Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 4 › Seite 128
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1859, Seite 128
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128 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.
Zwischen den preußischen separirten Lutheranern und der Leipziger lutherischen Missionsgesellschaft drohet ein ernster Bruch zu entstehen. Drei Zöglinge aus Preußen schieden aus der Anstalt, weil ihnen die Alternative gestellt worden war, von einem Prediger das h. Abendmahl zu empfangen, welcher dem unirten Missionsverein angehörte und also selbst unirter Richtung ist, oder die Anstalt zu verlassen. Darüber haben verschiedene Aussprüche statt gefunden, die aber bis jetzt zu keiner Einigung geführt haben. Nachdem die preußischen Lutheraner sich mit dem Missionscollegium zu verständigen vergeblich versucht hatten, führten sie durch ihre Deputirten, Kirchenrath Nagel und Dr. Besser, auf der Generalversammlung Beschwerde und forderten als Minimum, daß diejenigen Missionszöglinge, welche sich ein Gewissen daraus machten, an einem Abendmahl, von welchem die Unirten principiell nicht ausgeschlossen sind, Theil zu nehmen, nicht genöthigt würden, entweder wider ihr Gewissen Theil zu nehmen oder die Anstalt zu verlassen. Die Generalversammlung legte den Bescheid auf jenen Antrag in die Hände des Missionscollegiums. Dieser Bescheid ließ die preußischen Lutheraner unbefriedigt. Es sind weitere Verhandlungen angeknüpft worden. Der Director des Missionshauses hat erklärt, sein Amt niederlegen zu wollen, sobald er ein anderes Amt gefunden haben wird.
Statistik der deutschen Universitäten im Sommersemester 1858: Berlin hatte 2057, München 1303, Leipzig 839, Bonn 836, Breslau 833, Heidelberg 721, Halle 715, Tübingen 706, Göttingen 681, Würzburg 650, Erlangen 585, Jena 493, Münster 455, Königsberg 393, Gießen 383, Freiburg 317, Greifswalde 274, Marburg 272, Kiel 132, Rostock 124 Studirende.
Duell. Das „Neue Zeitblatt" Münkel's meldet in der Nummer vom 18. Dec. v. J. von großen Aufregungen, welche in Folge der Rothenmoorischen Conferenz entstanden sind. Darin heißt es u. A. wie folgt: „Wie groß die Aufregung geworden ist, zeigt uns ein Vorgang auf dem meklenburger Landtage. Von einem bürgerlichen Gutsbesitzer wurde der Antrag gestellt: „„Die Landesversammlung wolle an die allerhöchsten Landesherren die Bitte ergehen lassen, sie möchten als Oberbischöfe des Landes die Prediger und Lehrer der christlichen Religion ermahnen: sich ihren Beruf, die Nächstenliebe zu lehren und zu verbreiten, recht angelegen sein zu lassen und sich jeglicher Betheiligung an unduldsamen Bestrebungen zu enthalten.“" Schon die Sprache dieses kläglichen Antrages verräth seine Urheber. Er wurde mit 71 gegen 31 Stimmen verworfen, und damit hätte man ihn ruhig zur Erde können bestatten lassen, von der er genommen war. Es geschah aber etwas, das der Leiche Leben gab. Ein anderer bürgerlicher Gutsbesitzer redete dem Antrage das Wort und gab zu verstehen, wo er eigentlich hinaus sollte, indem er sich beleidigend über die Conferenz auf dem Rothenmoor vernehmen ließ. Die duldsamen Herren wollten es mittelst des weltlichen Armes fertig machen, daß die Prediger in Zukunft nur rationalistische Conferenzen besuchen sollten. Das brachte den Sohn des Herrn v. Maltzan dergestalt auf, daß er den Gutsbesitzer unter beschimpfenden Ausdrücken zum Duell fordern ließ. Aus dem Duell ist freilich nichts geworden, theils weil der Gutsbesitzer es ablehnte und wegen Landtagsfriedensbruchs klagbar wurde, theils weil Herr v. Maltzan, der Vater, zu besonnen war, um auf solche Ehrenrettung seiner Conferenz einzugehen. Nichts desto weniger hat der Vorfall wieder Oel ins Feuer gegossen und gerechten Anstoß gegeben. Wer die Sache Gottes zu vertheidigen unternimmt, der höre auch auf das Gebot Gottes Matth. 5, 22., damit ihn sein eigener Eifer nicht verzehre. Freilich gilt das Duell noch immer bei vielen, auch bei solchen, die sich zum Worte Gottes bekennen, für ehrenhaft und ritterlich, trotzdem daß der Apostel sagt: „„Die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich.“" Je mehr Schaden aber daraus der Kirche erwächst, wenn ihre Vertheidiger sie mit solchen Waffen in Mißcredit bringen, desto öfterer wird die Kirche das Wort Jesu wiederholen müssen, welches er zu den beiden Donnerskindern sprach: Wisset ihr nicht, weß Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht gekommen zu verderben, sondern zu erhalten.
Zur Union. So schreibt das Neue Zeitblatt vom 25. Dec. v. J.: Der „Geist der Mäßigung und Milde", der die Union bedeuten soll, läßt augenblicklich wieder von sich hören; Druckschriften werden mit Beschlag belegt, ihre Verfasser zu Gefängniß verurtheilt, lutherisch lehrende und amtierende Geistliche aus der Kirche gedrängt, und von oben her ist ein Ton angeschlagen, den niemand mißverstehen kann. Dies alles ist ganz in der Ordnung, nämlich der Union.
Pabstthum. Der kaiserliche Gerichtshof zu Angers hat am 26. Jan. die Frage: ob eine mit einem Katholiken bürgerlich getraute katholische Frau von diesem nicht nur verlangen kann, daß er sich auch kirchlich mit ihr trauen lasse, sondern auch, ob bei fortdauernder Weigerung des Gatten, diesem Verlangen der Ehefrau Folge zu geben, Letztere eine Trennung (séparation du corps) beantragen kann — bejaht. Die Papisten sehen also jede Ehe, welche ihre Priester nicht bestätigt haben, für Hurerei an! Der „Wahrheitsfreund" erklärt, es sei dies „zu Gunsten der christlichen Moral" geschehen. Er meint die jesuitische.
English translation AI translation
128 Ecclesiastical-Contemporary Chronicle.
Between the separated Lutherans of Prussia and the Leipzig Lutheran Mission Society a serious breach threatens to arise. Three students from Prussia left the institution because they had been given the alternative of receiving the Holy Supper from a minister who belonged to the Union mission society and was thus himself of Unionist persuasion, or of leaving the institution. Various pronouncements have been made on the matter, but they have thus far led to no agreement. After the Prussian Lutherans had vainly attempted to come to an understanding with the Mission College, they brought a complaint, through their deputies, Consistorial Councillor Nagel and Dr. Besser, before the general assembly, and demanded as a minimum that those mission students who made it a matter of conscience should not be compelled to take part, against their conscience, in a Supper from which the Unionists are not excluded on principle, or else to leave the institution. The general assembly placed the decision on that motion in the hands of the Mission College. This decision left the Prussian Lutherans unsatisfied. Further negotiations have been entered into. The director of the Mission House has declared that he intends to lay down his office as soon as he has found another position.
Statistics of the German universities in the summer semester of 1858: Berlin had 2,057, Munich 1,303, Leipzig 839, Bonn 836, Breslau 833, Heidelberg 721, Halle 715, Tübingen 706, Göttingen 681, Würzburg 650, Erlangen 585, Jena 493, Münster 455, Königsberg 393, Giessen 383, Freiburg 317, Greifswald 274, Marburg 272, Kiel 132, Rostock 124 students.
Duel. The "Neue Zeitblatt" of Münkel reports, in its number of December 18 of last year, of great agitation which arose in consequence of the Rothenmoor conference. Among other things it says the following: "How great the agitation has become is shown us by an incident in the Mecklenburg Landtag. A commoner landowner brought forward the motion: '"The Diet is to address to the most exalted rulers of the land the petition that they, as chief bishops of the land, would admonish the preachers and teachers of the Christian religion to make it truly their concern to teach and spread brotherly love, and to refrain from any participation in intolerant endeavors."' The very language of this pitiful motion betrays its authors. It was rejected by 71 votes against 31, and one could then have let it be quietly laid to rest in the earth from which it was taken. But something happened that gave life to the corpse. Another commoner landowner spoke up for the motion and gave people to understand what he was actually driving at, by expressing himself insultingly about the conference at Rothenmoor. The tolerant gentlemen wanted to bring it about, by means of the secular arm, that preachers should in future attend only rationalist conferences. This so provoked the son of Herr von Maltzan that he had the landowner challenged to a duel in insulting terms. Nothing came of the duel, to be sure, partly because the landowner declined it and became liable to prosecution for breach of the Landtag's peace, partly because Herr von Maltzan the father was too level-headed to lend himself to such a vindication of honor on behalf of his conference. Nonetheless the incident has again poured oil on the fire and given just offense. Whoever undertakes to defend the cause of God should also heed the commandment of God, Matthew 5:22, lest his own zeal consume him. To be sure, the duel is still held by many, even by those who profess the Word of God, to be honorable and chivalrous, notwithstanding that the Apostle says: '"The weapons of our warfare are not carnal."' But the more harm accrues to the Church from this, when her defenders bring her into disrepute with such weapons, the more often the Church will have to repeat the word of Jesus which he spoke to the two sons of thunder: Know ye not what manner of spirit ye are of? The Son of Man is not come to destroy men's lives, but to save them.
On the Union. So writes the Neue Zeitblatt of December 25 of last year: The "spirit of moderation and mildness" which the Union is supposed to signify is at once making itself heard again; publications are being confiscated, their authors sentenced to imprisonment, Lutheran-teaching and Lutheran-officiating clergy are being pressed out of the Church, and from above a tone has been struck up that no one can mistake. All this is entirely in order — namely, in the order of the Union.
The Papacy. The imperial court of justice at Angers decided in the affirmative, on January 26, the question: whether a Catholic wife civilly married to a Catholic can not only demand that he also have himself married to her in church, but also, in the case of the husband's continued refusal to comply with this demand of the wife, whether the latter can petition for a separation (séparation du corps). The Papists thus regard every marriage which their priests have not confirmed as fornication! The "Wahrheitsfreund" declares that this was done "in favor of Christian morality." He means the Jesuitical kind.