Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 2 › Seite 53
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Februar 1861, Seite 53
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung
Referat über die rechte Predigt der Lehre von der Rechtfertigung. 53
denn der Gläubige, nach Luthers Worten, zu Christo sprechen: „HErr Jesu, ich bin deine Sünde, aber du bist meine Gerechtigkeit; meine Schuld ist dein aber dein Verdienst ist mein.“
Zum Achten sind in solcher Lehre vom Glauben unbedingt auszuschließen sowohl alle vorausgehenden Gesetzeswerke, als alle nachfolgenden Werke des neuen Gehorsams, desgleichen alle Leiden, Büßungen, selbsterwählte Andacht und Gottesdienst, fromme Gefühle und deß etwas, als wirkten sie auch nur zum kleinsten Theile mit, die Vergebung der Sünden zu verdienen und die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, sich zu erwerben. Denn „allein dem, der nicht mit Werken umgeht, glaubet aber dem, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit,“ Röm. 4, 5.
Es ist also falsch gepredigt, wenn z. B. gesagt wird: der Glaube, wenn er durch die Liebe thätig wird, macht gerecht und selig, sondern also ist zu predigen, der Glaube, der aus dem Evangelio Christum, als des Sünders Gerechtigkeit ergreift, wird darnach durch die Liebe thätig.
Zum Neunten ist sonderlich zu betonen, daß der Glaube, es sei der eines siebenjährigen Kindes oder eines siebzigjährigen erfahrenen und gereiften Christen purlauterlich am göttlichen Worte hange und hafte und daraus allein seine Kraft und Nahrung ziehe, auch ohne alles Fühlen der Gnade Gottes und der Liebe Christi, ja wider alles Fühlen der Schuld der Sünde, der Ungnade und des Zornes Gottes, und wider alle Regungen und Gedanken des Unglaubens.
Zum Zehnten ist auch deß Erwähnung zu thun, daß die Vergebung der Sünde durchaus nicht abhange oder bedingt sei von der Stärke des Glaubens, sondern, daß es allein auf die Lauterkeit des Glaubens ankomme, daß nämlich in dem Geiste des Menschen keine Heuchelei und kein Falsch sei; denn auch das schwächste Kind kann dieselbe Perle in der Hand halten, wie der starke Mann.
Zum Eilften wäre beim Handeln dieser Lehre auch schließlich zu bezeugen, wie es, gegenüber dem Evangelio, als der Kundmachung und Ausrufung der bereits in der Auferweckung Christi thatsächlich von Gott vollzogenen Rechtfertigung Adams und aller seiner Kinder, damit eben alle glauben und dadurch ihnen nur zwar jedem Einzelnen die Vergebung der Sünden mitgetheilt und zugeeignet werde, keine andere Sünden gebe, als den Unglauben des Menschen. Denn der Ungläubige erklärt Gott, gerade in solchem gnädigen Evangelio, dieser süßesten und tröstlichsten Predigt, für einen Lügner und stößt die auch für ihn in der Auferweckung Christi bereits thatsächlich vollzogene Absolution muthwillens von sich wie Christus sagt: „sie wollen nicht an mich glauben, daß sie das Leben haben.“
Dieses wäre nun, den Hauptstücken nach, die gnaden⸗ und trostreiche Lehre von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott; und so wir Diener des Worts sie also führen, so haben wir wenigstens das Unsere gethan, um durch den göttlichen Samen dieses Evangelii, aus Kraft der Gnade, Gotte Kinder zu zeugen, die eben als Gerechtfertigte und Wiedergeborene durch den
English translation AI translation
Referat on the Right Preaching of the Doctrine of Justification. 53
the believer, according to Luther's words, may say to Christ: "Lord Jesus, I am your sin, but you are my righteousness; my guilt is yours, but your merit is mine."
Eighth, in this doctrine of faith there must unconditionally be excluded both all preceding works of the Law and all subsequent works of the new obedience, likewise all sufferings, penances, self-chosen devotions and forms of worship, pious feelings, and anything of that sort — as though they, even in the smallest part, contributed toward meriting the forgiveness of sins and acquiring the righteousness that avails before God. For "to him who does not work, but believes on him who justifies the ungodly, his faith is counted for righteousness," Romans 4:5.
It is therefore falsely preached when, for instance, it is said: faith, when it becomes active through love, makes righteous and blessed; rather, it is to be preached thus: faith, which out of the Gospel lays hold of Christ as the sinner's righteousness, afterward becomes active through love.
Ninth, it is to be especially emphasized that faith — be it that of a seven-year-old child or that of a seasoned and mature Christian of seventy years — clings and holds purely and simply to the divine Word, and draws from it alone its power and nourishment, even apart from any feeling of God's grace and Christ's love, indeed against every feeling of the guilt of sin, of disfavor, and of God's wrath, and against all stirrings and thoughts of unbelief.
Tenth, mention must also be made that the forgiveness of sin in no way depends upon or is conditioned by the strength of faith, but rather that everything depends solely on the purity of faith — namely, that there be no hypocrisy and no falsehood in the spirit of the man; for even the weakest child can hold the very same pearl in its hand as the strong man.
Eleventh, in the handling of this doctrine it would finally also have to be testified how, over against the Gospel — as the proclamation and announcement of the justification of Adam and all his children already in fact accomplished by God in the raising of Christ, so that all might believe, and thereby the forgiveness of sins be imparted and appropriated to each individual — there is no other sin than man's unbelief. For the unbeliever, precisely in the face of this gracious Gospel, this sweetest and most comforting of all preaching, declares God to be a liar, and willfully casts from himself the absolution already in fact accomplished for him too in the raising of Christ, just as Christ says: "they will not believe on me, that they might have life."
This, then, would be, according to its chief parts, the doctrine, rich in grace and comfort, of the justification of the sinner before God; and if we, as ministers of the Word, thus set it forth, we have at least done our part, so that through the divine seed of this Gospel, by the power of grace, we might beget children for God, who, being justified and reborn through the