Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 8 › Seite 249
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1863, Seite 249
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Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 249
sie den Sclavenhalter nicht geradezu ausstoßen, es als ihre Pflicht erachtet, die Sclaverei als ein Uebel zu erklären, welches ausgerottet werden sollte, — die Schuld des Volkes und der Kirchen Amerika's wegen Unterlassung genügender Anstrengungen zur Erreichung dieses Zweckes festzustellen — und auf ernstlichere und kräftigere Maßregeln zu dringen, um die endliche Beseitigung des Uebels zu bewerkstelligen. Diesen Standpunkt nehmen mit geringer Abweichung die Neue Schule Presbyterianer, die bischöfliche Methodistenkirche, die General-Assembly der Baptisten, die Lutheraner und die holländisch-reformirte Kirche ein. Diese Kirchen haben seit dem Ausbruche des Krieges sich weit entschiedener über die Sclavereifrage ausgesprochen, und viele derselben schließen sich allmählich dem Standpunkt an, welchen diejenigen Kirchen einnehmen, die eine unbedingte Lossagung von der Sclaverei ihren Gliedern zur Pflicht machen."
Die Unions-Lehr-Basis aus Cincinnati, die wir im letzten Hefte mitgetheilt haben, ist nicht nur von einem s. g. lutherischen Prediger (Dr. Harrison in Cincinnati) mit entworfen und unterschrieben worden, sondern wird auch von dem Editor des „Lutheran Observer" (s. die Nummer vom 19. Juni) durchaus gebilligt, indem derselbe zugleich dafür spricht, alle „denominational peculiarities" und die „mere accidents of denominational distinction" aufzugeben; ja, wie wir aus der Nummer vom 3. Juli desselben Blattes ersehen, hat sich die ganze Miami-Synode bei Gelegenheit ihrer Jahresversammlung vom 11. Juni für jene Basis und für ähnliche Schritte, brüderliche Einigkeit zu stiften, einstimmig erklärt. Dieser neue Beweis, daß die „lutherische" Generalsynode durchaus nichts anderes ist, als eine unirte Körperschaft, nur mit dem Unterschied, daß sie heuchlerisch den lutherischen Namen beibehält, um die bezahlenden lutherisch sein wollenden Gemeindeglieder nicht zu verlieren — beweist freilich nichts Neues.
Methodisten. Wie wir bereits berichtet haben, geht jetzt eine starke Bewegung dafür durch die Episcopal-Methodisten, daß auch die Laien Sitz und Stimme in ihren Conferenzen haben. So berechtigt an sich diese Agitation gegen ihre bisherige hierarchische Regierungsform ist, so scheint doch dieselbe nicht auf richtiger Erkenntniß von den Rechten der Christen, als solcher, und von der Natur des Kirchenregiments zu beruhen, sondern mehr in zeitgeistischen demokratischen Grundsätzen ihre Quelle zu haben. So heißt es z. B. im „Methodist": „Daß Vertretung der Gemeinden durch Glieder endlich eine constitutionelle Ordnung der Episcopal-Methodistenkirche werden muß, das unterliegt keinem Zweifel. Es kann nicht anders kommen. (Denn, will der Schreiber sagen, die Zeit schreitet ja unaufhaltsam zu Freiheit und Gleichheit fort!) „Diese Idee ist so unzertrennlich mit den Principien unserer bürgerlichen Regierungsform und aller unserer Einrichtungen verbunden, daß die Bewegung zu Gunsten dieses Grundsatzes nicht mehr rückwärts gehen kann; außer wir als ein freies demokratisches Volk gehen auch zurück und verwerfen und verschmähen unsere seitherige Regierungsform, bei der nur Stellvertreter des Volkes die Aemter begleiten. Vernunft und Gerechtigkeit sowohl als die Grundsätze des Neuen Testamentes unterstützen unsere Forderung." Der Hauptgrund ist also die Würde eines freien Staatsbürgers, welcher nur, neben Vernunft und Gerechtigkeit, das Wort Gottes eine Unterstützung gewährt!
Der „Observer" über die Wichtigkeit des deutschen Elementes in der Englisch-Lutherischen Kirche. Darüber ergeht sich das genannte Blatt in der Nummer vom 19. Juni l. J. wie folgt: „In meinem jüngsten Artikel versuchte ich, den fortwährenden Verlust unserer Kirche an einer so großen Zahl von Deutschen und ihren Abkömmlingen zu erklären. Ich weiß wohl, daß manche sagen werden: „„Laßt sie gehen, wir können ohne sie fertig werden."" Gedanken wie dieser werden oft gehegt und oft ausgesprochen gerade von solchen, deren Namen ihren deutschen Ursprung verrathen und die ihre Familiengeschichte nicht sehr weit zurück verfolgen können, ohne auf irgend einen robusten deutschen Mann oder eine ehrbare deutsche Frau zu stoßen. Ich kannte eine närrische Familie dieser Art, die die lutherischen Gottesdienste nicht mehr besuchte, um nur der eingebildeten Schmach ihrer deutschen Abkunft zu entgehen. Ein solches Benehmen ist das Zeichen
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Church and Contemporary History. 249
they do not outright expel the slaveholder, [but] regard it as their duty to declare slavery an evil that ought to be rooted out — to fix the guilt of the people and of the churches of America for their failure to make sufficient efforts toward attaining this end — and to press for more serious and vigorous measures to bring about the final removal of the evil. This position is taken, with slight variation, by the New School Presbyterians, the Methodist Episcopal Church, the General Assembly of the Baptists, the Lutherans, and the Dutch Reformed Church. These churches have, since the outbreak of the war, expressed themselves far more decisively on the slavery question, and many of them are gradually coming around to the position taken by those churches which make an unconditional renunciation of slavery a duty binding on their members."
The Union Doctrinal Basis from Cincinnati, which we communicated in the last number, was not only drafted and signed by a so-called Lutheran preacher (Dr. Harrison of Cincinnati), but is also thoroughly endorsed by the editor of the "Lutheran Observer" (see the number of June 19), who at the same time speaks in favor of giving up all "denominational peculiarities" and the "mere accidents of denominational distinction"; indeed, as we learn from the number of July 3 of the same paper, the entire Miami Synod, on the occasion of its annual convention of June 11, declared itself unanimously in favor of that basis and of similar steps toward establishing brotherly unity. This new proof that the "Lutheran" General Synod is nothing else than a united body — differing only in that it hypocritically retains the Lutheran name so as not to lose those paying members who wish to be Lutheran — proves, of course, nothing new.
Methodists. As we have already reported, a strong movement is now under way among the Episcopal Methodists for the laity also to have seat and voice in their conferences. However justified this agitation may be in itself against their previous hierarchical form of government, it seems nevertheless not to rest upon a correct understanding of the rights of Christians as such, and of the nature of church government, but rather to have its source more in the democratic spirit of the age. Thus the "Methodist" says: "That representation of the congregations by [lay] members must at last become a constitutional feature of the government of the Episcopal Methodist Church admits of no doubt. It cannot come about otherwise." (For, the writer means to say, time marches irresistibly on toward liberty and equality!) "This idea is so inseparably bound up with the principles of our civil government and of all our institutions, that the movement in favor of this principle can no longer go backward; unless we, as a free democratic people, also go backward and reject and disdain our hitherto form of government, under which only representatives of the people fill the offices. Reason and justice, as well as the principles of the New Testament, support our demand." The main ground, then, is the dignity of a free citizen of the state, to which, alongside reason and justice, the Word of God only lends its support!
The "Observer" on the Importance of the German Element in the English Lutheran Church. On this the paper named holds forth, in its number of June 19 of this year, as follows: "In my latest article I attempted to account for the continual loss our Church is suffering of so great a number of Germans and their descendants. I am well aware that some will say: "Let them go, we can get along without them." Thoughts like this are often entertained and often voiced precisely by such people whose names betray their German origin, and who cannot trace their family history very far back without coming upon some sturdy German man or worthy German woman. I knew a foolish family of this sort, who no longer attended Lutheran worship services, simply to escape the imagined disgrace of their German descent. Such conduct is the mark