# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 61 Kirche entwickelt und systematische Fortschritte gemacht haben, steht unseres Erachtens einfach darin: weil sie sich noch nie auf einen einzigen und zwar wesentlichen Lehrbegriff zu einigen gesucht haben. Soll die Menoniten⸗Kirche in America sich erheben, dann müssen ihre Bekenner ihre schroffe Selbstsucht und ihre mächtige Ichheit in solchen Stücken, die nicht im Worte Gottes genau bestimmt sind, wenn es um die allgemeine Erbauung noth thut, sofern fahren lassen, daß nicht ein jeder seine eigene Ansicht den andern aufzudringen sucht. Auch die blinde und verkehrte Meinung, daß die Diener am Amt des Wortes nicht gelehrte und gebildete Männer sein dürfen, muß brechen. Wie kann man erwarten oder sogar verlangen, daß ein Mann die Wahrheit gründlich und auch verständlich darlegen soll, wenn es ihm überall an richtiger Erkenntniß mangelt. Diese Erkenntniß muß der Prediger besitzen, daß er die Irrgeister von dem Geiste der Wahrheit stets unterscheiden kann, sonst ist er einen jeden Augenblick in Gefahr, von Irrgeistern in Irrthümer geleitet zu werden, wodurch er dann andere eben mit demselben Irrthum beflecken kann, wie es leider, Gott erbarm! schon so oft geschehen und so viel Noth auch in unserer Gemeinschaft schon hervorgerufen hat. Auch die grenzenlose Welt⸗ und Geldliebe muß bei uns Mennoniten gebrochen werden, wenn wir denken wollen, daß unsere Gemeinschaft sich je zu einer thätigen Kirchengemeinschaft erheben soll." Hierauf nennt das Volksblatt die dazu nöthigen Institutionen und der Refrain ist allemal: „Aber das kostet Geld!" Der Schreiber scheint wirklich ein verständiger wohlgesinnter Mann zu sein. Missionar Bräuninger (geb. 1836 zu Crimmitschau in Sachsen), zur Iowa⸗Synode gehörig, ist nach neueren Nachrichten, die das Iowaer Kirchenblatt erhalten hat, von den Indianern jedenfalls ermordet worden. Die Fortentwicklung. Die deutschen Reformirten sollen jetzt u. A. eine neue Liturgie erhalten. Ueber dieselbe sagt ein Schreiber in der Ref. K.⸗Z. vom 1. Januar: „Ich glaube, daß eine dem Geiste der reformirten Kirche angepaßte kurze Gottesdienstordnung nur Wenigen anstößig sein würde; aber das ist die jetzige Liturgie nicht, weder in Lehre noch Form. Dies braucht keiner Beweisführung für den, der sie kennt, und das hat mir vor einigen Wochen ein warmer Verehrer derselben offenherzig zugestanden, und seine Rechtfertigung war: wir müßten eben an eine Fortentwicklung denken und nicht bei dem Gegebenen stehen bleiben. Ja, das ist's; ich aber für meine Person bin anderer Meinung und sage: der reform. Standpunct ist mir gut genug und ich glaube auch, daß die sog. Entwicklung in diesem Punkte uns nur in eine unselige Verwicklung bringen würde." Man sieht, auch in der ref. Kirche will man Lehränderungen unter dem Namen der Fortentwicklung vornehmen, aber auch da will man die Firma nicht gelten lassen. Gedanken über die Lage unseres Landes. — Der Luth. Observer vom 23. Decbr. sagt: „Und du, Capernaum, die du erhoben bist bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden. Die Sünde hat sich als die Zerstörung und endliche Vernichtung aller Königreiche und Regierungen in der Vergangenheit erwiesen, und wird sich als solche auch in Zukunft erweisen. Ich habe seit einiger Zeit vorausgesagt, daß der Becher der Ungerechtigkeit der Vereinigten Staaten fast voll sei. Gottes Geduld und Langmuth mit uns ist dem Ende nahe gekommen. Wiederholt hat uns der Allmächtige sein Mißfallen in den jährlichen Heimsuchungen gezeigt, welche verschiedene Theile unseres Vaterlandes betroffen haben, und deren Zweck war, uns unsere Sünden erkennen zu lehren, und uns noch zur rechten Zeit zur Buße zu bringen. Diese Gerichte des göttlichen Zorns sind laute Mahnrufe an das amerikanische Volk gewesen, aber statt einen heilsamen Einfluß zu üben, scheinen sie uns verhärtet und noch verstockter gemacht zu haben, und allem Anschein nach steht der Herr der Welt im Begriff, den verhängnißvollen Schlag zu thun; und wir müssen uns vor ihm in den Staub beugen oder unser nationaler Stolz und unsere Sünden ruiniren uns auf immer. Möchten doch angesichts solcher schrecklichen Folgen die Christen in Nord und Süd, in Ost und West sich zu stetem Flehen vor dem Thron der Gnade für unser Vaterland verbinden!" Wir stimmen diesen ernsten Worten von ganzem Herzen bei. Der Herr allein ist unsere Hilfe, er allein kann unser Land aus seiner Gefahr retten und das drohende Unglück abwenden, wodurch