Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 164

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juni 1860, Seite 164

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164 Aus der kirchlichen Gegenwart.

„Zerklüftung“ gewarnt und gegen „Exclusivität“ geeifert wird. Im Uebrigen können wir, obschon wir im Wesentlichen jene Grundsätze des Correspondenzblattes als die unsrigen anerkennen, doch nicht umhin, Ausdrücke, wie die „von einer Einigkeit, die über den Confessionen steht“, für unbemessen und mißverständlich*) zu erklären. Ein Lutheraner braucht sich, um ein Verhältniß zu gläubigen Gliedern anderer Confessionen zu gewinnen, nicht erst aufzuschwingen zu einer Einigkeit, die über den Confessionen steht, sondern es ist die Signatur der Wahrheit seiner Confession, daß er von ihr und aus ihr heraus auch jenen gerecht zu werden vermag.

Doch sind jenes nur die leitenden Grundsätze: wir werden fragen müssen, wie dieselben angewendet werden, um gegenüber den thatsächlich vorliegenden Differenzen die Kirche vor Zerklüftung zu bewahren. Die beiden Puncte, so meint das Correspondenzblatt, welche in der Gegenwart fälschlich als kirchentrennend angesehen werden könnten, und beispielsweise von den Missouriern so angesehen würden, seien die von Kirche und Amt und von den letzten Dingen. Es kommt dem Verfasser jenes Artikels viel darauf an, nachzuweisen, daß diese beiden Puncte, „wie wir sie lehren,“ nicht zu den kirchentrennenden gerechnet werden dürften, und er holt weit aus, um jenen Beweis zu führen. Man müsse, sagt er, darüber sich klar werden, „was man Richtungen heißt, ob und warum sie ein Recht haben, in der Kirche zu bestehen, und wie einander entgegen stehende Richtungen sich zu einander zu halten haben.“ Wir wollen dem Verfasser hier nicht im Einzelnen folgen, können aber unser Bedenken nicht unterdrücken, wenn wir die „Nothwendigkeit“ und die „Berechtigung“ gewisser widerstreitender „Richtungen“ durch die Aussagen begründet sehen, „es komme erst aus Satz und Gegensatz das volle Licht und die volle Wahrheit für die menschliche Erkenntniß“ — „es sei die menschliche Natur so eingerichtet, daß sie nicht ruhen könne, bis alle Möglichkeiten des Irrthums zur rechten und zur linken Seite erschöpft seien“ — „es kehre der Geist, nachdem die Gegensätze bis zum äußersten Extrem gegangen und sich in sich selbst erschöpft haben, zurück und lasse sich geruhig nieder in der seligen Mitte der Wahrheit.“ In der That, in dem „Correspondenzblatt der Gesellschaft für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche“ hätten wir dergleichen nicht gesucht. Wir hätten nicht erwartet, daß „die Erschöpfung aller Irrthümer bis zum äußersten Extrem“, und noch dazu „an allen großen Lehren“, auf eine „Einrichtung der menschlichen Natur“ zurückgeführt und dazu verwendet würde, „die Nothwendigkeit der widerstreitenden Richtungen“ zu begründen. Wir wissen es auch nicht zu reimen, wie man nach diesen Voraussetzungen dahin kommen kann, wie der Verfasser jenes Artikels, „zu erforschen, in welchen Stücken Einigkeit sein muß, in welchen man keine Verschiedenheit dulden darf, und in welchen Dingen eine Verschiedenheit zulässig ist, unbeschadet der Einheit und Reinheit der Lehre.“

*) Das wiederholte Bemühen von Seiten des Verfassers, die aus Offenheit bloßgelegten Fehler des Standpunctes der „Richtung“ in fehlerhaften Gebrauch der Sprache zu verwandeln, ist nach unserer Meinung ein ganz vergebliches. L. u. W.

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164 From the Present State of the Church.

warning against "splintering" is raised, and zeal is shown against "exclusivity." For the rest, although we recognize in essence those principles of the Correspondenzblatt as our own, we cannot help but declare expressions such as that "of a unity that stands above the confessions" to be disproportionate and liable to misunderstanding.*) A Lutheran does not need, in order to attain a relationship to believing members of other confessions, first to raise himself up to a unity standing above the confessions; rather it is the mark of the truth of his confession that he is able, from it and out of it, to do justice to them as well.

Yet these are only the guiding principles: we shall have to ask how they are applied in order to preserve the church from splintering in the face of the actually existing differences. The two points, so the Correspondenzblatt thinks, which might be wrongly regarded at present as church-dividing, and which are, for example, so regarded by the Missourians, are those of church and ministry and of the last things. The author of that article is very concerned to demonstrate that these two points, "as we teach them," ought not be counted among the church-dividing ones, and he takes a wide sweep in order to establish that proof. One must, he says, become clear on "what one means by 'directions,' whether and why they have a right to exist within the church, and how directions standing opposed to one another are to relate to each other." We do not wish to follow the author here in detail, but we cannot suppress our misgivings when we see the "necessity" and the "justification" of certain conflicting "directions" grounded in the statements that "it is only out of thesis and antithesis that the full light and the full truth for human knowledge first come" — "human nature is so constituted that it cannot rest until all the possibilities of error, to the right hand and to the left, have been exhausted" — "the spirit, after the opposites have gone to the utmost extreme and exhausted themselves, turns back and settles down peacefully in the blessed middle of truth." Indeed, in the "Correspondenzblatt der Gesellschaft für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche" we would not have looked for anything of this sort. We would not have expected that "the exhaustion of all errors to the utmost extreme," and that too "in all the great doctrines," would be traced back to "a constitution of human nature" and used to establish "the necessity of the conflicting directions." Nor can we make sense of how, on these presuppositions, one can arrive, as the author of that article does, at "investigating in which points there must be unity, in which no difference may be tolerated, and in which matters a difference is permissible without prejudice to the unity and purity of doctrine."

*) The repeated effort on the part of the author to turn the errors of the standpoint of the "direction," laid bare by his own candor, into a faulty use of language is, in our opinion, a wholly futile one. L. u. W.