Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 11 › Seite 349
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — November 1857, Seite 349
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Die kirchlichen Bewegungen in Bayern. 349
seinen Erlassen ausgesprochenes Prinzip später wieder aufgegeben oder verleugnet habe, wird kein wahrheitsliebender Beurtheiler behaupten wollen. Gott gebe unsern Gemeinden in reichem Maße den Geist der Buße, des Glaubens, der Heiligung und der Zucht, so wird sich das, was man Kirchenzucht nennt, von selbst machen; so lange den Gemeinden das Bewußtsein fehlt, daß sie das heilige Volk, das auserwählte Geschlecht seien, bestimmt und verpflichtet, die Tugenden dessen zu verkünden, der sie berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte: so lange wird an die Festsetzung und Durchführung allgemein bindender Normen in Bezug auf Kirchenzucht schwerlich gegangen werden können.
Es ist noch in einem Puncte der Folgen der Bewegung Erwähnung zu thun, nämlich hinsichtlich des Gesangbuchs. Zwar bildete das neue Gesangbuch keinen eigentlichen Beschwerdepunct in der Nürnberger Adresse; es war darinnen desselben nur nebenbei mißfällig wegen seiner „veralteten Sprache“ gedacht, kein förmlicher Antrag hinsichtlich desselben gestellt worden. Gleichwohl glaubten die Kirchenvorstände in dem ersten Eifer ihres Wirkens und in der anfänglichen Meinung vieler derselben, daß die von ihnen gefaßten Beschlüsse Gesetze seien, auch diesem Gegenstande ihre oppositionelle Thätigkeit zuwenden zu müssen. Die Sache wurde in den Kirchenvorstands⸗Versammlungen zur Sprache gebracht und Anträge gestellt. Aber die Beschlüsse fielen sehr mannigfaltig aus. In mehreren Sprengeln der Stadt und der Vorstädte zwar wurde geradezu die Abschaffung des neuen und Wiedereinführung des alten Gesangbuchs beschlossen. In andern dagegen wollte man sich mit einem Anhange begnügen, der vorzugsweise neuere Lieder enthalten solle. Wieder in einem andern Sprengel hatte man seine Ansprüche noch weiter herabgestimmt und mit geringer Mehrheit die Bitte an das Oberconsistorium gerichtet, eine Commission zu ernennen, die über die erhobenen Bedenken ihr Gutachten abgeben solle. Das Oberconsistorium beschied durch Entschließung vom 30. April d. J. alle diese Anträge abschlägig. Der Bescheid wurde den Kirchenvorständen natürlich eröffnet und hat bis jetzt keine weitern Schritte derselben zur Folge gehabt. Ein ähnliches Schicksal hatte der Antrag der Nürnberger Schulcommission, einer aus Mitgliedern des Magistrats und aus den geistlichen Schulinspectoren zusammengesetzten Localbehörde für die Schulen der Stadt und Vorstädte. Von dieser war die vom Oberconsistorium getroffene Auswahl der in den Werktagsschulen zu lernenden Gesangbuchslieder beanstandet und gewünscht worden, daß an die Stelle von 16 bezeichneten Liedern andere, meist Gellert'sche, gesetzt werden sollten. Auch dieser Antrag erhielt vom Oberconsistorium einen abschlägigen Bescheid, der belehrend auf die Sache eingeht, aber zugleich sehr bestimmt gehalten ist. Ob die Schulcommission sich dabei beruhigen, oder vielleicht noch weiter gehende Anträge stellen wird, läßt sich zur Zeit nicht sagen. Wohl aber ist wahrgenommen worden, daß manche Kirchenvorstände seit dem Einlaufen dieser und noch einiger an⸗
English translation AI translation
The Ecclesiastical Movements in Bavaria. 349
expressed in its decrees, and later abandoned or denied it again — this no truth-loving judge will wish to maintain. May God give our congregations in rich measure the spirit of repentance, of faith, of sanctification, and of discipline, and then what is called church discipline will come of itself; so long as the congregations lack the consciousness that they are the holy people, the chosen generation, appointed and obliged to proclaim the virtues of Him who has called them from darkness to His marvelous light, so long will it hardly be possible to proceed to the establishment and execution of generally binding norms with respect to church discipline.
Mention must still be made of one point among the consequences of the movement, namely with regard to the hymnal. The new hymnal did not indeed form a proper point of complaint in the Nuremberg address; it was there mentioned only incidentally and with displeasure on account of its "antiquated language," and no formal motion was made concerning it. Nevertheless the church boards believed, in the first zeal of their activity and in the initial opinion of many of them that the resolutions they passed were laws, that they must turn their oppositional activity to this subject as well. The matter was brought up in the assemblies of the church boards and motions were made. But the resolutions turned out very various. In several parish districts of the city and the suburbs, indeed, the abolition of the new hymnal and the reintroduction of the old one were resolved outright. In others, on the contrary, people wished to content themselves with an appendix which was to contain chiefly more recent hymns. In yet another parish district they had toned down their claims still further and had, by a small majority, addressed to the Upper Consistory the request that it appoint a commission which should give its opinion on the misgivings that had been raised. The Upper Consistory, by a resolution of April 30 of this year, refused all these motions. The decision was of course communicated to the church boards and has thus far had no further steps on their part as its consequence. A similar fate befell the motion of the Nuremberg school commission, a local authority for the schools of the city and suburbs composed of members of the magistracy and of the clerical school inspectors. By it the selection, made by the Upper Consistory, of the hymnal hymns to be learned in the weekday schools had been objected to, and the wish had been expressed that in place of sixteen designated hymns others, mostly those of Gellert, should be substituted. This motion too received from the Upper Consistory a refusal, which goes into the matter instructively but is at the same time couched in very definite terms. Whether the school commission will rest content with this, or will perhaps make still further-reaching motions, cannot at present be said. But it has certainly been observed that since the arrival of these and of some other