Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 3 › Seite 72
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1859, Seite 72
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72 Auszüge aus Fr. Balduins Tractatus De casibus conscientiae.
oder ἀνάθεμα, welcher die allerschärfste Kirchenstrafe ist, durch sie werden die⸗
jenigen, welche in der Lehre hartnäckig irren oder durch gröbliches Sündigen
Aergerniß geben und keine Besserung zeigen, noch irgend eine Hoffnung zu
Besserung geben, entweder vom Genuß des heiligen Abendmahls oder von
dem Amte der Pathen ausgeschlossen, und dieses wird der kleine Bann ge⸗
nannt, oder sie werden auch von einer Particularkirche und von allem Ver⸗
kehr mit den Frommen ausgeschlossen, und dieses heißt der große Bann. Bei
dem kleinen Bann wird einem gottlosen und unbußfertigen Menschen priva⸗
tim entweder in der Kirche oder im Hause angezeigt, daß man ihn des Ge⸗
nusses der Güter der Kirche für unwürdig halte, bis er seinen Irrthum oder
seine Sünde erkenne und sein Leben ernstlich bessere. Bei dem großen Bann
aber wird derjenige, welcher dieser schärfern Strafe werth geachtet wird, öf⸗
fentlich von der Kanzel herab genannt, ihm der Zorn und die Ungnade Got⸗
tes angekündigt und im Namen Christi und der Kirche angezeigt, daß dieser
unbußfertige Mensch dem Teufel übergeben, als ein faules Glied von der
Kirche abgeschnitten werde und der Gemeinschaft der Frommen unwerth sei,
er auch gemieden werden müsse, bis er deutliche Merkmale der Buße zeigt.
Es ist also der Bann eine Strafe nicht für jedwede Sünde, sondern ent⸗
weder für einen hartnäckigen Irrthum in der Lehre oder ein oder das andere
grobe Verbrechen, wie z. B. des Ehebruchs, des Todtschlags, des Geizes oder
Wuchers oder ähnlicher Sünden, bei welchen kein Zeichen wahrer Buße sicht⸗
bar ist.
Mit Recht wird der Bann in der Kirche beibehalten, weil Christus uns
denselben beschreibt Matth. 18, 15.: Wenn dein Bruder an dir sündiget, so
gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein. Hört er dich, so hast
du deinen Bruder gewonnen; hört er dich nicht, so nimm noch einen oder
zween zu dir, auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Munde.
Hört er die nicht, so sage es der Gemeine; hört er die Gemeine nicht, so
halte ihn für einen Heiden und Zöllner, das heißt, er sei von eurer ganzen
Gemeinschaft ausgeschlossen. So hat Paulus den Blutschänder in Corinth
ausgeschlossen 1 Cor. 5, 4., auch den Hymenäus und Alexander 1 Tim. 1, 20.,
hat auch den Gemeinden diese Schärfe empfohlen und sagt: so aber jemand
nicht gehorsam ist unserem Worte, den zeichnet an durch einen Brief und
habt nichts mit ihm zu schaffen, auf daß er schamroth werde 2 Thess. 3, 14.,
und wiederum: einen ketzerischen Menschen meide, wenn er ein und aber⸗
mal ermahnt ist, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündiget, als
der sich selbst verurtheilt hat. Tit. 3, 10. 11.
In der ersten Kirche wurde der Gebrauch des Bannes gewissenhaft be⸗
obachtet. So that Ambrosius den Kaiser Theodosius in den Bann bei Theo⸗
doret 5. Buch Cap. 18, gleichfalls den Geheimschreiber des Stilico, wie Pau⸗
linus im Leben des Ambrosius bezeugt, Fabianus, der römische Bischof den
Kaiser Philippus, wie Eusebius im 6. Buch im 34. Cap. seiner Kirchenge⸗
schichte schreibt, Innocentius den Kaiser Arcadius zugleich mit seinem Weibe
Eudoxia, wie im canonischen Rechte dict. 96 stehet. Und daß auch jetzt noch
English translation AI translation
72 Extracts from Fr. Balduin's Tractatus De casibus conscientiae.
or ἀνάθεμα, which is the very harshest church penalty. By it, those who
obstinately err in doctrine, or who by gross sinning give offense and show
no improvement, nor any hope of improvement, are excluded either from
partaking of the Holy Supper or from the office of sponsor [godparent],
and this is called the lesser ban; or else they are excluded also from a
particular church and from all fellowship with the godly, and this is
called the greater ban. In the lesser ban, a godless and impenitent
person is told privately, either in church or at home, that he is held
unworthy to enjoy the goods of the church until he recognizes his error
or his sin and earnestly amends his life. But in the greater ban, the one
who is judged worthy of this sharper penalty is publicly named from the
pulpit, the wrath and disfavor of God are announced to him, and it is
declared in the name of Christ and the church that this impenitent
person is given over to the devil, cut off from the church as a rotten
member, and unworthy of the fellowship of the godly, and that he must
also be shunned until he shows clear signs of repentance.
The ban, then, is a penalty not for every sin, but either for an obstinate
error in doctrine, or for some other gross crime, such as adultery,
manslaughter, greed or usury, or similar sins, in which no sign of true
repentance is visible.
The ban is rightly retained in the church, because Christ describes it
for us in Matthew 18:15: "If your brother sins against you, go and reprove
him between you and him alone. If he hears you, you have gained your
brother; if he does not hear you, take with you one or two more, so that
every matter may be established on the mouth of two or three witnesses.
If he will not hear them, tell it to the congregation; if he will not hear the
congregation, let him be to you as a heathen and a tax collector" — that
is, let him be excluded from your entire fellowship. So Paul excluded the
incestuous man at Corinth, 1 Corinthians 5:4, and likewise Hymenaeus
and Alexander, 1 Timothy 1:20; he also urged this severity upon the
congregations, saying: "If anyone does not obey our word, note that one
by a letter, and have nothing to do with him, that he may be put to
shame," 2 Thessalonians 3:14; and again: "A man that is a heretic avoid,
after he has been admonished once and again, and know that such a one
is perverted and sins, being self-condemned," Titus 3:10-11.
In the early church the use of the ban was conscientiously observed.
Thus Ambrosius put the Emperor Theodosius under the ban, as related in
Theodoret, Book 5, chapter 18; likewise the private secretary of Stilico,
as Paulinus testifies in his Life of Ambrosius; Fabianus, the Roman
bishop, banned the Emperor Philippus, as Eusebius writes in Book 6,
chapter 34, of his Church History; Innocentius banned the Emperor
Arcadius together with his wife Eudoxia, as stands in the canon law,
dict. 96. And that even now...