Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 10 › Seite 294
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1863, Seite 294
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294 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche.
angebotene Gnade annehmen, noch derselben für und von sich selbst fähig sein oder sich dazu appliciren oder schicken könne, oder aus seinen eigenen Kräften etwas zu seiner Bekehrung, weder zum ganzen, noch zum halben oder zu einigem, dem wenigsten oder geringsten, Theil, helfen, thun, wirken oder mitwirken vermöge von ihm selbst, als von ihm selbst, sondern sei der Sünde Knecht, Joh. 8, 34., und des Teufels Gefangener, davon er getrieben wird, Ephes. 2, 2. 2 Tim. 2, 26. Daher der natürliche freie Wille seiner verkehrten Art und Natur nach allein zu demjenigen, das Gott mißfällig und zuwider ist, kräftig und thätig ist.“ Weiter unten heißt es dann: „Zuvor und ehe der Mensch durch den heil. Geist erleuchtet, bekehret, wiedergeboren, verneuert und gezogen wird, kann er, für sich selbst und aus seinen eigenen natürlichen Kräften, in geistlichen Sachen und seiner selbst Bekehrung oder Wiedergeburt etwas anzufangen, wirken oder mitzuwirken, gleich so wenig, als ein Stein oder Block oder Thon; denn ob er wohl die äußerlichen Gliedmaßen regieren und das Evangelium hören und etlichermaßen betrachten, auch davon reden kann, wie in den Pharisäern und Heuchlern zu sehen ist: so hält er es doch für Thorheit und kann es nicht glauben, hält sich auch in dem Fall ärger, als ein Block, daß er Gottes Willen widerspänstig und feind ist, wo nicht der heil. Geist in ihm kräftig ist und den Glauben und andere gottgefällige Tugenden und Gehorsam in ihm anzündet und wirket. .. Wie nun der Mensch, so leiblich todt ist, sich nicht kann aus eignen Kräften bereiten und schicken, daß er das zeitliche Leben wieder bekomme: also kann der Mensch, so geistlich todt ist in den Sünden, sich nicht aus eigner Macht zu Erlangung der geistlichen und himmlischen Gerechtigkeit und Lebens schicken oder wenden, wo er nicht durch den Sohn Gottes vom Tode der Sünden frei und lebendig gemacht wird.“ Zwar gesteht die Concordienformel es nicht nur zu, daß „die Vernunft und freier Wille vermag etlichermaßen äußerlich ehrbar zu leben;“ sondern auch, daß der natürliche Mensch gewisse actiones paedagogicae verrichten, nehmlich, wie eben angeführt worden, „die äußerlichen Gliedmaßen regieren und das Evangelium hören und etlichermaßen betrachten“ könne. Sie schreibt hiervon ferner: „In diesen äußerlichen Dingen, wie oben gesagt, hat der Mensch auch nach dem Fall etlichermaßen einen freien Willen, daß er zur Kirche gehen, der Predigt zuhören, oder nicht zuhören mag.“ Aber die Concordienformel bezeugt zugleich: „Derhalben ist es unrecht gelehrt, wenn man vorgibt, daß der unwiedergeborne Mensch noch so viel Kräfte habe, daß er begehre, das Evangelium anzunehmen, sich mit demselbigen zu trösten.“*) Ferner: „Wann
*) Quenstedt drückt dieses also aus: „Es gibt zwei Hemisphärien von Objecten, mit denen der Wille des Menschen im Stand der Verderbung beschäftigt ist, ein niederes und ein höheres.. Zu dem niederen Hemisphärium gehören die äußeren heiligen Dinge oder pädagogischen Handlungen, welche natürlich sind und äußerlich den geistlichen Hand⸗
English translation AI translation
294 Some Remarks on a New Apology for the Reformed Church.
offered grace, nor is capable of it by and of himself, or able to apply himself to it or fit himself for it; nor by his own powers can he do, work toward, or cooperate in anything belonging to his conversion — neither the whole of it, nor the half, nor the least or smallest part — but is the bondservant of sin, John 8:34, and the devil's captive, driven by him, Eph. 2:2; 2 Tim. 2:26. Hence the natural free will, according to its perverse kind and nature, is powerful and active only toward that which is displeasing and contrary to God." Further down it then says: "Before and until man is enlightened, converted, regenerated, renewed, and drawn by the Holy Spirit, he can, of himself and from his own natural powers, begin, work, or cooperate toward anything in spiritual matters and his own conversion or regeneration, just as little as a stone or a block or a lump of clay; for although he can govern his outward members, hear the gospel, consider it to some extent, and even speak of it, as may be seen in the Pharisees and hypocrites, yet he holds it for foolishness and cannot believe it, and in that case regards himself as worse than a block, in that he is resistant and hostile to God's will, unless the Holy Spirit is powerfully at work within him and kindles and works in him faith and other virtues pleasing to God, and obedience. ... As, then, a man who is bodily dead cannot of his own powers prepare and fit himself to receive temporal life again, so a man who is spiritually dead in sins cannot, by his own power, fit or turn himself toward the attainment of spiritual and heavenly righteousness and life, unless he is freed from the death of sin and made alive through the Son of God." Indeed, the Formula of Concord does not merely concede that "reason and free will are able, to some extent, to live an outwardly honorable life"; but also that the natural man can perform certain actiones paedagogicae [pedagogical actions], namely, as was just cited, that he can "govern his outward members, hear the gospel, and consider it to some extent." It further writes of this: "In these outward things, as said above, man, even after the fall, has to some degree a free will, so that he may go to church, listen to the sermon, or not listen." But the Formula of Concord at the same time testifies: "It is therefore wrongly taught when it is claimed that unregenerate man still has so much power that he desires to accept the gospel and comfort himself with it."*) Further: "When
*) Quenstedt expresses this as follows: "There are two hemispheres of objects with which the will of man in the state of corruption is occupied, a lower and a higher one.. To the lower hemisphere belong the outward sacred things or pedagogical actions, which are natural and outwardly serve the spiritual