier ways, he had seen their ugliness in the light of faith; only the strength to forsake them was lacking to him. The much-occupied Ambrose was not to be spoken with as he would have needed in order to pour out his troubled heart; therefore he turned to the old presbyter Simplicianus, who since the year 374 had been living in Milan, whither the bishop of Rome had released him to Ambrose at the latter's request, in order to support the new shepherd with his tried experience. Simplicianus struck his young admirer's heart above all with the account of the conversion of the famous Roman orator Victorinus, his friend, whom he held up to our Augustine for imitation. His longing grew, but doubt, the pull of the world, and the sense of his unworthiness before God still held him back. Another friend, Pontitianus, brought him a step nearer. He told him and his friends of people who, often won by a single hour of emotion, renounced the world and gave themselves wholly to the Lord. We need not wonder that such