Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 201

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1863, Seite 201

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Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 201

anderen überragt, muß ein in jeder Hinsicht absolutes, menschlichen Begriffen schlechthin unzugängliches Wesen sein. Denken wir uns nun in der Betrachtung der Natur zugleich mit dem göttlichen Wesen auch die göttliche Eigenschaft der Ewigkeit hinweg, so bleibt uns nur eine Welt, welche entstanden ist. Sogleich entsteht eine solche Lücke in unseren Gedanken, welche kein Mensch zu ertragen fähig ist. Wie konnte die Welt entstehen? Das Nichts konnte keine Welt schaffen, denn es kann nichts thun, weil es nichts ist. Sich selbst konnte die Welt nicht schaffen, denn vor ihrer Entstehung war sie nichts. Wir Menschen sind so eingerichtet, daß wir, mögen wir wollen oder nicht, die Ewigkeit anerkennen müssen. Fahren wir nun fort, trotz der Nöthigung ein göttliches Wesen anzuerkennen, es zu leugnen, so bleibt nur der Ausweg übrig, die göttliche Eigenschaft der Ewigkeit — der Welt beizulegen.

Thun wir das nicht, nennen wir Gott allein ewig, so bleibt zwar sowohl dies Wesen selbst, als sein Thun, und die Schöpfung der Welt insbesondere, unbegreiflich, aber wir begehen keine Ungereimtheit, denn es widerspricht nicht der Vernunft, etwas, das uns nothwendig unbegreiflich bleiben muß und dessen Anerkennung wir uns nicht entziehen können, von einem Wesen auszusagen, welches nicht ist wie die Welt, deren Betrachtung uns das ermöglicht hat, was wir nach und nach durch fortgesetzten Fleiß wirklich begriffen haben. Wenigstens gewinnt der Geist dabei die nöthige Ruhe, um den Dingen nachspüren zu können, welche nicht, wie die absolute Anfangslosigkeit, den Stempel bleibender Unerklärbarkeit an sich tragen.

Wer hingegen jenen Ausweg einschlägt, geräth sogleich in einen so dichten Wald des Unsinns hinein, daß er sich genöthigt sehen sollte, der Vernunft für immer sich zu entschlagen, die, anstatt ihm Licht zu gewähren, ihn in undurchdringliche Finsterniß geführt hat. Wir wollen die Richtigkeit dieses Urtheils sogleich an dem Beispiel der wissenschaftlichen Materialisten nachweisen. Diese sagen die göttliche Eigenschaft der Ewigkeit von einer kleinen Anzahl bewußtloser Grundstoffe aus. Nach der letzten, mir bekannten, Zählung sind es drei und sechzig. Die bekanntesten unter ihnen sind Blei, Eisen, Gold, Jod, Kiesel, Kupfer, Nickel, Phosphor, Quecksilber, Schwefel, Silber, Zink und Zinn. Jeder dieser Stoffe ist in unendlicher Anzahl von Einzelwesen, Atomen, die sich vollkommen gleich sind, vorhanden. Außer diesen Stoffen existirt nichts überall, sie sind die einzigen wirklichen Wesen. Die Welt ist nichts als verschiedenartige Anhäufung derselben Stoffe. „Nach dem heutigen Stand unserer Kenntnisse von der unsere Erde umgebenden Welt,“ sagt Dr. Büchner, „müssen wir uns dahin erklären, daß dieselben Stoffe und dieselben Naturgesetze, von denen wir uns hier gebildet und umgeben sehen, auch das ganze All zusammensetzen, und daß dieselben allerorten in derselben Weise und mit derselben Nothwendigkeit thätig sind, wie in unserer unmittelbaren Nähe. Beweise hierfür haben uns Astronomie und Physik in hinlänglicher Anzahl geliefert.“ Diese Stoffe sind unveränderlich, sind von Ewigkeit her gerade so gewesen, wie wir sie jetzt vor Augen haben und werden in alle Ewigkeit so bleiben. Es geschieht darum auch

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Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science.        201

surpasses all others must, in every respect, be an absolute being, wholly inaccessible to human concepts. Now if, in our contemplation of nature, we take away, along with the divine being, the divine attribute of eternity as well, then only a world remains, one that has come into being. At once such a gap arises in our thinking as no man is able to bear. How could the world come into being? Nothing could create no world, for it can do nothing, because it is nothing. Nor could the world have created itself, for before its coming into being it was nothing. We human beings are so constituted that, whether we will it or not, we must acknowledge eternity. If, then, despite this compulsion to acknowledge a divine being, we proceed to deny it, only one way out remains: to ascribe the divine attribute of eternity to the world instead.

If we do not do this, if we call God alone eternal, then indeed this being itself, as well as his activity, and the creation of the world in particular, remain incomprehensible; but we commit no absurdity, for it is not contrary to reason to predicate of a being who is not as the world is — the contemplation of which has enabled us to grasp, little by little through sustained diligence, what we have in fact grasped — something that must of necessity remain incomprehensible to us, and whose acknowledgment we cannot escape. At least the mind thereby gains the peace it needs, so as to be able to trace out those things which do not, like absolute beginninglessness, bear upon them the stamp of abiding inexplicability.

Whoever, on the other hand, takes that way out at once falls into so dense a forest of nonsense that he ought to feel compelled to renounce reason forever — reason which, instead of granting him light, has led him into impenetrable darkness. We shall at once demonstrate the correctness of this judgment by the example of the scientific materialists. These predicate the divine attribute of eternity of a small number of unconscious elements. According to the latest count known to me, there are sixty-three of them. The best known among them are lead, iron, gold, iodine, silicon, copper, nickel, phosphorus, mercury, sulfur, silver, zinc, and tin. Each of these substances exists in an infinite number of individual entities, atoms, which are perfectly alike. Besides these substances nothing whatever exists; they are the only real beings. The world is nothing but a varied accumulation of these same substances. "According to the present state of our knowledge of the world surrounding our earth," says Dr. Büchner, "we must declare that the same substances and the same laws of nature by which we see ourselves formed and surrounded here also compose the whole universe, and that these are everywhere active in the same manner and with the same necessity as in our own immediate vicinity. Sufficient proof of this astronomy and physics have furnished us in ample measure." These substances are unchangeable; they have been from eternity exactly as we now see them before us, and will so remain for all eternity. Hence it also happens that