Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 10 › Seite 290

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1857, Seite 290

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290   Von einem Landpfarrer.

Person, sind die Gläubigen geeint, sondern vermittelst des Glaubens auch in derjenigen, welche dem Menschen seiner Natur nach möglich ist.

Der durch räumliche Nähe veranlaßte Verkehr, in welchem die Menschen in gegenseitige Mittheilung treten, durch die Sprache und das Handeln in derselben Umgebung auf einander einwirken und Handlungen aus Nothwendigkeit gemeinsam ausführen, wie dies ein Gemeinde⸗Verband mit sich führt und wozu er gebildet wird, ist noch keine Vereinigung. Denn im bloßen Verkehr kommen die Menschen mit verschiedenen Zwecken zu einander. Was dem Einen Zweck ist, gebraucht der Andere als Mittel, das Seine zu erlangen, etwas Eigenes zu gewinnen. Durch bestimmte Einwirkung des Einen auf den Anderen stehen sie als Verschiedene im bloßen Verkehr. Erst wo gegenseitige Leistung nicht mehr gefordert, sondern etwas mit Einer Gesinnung gemeinsam betrieben wird, haben Menschen sich wahrhaft gesellt, zu einer Gesellschaft vereinigt. Nicht die gegenseitigen Leistungen, welche der sichtbare Gemeinde⸗Verband fordert, sondern der Glaube vereinigt die Christen und bildet eine wahre heilige Gesellschaft oder Gemeinde und zwar ohne dazu eines räumlichen Zusammentretens zu bedürfen.

Trifft irgend wo in der weiten Welt ein Gläubiger mit einem anderen Menschen zusammen, welcher Zeugniß von seinem Glauben an Christum ablegt, er komme vom Aufgang oder Niedergang, so werden diese Beiden nicht etwa, wie es unter jeder Art Menschen vorkommen kann, über die Uebereinstimmung in ihrer Gesinnung sich überrascht finden, nicht bloß in freundschaftlicher Neigung zu einander sich hingezogen fühlen. Sie werden sich sogleich als Glieder Einer heiligen Gesellschaft, der Gemeinde Jesu Christi erkennen. Als solche sind sie nicht allein fähig, Jeder die Gedanken des Anderen in sich aufzunehmen und in die des Anderen hinüber zu treten; ohne durch die besondere Persönlichkeit gehindert zu sein, sich gegenseitig geistig zu durchdringen; ohne weitere Mittheilungen ihre ganze Gesinnung zu verstehen; sie wissen auch, daß derselbe Wille, dieselben Wünsche, Strebungen u. s. w. in ihnen vorhanden sind; daß ein und dasselbe göttliche Leben in ihnen waltet. Sie stehen in wahrer Vereinigung. Nur insofern ist ein Irrthum möglich, als der Glaube ein erheuchelter sein kann, was der Mensch keineswegs immer zu durchschauen vermag.

Was sich bei räumlichem Zusammensein der Gläubigen offenbaren kann, ist in ihnen auch ohne das räumliche Zusammen vorhanden. Nicht bloß ähnliche Sinnesart wiederholt sich in Allen, nicht bloß sind sie insofern Eins, als ein Zuschauer sie in Einen Begriff zusammen faßt, sondern auch sie selbst sind durch Einen Geist unter einander verbunden. Was als Glaubensleben in ihnen waltet, schreibt sich Keiner als seine Eigenthümlichkeit, als seinen Privatwillen zu, hält es auch nicht für den Privatwillen, die Eigenthümlichkeit des Anderen, sondern die Gläubigen betrachten sich unter einander in dem gegenseitigen Vertrauen, daß Niemand unter ihnen etwas Besonderes will, sondern daß Ein Wille, Ein Geist sie beseele, welchen kein Einzelner als

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290   From a Country Pastor.

person, are believers united, but by means of the faith which is possible to man according to his nature.

The intercourse occasioned by spatial nearness, in which men enter into mutual communication, act upon one another through speech and through their conduct in the same surroundings, and out of necessity perform actions in common — such as a congregational union brings with it and for which it is formed — is not yet a union. For in mere intercourse men come together with different purposes. What is an end for the one, the other uses as a means to attain his own, to gain something of his own. Through a definite influence of the one upon the other they stand as distinct persons in mere intercourse. Only where mutual performance is no longer demanded, but where something is carried on in common with one disposition, have men truly associated themselves, united into a society. Not the mutual performances which the visible congregational union requires, but faith unites Christians and forms a true holy society or congregation, and that without needing a spatial coming-together for it.

If anywhere in the wide world a believer meets with another man who bears witness of his faith in Christ — let him come from the rising or the setting of the sun — these two will not merely find themselves surprised at the agreement in their disposition, as may happen among every kind of men, nor merely feel themselves drawn to one another in friendly inclination. They will at once recognize each other as members of one holy society, the congregation of Jesus Christ. As such they are not only able each to take the other's thoughts into himself and to pass over into the other's thoughts; to interpenetrate one another spiritually without being hindered by their particular personalities; to understand each other's whole disposition without further communications; they also know that the same will, the same wishes, strivings, and so forth are present in them; that one and the same divine life rules in them. They stand in true union. An error is possible only insofar as faith can be feigned, which man is by no means always able to see through.

What can become manifest in a spatial being-together of believers is present in them also without the spatial togetherness. Not merely a similar cast of mind repeats itself in all; not merely are they one insofar as an observer comprehends them under one concept; but they themselves are also bound to one another by one Spirit. What rules in them as the life of faith, no one ascribes to himself as his own peculiarity, as his private will, nor does he hold it to be the private will, the peculiarity, of the other; rather the believers regard one another in the mutual confidence that no one among them wills anything of his own, but that one will, one Spirit animates them, which no individual as