# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S53 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Predigt der Lehre von der Rechtfertigung. 53 denn der Gläubige, nach Luthers Worten, zu Christo sprechen: „HErr Jesu, ich bin deine Sünde, aber du bist meine Gerechtigkeit; meine Schuld ist dein aber dein Verdienst ist mein.“ Zum Achten sind in solcher Lehre vom Glauben unbedingt auszuschließen sowohl alle vorausgehenden Gesetzeswerke, als alle nachfolgenden Werke des neuen Gehorsams, desgleichen alle Leiden, Büßungen, selbsterwählte Andacht und Gottesdienst, fromme Gefühle und deß etwas, als wirkten sie auch nur zum kleinsten Theile mit, die Vergebung der Sünden zu verdienen und die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, sich zu erwerben. Denn „allein dem, der nicht mit Werken umgeht, glaubet aber dem, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit,“ Röm. 4, 5. Es ist also falsch gepredigt, wenn z. B. gesagt wird: der Glaube, wenn er durch die Liebe thätig wird, macht gerecht und selig, sondern also ist zu predigen, der Glaube, der aus dem Evangelio Christum, als des Sünders Gerechtigkeit ergreift, wird darnach durch die Liebe thätig. Zum Neunten ist sonderlich zu betonen, daß der Glaube, es sei der eines siebenjährigen Kindes oder eines siebzigjährigen erfahrenen und gereiften Christen purlauterlich am göttlichen Worte hange und hafte und daraus allein seine Kraft und Nahrung ziehe, auch ohne alles Fühlen der Gnade Gottes und der Liebe Christi, ja wider alles Fühlen der Schuld der Sünde, der Ungnade und des Zornes Gottes, und wider alle Regungen und Gedanken des Unglaubens. Zum Zehnten ist auch deß Erwähnung zu thun, daß die Vergebung der Sünde durchaus nicht abhange oder bedingt sei von der Stärke des Glaubens, sondern, daß es allein auf die Lauterkeit des Glaubens ankomme, daß nämlich in dem Geiste des Menschen keine Heuchelei und kein Falsch sei; denn auch das schwächste Kind kann dieselbe Perle in der Hand halten, wie der starke Mann. Zum Eilften wäre beim Handeln dieser Lehre auch schließlich zu bezeugen, wie es, gegenüber dem Evangelio, als der Kundmachung und Ausrufung der bereits in der Auferweckung Christi thatsächlich von Gott vollzogenen Rechtfertigung Adams und aller seiner Kinder, damit eben alle glauben und dadurch ihnen nur zwar jedem Einzelnen die Vergebung der Sünden mitgetheilt und zugeeignet werde, keine andere Sünden gebe, als den Unglauben des Menschen. Denn der Ungläubige erklärt Gott, gerade in solchem gnädigen Evangelio, dieser süßesten und tröstlichsten Predigt, für einen Lügner und stößt die auch für ihn in der Auferweckung Christi bereits thatsächlich vollzogene Absolution muthwillens von sich wie Christus sagt: „sie wollen nicht an mich glauben, daß sie das Leben haben.“ Dieses wäre nun, den Hauptstücken nach, die gnaden⸗ und trostreiche Lehre von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott; und so wir Diener des Worts sie also führen, so haben wir wenigstens das Unsere gethan, um durch den göttlichen Samen dieses Evangelii, aus Kraft der Gnade, Gotte Kinder zu zeugen, die eben als Gerechtfertigte und Wiedergeborene durch den