Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 8 › Seite 232

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1861, Seite 232

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Predigtamt. 45⁵5⁷ · Rechtfertigung

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232 Was von uns Wahres und Falsches berichtet wird.

grimmen wird, weil „die Missourische Secte“ mit der rechtgläubigen Buffalo⸗
Synode gleiches Lob empfängt) geht nun Herr Prof. Fritschel daran, auch
die Unterschiede dieser beiden Bau⸗Synoden aufzuzeigen. In dieser Kennzeichnung nun — um mich auch einmal modisch auszudrücken — ist es dem
Einsender vorzüglich gelungen, dem jetzigen deutschen theologischen Geschmack
Rechnung zu tragen und seine Gabe den theologischen Zungen um so annehmlicher zu machen. Denn diesem Geschmack ist es bekanntlich gemäß, daß
auf dem Gebiete der Theologie Alles seine Berechtigung hat, es stimme mit
dem Worte Gottes, wie es lautet, oder nicht. Da hat denn die Synode von
Buffalo ihre Berechtigung darin, „daß sie den vornehmsten Werth und Nachdruck“ auf das Kirchenregiment und den Gehorsam legt, daß ihr die Kirche
durchweg unter dem Gesichtspunct eines in die Sichtbarkeit fallenden Organismus erscheint und das vorwiegende Interesse sich auf die Herausbildung
eines Kirchenthums, nach der Weise des 17. Jahrhunderts, richte, daß das
Kirchenregiment, aus den Gliedern des Kirchenministeriums bestehend, mit
dem Senior an der Spitze die höchste Instanz für die Entscheidung in allen
kritischen Verhältnissen bilde.“ Kein Wort aber ist gesagt, daß diese Anschauung von Kirche und Kirchenregiment eben keine Berechtigung auf dem
Grund und Boden des Evangelii und des darauf gegründeten lutherischen
Bekenntnisses habe, sondern daß sie die alttestamentlich⸗gesetzliche, oder vielmehr papistisch⸗hierarchische Anschauung sei, die der evangelischen eben so
entgegengesetzt sei, wie die Erde dem Himmel.

Von der Synode von Missouri ist nun in der Einsendung des Herrn
Prof. Fritschel Wahres und Irriges durch einander gemengt, ohne daß doch
das Letztere, das natürlich der Einsender als wahr und wirklich bestehend anschaut, von ihm irgendwelche Bestrafung empfängt, sondern das ihm eben, nach
deutschländisch⸗theologischer Weise, auch seine Berechtigung zu haben scheint.

Was nun das Wahre über uns betrifft, so sagt Herr Prof. Fritschel:
„Das Interesse ist hier vorzugsweise auf die Herausstellung und Bewahrung
der reinen lutherischen Lehre nach allen ihren Consequenzen gerichtet, während das für die Ordnung und Gestaltung der kirchlichen Verhältnisse mehr
ein secundäres bleibt und zurücktritt. Mit besonderer Aufmerksamkeit werden
die Rechte der Gemeinden und ihrer einzelnen Glieder hervorgehoben und
betont und mit einer Art von Eifersucht wird darüber gewacht, daß sie ungekränkt und unverkümmert nach allen Seiten hin ausgeübt werden können.
Das Amt erscheint auf diesem Standpunct (es giebt also noch einen andern
gleich⸗ oder mehrberechtigten, als z. B. den der Buffalo⸗ und Jowa⸗Synode
selber) als eine Uebertragung der ursprünglich in der Gemeinde und ihren
einzelnen Gliedern liegenden Rechte; die Gemeinde selbst ist „höchstes Gericht,“ der die aus Vertretern des Geistlichen⸗ und Laienstandes (wir wissen,
nach Gottes Wort nichts von solchen zwei unterschiedenen oder gar verschiedenen Ständen innerhalb des gemeinen Christenstandes, sondern nennen
sie Lehrer und Hörer oder sonstwie) bestehende Synode nur als berathender
Körper gegenüber steht.“

English translation AI translation

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232 What Is Reported of Us, True and False.

pang in the belly, because "the Missourian sect" receives the same praise as the orthodox Buffalo
Synod) Prof. Fritschel now proceeds to point out also
the differences between these two building synods. In this characterization — to express myself
for once in the fashionable manner — the contributor has succeeded admirably in
taking account of the present German theological taste
and in making his gift so much the more palatable to theological tongues. For it is, as is well known, agreeable to this taste that
in the field of theology everything has its justification, whether it agree with
the Word of God as that Word reads, or not. Thus the synod of
Buffalo has its justification in "laying the chief value and emphasis"
upon church government and obedience, in that the church
appears to it throughout under the aspect of an organism falling within the sphere of visibility, and its predominant interest is directed to the formation
of a churchly system after the manner of the 17th century; and in that the
church government, consisting of the members of the ministerium, with
the senior at its head, forms the highest court for decision in all
critical situations." But not a word is said that this
view of church and church government has no justification whatever upon the
ground and soil of the gospel and of the Lutheran confession founded upon it,
but that it is the Old Testament legal, or rather
papistic hierarchical, view, which is as opposed to the evangelical view
as earth is to heaven.

Of the synod of Missouri, now, true and erroneous things are mingled together in
Prof. Fritschel's contribution, without the latter — which of course the contributor
regards as true and really existing — receiving any censure from him; rather it seems to him, after the
German-theological manner, also to have its justification.

Now as to what is true about us, Prof. Fritschel says:
"The interest here is directed chiefly to the setting forth and preservation
of the pure Lutheran doctrine in all its consequences, while
that for the order and shaping of churchly relations remains rather
secondary and recedes. With particular attention
the rights of the congregations and of their individual members are brought out and
emphasized, and with a kind of jealousy it is watched over that these may be exercised
uninjured and unimpaired on every side.
The office appears from this standpoint (there is therefore yet another standpoint,
equally or better justified, as for example that of the Buffalo and Iowa Synod
themselves) as a transfer of rights originally residing in the congregation and its
individual members; the congregation itself is the "highest court,"
over against which the synod, consisting of representatives of the clerical and the lay estate (we know,
according to God's Word, nothing of two such distinct or even different
estates within the common Christian estate, but call
them teachers and hearers, or otherwise), stands only as an advisory
body."