Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 8 › Seite 234

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1864, Seite 234

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wucher

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234 Martin Chemnitz über den Wucher.

daß ein Unterschied ist, wenn etwas schlechthin verkauft und wenn die Ver⸗
bindlichkeit, die Last und Verpflichtung des Wiederverkaufs daran geknüpft
ist. Der Preis ist daher nach dem Gutdünken rechtschaffener Männer zu
veranschlagen. 5. Er darf nicht zu wucherischem Betrug geschehen; wenn
nehmlich erstlich denen das unentgeltliche Leihen versagt wird, welche wegen
ihrer Bedürftigkeit dieses Dienstes bedürfen, und ihnen der Contract des
Wiederkaufs angeboten wird, wodurch sie ausgesogen werden würden, wäh⸗
rend sie durch unentgeltliches Leihen zu unterstützen wären; sodann wenn der
Käufer sich das Recht vorbehält das Capital wiederzufordern, denn das macht
den Unterschied, daß der Wucher dies zum Grunde hat, das Capital wieder⸗
zufordern und sich für den Gebrauch des Capitals etwas anderes zahlen zu
lassen; drittens endlich wird im Contract des Wiederkaufs das Capital so
veräußert, daß der Käufer kein Recht zum Wiederfordern hat, noch der Ver⸗
käufer zur Zurückerstattung des Capitals verbunden ist. Dieser Contract
mag auch wucherisch werden, wenn ein solcher Vertrag beigefügt ist, daß
bei dem Wiederkauf etwas mehr bezahlt werden solle, als der Käufer
gegeben habe; desgleichen, daß die Gefahr der verkauften Sache bei dem
Verkäufer selbst stehe, bis zu der zum Wiederkauf ihm gestellten Zeit.
Denn dieses ist wider die Natur eines Kaufes, wie die Gesetze sagen: Die
gekaufte Sache steht in Gefahr des Käufers.

Ferner wird der Vertrag vom Wiederverkauf hinzugefügt entweder auf
immer, so daß, wann immer entweder der Verkäufer oder dessen Erben den
Preis erlegen, der Käufer gezwungen ist, die verkaufte Sache zurückzugeben,
oder er wird mit der Bedingung hinzugefügt, wenn er innerhalb einer
bestimmten Zeit dem Käufer den Preis erlegt ꝛc., so daß er, wenn er
innerhalb der festgesetzten Zeit den Wiederkauf nicht vollziehen sollte,
hernach kein Recht zum Wiederkauf haben solle. Und solche Verordnung
machen nicht nur die bürgerlichen Gesetze, sondern auch Gott selbst zeigt
3 Mos. 25, 23. ff., daß die bürgerliche Obrigkeit festsetzen könne, was unbe⸗
dingt oder für immer, und was wiederkäuflich zu verkaufen sei; desglei⸗
chen, wenn die Bedingung des Wiederkaufs eine immerwährende sein
solle und wann sie auf eine gewisse Zeit zu beschränken sei. Die Gesetze
gestatten auch, daß die Bedingung hinzugefügt werde, daß der Wiederkauf
vor der bestimmten Zeit nicht geschehen könne. Doch diese Bedingungen in
Betreff einer bestimmten Zeit sind meistentheils wucherische Vorwände, wenn
nicht eine ehrbare und rechtmäßige Ursache zu Grunde liegt. Hierbei ist
daher mit Vorsicht zu handeln, damit das Gewissen nicht verletzt werde. So
sind einige Erträge immerwährende, andere wiederkäufliche, welche entwe⸗
der stets oder innerhalb einer bestimmten Zeit wiedergekauft werden können;
und es ist nur ein Unterschied im Preis, wie denn in Betreff der wieder⸗
käuflichen Erträge in der deutschen Reichsversammlung verordnet worden ist,
daß für zwanzig einer gekauft werde; in immerwährenden Erträgen kann
daher das Verhältniß dreißig für einen sein. In Frankreich, wo größere
Handelsgeschäfte sind, sind zwölf für einen in wiederkäuflichen, aber fünf
und zwanzig für einen in immerwährenden festgesetzt.

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234 Martin Chemnitz on Usury.

that there is a difference between something being sold outright and the
obligation, burden, and duty of repurchase being attached to it. The price
is therefore to be estimated according to the good judgment of honest
men. 5. It must not be done for usurious fraud; namely, first, when
gratuitous lending is refused to those who need this service because of
their neediness, and the contract of repurchase is offered to them instead,
by which they would be drained, whereas they ought rather to be
supported through gratuitous lending; then, when the buyer reserves for
himself the right to reclaim the principal again — for that makes the
difference, that usury has this as its basis: to demand the principal back
again and also to have something else paid for the use of the principal;
and third, finally, when in the repurchase contract the principal is
disposed of in such a way that the buyer has no right to reclaim it, nor is
the seller bound to restore the principal. This contract can also become
usurious if such an agreement is attached to it, that at the repurchase
somewhat more should be paid than the buyer originally gave; likewise, if
the risk for the thing sold remains with the seller himself until the time
set for repurchase. For this is against the very nature of a sale, as the
laws say: the thing purchased stands at the risk of the buyer.

Further, the agreement for repurchase is added either in perpetuity, so
that whenever either the seller or his heirs pay the price, the buyer is
obliged to return the thing sold; or it is added with the condition that,
if he pays the buyer the price within a fixed time, etc., then if he should
fail to carry out the repurchase within the appointed time, he shall
afterward have no right of repurchase. And such an arrangement is made
not only by the civil laws, but God himself also shows, in Leviticus 25:23
ff., that the civil authority may determine what is to be sold
unconditionally or in perpetuity, and what is to be sold subject to
repurchase; likewise, whether the condition of repurchase should be a
perpetual one, or when it should be limited to a certain time. The laws
also permit the condition to be added that the repurchase may not take
place before a fixed time. Yet these conditions regarding a fixed time are,
for the most part, usurious pretexts, unless an honorable and lawful
cause lies at the bottom of them. One must therefore proceed with
caution here, so that conscience is not injured. Thus some yields are
perpetual, others subject to repurchase, which can be repurchased either
at any time or within a fixed time; and there is only a difference in price,
as indeed, with regard to redeemable yields, it has been ordained in the
German Imperial Diet that one should be bought for twenty; in perpetual
yields, accordingly, the ratio may be thirty to one. In France, where
commercial dealings are on a larger scale, twelve to one has been fixed
for redeemable yields, but twenty-five to one for perpetual ones.