Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 21 › Seite 174
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-05-24, Seite 174
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Papſttum 4
quiſitor meine Streitigkeiten nur eben Bedenken
genennt habe? Nie werde in ungewiſſen Sa⸗
chen ein Eid gefordert; wie könne ich überführt
werden, dieſes oder jenes geglaubt zu haben, da
Gott allein der Herzenskündiger ſei? Erzürnt
fährt der Inquiſitor heraus: „So fürchteſt du
dich alſo den Eid zu leiſten; ich ſehe, daß du noch
ganz mit der ketzeriſchen Peſt behaftet biſt.“ Hier—
auf muß ich abtreten und vor der Thüre warten.
Als ich wieder gerufen worden war, ſagt mir der
Inquiſitor: „Wenn du alſo glaubſt, es komme
dem Allerhöchſten zu, einen Eid bier abzulegen:
ſo erläßt dir die Inquiſition, von Nachſicht ge⸗
leitet, den Eid; doch verlangt ſie, daß du ohne
weitere Zögerung aufrichtig folgende drei Stücke
verſprichſt: Erſtens, daß du der heiligen Römi⸗
ſchen Kirche und inſonderheit deren Obern voll⸗
kommenen Gehorſam leiſten und die übrige Zeit
deines Lebens in Rom bleiben wolleſt, ohne ein
Verlangen, in dein Vaterland oder an einen an⸗
dern Platz abzugehen; Zweitens, daß du von den
Streitigkeiten, welche dir durch das Leſen dieſer
Bücher bekannt geworden ſind, weder bei Gelehr⸗
ten noch bei Ungelehrten, weder bei Weltlichen
noch bei Geiſtlichen, noch bei irgend einem Men⸗
ſchen die allergeringſte Erwähnung thun wolleſt;
Drittens, daß du von dem ganzen bereits vorge—
nommenen und noch vorzunehmenden Inquiſi⸗
tionsproceſſe ganz und gar nichts offenbaren wol⸗
leſt. Wenn du Eins von dieſen übertrittſt, ſo ſollſt
du wiſſen, daß du denſelben und noch grauſame⸗
ren Strafen der Inquiſition verfallen wirſt.“
Dieſes habe ich, jedoch ohne Eid, verſprochen.
Darauf ging der ganze Rath in den nächſten
Saal, der Cardinal nahm den Platz zur rechten
und die Aſſeſſoren zur Linken ein. Der Inqui⸗
ſitor, mit einer Stola bekleidet, ſetzte ſich auf einen
prachwvollen Stuhl. Auf dem Altare, der zu
dieſem Zweck aufgerichtet worden war, werden
zwei Lichter angezündet. Und ich, angethan mit
dem Anzuge eines Opferprieſters, werde angewie⸗
ſen, vor dem Inquiſitor auf die Kniee zu fallen.
Da aber meine erſchöpften Kräfte dieſes nicht zu—
ließen, ſo werden zwei Kiſſen hingelegt und ich
werde von zwei Laienbrüdern der Dominicaner
unter den Armen gehalten. Der Inquiſitor ab⸗
ſolvirt mich von jedem Banne, dem größeren und
kleineren, von der Aufhebung, dem Interdicte und
andern kirchlichen Strafen und übergiebt mir die
frühere Gewalt. Nach empfangener Abſolution
hoffte ich auch von den Qualen der Inquiſition
befreit zu werden; aber der Inquiſitor befiehlt
dem Notar, mir den letzten Beſchluß der Inqui—
ſition anzuzeigen, welcher ſodann ſtehend mir Fol⸗
gendes vorlieſ't: „Da das heilige Amt bemerkt,
daß deine Krankheit von Tag zu Tag zunimmt,
ſo hat es aus großer Gnade es genehmiget, daß
die Aerzte und Chirurgen dich beſuchen und an
dir die nöthigen Curen und Medicamente anwen⸗
den; unterdeſſen wirſt du jedoch wegen des Ver⸗
dachtes der Ketzerei noch ein halbes Jahr unter
der Aufſicht der Inquiſition ein Gefangener blei⸗
ben, doch ſollſt du in bequemeren Gefängniſſen
verwahret und mit beſſerer Nahrung verſorgt wer⸗
den.“
Es wurde mir alſo ein anderes Gefäng⸗
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niß angewieſen. Die Aerzte fangen ihre Cur mit
mir an, welche ſo ſchmerzhaft war, daß niemand,
der ſie nicht mit ſeinen Augen geſehen hat, es ſich
vorſtellen kann. Sieben Knöchelchen wurden mir
aus dem Hirnſchädel, der wegen des früheren all⸗
zufeuchten Gefängniſſes ſchon zu faulen anfing,
herausgenommen. Noch ſind die Narben zu ſehen.
Die körperlichen Schmerzen dieſer letzten Gefan—
genſchaft waren jedoch nicht ſo ſchrecklich. Aber
mein Gewiſſen hatte ſchwere Kämpfe zu beſtehen.
Es wurden mir Reden aufgegeben in lateiniſcher
Sprache auszuarbeiten über die verkehrteſten Ar⸗
tikel des Pabſtthums, nemlich über das Anſehen
und die Unfehlbarkeit der römiſchen Kirche, über
die Amtsfolge der Päbſte, über die Anrufung und
Canoniſalion (Heiligſprechung) der Heiligen
u. ſ. w.
Als auch dieſe Tyrannei ausgeſtanden war,
verſammelt ſich der Rath der Inquiſition aufs
neue. Der Inquiſitor macht mir den letzten in⸗
quiſitoriſchen Beſchluß bekannt und verſpricht mir
die Freiheit, wenn ich dieſe zwei Punkte mit
einem Eide verſprechen würde: daß ich die ganze
Zeit meines Lebens in Rom bleiben und von dem
In quiſitionsproceſſe und den mir bekannten
Streitigkeiten nie etwas offenbaren wolle. Wenn
ich aber dieſen Eid nicht thun wolle, ſo werde ich
zu ewigem Gefängniſſe verurtheilt werden müſſen.
Die Furcht vor einem ſolchen Gefängniſſe er—
ſchreckte mich und brachte mich dahin, den gefor—
derten Eid zu leiſten. Darauf werde ich dem Prä—
laten von S. Maria de pace übergeben, den ich
als meinen wahren Vorgeſetzten zu verehren und
in deſſen Collegium ich mein Leben zuzubringen
habe. Ich habe ein und ein halbes Jahr nach
der Inquiſition dieſes Collegium bewohnt. Dieſe
Zeit war mir beſonders günſtig, die gottloſeſten
römiſchen Kniffe, mit welchen die Unerfahrnen
geködert werden, kennen zu lernen. Ich war eifrig,
den Unterredungen der vorzüglichſten Doctoren und
Cardinäle beizuwohnen („deren Gottesleugnung
und Ränke ich in kurzem zugleich mit einer aus⸗
führlicheren Beſchreibung des Urhebers und Fort—
pflanzers der Inquiſition“ durch den Druck ver—
öffentlichen werde). Ich hatte nun wieder Meſſe
zu leſen, Beichte zu hören u. ſ. w. wovor ſich
das überführte Gewiſſen gar ſehr ſträubte, daß
ich öfters lieber den Tod, als dieſes elende Leben
würde erwählt haben. Die beſtändigen Gewiſſens⸗
biſſe ſchienen mir unerträglicher, als ſelbſt die In—
quiſition zu ſein. In dieſem allerſchwerſten Ge⸗
wiſſensdrucke überwand ich endlich die Furcht vor
den Qualen der Inquiſition, die bisher meinen
Ausgang aus Babel aufgehalten hatte. Als da⸗
her während der täglichen und nächtlichen Gebete
von 40 Stunden, die in der Kirche verrichtet wer⸗
den, welcher Dienſt bei uns in großem Anſehen
ſtand, ſich eine Gelegenheit darbot, ſo verſäume
ich dieſelbe nicht, ſondern, nachdem ich Gott fle—
hentlichſt angerufen hatte, ſuche ich mitten in der
Nacht einen heimlichen Ausgang aus der Kirche.
Der Verſuch gelingt. Mit ſchnellen Schritten
gehe ich durch die Stadt. Komme in die Nähe
der Kirche S. Mariae Majoris. Verwende die
übrigen Stunden der Nacht auf die Reiſe. Mit
Tagesanbruch verberge ich mich in das Dicicht
des Waldes. Laufe durch unwegſame Gebirge
und genieße vier Tage lang nicht einen Biſſen
Brods. Am fünften Tage, da mich der Hunger
peinigt, gehe ich in ein einſames Bauernhaus.
Kaufe für mein weniges Geld Brod, Wein und
Eier. Und etwas erquickt, ſpreche ich mit dem
Bauer über die naheliegenden Orte. Unter an⸗
dern nennt er mir eine alte Stadt, gemeiniglich
Cittavecchia genannt. Ich erkundige mich nach
dem richtigen Wege dahin, komme an, verberge
mich in einem Garten und warte die Abendſtunden
ab. Da die Thore bald zuzuſchließen waren, gehe
ich durch die Stadt nach dem Hafen zu, frage
nach einem Schiff, das nach Livorno oder Genua
fahre. Das Glück lächelt. Es werden mir zwei
Schiffe gezeigt, die noch in dieſer Nacht auslaufen
ſollen. Ich gehe auf das erſte, und bitte den
Schiffsherrn, daß er mich als einen armen Geiſt⸗
lichen mit nach Livorno nehme. Er achtet auf
meine Bitte und verſpricht eine freie Fahrt. In
der zweiten Stunde in der Nacht geht das Schiff
unter Segel, und die Winde waren ſo günſtig,
daß wir am dritten Tage den Hafen von Livorno
erreichen. Hier vertauſche ich bei einem Juden
meine prieſterlichen Kleider, erlange eine Schiffs⸗
gelegenheit nach Genua, gehe von da zu Fuße
nach Tortona, Pavia, Mailand, Como und über
die höchſten Berge in die Schweiz und in eine be
rühmte Reichsſtadt, wo ich mit Hülfsmitteln und
Empfehlungen verſehen werde. Endlich komme
ich nach Jena und in dieſer berühmten Univer⸗
ſität, wo die Blüthen der evangeliſchen Wahrheit
vor andern prangen, habe ich beſchloſſen, dem
HErrn, der mich zurückgerufen hat, meine Ge⸗
lübde zu bezahlen, zu meinem und vieler irrenden
Seelen Heile, vornehmlich aber zum Ruhme und
zur Ehre Gottes, des Allerhöchſten, welchem ſei
Lob und Preis in alle Ewigkeit. Amen. B.
Neueſtes von Oregon.
Die lieben Leſer unſeres Blattes, welche mit
uns auf Oregon als das nächſte Ziel unſerer
Miſſion blicken, werden gewiß mit Intereſſe die
folgenden, wenn gleich betrübenden, Nachrichten
von jenem Lande hören. Wir entnehmen dieſelben
dem „Republican“ von St. Louis, welcher unter
dem 18. Mai den Bericht des Herrn Joſeph L.
Meek mittheilt, der daſelbſt Tags zuvor von Ore—
gon eingetroffen war.
Es war am 29. November vorigen Jahres, als
die Cayuse Indianer die Miſſionsſtation zu
Wacilalpu überfielen, den Dr. Whitman nebſt
dreizehn Perſohnen tödteten, Mehrere verwundeten
und die Uebrigen in Gefangenſchaft führten. Die
Veranlaſſung zu dieſem ſchrecklichen Blutbade war
folgende: Unter den Cayuse Indianern wüthe⸗
ten mehrere anſteckende Krankheiten, an welchen
viele ſtarben, beſonders in und um Wacilalpu,
dem Wohnſitze des Doctors, welcher unabläſſig
bemüht war, den Kranken ärztliche Hülfe zu brin⸗
gen und ihre Leiden zu lindern. Da faßten die
armen, blinden Leute den Verdacht, in welchem ſie
unglücklicher Weiſe durch mehrere Umſtände be⸗
English translation AI translation
"If, then, you believe that it belongs to the Most High alone to have an oath sworn here, the Inquisition, moved by leniency, releases you from the oath; yet it demands that, without further delay, you sincerely promise the following three things: First, that you will render perfect obedience to the holy Roman Church and especially to its superiors, and will remain the rest of your life in Rome, without any desire to go to your homeland or to any other place; Second, that of the disputed matters which have become known to you through the reading of these books, you will make not the slightest mention, either to the learned or the unlearned, either to the laity or to the clergy, or to any person whatsoever; Third, that of the whole inquisitorial process already conducted, and still to be conducted, you will reveal absolutely nothing. If you transgress any one of these, you are to know that you will fall subject to these same penalties of the Inquisition, and to still crueler ones." This I promised, though without an oath.
Thereupon the whole council went into the next hall; the Cardinal took his place on the right and the assessors on the left. The Inquisitor, clothed with a stole, sat down upon a splendid chair. On the altar, which had been set up for this purpose, two candles were lit. And I, dressed in the garb of a sacrificial priest, was directed to fall on my knees before the Inquisitor. But since my exhausted strength did not permit this, two cushions were laid down and I was held under the arms by two lay brothers of the Dominicans. The Inquisitor absolved me from every ban, the greater and the lesser, from suspension, interdict, and other ecclesiastical penalties, and restored to me my former standing. Having received absolution, I hoped also to be freed from the torments of the Inquisition; but the Inquisitor commanded the notary to announce to me the final decree of the Inquisition, which he then read to me standing, as follows: "Since the Holy Office observes that your illness increases from day to day, it has, out of great mercy, granted that physicians and surgeons may visit you and apply to you the necessary treatments and medicines; meanwhile, however, on account of the suspicion of heresy, you will remain a prisoner for another half year under the supervision of the Inquisition, though you shall be kept in more comfortable prisons and provided with better food."
I was then assigned to another prison. The physicians began their treatment of me, which was so painful that no one who has not seen it with his own eyes can imagine it. Seven small bones were removed from my skull, which, on account of the earlier, all-too-damp prison, had already begun to rot. The scars are still to be seen. The bodily pains of this last imprisonment were, however, not so terrible. But my conscience had heavy battles to endure. I was given assignments to compose speeches in the Latin language on the most perverse articles of the papacy, namely on the authority and infallibility of the Roman Church, on the succession of the popes, on the invocation and canonization of the saints, and so forth.
When this tyranny too had been endured, the council of the Inquisition assembled once more. The Inquisitor made known to me the final inquisitorial decree, and promised me freedom if I would promise these two points under oath: that I would remain in Rome the whole of my life, and would never reveal anything of the inquisitorial process and the disputed matters known to me. But if I would not take this oath, I would have to be condemned to perpetual imprisonment. Fear of such an imprisonment terrified me and brought me to take the required oath. I was then handed over to the prelate of S. Maria de Pace, whom I was to honor as my true superior, and in whose college I was to spend my life. I dwelt in this college for a year and a half after the Inquisition. This time was especially favorable to me for coming to know the most godless Roman tricks by which the inexperienced are ensnared. I was eager to attend the conversations of the foremost doctors and cardinals ("whose denial of God and intrigues I shall shortly make public in print, together with a fuller description of the originator and propagator of the Inquisition"). I now had again to read Mass, hear confession, and so forth, against which my convicted conscience struggled so greatly that I would often rather have chosen death than this wretched life. The constant pangs of conscience seemed to me more unbearable than the Inquisition itself. In this heaviest pressure of conscience I finally overcame the fear of the torments of the Inquisition, which had until then held back my departure from Babel. So when, during the daily and nightly forty hours' prayers held in the church — a service that stood in great regard among us — an opportunity presented itself, I did not let it pass, but, after most earnestly calling upon God, sought in the middle of the night a secret way out of the church. The attempt succeeded. With quick steps I went through the city. I came near the church of S. Mariae Majoris. I spent the remaining hours of the night on the journey. At daybreak I hid myself in the thicket of the forest. I ran through trackless mountains and for four days did not enjoy a single bite of bread. On the fifth day, tormented by hunger, I went into a lonely farmhouse. I bought bread, wine, and eggs with my little money. And, somewhat refreshed, I spoke with the farmer about the nearby places. Among others he named to me an old town, commonly called Cittavecchia. I inquired the right way there, arrived, hid myself in a garden, and waited for the evening hours. Since the gates were soon to be closed, I went through the town toward the harbor, asked for a ship bound for Livorno or Genoa. Fortune smiled. I was shown two ships that were to set sail that very night. I went aboard the first, and asked the shipmaster to take me along to Livorno as a poor clergyman. He heeded my request and promised free passage. In the second hour of the night the ship set sail, and the winds were so favorable that on the third day we reached the harbor of Livorno. Here I exchanged my priestly garments with a Jew, obtained passage on a ship to Genoa, went from there on foot to Tortona, Pavia, Milan, Como, and over the highest mountains into Switzerland and into a famous imperial city, where I was furnished with resources and letters of recommendation. At last I came to Jena, and in this famous university, where the blossoms of evangelical truth shine forth above all others, I have resolved to pay to the Lord, who has called me back, my vows, for my own salvation and that of many erring souls, but chiefly for the glory and honor of God, the Most High, to whom be praise and glory in all eternity. Amen. B.
Latest from Oregon.
The dear readers of our paper, who together with us look to Oregon as the next goal of our mission, will certainly hear with interest the following, though distressing, news from that land. We take it from the "Republican" of St. Louis, which under the date of May 18 communicates the report of Mr. Joseph L. Meek, who had arrived there from Oregon the day before.
It was on November 29 of last year that the Cayuse Indians attacked the mission station at Waiilatpu, killed Dr. Whitman along with thirteen persons, wounded several more, and led the rest into captivity. The occasion for this dreadful bloodbath was as follows: among the Cayuse Indians several contagious diseases raged, of which many died, especially in and around Waiilatpu, the doctor's dwelling place, who tirelessly labored to bring medical help to the sick and to ease their sufferings. Then the poor, blind people conceived the suspicion, into which they were unfortunately led by several circumstances,