Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 10 › Seite 306
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1855, Seite 306
289
290
291
292
293
294
295
296
297
298
299
300
301
302
303
304
305
306
307
308
309
310
311
312
313
314
315
316
317
318
319
320
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
306 Königreich Sachsen.
nur wünschen, daß die hohe Staatsregierung von jeder sogenannten Mittelstraße absehen möge."
Nachdem hierauf Bürgermeister Koch erwidert hatte, daß er zwar des letzten Redners ausgesprochene Meinung theile, aber klagen müsse, „daß jetzt der Ton schroffer und zelotischer Verurtheilung in Sachsen Sitte geworden," sprach ein Herr v. Welck seine vollkommene Uebereinstimmung mit Bürgermeister Starke aus und setzte hinzu: „Ich danke daher dem geehrten Redner, wie unbedeutend auch vielleicht dieser Dank von meiner Seite erscheinen mag, für diese Worte aus Grund meines Herzens, und stimme namentlich auch darin mit ihm überein, daß in dieser hochwichtigen Angelegenheit von einer Mittelstraße nicht die Rede sein kann. Die heil. Schrift und die symbolischen Bücher, welche die einzige Grundlage unsers Bekenntnisses sind, kennen keinen Mittelweg, sie schreiben bestimmt und klar den Weg vor, den wir wandeln sollen und daß wir das auch immer fest und glaubenstreu thun mögen, dazu wolle uns Gott helfen." Hierauf sprach auch der Vicepräsident Herr v. Friesen es aus, „daß alles, was Starke gesagt, vollkommen mit seiner Ueberzeugung übereinstimme." Derselbe fügte noch hinzu: „In Glaubenssachen kenne ich keine Mittelstraße, ich kenne nur Eine Straße, die zur Seligkeit führt, das ist die, welche in der heil. Schrift und durch die in ihr enthaltene Lehre vorgezeichnet ist. Unser Glaube aber ist ausgedrückt in den symbolischen Büchern der evangelisch-lutherischen Kirche; das ist unsere Straße; es giebt keine Richtung rechts und keine Richtung links, es giebt nur Eine Richtung und nur Eine Straße, und auf dieser will ich meinerseits bleiben." In derselben Weise sprach sich hierauf Herr v. Heynitz-Heynitz aus und Staatsminister Dr. v. Falkenstein, welcher letztere noch erklärte: „daß das Ministerium seiner Pflicht gemäß sich in seinen Handlungen danach richte, was die Schrift und das Bekenntniß unserer Kirche verlangt, und daß das eben die einzige Richtung ist, die wir einzuhalten haben. Ich wiederhole das," fuhr er fort, „nur um deßwillen, weil nach meiner Meinung eben gerade in diesem Festhalten an der Schrift und dem Festhalten an dem Bekenntnisse die einzige kräftige Waffe liegt, einmal gegen den schalen Rationalismus, der bloß auf Selbstvergötterung hinweist, und auf der andern Seite gegen das zelotische Wesen, was jeden Andersglaubenden verdammt. Insofern ist unzweifelhaft eben das Festhalten an der Schrift und das Festhalten an dem Bekenntnisse die rechte Mittelstraße."
Nachdem sich in dieser Weise gerade Laien der so wichtigen Frage bemächtigt und so tief einschneidende Bekenntnisse gethan hatten, erhob sich endlich der Superintendent und Professor Dr. Großmann von Leipzig, erklärte, alle Ausdrücke der Rede des Bürgermeisters Starke nicht sich aneignen zu können, und pries es als einen großen Vorzug des Cultusministeriums, „daß es eben die rechte Mittelstraße gehe und über den Parteien seinen Standpunkt nehme; eine Identificirung mit Parteien würde zu solchen Zuständen führen, dergleichen Paulus in dem ersten Brief an die Corinther mit aller
English translation AI translation
306 Kingdom of Saxony.
only wish that the high state government would refrain from any so-called middle path."
After Mayor Koch replied that, while he shared the opinion expressed by the previous speaker, he must nevertheless complain "that a tone of harsh and zealot-like condemnation has now become customary in Saxony," a certain Herr v. Welck expressed his complete agreement with Mayor Starke and added: "I therefore thank the honored speaker, however insignificant this thanks from my side may perhaps appear, for these words, from the bottom of my heart, and agree with him especially in this, that in this highly important matter there can be no talk of a middle path. Holy Scripture and the symbolical books, which are the sole foundation of our confession, know no middle way; they prescribe definitely and clearly the way we are to walk, and God grant that we may always do so firmly and faithfully to our confession." Thereupon Vice-President Herr v. Friesen likewise declared "that everything Starke had said agreed entirely with his own conviction." He added further: "In matters of faith I know no middle path; I know only One path, which leads to salvation, namely that which is marked out in Holy Scripture and by the doctrine contained in it. Our faith, however, is expressed in the symbolical books of the Evangelical Lutheran Church; that is our path; there is no direction to the right and no direction to the left, there is only One direction and only One path, and on this, for my part, I intend to remain." In the same vein Herr v. Heynitz-Heynitz then spoke, as did State Minister Dr. v. Falkenstein, who further declared: "that the Ministry, in keeping with its duty, governs its actions by what Scripture and the confession of our Church demand, and that this is precisely the only direction we have to hold to. I repeat this," he continued, "only because, in my opinion, it is precisely in this holding fast to Scripture and this holding fast to the confession that the one powerful weapon lies — on the one hand against the stale rationalism that points only to self-deification, and on the other against that zealot spirit which condemns everyone of a different faith. In this respect it is beyond doubt that holding fast to Scripture and holding fast to the confession is itself the true middle path."
After laymen had in this way taken up so weighty a question and made such deeply searching confessions, the superintendent and professor Dr. Großmann of Leipzig finally rose, declared that he could not make every expression of Mayor Starke's speech his own, and praised it as a great merit of the Ministry of Worship "that it takes precisely the true middle path and holds its ground above the parties; an identification with parties would lead to such conditions as Paul, in the first epistle to the Corinthians, with all