Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 2 › Seite 63
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Februar 1861, Seite 63
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung
Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 63
„daß der Angeklagte des Preßvergehens schuldig und mit einer Geldbuße von 30 Thalern, welcher im Unvermögensfalle eine vierzehntägige Gefängnißstrafe zu substituiren, zu bestrafen und die Untersuchungskosten zu tragen verbunden. Von Rechts Wegen." Das Königliche Kammergericht hat dieses Urtheil des K. Stadtgerichts lediglich bestätigt. Die Sache, schreibt Hengstenberg unter dem 13. Oct. v. J., kommt jetzt vor das K. Obertribunal.
Würzburg. Hier ist ein Carmeliter⸗Mönch Franz Ammer (sein Mönchsname war Natalis), ein geborner Münchner, Procurator und damit Bibliothekar des Klosters, durch das Lesen der vorgefundenen Schriften Luthers mitten in päbstlicher Finsterniß zum Licht hindurchgedrungen und hierauf zur luth. Kirche übergetreten. Die ultramontanen Blätter gießen Gift und Galle über den lieben Mann aus; er hat einstweilen die Krischna bei Basel zu seiner Zufluchtsstätte gewählt.
Dänemark. Von Kopenhagen wird der Allg. K.⸗Z. unter dem 26. September geschrieben: Die Grundtwig'sche Parthei ist zur Zeit die betriebsamste und einflußreichste in der Kirche, ihre Anhänger werden in auffallender Weise durch Beförderungen begünstigt. Dem Minister ist es gewöhnlich nur darum zu thun, daß irgend ein „Leben" hervorgerufen werde, und solches Leben bringen allerdings diese gebornen Demagogen in die von ihnen geleiteten Gemeinden mit sich. Natürlich wird neben der religiösen die politische, demokratisch⸗nationale Demagogie nicht versäumt.
Ungarn. Hier fand am 19. Dezbr. vorigen Jahres ein s. g. „Verbrüderungsfest" zwischen Christen (?) und Juden statt, wobei Superintendent Töröck den Vorsitz führte und mit dem Glase in der Hand in einer begeisternden Rede die Verbrüderung „bis auf Abraham zurückführte."
Mühlhausen. Hier veranstaltete man vor kurzem eine öffentliche Feier des hundertjährigen Geburtstages des bekannten rationalistischen Superintendenten Demme, dessen rationalistische Lieder in großer Anzahl in das Mühlhäuser Gesangbuch aufgenommen worden waren. Die Festrede zu halten war einer der Geistlichen unserer Stadt aufgefordert. Schon sind die Programme ausgegeben, und die versammelten Festgenossen harren der Lobrede. Da that der Festredner den Mund auf und erklärte, wie er der Aufforderung zu dieser Rede sich nicht habe entziehen wollen, wie er aber, als Diener am Worte Gottes, der Wahrheit die Ehre schuldig sei, und daher nicht umhin könne, zu erklären, daß der Jubilar einem in der Theologie längst überwundenen Standpunkte angehört habe, daß er Rationalist gewesen, und seine Lieder darum zu verwerfen seien, auch das von ihm redigirte Gesangbuch den Anforderungen der neuen Zeit auf die Länge nicht werde widerstehen können, wie er, der Redner, sich principiell von ihm unterscheide und nicht mit ihm vermischt sein wolle. Daran fügte er einige Notizen über das Leben und die Wirksamkeit desselben, und obwohl er dabei die etwaigen Verdienste des Mannes um unsere Stadt, deren hauptsächlichstes in der Abtrennung der Bürgerschule vom Gymnasium besteht, gebührend hervorhob, konnte doch der überwältigende Eindruck seines Bekenntnisses dadurch nicht verwischt werden. Der auf ihn folgende Redner, ein Lehrer des Gymnasiums, machte zwar alle Anstrengung, die Gemüthlichkeit und Harmlosigkeit der Demme'schen Zeit, in der es noch keine theologischen Streitigkeiten gegeben, und den Charakter des „hochverehrten" Jubilars in ein beneidenswerthes Licht zu setzen, vermochte aber doch nicht, die gestörte Stimmung der Festgenossen wieder herzustellen. (N. Pr. Z.)
Aus London schreibt ein Correspondent der Allgem. Kirchenz. von Darmstadt unter dem 20. Sept.: „Wir sehen einen Liberalismus auftauchen, der sich jetzt hier unter dem Namen broad Church geltend macht, wonach Jemand so zu sagen alle Dogmen im weitesten Sinne, d. h. rationalistisch, auffassen kann. Der Puseyismus ist sehr in Abnahme begriffen und an dessen Stelle tritt, oder soll nunmehr der Rationalismus treten." Es ist das ganz in der Ordnung. Der Puseyismus, so sehr er anfänglich manchem der lutherischen Objectivität sich zuzuneigen schien, war falsche Objectivität und falsche Kirchlichkeit. Er trug die Keime des Romanismus in sich, aber so unkräftig, daß er in Rationalismus umschlagen mußte.
Der Gustav⸗Adolf⸗Verein Westphalens hielt im Juli v. J. seine Jahresversammlung. Selbst ein Glied desselben klagt über die Haltung, die der Verein den Lutheranern gegenüber beobachtet. Dasselbe schreibt in einem Berichte, den wir in der Allgem. Kirch.⸗Z. finden: Es macht einen betrübenden Eindruck, wenn Jahr aus Jahr ein rücksichtsloses Polemisiren gegen die „exclusiv Confessionellen" angehört werden muß. Referent rechnet sich nicht unter die Classe der Letzteren, kann es aber in keiner Weise für ersprießlich halten für die Sache des Vereins, wenn selbst von Männern, die sich nicht unter die enrangirten Unionisten zählen, in solchem Ton mehr oder weniger deutlich eingestimmt wird. Wenn auch nicht viele, so sind doch gewöhnlich einige Deputirte von confessionell lutherischer Richtung zugegen; wir könnten es ihnen wahrlich nicht verdenken, wenn sie nicht wiederkämen, im Bewußtsein dessen: „dahin passen wir nicht", und wenn sie ihre Thätigkeit für die zerstreuten Glaubensgenossen in anderer Form festsetzten. Wurden doch in der vorjährigen,
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Church and Contemporary Notes. 63
"...that the accused is guilty of a press offense and, punishable by a fine of 30 thalers, to be commuted, in case of inability to pay, into fourteen days' imprisonment, and liable for the costs of the investigation. By law." The Royal Court of Appeals has simply confirmed this judgment of the Royal City Court. The case, Hengstenberg writes under October 13 of last year, now goes before the Royal Supreme Tribunal.
Würzburg. Here a Carmelite monk, Franz Ammer (his monastic name was Natalis), a native of Munich, procurator and thereby librarian of the monastery, by reading the writings of Luther that he found there, broke through, in the midst of papal darkness, to the light, and thereupon went over to the Lutheran Church. The ultramontane papers pour venom and gall on the good man; he has for the time being chosen "Krischna" near Basel as his refuge [almost certainly the Chrischona mission house near Basel; "Krischna" is printed as set].
Denmark. From Copenhagen it is written to the Allg. K.-Z. under September 26: The Grundtvigian party is at present the most active and influential in the Church; its adherents are favored in a striking manner through promotions. It is usually the Minister's only concern that some sort of "life" be stirred up, and such life these born demagogues certainly do bring with them into the congregations they lead. Naturally, alongside the religious, the political, democratic-national demagoguery is not neglected either.
Hungary. Here, on December 19 of last year, there took place a so-called "fraternization festival" between Christians (?) and Jews, at which Superintendent Török presided and, glass in hand, in a rousing speech, traced the fraternization "back to Abraham."
Mühlhausen. Here a public celebration was recently held of the hundredth birthday of the well-known rationalist superintendent Demme, whose rationalist hymns had been taken up in large numbers into the Mühlhausen hymnal. One of the clergy of our city had been asked to deliver the festival address. The programs had already been distributed, and the assembled celebrants awaited the eulogy. Then the festival speaker opened his mouth and declared that, while he had not wished to decline the invitation to give this address, he must, as a servant of the Word of God, be true to the truth, and could therefore not refrain from stating that the man being honored had held a position long since overcome in theology, that he had been a rationalist, and that his hymns must therefore be rejected, and that the hymnal he had edited would in the long run not be able to withstand the demands of the new age; and that he, the speaker, differed from him on principle and did not wish to be identified with him. He added to this a few notes on the man's life and activity, and although he duly acknowledged the man's possible merits toward our city — chiefly, the separation of the town school from the Gymnasium — the overwhelming impression of his confession could not thereby be erased. The speaker who followed him, a teacher at the Gymnasium, made every effort to cast the geniality and harmlessness of Demme's era, in which there had as yet been no theological controversies, and the character of the "highly honored" celebrant, in an enviable light, but was nevertheless unable to restore the disturbed mood of the assembled company. (N. Pr. Z.)
From London a correspondent of the Allgem. Kirchenzeitung of Darmstadt writes under September 20: "We see a liberalism emerging here, which now asserts itself under the name of the broad Church, according to which someone may, so to speak, take all dogmas in the widest sense, that is, rationalistically. Puseyism is greatly on the decline, and in its place rationalism is now stepping in, or is to step in." That is quite in order. Puseyism, however much it at first seemed to some to incline toward Lutheran objectivity, was a false objectivity and a false churchliness. It carried the seeds of Romanism within itself, but so feebly that it was bound to turn into rationalism.
The Gustavus Adolphus Society of Westphalia held its annual meeting in July of last year. Even a member of the society complains about the attitude the society displays toward Lutherans. He writes, in a report we find in the Allgem. Kirch.-Z.: It makes a distressing impression when, year after year, one must listen to reckless polemicizing against the "exclusively confessional." The writer does not count himself among the ranks of the latter, but he can in no way consider it profitable for the cause of the society when even men who do not count themselves among the committed Unionists join in, more or less clearly, in such a tone. Although not many, there are usually a few delegates of confessionally Lutheran leaning present; we could truly not blame them if they did not come again, conscious that "we do not belong here," and if they arranged their activity on behalf of the scattered fellow believers in some other form. Indeed, at last year's,