Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 8 › Seite 250

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1863, Seite 250

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250 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.

einer schwachen Seele und erntet nur Spott und Verachtung bei dem verständigen Theil der Englischen Gemeinschaft. Kirchen Englischer Abkunft wissen den Werth des deutschen Elementes in unserem Lande zu schätzen und machen die stärksten Anstrengungen, dasselbe durch Missionen und Missionsschulen unter ihren Einfluß zu bringen. Bei Episcopalen, Presbyterianern, Methodisten und Baptisten wird ein deutscher Proselyt als eine werthvolle Acquisition betrachtet. Einige von den Säulen dieser Kirchen sind Abkömmlinge von Deutschen und stolz auf ihren Ursprung. Die Wichtigkeit, die Abkömmlinge der deutschen Lutheraner unseren Englischen Gemeinden zu sichern, drängt sich unseren Seelen gewaltsam auf, wenn wir das Material prüfen, aus welchem die Amerikanisch⸗Lutherische Kirche zusammengesetzt ist. Ziehen wir von unseren Gemeinden diejenigen ab, die deutscher Herkunft sind, so bleiben nur wenige übrig. Zum Beispiel: nimm irgend eine unserer Englisch-Lutherischen Gemeinden und du wirst finden, daß eine sehr große Majorität ihrer Glieder von Deutschen abstammt, entweder in der männlichen oder in der weiblichen Linie, und daß sich ihre Verbindung mit unserer Kirche von dieser Thatsache herschreibt. Sie bilden ungefähr vier Fünftheile unserer numerischen Stärke. Als ein beiläufiger Beweis dieser Bemerkung diene, daß ich bei Prüfung einer der wöchentlichen Subscribenten-Listen im Observer herausfand, daß volle zwei Drittheile der Namen Deutsche waren. Ohne Zweifel war die Hälfte der Uebrigen auch deutscher Abkunft in der weiblichen Linie. An den meisten Orten ist unser Zuwachs von dem rein Englischen Theil der Gemeinschaft in Einer Beziehung meist zufällig. Bisweilen rührt er von Heirath her oder von dem Nichtvorhandensein der besonderen Kirche, zu welcher die Leute gehörten, nur selten aber von einer durch derlei Rücksichten unbeeinflußten Wahl. Ist diese Darstellung richtig — und wir denken, daß eine Nachforschung sie bestätigen wird —, so ist klar, daß die Englisch-Lutherische Kirche genau in dem Verhältniß wachsen wird, als es uns gelingt, auf das deutsche Element, mit welchem Gott uns in seiner Vorsehung umgeben hat, Einfluß zu üben und dasselbe an uns zu ziehen. Es ist die Quelle unseres Wachsthums gewesen in der Vergangenheit und wird sie auch sein in der Zukunft." — Gewiß ein anerkennendes Zugeständniß, das für um so aufrichtiger zu halten ist, je schwerer es den stolzen Amerikanern fällt, dergleichen zu machen. Wenn aber die Englischen so vielen Fleiß thun zu müssen glauben, das deutsche Element für ihre Kirche zu gewinnen, wie vielmehr sollten doch wir Deutsche den möglichsten Fleiß anwenden, es für uns und unsere Kirche zu erhalten! Gott will uns zu eifern reizen; laßt uns ja nicht träge und müßig sein! — C.

Iowa Synode. In dem „Kirchenblatt" derselben findet sich eine Geschichte ihres Seminars in Dubuque. Herr Großmann schließt diese Geschichte in der Juli⸗Nummer mit dem Endurtheil: „Der Herr hat dies Pflänzlein seiner Hand lieb, von Herzen lieb." Dies auf mehrmalige Hülfe aus allerlei gewissen Verlegenheiten, überhaupt auf äußerliche Erfolge zu gründen, ist überaus thöricht; daß Gott eine Anstalt zur Erziehung von Predigern des Evangeliums als „Pflänzlein seiner Hand lieb, von Herzen lieb" habe, läßt sich mit Sicherheit allein daraus schließen, daß darin die Zöglinge zugerüstet werden, das Wort Gottes unverfälscht, ohne alle Beigabe von Menschenlehren, Träumereien und Schwärmereien zu verkündigen. Ohne dieses Kennzeichen ist es höchst vermessen, eine solche Anstalt für Gottes Liebling zu halten und auszuposaunen.

Der „Fröhliche Botschafter," Organ der Vereinigten Brüder in Christo, hatte vor kurzem einen eingesendeten Artikel, der vielen dieser „Brüder" als nicht christlich anstößig war. Hierauf bemerkt der Redacteur in der Nummer vom 9. Juli: „Wo so wenig Originales für ein Blatt erhalten wird, wie bei uns der Fall ist, nimmt man es eben nicht so genau. Wäre es eine Möglichkeit, wir würden gern alles vermeiden, was unsern Lesern zuwider sein möchte. Wenn aber der eine Theil Brühe will, während der andere Brocken verlangt, aber doch nicht aus Einer Schüssel essen wollen, dann kommen wir manchmal in die Enge, und wenn unsere besten und emsigsten Correspondenten den Lesern nicht gefallen können, werden wir bald unsere ganze Zuflucht zu der Scheere nehmen müssen." Es gibt auch noch eine andere Zuflucht. Wir erinnern nur an den mennonitischen Redacteur im Juliheft dieses Blattes S. 220. 221.

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250 Church and Contemporary History.

of a weak soul, and earns only mockery and contempt from the sensible portion of the English community. Churches of English extraction know how to value the worth of the German element in our land, and make the strongest efforts to bring it under their influence through missions and mission schools. Among Episcopalians, Presbyterians, Methodists, and Baptists a German proselyte is regarded as a valuable acquisition. Some of the pillars of these churches are descendants of Germans and proud of their origin. The importance of securing the descendants of German Lutherans for our English congregations forces itself powerfully upon our souls when we examine the material of which the American-Lutheran Church is composed. If we subtract from our congregations those of German extraction, only a few remain. For example: take any one of our English-Lutheran congregations, and you will find that a very large majority of its members descend from Germans, either in the male or the female line, and that their connection with our Church traces back to this fact. They make up about four-fifths of our numerical strength. As incidental proof of this remark, let it serve that, on examining one of the weekly subscriber lists of the Observer, I found that fully two-thirds of the names were German. Without doubt half of the rest were also of German descent in the female line. In most places our increase from the purely English portion of the community is, in this one respect, mostly a matter of chance. Sometimes it comes from marriage, or from the absence of the particular church to which people belonged, but only seldom from a choice uninfluenced by such considerations. If this account is correct — and we think that inquiry will confirm it — then it is clear that the English-Lutheran Church will grow exactly in the proportion that we succeed in exerting influence upon the German element with which God has surrounded us in his providence, and in drawing it to ourselves. It has been the source of our growth in the past and will be so also in the future." — Surely an acknowledging admission, to be held the more sincere the harder such a thing is for proud Americans to make. But if the English think they must take such great pains to win the German element for their Church, how much more should we Germans apply the utmost diligence to keep it for ourselves and our Church! God would spur us on to zeal; let us not be sluggish and idle! — C.

Iowa Synod. In its "Kirchenblatt" is found a history of its seminary in Dubuque. Mr. Großmann concludes this history in the July number with the final verdict: "The Lord holds this little plant dear to his hand, dear to his heart." To found this on repeated help out of various predicaments, or generally on external successes, is exceedingly foolish; that God holds an institution for training preachers of the Gospel as a "little plant dear to his hand, dear to his heart" can be concluded with certainty solely from the fact that the students trained there are equipped to proclaim the Word of God unadulterated, without any admixture of human doctrines, daydreams, and enthusiasms. Without this mark it is most presumptuous to regard such an institution as God's darling and to trumpet it abroad.

The "Fröhliche Botschafter" [Joyful Messenger], organ of the United Brethren in Christ, recently carried a submitted article that struck many of these "Brethren" as not Christian, and gave offense. On this the editor remarks in the number of July 9: "Where so little original material is received for a paper, as is the case with us, one does not take it so precisely. Were it possible, we would gladly avoid everything that might be distasteful to our readers. But when one part wants broth while the other demands solid fare, yet neither will eat from the same dish, then we sometimes find ourselves in straits, and when our best and most diligent correspondents cannot please the readers, we shall soon have to take refuge entirely in the shears." There is also another refuge. We need only recall the Mennonite editor in the July number of this paper, pp. 220, 221.