Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 1 › Seite 1
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1856, Seite 1
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Lehre und Wehre.
Jahrgang II. Januar 1856. No. 1.
Vorwort zu Jahrgang 1856.
Lehre und Wehre! Das ist der Zuruf, den wir uns bei Herausgabe dieser Zeitschrift bisher haben gesagt sein und den wir uns dabei haben leiten lassen. Dieser Zuruf soll denn, so lange uns Gott Kraft und Gelegenheit dazu schenken wird, uns dabei auch ferner leiten.
Wir wissen recht wohl, daß wir hiermit unsere Richtung gegen den Strom des Zeitgeschmacks nehmen. Dieser will nicht sowohl belehrt, als unterhalten werden. Er spricht wieder mit Pilatus: „Was ist Wahrheit?" und lacht dessen als eines Thoren, der zu sagen wagt, daß er die Wahrheit gefunden habe und dieselbe bringe. Der Zeitgeschmack will nur von „Ansichten" hören, und nur „unvorgreifliche" Gedanken, und zwar diese in schöner Form, ausgesprochen sehen. Seine Zeit soll als das Zeitalter der Mündigkeit und Erleuchtung gefeiert, die hinter ihm liegenden Jahrhunderte aber als das der kindischen Einfalt, der Finsterniß und des Aberglaubens belächelt werden. Die in der Vorzeit als Wahrheiten aufgestellten Sätze sollen nur noch in einem Fach der Geschichtsdarstellung ihren Platz angewiesen erhalten. Von Menschen, die die Wahrheit immer hatten, von einer Kirche, soll nicht die Rede sein. Will aber der Zeitgeschmack nichts von Lehre wissen, so widerstreitet seinem Wesen ja freilich noch viel mehr die Wehre. Man führe Krieg, meint er, um Dinge, welche Wirklichkeit haben, um Land, Geld, Ehre und dergleichen, aber um die Wahrheit kämpfen wollen? — Thorheit! — Wer wollte und sollte um ein Phantom, um ein Ding kämpfen, das niemand hat, niemand erobern kann? Die Wahrheit, meint der Zeitgeist, ist das Räthsel einer Sphinx, die noch keinen Oedipus gefunden hat, und was sich hienieden von Wahrheit findet, ist, wenn nicht unter die verschiedenen Hauptreligionen, doch unter die verschiedenen Partheien in der Christenheit vertheilt. Alle die verschiedenen sogenannten Kirchen sind ihm die verschiedenen Zweige Eines Baumes, und die Verschiedenheit der Lehre derselben nur verschiedene Strahlenbrechungen der Einen Sonne, nur die verschiedenen Farben des Einen Regenbogens. Sie sind alle Schwestern, und nur Lieblosigkeit und geistlicher Hochmuth kann das Feuer der Zwietracht zwischen ihnen schüren.
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English translation AI translation
Lehre und Wehre.
Jahrgang II. January 1856. No. 1.
Preface to Volume 1856.
"Lehre und Wehre!" ["Doctrine and Defense!"] That is the watchword we have set before ourselves in publishing this journal, and by which we have let ourselves be guided. This watchword shall, so long as God grants us strength and opportunity for it, continue to guide us further.
We know quite well that in this we set our course against the current of the taste of the age. This taste does not so much want to be instructed as to be entertained. It speaks again with Pilate: "What is truth?" and laughs at such a one as a fool who dares to say that he has found the truth and brings it. The taste of the age wants to hear only of "views," and only "unassuming" thoughts, expressed moreover in fine form. Its own age shall be celebrated as the age of maturity and enlightenment, while the centuries lying behind it are smiled upon as an age of childish simplicity, darkness, and superstition. The propositions set up in former times as truths shall be assigned their place only in some compartment of historical presentation. Of men who always possessed the truth, of a church, there is to be no talk. But if the taste of the age will hear nothing of doctrine, it resists still more, of course, the defense of it. One wages war, it holds, over things that have reality — over land, money, honor, and the like — but to want to fight for the truth? — Folly! — Who would or should fight for a phantom, for a thing that no one possesses, that no one can conquer? Truth, the spirit of the age holds, is the riddle of a sphinx that has not yet found its Oedipus, and whatever of truth is to be found here below is, if not divided among the various principal religions, at least divided among the various parties within Christendom. All the various so-called churches are to it the various branches of one tree, and the diversity of their doctrine only different refractions of the one sun, only the different colors of the one rainbow. They are all sisters, and only lovelessness and spiritual pride can stir up the fire of discord between them.
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