Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 2 › Seite 61
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Februar 1861, Seite 61
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung
Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 61
Kirche entwickelt und systematische Fortschritte gemacht haben, steht unseres Erachtens einfach darin: weil sie sich noch nie auf einen einzigen und zwar wesentlichen Lehrbegriff zu einigen gesucht haben. Soll die Menoniten⸗Kirche in America sich erheben, dann müssen ihre Bekenner ihre schroffe Selbstsucht und ihre mächtige Ichheit in solchen Stücken, die nicht im Worte Gottes genau bestimmt sind, wenn es um die allgemeine Erbauung noth thut, sofern fahren lassen, daß nicht ein jeder seine eigene Ansicht den andern aufzudringen sucht. Auch die blinde und verkehrte Meinung, daß die Diener am Amt des Wortes nicht gelehrte und gebildete Männer sein dürfen, muß brechen. Wie kann man erwarten oder sogar verlangen, daß ein Mann die Wahrheit gründlich und auch verständlich darlegen soll, wenn es ihm überall an richtiger Erkenntniß mangelt. Diese Erkenntniß muß der Prediger besitzen, daß er die Irrgeister von dem Geiste der Wahrheit stets unterscheiden kann, sonst ist er einen jeden Augenblick in Gefahr, von Irrgeistern in Irrthümer geleitet zu werden, wodurch er dann andere eben mit demselben Irrthum beflecken kann, wie es leider, Gott erbarm! schon so oft geschehen und so viel Noth auch in unserer Gemeinschaft schon hervorgerufen hat. Auch die grenzenlose Welt⸗ und Geldliebe muß bei uns Mennoniten gebrochen werden, wenn wir denken wollen, daß unsere Gemeinschaft sich je zu einer thätigen Kirchengemeinschaft erheben soll." Hierauf nennt das Volksblatt die dazu nöthigen Institutionen und der Refrain ist allemal: „Aber das kostet Geld!" Der Schreiber scheint wirklich ein verständiger wohlgesinnter Mann zu sein.
Missionar Bräuninger (geb. 1836 zu Crimmitschau in Sachsen), zur Iowa⸗Synode gehörig, ist nach neueren Nachrichten, die das Iowaer Kirchenblatt erhalten hat, von den Indianern jedenfalls ermordet worden.
Die Fortentwicklung. Die deutschen Reformirten sollen jetzt u. A. eine neue Liturgie erhalten. Ueber dieselbe sagt ein Schreiber in der Ref. K.⸗Z. vom 1. Januar: „Ich glaube, daß eine dem Geiste der reformirten Kirche angepaßte kurze Gottesdienstordnung nur Wenigen anstößig sein würde; aber das ist die jetzige Liturgie nicht, weder in Lehre noch Form. Dies braucht keiner Beweisführung für den, der sie kennt, und das hat mir vor einigen Wochen ein warmer Verehrer derselben offenherzig zugestanden, und seine Rechtfertigung war: wir müßten eben an eine Fortentwicklung denken und nicht bei dem Gegebenen stehen bleiben. Ja, das ist's; ich aber für meine Person bin anderer Meinung und sage: der reform. Standpunct ist mir gut genug und ich glaube auch, daß die sog. Entwicklung in diesem Punkte uns nur in eine unselige Verwicklung bringen würde." Man sieht, auch in der ref. Kirche will man Lehränderungen unter dem Namen der Fortentwicklung vornehmen, aber auch da will man die Firma nicht gelten lassen.
Gedanken über die Lage unseres Landes. — Der Luth. Observer vom 23. Decbr. sagt: „Und du, Capernaum, die du erhoben bist bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden. Die Sünde hat sich als die Zerstörung und endliche Vernichtung aller Königreiche und Regierungen in der Vergangenheit erwiesen, und wird sich als solche auch in Zukunft erweisen. Ich habe seit einiger Zeit vorausgesagt, daß der Becher der Ungerechtigkeit der Vereinigten Staaten fast voll sei. Gottes Geduld und Langmuth mit uns ist dem Ende nahe gekommen. Wiederholt hat uns der Allmächtige sein Mißfallen in den jährlichen Heimsuchungen gezeigt, welche verschiedene Theile unseres Vaterlandes betroffen haben, und deren Zweck war, uns unsere Sünden erkennen zu lehren, und uns noch zur rechten Zeit zur Buße zu bringen. Diese Gerichte des göttlichen Zorns sind laute Mahnrufe an das amerikanische Volk gewesen, aber statt einen heilsamen Einfluß zu üben, scheinen sie uns verhärtet und noch verstockter gemacht zu haben, und allem Anschein nach steht der Herr der Welt im Begriff, den verhängnißvollen Schlag zu thun; und wir müssen uns vor ihm in den Staub beugen oder unser nationaler Stolz und unsere Sünden ruiniren uns auf immer. Möchten doch angesichts solcher schrecklichen Folgen die Christen in Nord und Süd, in Ost und West sich zu stetem Flehen vor dem Thron der Gnade für unser Vaterland verbinden!" Wir stimmen diesen ernsten Worten von ganzem Herzen bei. Der Herr allein ist unsere Hilfe, er allein kann unser Land aus seiner Gefahr retten und das drohende Unglück abwenden, wodurch
English translation AI translation
Church and Contemporary Notes. 61
church and made systematic progress lies, in our judgment, simply in this: that they have never yet sought to agree on a single, truly essential doctrinal position. If the Mennonite Church in America is to rise, then its adherents must let go of their harsh self-will and their overbearing egotism in matters not precisely determined by God's Word, whenever the common edification requires it, so that not everyone seeks to force his own view upon the others. Likewise the blind and perverse opinion that the servants of the ministry of the Word may not be learned and educated men must be broken. How can one expect or even demand that a man set forth the truth thoroughly and also intelligibly, when he everywhere lacks correct understanding? The preacher must possess this understanding, so that he can always distinguish the spirits of error from the Spirit of truth; otherwise he is in danger at every moment of being led by spirits of error into errors, whereby he may then stain others with that same error — as has, alas, God have mercy, so often happened already and has caused so much distress even within our own fellowship. Likewise the boundless love of the world and of money must be broken among us Mennonites, if we wish to think that our fellowship should ever rise to become an active church fellowship." Upon this the Volksblatt names the institutions necessary for that purpose, and the refrain is always the same: "But that costs money!" The writer really does seem to be a sensible, well-meaning man.
Missionary Bräuninger (born 1836 at Crimmitschau in Saxony), belonging to the Iowa Synod, has, according to more recent reports received by the Iowa Kirchenblatt, in any case been murdered by the Indians.
Further Development. The German Reformed are now, among other things, to receive a new liturgy. Concerning it, a writer in the Reformed Kirchenzeitung says, under January 1: "I believe that a brief order of service suited to the spirit of the Reformed Church would offend only a few; but that is not what the present liturgy is, neither in doctrine nor in form. This needs no proof for anyone who knows it, and this was frankly admitted to me a few weeks ago by a warm admirer of it, and his justification was: we must simply think in terms of further development and not remain standing at what has been given. Yes, that is just it; but for my own part I am of a different opinion and say: the Reformed standpoint is good enough for me, and I also believe that the so-called development on this point would only bring us into an unhappy entanglement." One sees that in the Reformed Church too people wish to make changes in doctrine under the name of "further development," but there too they will not let the label stand unchallenged.
Thoughts on the State of Our Country. — The Lutheran Observer of December 23 says: "And thou, Capernaum, which art exalted unto heaven, thou shalt be thrust down to hell. Sin has proven itself in the past to be the destruction and final ruin of all kingdoms and governments, and will prove itself to be such in the future as well. I have for some time predicted that the cup of the iniquity of the United States is nearly full. God's patience and longsuffering with us have drawn near their end. Repeatedly the Almighty has shown us His displeasure in the yearly visitations that have befallen various parts of our fatherland, the purpose of which was to teach us to recognize our sins and to bring us to repentance while there was yet time. These judgments of divine wrath have been loud warning calls to the American people, but instead of exerting a wholesome influence they seem to have made us hardened and still more obstinate, and to all appearances the Lord of the world is about to strike the fateful blow; and we must bow ourselves before Him in the dust, or our national pride and our sins will ruin us forever. Would that, in the face of such dreadful consequences, the Christians of North and South, of East and West, might unite in constant supplication before the throne of grace for our fatherland!" We agree with these earnest words with our whole heart. The Lord alone is our help; He alone can save our land from its peril and avert the threatening calamity, whereby