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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-05-24, Seite 161

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Nutzen 48 · Abendmahl—Gebrauch 63 · Beichtanmeldung · Beichtanmeldung 1 · Beichtanmeldung 8

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Redigirt von C. F. W. Walther.

Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.

Jahrgang 4.

St. Louis, Mo., den 13. Juni 1848.

No. 21.

ö Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Miitheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

Etwas über die Sitte, bei der Feier des hei⸗
ligen Abendmahls auch ſolche Leute, die nicht
gebeichtet hatten, zur Theilnahme einzuladen.

„Eher will ich ſelbſt Leib und Leben laſſen,
als zugeben, daß der Leib des HErrn jemanden
unwürdig gegeben werde; und eher will ich mein
Blut vergießen laſſen, als geſtatten, daß ſein aller⸗
heiligſtes Blut einem Unwürdigen gereicht werde.“

Chryſoſtomus. (Hom. 83. in Matth.)

Nicht wenige Prediger dieſes Landes pflegen,
ſo oft ſie die Feier des heiligen Abendmahles an⸗
ſtellen, ſich zuvor an alle Verſammelte zu wenden
und alle, ſelbſt die gegenwärtigen Glieder anderer
Confeſſionen nicht ausgenommen, zur Theilnahme
aufzufordern. Inſonderheit benutzen dieſes Mit⸗
tel die hieſigen deutſchen Methodiſtenprediger, um
bei den hier zerſtreut wohnenden deutſchen Prote⸗
ſtanten Eingang zu finden. Die letzteren haben oft jahrelang der öffentlichen Predigt und des
Abendmahlsgenuſſes entbehren müſſen; kommt
nun einmal ein Methodiſtenprediger in ihre Ein⸗
ſamkeit, und predigt er ihnen nicht nur, ſondern
macht er ihnen auch nicht die mindeſte.Schwie⸗
rigkeit, eine Abendmahlsfeier unter ihnen anzu⸗
ſtellen und einen jeden ohne Weiteres dazu anzu⸗
nehmen, ſo hat er damit die Leute meiſt ſchon für
ſich gewonnen. Er gebraucht ſich des heiligen
Abendmahls als eines Köders, nemlich als eines
wohlfeilen Mittels, die Seelen in das Netz ſeiner
Schwärmerei und Sektirerei zu locken. Aber
möchten nicht auch viele ſogenannte „lutheri—
ſche“ Prediger eine ähnliche Praxis (Handlungs⸗
weiſe) befolgen! Wir haben jedoch, leider! in
Erfahrung gebracht, daß nicht wenige ſelbſt von
den lutheriſch ſich nennenden Predigern (in der
Meinung, daß dies recht evangeliſch ſei), wenn
ſie den heiligen Tiſch zur Sacramentsverwaltung
gerüſtet haben, nun alles, was nur kommen will,
zu dieſer Gnadenſpende herzurufen, und ohne

ment darum jedermann Preis geben und ſelbſt
offenbar Gottloſen reichen, weil ſie auch bei den Gottloſen gut ſtehen, den Zorn und Haß der Welt
nicht auf ſich laden und ihre etwa einträgliche
Pfarrſtelle nicht verlieren wollen. Denn es iſt
freilich wahr: kaum giebt es in der ganzen Seel⸗
ſorge etwas, was einem treuen Diener der Kirche
mehr Noth macht, als wenn er in Zulaſſung zum
heiligen Abendmahl gewiſſenhaft handeln will.
Uebernimmt ein rechtgläubig-lutheriſcher Predi⸗
ger eine neue Gemeinde, und will er nun kein
Glied derſelben zum Tiſche des HErrn laſſen, als
bis er einen jeden Einzelnen geſprochen und aus ſei⸗
nem eigenen Munde vernommen hat, daß er wiſſe,
was das heilige Abendmahl ſei, daß er ſich für
einen armen Sünder erkenne, daß er an Gottes
Wort von Herzen glaube, daß er nach Gnade und
Vergebung der Sünden in Chriſti Blut herzlich
verlange, daß er auch den ernſtlichen Vorſatz habe,
Chriſto in einem heiligen, von der Welt unbe⸗
fleckten Leben nachzufolgen und dergleichen, auf
welch' einen harten Widerſtand ſtößt er dann ge⸗
wöhnlich ſogleich damit! wie ſelten geht es dann
ohne entſtehende Spaltungen ab! wie oft ſieht
er ſich dann genöthigt, ſogleich ſeinen Wanderſtab
weiter fortzuſetzen, und ſich noch nachſagen zu laſ⸗
ſen, er habe über die Gemeinde herrſchen wollen!

Wie? thut denn auch wohl ein Prediger recht
daran, wenn er lieber Alles über ſich ergehen läßt,
ja lieber ſein Amt aufgibt, als daß er jedermann
ohne Prüfung zum heiligen Abendmahle zulaſſen
ſollte? Iſt die Freigebigkeit vieler Prediger hie⸗
ſigen Landes in dieſer Beziehung wirklich ſo ta⸗
delhaft? Wir antworten: Ja! Um aber hier⸗
über recht urtheilen zu können, iſt nöthig, daß
man vorerſt bedenke, was es eigentlich für eine
Bewandniß mit dem heiligen Abendmahl habe.

Es iſt damit ganz anders bewandt, als mit der

der Predigt des Wortes kann und darf daher
freilich niemand zurückgewieſen werden, denn das
hieße, ihm die einige Thür der Gnaden verſchlie⸗
ßen. Nicht ſo verhält ſich's mit dem heiligen
Abendmahl; durch dasſelbe ſoll ein Menſch nicht
erſt zur Buße und zum Glauben gebracht, ſondern
darin geſtärkt werden; durch dasſelbe ſoll ein
Menſch nicht erſt Gnade erlangen und ein Chriſt
werden, ſondern die durch das Wort erlangte
Gnade ſoll ihm dadurch verſiegelt und er im
Chriſtenthum erhalten, bewahrt und ge—
fördert werden; durch dieſe Speiſe ſoll ein
Menſch nicht erſt zum Leben aus Gott erweckt,
ſondern, wenn er bereits geiſtlich lebendig iſt,
genährt und erquickt werden. Wer daher
das heilige Abendmahl würdig und zu ſeinem
Heile genießen will, der muß ſchon vorher zur
Buße und zum Glauben gekommen ſein; der
muß ſchon vorher Gnade erlangt haben und ein
wahrer Chriſt geworden, ſchon vorher zum Leben
aus Gott erweckt und wiedergeboren ſein.“) Da⸗
her das heilige Abendmahl nur der genießen ſoll,
der bereits durch das Bad der Wiedergeburt, nem⸗
lich durch die heilige Taufe, ein Kind Gottes ge⸗
worden iſt; wie im Alten Teſtamente nur der⸗
jenige an dem Genuſſe des Oſterlamms theil⸗
nehmen durfte, welcher ſchon durch das Sacra⸗
ment der Beſchneidung in den göttlichen Gnaden—
bund aufgenommen worden war. Das heilige
Abendmahl genießen, iſt an und für ſich nichts
Gutes; es kommt vielmehr darauf an, wie
man es genießt. Es iſt nicht einer Arznei gleich,
) Hierüber ſchreibt Luther in ſeiner Kirchenpoſtille:
„Alſo hat auch Chriſtus gethan: die Predigt hat er laſſen
in Haufen gehen, über jedermann, wie hernach auch die
Apoſtel, daß es alle gehört haben, Gläubige und Ungläu-
bige; wer es erwiſchte, der erwiſchte es. Alſo müſſen wir
auch thun. Aber das Sacrament ſoll man nicht alſo unter

die Leute in Haufen werfen, wie der Pabſt gethan hat.
Wenn ich das Evangelium predige, weiß ich nicht, wen es

Predigt des göttlichen Wortes. Das Wort nem⸗

Hrüfung ihres Glaubens und Lebens zulahen, lich it nicht nur daqꝛu gegeben. einen Wäuluhen
na es iſt zu fuͤrchtett, daß viede ſo handeln aus im Gauben zu erhalten, ſondertt auch den Men⸗
dem unlanteren Grunde, um unter den Gliedern ſchen erſt aus ſeinem Sündenſchlafe zu erwecken,
aller Partheien für recht „liebe, weitherzige“ Män-ihn zur Erkenntniß ſeiner Sünden, zur Buße und
ner angeſehen und als ſolche gerühmt zu werden; zum Glauben zu bringen und zu bekehren; ja
es iſt zu fürchten, daß viele das heilige Sacra-(ohne das Wort iſt dies alles unmöglich. Von

vriſſt, hitr olur S i ας οριοτ heltex, Aeg
den getroſen Jave, welcher zum Sacrament komme; da
muß ich es nicht in Zweifel ſchlagen, ſondern gewiß ſein,
daß der, dem ich das Sacrament gebe, das Evangelium ge⸗
faſſet habe und rechtſchaffen gläube, gleich als wenn ich
einen täufe; wie auch der. nicht ſoll zweifeln, der es nimmt,
oder der da wird getauft.“ (Am Oſtertag. von Empfang
des heiligen Sacraments.)

English translation AI translation

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall never perish."

Edited by C. F. W. Walther.

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.

Volume 4.

St. Louis, Mo., June 13, 1848.

No. 21.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the annual subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay it in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.

Only letters containing contributions for the paper are to be sent to the editor; all others, however — containing business matters, orders, cancellations, moneys, etc. — are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Something concerning the custom, at the celebration of the Holy Supper, of inviting to participate also such people as had not confessed.

"Sooner would I myself give up body and life than allow the body of the Lord to be given unworthily to anyone; and sooner would I let my own blood be shed than permit that His most holy blood be administered to an unworthy person."

Chrysostom. (Hom. 83 on Matthew.)

Not a few preachers in this land are accustomed, whenever they hold the celebration of the Holy Supper, first to turn to the whole assembly and to call upon everyone — not excepting even those present who are members of other confessions — to participate. The German Methodist preachers here make particular use of this means in order to gain a foothold among the German Protestants living scattered about in this area. The latter have often had to do without public preaching and the enjoyment of the Lord's Supper for years; and now, when a Methodist preacher happens into their isolation, and not only preaches to them but also makes not the least difficulty about holding a celebration of the Supper among them and admitting everyone to it without further ado, he has thereby already won over most of the people for himself. He uses the Holy Supper as bait, that is, as a cheap means of luring souls into the net of his enthusiasm and sectarianism. But would that many so-called "Lutheran" preachers did not also follow a similar practice! We have, however, unfortunately learned that not a few even among preachers who call themselves Lutheran (in the opinion that this is truly evangelical), once they have prepared the holy table for the administration of the sacrament, now call up to this dispensing of grace everyone who cares to come, and admit them without examining their faith and life; and it is to be feared that many act in this way from the impure motive of being regarded and praised among the members of all parties as truly "kind, broad-minded" men; it is to be feared that many surrender the Holy Sacrament to everyone for this reason, and administer it even to manifestly godless persons, because they wish also to stand well with the godless, do not wish to bring the wrath and hatred of the world upon themselves, and do not wish to lose their perhaps lucrative pastoral position. For it is indeed true: there is hardly anything in the whole care of souls that gives a faithful servant of the Church more trouble than when he wishes to act conscientiously in admitting people to the Holy Supper. If an orthodox Lutheran preacher takes over a new congregation, and will not let any member of it come to the Table of the Lord until he has spoken with each one individually and heard from that person's own mouth that he knows what the Holy Supper is, that he recognizes himself as a poor sinner, that he believes God's Word from the heart, that he sincerely longs for grace and forgiveness of sins in Christ's blood, that he also has the earnest resolve to follow Christ in a holy life unstained by the world, and the like — what hard resistance he then usually meets with at once! How seldom does it then pass off without resulting divisions! How often does he then find himself compelled to move his walking staff onward, and even to have it said of him that he wanted to lord it over the congregation!

How now? Does a preacher, then, indeed do right when he would rather let everything be visited upon him — indeed, would rather give up his office — than admit everyone to the Holy Supper without examination? Is the liberality of many preachers of this land really so blameworthy in this respect? We answer: Yes! But in order to judge rightly of this, it is necessary first to consider what is really the true nature of the Holy Supper.

It is quite otherwise with the Supper than with the preaching of the Word. From the preaching of the Word, therefore, indeed no one may or should be turned away, for that would mean shutting against him the one door of grace. The Word, namely, is given not only to preserve a believer in faith, but also to awaken a person in the first place out of his sleep of sin, to bring him to the knowledge of his sins, to repentance and to faith, and to convert him; indeed, without the Word all this is impossible.*) Not so is it, however, with the Holy Supper; through it a person is not first to be brought to repentance and to faith, but rather strengthened in it; through it a person is not first to obtain grace and become a Christian, but the grace already obtained through the Word is thereby to be sealed to him, and he is to be preserved, kept, and advanced in Christianity; through this food a person is not first to be awakened to life from God, but, if he is already spiritually alive, to be nourished and refreshed. Whoever, therefore, wishes to partake of the Holy Supper worthily and to his salvation must already beforehand have come to repentance and to faith; must already beforehand have obtained grace and become a true Christian; must already beforehand have been awakened to life from God and been born again. Therefore only he should partake of the Holy Supper who has already, through the bath of regeneration — that is, through Holy Baptism — become a child of God; just as in the Old Testament only he was permitted to partake of the Passover lamb who had already been received into the divine covenant of grace through the sacrament of circumcision. To partake of the Holy Supper is not in and of itself something good; rather, everything depends on how one partakes of it. It is not like a medicine

*) On this Luther writes in his Church Postil: "Thus Christ also did: he let the preaching go out to the crowds, over everyone, as afterward the apostles likewise did, so that all heard it, believers and unbelievers alike; whoever caught it, caught it. So must we also do. But the Sacrament should not be thrown among the people in heaps in this way, as the Pope did. When I preach the Gospel, I do not know whom [illegible]; but here I ought to know the particular person who comes to the Sacrament; there I must not leave it in doubt, but must be certain that he to whom I give the Sacrament has grasped the Gospel and rightly believes, just as when I baptize someone; just as he, too, who receives it, or who is baptized, ought not to doubt." (On Easter Day, on receiving the Holy Sacrament.)