Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 1 › Seite 31
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1861, Seite 31
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Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 31
gewisse Grundsätze des Glaubens anerkenne, darin fort, für die Sache des h. Vaters einzu⸗
treten, weil sie in ihm die Sache der Religion, der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Wahrheit
sehen. Demnächst schließt der Artikel mit den merkwürdigen Worten: „Mit Vergnügen
führen wir mit Bezug auf diesen Gegenstand an, was die protestantische Neue Preußische
Zeitung (d. i. die sogenannte „Kreuz⸗Zeitung“) in Betreff der letzten Al⸗
lokution des Heiligen Vaters schreibt. Sie sagt: — — und nun folgt die italienische Ueber⸗
setzung des die Allokution nicht wenig rühmenden Artikels der protestantischen (!)
„Kreuz⸗Zeitung.“ — — — Merkwürdig bleibt immer, daß der Prof. Dr. Leo, die
Kreuz⸗Zeitung, die lutherischen (?) Alt⸗Lutheraner (denn das sind die sogenannten positiven
Protestanten) und das Pabstthum sich so innig an einander schließen.
Pastor Brunn in Steeden bei Runkel im Herzogthum Nassau hat einen „Noth⸗
und Hülferuf aus Nordamerica“, den wir in der Nummer des „Lutheraner“ vom 16. Oc⸗
tober v. J. bereits mitgetheilt haben, in dem Kirchenblatt von Ehlers veröffentlicht. Es ist
derselbe auch in dem leipziger luth. Missionsblatt und in anderen deutschen Blättern abge⸗
druckt worden. Darin erbietet sich Herr Pastor Brunn, in Gemeinschaft mit seinem
theuren Collegen, dem luth. Pfarrer Hein in Frankfurt, in Steeden ein Proseminar zu
errichten, in welchem gottselige und begabte Jünglinge die erste Ausbildung für spätere Ueber⸗
nahme eines Predigtamtes innerhalb unserer Synode erhalten und die ihre letzten vorberei⸗
tenden Studien in Fort Wayne machen sollen. Zugleich bittet Pastor Brunn in dem
Noth- und Hülferuf um Zusendung solcher jungen Männer und um Darreichung von Lie⸗
besgaben zu dem angegebenen Zwecke. Nach neueren Nachrichten von Pastor Brunn
selbst vom 20. Nov. läßt sich alles wohl an, daß man an dem baldigen Ins Leben treten des
aus Liebe zu unserer luth. Kirche und deren hier verwaisten Kindern beabsichtigten Werkes
nicht zu zweifeln hat. Aus Pastor Brunn's Brief theilen wir noch Folgendes mit: Die
Lehre vom geistlichen Priesterthum aller Christen, die eins ist mit der recht gefaßten Recht⸗
fertigungslehre oder doch nächste Consequenz dieser letzteren, geht mir namentlich in immer
hellerem Lichte vor der Seele auf in ihrer königlichen Bedeutung für alle anderen Lehren,
sie hat mit ihrer himmlischen Lebenskraft mein Herz erfaßt und erschließt sich mir immer
mehr in ihrer ganzen Fülle. Sie ist mir denn auch Schild und Schwerdt geworden in den
uns bewegenden Lehrstreitigkeiten und ich erkenne immer völliger, wie in allen jetzt streitigen
Lehrfragen von Kirche, Predigtamt, Kirchenverfassung sie der goldene Faden ist, der aus dem
Labyrinthe führt. Das Erfreulichste war mir von der ganzen Synode (in Breslau im
Sept. v. J.), daß das Bedürfniß nach Einigung in der Lehre sich allenthalben
fühlbar machte und daher auch zu diesem Zweck die gemeinschaftliche Gründung einer theo⸗
logischen Zeitschrift für unsern Kirchenkreis sofort beschlossen wurde.“ Im Folgenden
meldet Pastor Brunn, daß diese Zeitschrift von Pastor Lohmann in Fürstenwalde re⸗
digirt werden wird und daß er (Brunn) erhaltener Aufforderung gemäß seine und Pastor
Hein's Stellung zu unserer Synode in dieser Zeitschrift öffentlich begründen und recht⸗
fertigen werde.
Americanische Missionare in Deutschland. Ein Würtemberger Cor⸗
respondent des Sächsischen Kirchen- und Schulblattes meldet in demselben, daß in Würtem⸗
berg s. g. Missionare der hiesigen Methodisten und Evangelischen (Albrechtsleute) wirken.
„Bis jetzt,“ heißt es in einem Ausschreiben der Landessynode, „sei nichts zur Kenntniß der
Oberkirchenbehörde gelangt, was auf Verbreitung derjenigen Lehren, worin der Methodis⸗
mus von der ev. Lehre unserer Landeskirche abweicht, schließen ließe, wie denn seitens der
Missionare mehrfache Versicherungen vorliegen, daß sie gewollt und dahin instruirt seien,
„„sich innerhalb der Lehr- und Ordnungsgrenzen unserer Landeskirche zu halten und kei⸗
neswegs neue Kirchen unter uns aufzurichten.““ Die evangelische Oberkirchenbehörde will
es daher den Geistlichen, Aeltesten und allen erfahrnen Christen in der Regel überlassen,
dem Vorgehen eines stürmischen Bekehrungseifers entgegen zu treten, wo möglich ohne obrig⸗
keitliches Einschreiten.“ — Wenn nun hiernach die genannten Secten selbst zugeben, daß ihre
charakteristischen „Lehren und Ordnungen“ ihnen gleichgültig sind, so brechen sie selbst den
Stab über die Trennung, die sie hier angestiftet haben.
Die europäische Türkei zählt nach runder Zählung etwa über fünftehalb Mil⸗
lion Moslemim, aber zehntehalb Million Griechische und über 600,000 Römische, 3000 s. g.
Protestanten (einschließlich der africanischen und asiatischen Türkei), 2,100,000 Armenier
und 200,000 Juden. Somit finden sich in der europäischen Türkei drittehalb mal mehr
Christen, als Moslemim, wogegen sich im ganzen türkischen Reiche die Zahl der Christen
zu der der Muhamedaner etwa wie 2:3 verhält.
Eine Tochter Abdelkaders bereitet sich gegenwärtig in Paris vor, Ordens⸗
schwester bei den „grauen Schwestern“ zu werden. Sie hat in Constantinopel, wo sie er⸗
zogen wurde, den Romanismus kennen gelernt und ist namentlich durch den Eifer der Hospi⸗
tal⸗Schwestern bei der Pflege der Kranken während des Krimkrieges angeregt worden. Der
Vater hat ihr ihren Willen gelassen.
Dr. Ferd. Christian v. Baur, Professor der Theologie zu Tübingen, der be⸗
English translation AI translation
Ecclesiastical and Contemporary Notes. 31
certain principles of the faith, continues on to champion the cause of the
Holy Father, because it sees in him the cause of religion, of freedom, of
justice, of truth. The article then closes with the remarkable words: "We
gladly note with regard to this subject what the Protestant Neue Preußische
Zeitung (that is, the so-called "Kreuzzeitung") writes concerning the
Pope's most recent allocution. It says: — — " and there follows the
Italian translation of the article of the Protestant (!) "Kreuzzeitung,"
which is by no means sparing in its praise of the allocution. — — —
It remains remarkable that Prof. Dr. Leo, the Kreuzzeitung, the Lutheran
(?) Old Lutherans (for these are the so-called positive Protestants), and
the Papacy should attach themselves to one another so intimately.
Pastor Brunn in Steeden near Runkel in the Duchy of Nassau has published,
in Ehlers' Kirchenblatt, a "cry of distress and appeal for help from North
America," which we had already communicated in the number of the
"Lutheraner" of October 16 of last year. It has also been reprinted in the
Leipzig Lutheran mission paper and in other German papers. In it, Pastor
Brunn offers, in fellowship with his dear colleague, the Lutheran pastor
Hein in Frankfurt, to establish in Steeden a pro-seminary in which godly
and gifted young men might receive their first training for later taking up
a preaching office within our Synod, and complete their final preparatory
studies in Fort Wayne. At the same time Pastor Brunn, in his cry of
distress and appeal for help, asks that such young men be sent and that
gifts of love be given for the stated purpose. According to more recent
news from Pastor Brunn himself of November 20, everything looks favorable,
so that one need not doubt the imminent coming into being of the work
intended out of love for our Lutheran Church and for its orphaned children
here. From Pastor Brunn's letter we further communicate the following:
"The doctrine of the spiritual priesthood of all Christians, which is one
with the rightly grasped doctrine of justification, or at least its
nearest consequence, rises before my soul in an ever brighter light,
particularly in its royal significance for all other doctrines; it has
seized my heart with its heavenly vital power and opens itself to me ever
more in its whole fullness. It has indeed become for me shield and sword
in the doctrinal controversies that move us, and I recognize ever more
fully how, in all the doctrinal questions now in dispute concerning church,
the preaching office, and church polity, it is the golden thread that leads
out of the labyrinth. The most gratifying thing to me, from the whole
Synod (in Breslau this past September), was that the need for unity in
doctrine was felt everywhere, and that for this purpose the joint founding
of a theological journal for our church circle was resolved upon at once."
In what follows, Pastor Brunn reports that this journal will be edited by
Pastor Lohmann in Fürstenwalde, and that he (Brunn), in accordance with a
request received, will publicly justify and defend his own and Pastor
Hein's position with regard to our Synod in this journal.
American Missionaries in Germany. A Württemberg correspondent of the
Saxon Kirchen- und Schulblatt reports therein that so-called missionaries of
the local Methodists and Evangelicals (the Albrecht people) are active in
Württemberg. "As yet," it states in a circular of the territorial synod,
"nothing has come to the knowledge of the supreme church authority
indicating the spread of doctrines in which Methodism departs from the
evangelical teaching of our territorial church, inasmuch as the
missionaries have repeatedly given assurances that they intend and have
been instructed "to remain within the doctrinal and disciplinary bounds of
our territorial church and by no means to set up new churches among us.""
The evangelical supreme church authority therefore prefers, as a rule, to
leave it to the clergy, elders, and all experienced Christians to oppose
the proceedings of a tempestuous zeal for conversion, where possible
without official intervention." — If, accordingly, the named sects
themselves admit that their characteristic "doctrines and orders" are a
matter of indifference to them, then they themselves break the staff over
the very division they have stirred up here.
European Turkey numbers, by rounded count, some four and a half
million Muslims, but nine and a half million Greek [Orthodox], and over
600,000 Roman [Catholics], 3,000 so-called Protestants (including African
and Asiatic Turkey), 2,100,000 Armenians, and 200,000 Jews. Thus in
European Turkey Christians are found to be two and a half times more
numerous than Muslims, whereas in the whole Turkish empire the number of
Christians stands to that of the Muhammadans at roughly 2:3.
A daughter of Abd-el-Kader is at present preparing herself in Paris to
become a religious sister among the "Grey Sisters." She became acquainted
with Romanism in Constantinople, where she was raised, and was moved to it
particularly by the zeal of the hospital sisters in nursing the sick during
the Crimean War. Her father has left her to her own will.
Dr. Ferd. Christian v. Baur, professor of theology at Tübingen, who