Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 8 › Seite 234
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1863, Seite 234
225
226
227
228
229
230
231
232
233
234
235
236
237
238
239
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
234 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft.
Angenommen nun, es sei rein unmöglich, daß die Grundstoffe weder von selbst untergehen, noch durch andere Grundstoffe zerstört, vernichtet werden können, und gänzlich abgesehen davon, daß kein Mensch je die wirkliche Natur und das eigentliche Wesen desjenigen, was die Materialisten Stoff und Atom nennen, kennen gelernt hat, noch je kennen lernen wird, — folgt daraus, daß, wenn etwas dem Stoffe unmöglich ist, es auch dem Schöpfer unmöglich sei? Nur unter der Voraussetzung, daß der Schöpfer selbst Stoff ist. Darüber wollen wir kein Wort verlieren. Der Materialist macht nun den Schluß: Weil Stoff nicht Stoff zerstören kann, so kann es auch keinen Gott geben. „Was nicht vernichtet werden kann, konnte auch nicht geschaffen werden.“ Mit diesem Satze brachte er seinem ersten, von der Kraft hergenommenen und in sich selbst zusammenstürzenden, Beweise eine Stütze bei, welcher er in dem gegenwärtigen Kapitel Grund und Boden bereiten wollte. Und was sagt der Satz? Nichts weiter als: Was vom Stoffe nicht vernichtet werden kann, konnte auch nicht vom Stoffe geschaffen werden. So müssen wir ihn denn bitten, mit diesem Beweise sich an diejenigen nicht existirenden Wesen zu wenden, welche glauben, die Welt sei vom Stoffe geschaffen worden. Uns kann seine Weisheit nur als das Geschwätz eines Narren gelten. Auch können wir unserer Vernunft nicht zumuthen, daß sie sich in selbstverleugnender Demuth unter die Autorität eines Vogt und Czolbe beuge. Wir müssen das dem servum pecus jener „Gebildeten“ überlassen, das die höchste Wissenschaft erlangt zu haben glaubt, wenn es sich von diesen Herren auf die Weide führen ließ.
„Mit jedem Hauch,“ fährt Dr. Büchner fort, „der aus unserm Munde geht, athmen wir einen Theil der Speisen aus, die wir genießen, des Wassers, das wir trinken. Wir verwandeln uns so rasch, daß man wohl annehmen kann, daß wir in einem Zeitraum von vier Wochen stofflich ganz andere und neue Wesen sind; die Atome wechseln, nur die Art der Zusammensetzung bleibt dieselbe. Diese Atome selbst aber sind an sich unveränderlich, unzerstörbar; heute in dieser, morgen in jener Verbindung bilden sie durch die Verschiedenartigkeit ihres Zusammentritts die unzählig verschiedenen Gestalten, in denen der Stoff unseren Sinnen sich darstellt, in einem ewigen und unaufhaltsamen Wechsel und Fluß dahin eilend. [— Diese so oft wiederholte Behauptung, daß alle Veränderung, die in der Natur geschieht und die wir wahrnehmen, nur in der Verschiedenartigkeit des Zusammentritts der unveränderlichen, blos wie Sandkörner in einem Sandhaufen neben einander liegenden und ihren Ort wechselnden Stofftheilchen bestehe, ist ein wahres Monstrum von Aberglauben, das den Naturwissenschaften eben so fremd ist, als der Grundsatz, daß zwei mal zwei drei sei, der Mathematik. Wir wünschten in der That eine Physik und Physiologie zu sehen, die auf diesem Grundsatze aufgebaut wäre. —] Dabei bleibt die Menge der Atome eines einfachen Grundstoffes im großen Ganzen unveränderlich dieselbe; kein einziges Stofftheilchen kann sich neu bilden, keines, das einmal vorhanden, aus dem Dasein verschwinden. Die Beispiele und Beweise hierfür ließen sich in
English translation AI translation
234 The Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science.
Suppose now that it were strictly impossible for the elements either to perish of themselves or to be destroyed and annihilated by other elements — and setting entirely aside the fact that no human being has ever come to know, nor ever will come to know, the actual nature and true essence of what the materialists call matter and atom — does it follow from this that, if something is impossible for matter, it is also impossible for the Creator? Only on the assumption that the Creator himself is matter. On that we will waste no word. The materialist now draws the conclusion: because matter cannot destroy matter, there can therefore be no God. "What cannot be annihilated could also not have been created." With this proposition he brought support to his first proof — one drawn from force, and one that collapses of its own accord — a proof for which he wished, in the present chapter, to prepare the ground and foundation. And what does the proposition say? Nothing more than: what cannot be annihilated by matter could also not have been created by matter. So we must ask him to address this proof rather to those non-existent beings who believe the world was created out of matter. To us his wisdom can only pass for the babble of a fool. Nor can we expect of our reason that, in self-denying humility, it should bow beneath the authority of a Vogt and a Czolbe. We must leave that to the servum pecus of those "educated" persons who believe they have attained the highest science when they have let themselves be led out to pasture by these gentlemen.
"With every breath," Dr. Büchner continues, "that goes forth from our mouth, we breathe out a part of the food we enjoy, of the water we drink. We transform ourselves so rapidly that one may well suppose that within a period of four weeks we are, materially, wholly different and new beings; the atoms change, only the manner of their combination remains the same. These atoms themselves, however, are in themselves unchangeable, indestructible; today in this combination, tomorrow in that, they form, through the diversity of their coming together, the innumerably different shapes in which matter presents itself to our senses, hastening on in an eternal and unstoppable change and flux. [— This so-often-repeated assertion, that all the change which occurs in nature and which we perceive consists only in the diversity of the coming-together of unchangeable particles of matter lying beside one another — merely like grains of sand in a sand-heap — and changing their place, is a veritable monster of superstition, one just as alien to the natural sciences as the proposition that two times two is three would be to mathematics. We should indeed like to see a physics and a physiology built upon such a foundation. —] At the same time, the quantity of atoms of a simple element remains, taken as a whole, unchangeably the same; not a single particle of matter can come newly into being, nor can one that has once existed vanish out of existence. The examples and proofs for this could be brought forward in