Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 8 › Seite 252

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1864, Seite 252

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252 Kirchlich-Zeitgeschichtliches.

menden Wegzugs ihrer Glieder in die wohlfeilen Ländereien des Westens, die Zahl ihrer
Pastoren und Gemeinden jede 15 Jahre mehr denn verdoppelt, während der Fortschritt in
evangelischer Erkenntniß, wahrer Gottseligkeit, häuslicher Religiosität, kirchlicher Zucht und
allen Erweisungen eines lebendigen Glaubens sehr ermuthigend ist. Wer erinnert sich
nicht der früheren Tage des Verfalls in Easton, Allentown, Lebanon, Reading, Pottstown,
Danville, Lancaster, Williamsport und vielen anderen Plätzen, an denen das englische
Element unserer Gemeinschaft der Kirche Familien- ja Haufenweise verloren ging! aber wir
haben Ursache Gott zu danken für die glückliche Wendung, die er da hervorgebracht hat.
Statt der gänzlichen Vernachlässigung unserer englischen Interessen oder eines englischen
Gottesdienstes einen Sonntag um den andern stehen jetzt ein, zwei, bisweilen selbst drei
blühende englische Gemeinden neben gleich starken deutschen in Einigkeit desselben Glaubens
und in der Liebesgemeinschaft der Kinder Gottes. — Kurz, die Kirche im Osten und Westen
ist fortgeschritten im offenen Bekenntniß des christlichen Glaubens, im Werk des Sammelns
und Auferbauens, im Werk der häuslichen und kirchlichen Erziehung und in Entfaltung des
christlichen Lebens aus dem innern Princip eines lebendigen, rechtfertigenden Glaubens an
Christum. Mehr denn 300,000 Communicanten drängen sich zu ihren Altären und die
Zehntausende ihrer zerstreuten Kinder werden jährlich in ihren Schoos gesammelt, während
Haufen von solchen, die sie einst nur kannten, um ihren Glauben zu verspotten, in ihren
Tempeln Trost und Frieden finden.“ — C.

„Anerkennung unsrer lutherischen Kirche.“ Ein Correspondent des
„Observer“ war auf Reisen mit einem einsichtsvollen Herrn aus Missouri zusammen⸗
gekommen, der sich besonders streng über einen großen Theil der Einwanderer in seinem
Staat und in den Westen überhaupt aussprach. Schonungslos tadelte er ihren Charakter
als Bürger und besonders ihren politischen Radicalismus, ihre Nichtachtung des Sabbaths,
ihren Unglauben, ihren Hang zum Lagerbier, ihre Sonntagsvergnügungen ꝛc. „Doch,
sagte er, muß man da eine edle Ausnahme machen. Meine Bemerkungen beziehen sich auf
die deutschen, französischen und irländischen Katholiken und Ungläubigen, sind aber auf einen
großen Theil der Protestanten nicht anzuwenden. Es findet sich eine große, deutsche, pro⸗
testantische Bevölkerung, der lutherischen Kirche zugehörig, in Missouri, Iowa, Illinois,
welche nicht derselben Art sind. Sie sind unendlich besser. Obgleich sie aus demselben
Lande kommen wie jene Katholiken und Ungläubigen, so scheinen sie doch ein ganz verschie⸗
denes Geschlecht zu sein. Sie sind mit den andern Einwanderern durchaus nicht in Eine
Classe zu thun. In der Politik sind sie conservativ und entschieden loyal. Als Bürger
gehören sie zu den fleißigsten, mäßigsten und würdigsten, mit denen irgend ein Staat geseg⸗
net werden kann. In ihrem moralischen Character sind sie ihren Nachbarn ein Muster.
In ihrer religiösen Haltung sind sie sehr entschieden, nur wegen ihrer Bigoterie etwas absto⸗
ßend gegen andere Kirchen, denn sie erkennen nur Lutheraner, die alle Dogmen ihres Glau⸗
bens unterschreiben, als zur wahren Kirche gehörig an. Sonst gehören sie zu den besten
Bürgern, die wir haben.“ Der Correspondent hatte dem unter anderem hinzugefügt: Die
Glieder unsrer Kirche, die solche, einem beobachtenden Staatsmann sich aufdrängende
Characterzüge an den Tag legen und die Lutheraner von den übrigen Einwanderern unter⸗
scheiden, sind eine Bibellesende, betende und rührige Classe von Lutheranern. Die großen
Wahrheiten der lutherischen Lehre oder des Evangeliums haben sich ihren Herzen und
Seelen eingeprägt. Sie haben Buße gethan und glauben an Christum. Ihr großes,
innerstes Princip ist die Rechtfertigung durch den Glauben. Sie erachten sich Gott ver⸗
antwortlich für alle ihre Handlungen. Sie leben hier, um sich für die Ewigkeit auszubilden
und ihre Kinder im Schooß der Kirche ihrer Väter zur Gottseligkeit und guten Sitten zu
erziehen. Für diese edlen Zwecke beten und arbeiten sie. Und diese ernste, practische, hei⸗
lige, lutherische Frömmigkeit bildet sie zu dem schönen Character aus, der ihnen von dem
Missouri'schen Staatsmann beigelegt worden ist. Vorstehendes druckt nun der „Lutheran
and Missionary“ vom 30. Juni aus dem „Observer“ ab, glaubt aber hinzufügen zu
müssen: „So bezeugt der „Observer“ vom 17. Juni rücksichtlich eines Theiles unserer
Kirche, der streng an ihrem Bekenntniß hält. In seiner vorhergehenden Nummer durfte

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252 Church-Contemporary Affairs.

increasing migration of its members to the cheap lands of the West, the
number of its pastors and congregations more than doubled every 15
years, while progress in evangelical knowledge, true godliness, domestic
religiosity, church discipline, and all the manifestations of a living
faith is very encouraging. Who does not remember the earlier days of
decline in Easton, Allentown, Lebanon, Reading, Pottstown, Danville,
Lancaster, Williamsport, and many other places, where the English
element of our church fellowship was lost by families — indeed by
droves! But we have cause to thank God for the happy turn which He has
brought about there. Instead of the total neglect of our English
interests, or an English service every other Sunday, there now stand
one, two, sometimes even three flourishing English congregations
alongside equally strong German ones, in unity of the same faith and in
the fellowship of love of the children of God. — In short, the church in
the East and West has advanced in the open confession of the Christian
faith, in the work of gathering and building up, in the work of domestic
and church education, and in the unfolding of Christian life from the
inner principle of a living, justifying faith in Christ. More than
300,000 communicants throng to its altars, and the tens of thousands of
its scattered children are gathered yearly into its bosom, while crowds
of those who once knew it only to mock its faith find comfort and peace
in its temples." — C.

"Recognition of Our Lutheran Church." A correspondent of the
"Observer" had, while traveling, fallen in with a perceptive gentleman
from Missouri, who spoke with particular severity about a large portion
of the immigrants in his state and in the West generally. He mercilessly
censured their character as citizens, and especially their political
radicalism, their disregard of the Sabbath, their unbelief, their
fondness for lager beer, their Sunday amusements, etc. "Yet," he said,
"one must make a noble exception here. My remarks apply to the German,
French, and Irish Catholics and unbelievers, but are not to be applied
to a large part of the Protestants. There is a large German Protestant
population, belonging to the Lutheran church, in Missouri, Iowa,
Illinois, which is not of the same kind. They are immeasurably better.
Although they come from the same country as those Catholics and
unbelievers, they nevertheless seem to be an entirely different breed.
They are by no means to be classed together with the other immigrants.
In politics they are conservative and decidedly loyal. As citizens they
are among the most industrious, most temperate, and most worthy with
which any state can be blessed. In their moral character they are a
model to their neighbors. In their religious bearing they are very firm,
only somewhat repellent toward other churches because of their bigotry,
for they recognize as belonging to the true church only Lutherans who
subscribe to all the dogmas of their faith. Otherwise they are among the
best citizens we have." The correspondent had, among other things,
added this: The members of our church who display these traits of
character, which press themselves upon an observant statesman and
distinguish the Lutherans from the other immigrants, are a Bible-reading,
praying, and diligent class of Lutherans. The great truths of Lutheran
doctrine, or of the Gospel, have impressed themselves upon their hearts
and souls. They have repented and believe in Christ. Their great,
innermost principle is justification by faith. They hold themselves
accountable to God for all their actions. They live here in order to
train themselves for eternity, and to raise their children in the bosom
of the church of their fathers unto godliness and good morals. For these
noble purposes they pray and labor. And this earnest, practical, holy
Lutheran piety forms in them the fine character which has been ascribed
to them by the Missourian statesman. — The foregoing is now reprinted by
the "Lutheran and Missionary" of June 30 from the "Observer," but it
believes it must add: "Thus the 'Observer' of June 17 testifies
regarding a portion of our church that holds strictly to its confession.
In its preceding number it dared