Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 162
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juni 1860, Seite 162
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162 Aus der kirchlichen Gegenwart.
und uns ihrer zu freuen: wir thun es in Würdigung des bedeutsamen Einflusses, welcher von Neuendettelsau auf die kirchliche Gegenwart geübt wird, wenn wir von jener Aeußerung des Herrn Pfarrer Löhe Act nehmen und in der Kürze über den Sinn und die Consequenzen derselben uns vergewissern.
Ein Aufsatz in dem „Correspondenzblatt der Gesellschaft für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche“ (1859, Nr. 6—10) über „die Gefahren, welche der lutherischen Kirche gegenwärtig aus ihrer eignen Mitte und von ihren treuesten Freunden drohen“, ist geeignet, uns zunächst über die veränderte Stellung Löhe's weiteren Aufschluß zu geben. Die Erfahrung ist nicht selten, daß die Schüler die theoretischen und practischen Consequenzen aus der Lehre des Meisters schneller und sicherer ziehen als dieser selbst. Und wenn man sich erinnert, daß vor einiger Zeit aus lutherischen Kreisen Nordamerikas, welche vordem mit Löhe auf das Engste verbunden waren, ein förmlicher Absagebrief an diesen um der Lehre von der ersten Auferstehung willen, welche er gepredigt, erging, so wird man begreifen, wie die Thatsache der „dreigestaltigen und dreigespaltenen lutherischen Kirche Nordamerikas“ mit ihrer Missouri⸗, Buffalo⸗ und Jowasynode ein wesentlicher Anlaß zu jener Umstimmung gewesen ist. Das „Correspondenzblatt“ meint um so mehr auf die Gefahr einer möglichen Zerklüftung und Kirchenspaltung hinweisen zu sollen, als jene Richtung der Exclusivität nicht blos in Amerika, sondern auch in Deutschland mehr und mehr sich geltend mache, und veranlaßt und begünstigt durch mancherlei Umstände die herrschende Strömung in der lutherischen Kirche in Preußen und den mit ihr verbundenen freien Gestaltungen in andern Ländern zu werden drohe.
Man könnte freilich über jene Umstimmung im Löhe'schen Lager bedenklich werden, wenn man den erwähnten Artikel des Correspondenzblattes mit dem Satze beginnen sieht, das große Kleinod und Pfund, welches der Herr der lutherischen Kirche als der rechten sichtbaren vor andern christlichen Gemeinschaften anvertraut habe, sei „die reine schriftgemäße Lehre, das verhältnißmäßig reinste Bekenntniß der göttlichen seligmachenden Wahrheit.“ Denn man könnte auf den Gedanken kommen, es werde hier der erste Ausdruck durch den zweiten erläutert und statt der fröhlichen Gewißheit, es bekenne die lutherische Kirche in allen Stücken, die sie bekenne, „die reine schriftgemäße Lehre,“ die kleinlaute Resignation gesetzt, man finde in der lutherischen Kirche wenigstens „das verhältnißmäßig reinste Bekenntniß der seligmachenden Wahrheit.“ Indeß, da uns weiter unten versichert wird, „die von dem Correspondenzblatt vertretene Richtung“ sei bei ihrer völligen Zustimmung zu allen Glaubensartikeln der lutherischen Kirche nicht gemeint, auch nur die geringste Wahrheit, welche die Reformation ans Licht gebracht, geschweige die rechten Heiligthümer der lutherischen Lehre, die Lehre von der Heilsordnung und den Gnadenmitteln, aufzugeben oder im Entferntesten beeinträchtigen zu lassen, und dies um der Ueberzeugung willen, daß alle diese Stücke ewige unumstößliche göttliche Wahrheit und sichere Schriftlehre enthalten — so haben wir kein Recht, jene bedenkliche Aussage
English translation AI translation
162 From the Present State of the Church.
and to rejoice in them: we do so in recognition of the significant influence which Neuendettelsau exerts on the present state of the church, when we take note of that statement of Pastor Löhe and briefly assure ourselves of its meaning and consequences.
An essay in the "Correspondenzblatt der Gesellschaft für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche" (1859, Nos. 6–10), on "the dangers presently threatening the Lutheran Church from its own midst and from its most faithful friends," is suited to give us further information first of all about Löhe's changed position. It is not uncommon experience that pupils draw the theoretical and practical consequences from the master's teaching more quickly and more surely than the master himself. And if one recalls that some time ago a formal letter of renunciation was sent to him from Lutheran circles in North America — which had formerly been most closely bound to Löhe — on account of the doctrine of the first resurrection which he had preached, one will understand how the fact of the "threefold-shaped and threefold-split Lutheran Church of North America," with its Missouri, Buffalo, and Iowa Synods, was an essential occasion for that change of mind. The "Correspondenzblatt" believes it should point out all the more to the danger of a possible splintering and church division, since that tendency toward exclusivity is asserting itself more and more not only in America but also in Germany, and, occasioned and favored by various circumstances, threatens to become the dominant current in the Lutheran Church in Prussia and in the free formations connected with it in other countries.
One might, to be sure, become uneasy about that change of mind in the Löhean camp on seeing the mentioned article of the Correspondenzblatt begin with the statement that the great jewel and treasure which the Lord has entrusted to the Lutheran Church, as the rightful visible one before other Christian communions, is "the pure doctrine according to Scripture, the relatively purest confession of the divine, saving truth." For one might get the idea that here the first expression is being explained by the second, and that in place of the joyful certainty that the Lutheran Church confesses, in every point that it confesses, "the pure doctrine according to Scripture," a faint-hearted resignation is being substituted — that one finds in the Lutheran Church at least "the relatively purest confession of the saving truth." However, since we are assured further below that "the tendency represented by the Correspondenzblatt," with its complete assent to all the articles of faith of the Lutheran Church, does not mean to give up, or in the least impair, even the smallest truth that the Reformation brought to light, let alone the true treasures of Lutheran doctrine, the doctrine of the order of salvation and the means of grace — and this for the sake of the conviction that all these points contain eternal, irrefutable, divine truth and sure scriptural doctrine — we have no right to regard that questionable statement