Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 6 › Seite 55

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-11-16, Seite 55

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · SGeiz · Miſſion 30 · Sünde 35

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den Buchſtaben für ſich. Wir wollten uns auch
dies gern gefallen laſſen, denn wir durften wohl
erwarten, daß in denjenigen unter den Methodi⸗
ſten, für die wir allein geſchrieben hatten, denen
es nemlich redlich um Wahrheit zu thun iſt, das
Verlangen werde erweckt werden, uns über den
angeregten Gegenſtand weiter zu hören.

Was iſt nun geſchehen? — In No. 462 des
Apologeten erklärt uns Herr Dr. Naſt: daß er
unſeren Aufſatz in ſein Blattnicht auf⸗
nehmen wolle.

So hat uns denn der Glaube in die Hände
kommen müſſen, daß die Methodiſten ſelbſt der
ehrloſeſten Handlungen, deren ſich auch die
gottloſe Welt ſchämen würde, fähig ſind. So geben
denn die Methodiſten in unſern Tagen aufs neue
ein Beiſpiel, daß rechte Fanatiker, wie weiland
die „heiligen“ Väter des Conſtanzer Concils, den
Grundſatz befolgen, daß man „Ketzern“ ſein Wort
nicht zu halten brauche. Wir können uns dabei
wohl zufrieden geben. Wir verlieren dabei nichts,
als das letzte Ueberbleibſel unſeres Zutrauens zu
der Ehrlichkeit und Rechtlichkeit der Methodiſten⸗
häupter. Groß iſt aber hierbei unſer Gewinn.
Herr Naſt hat durch nichts deutlicher öffentlich er⸗
klären können, daß er, von der guten Sache der
lutheriſchen Lehre in dem Punkte des heiligen
Abendmahls wider Willen überzeugt und auf das
ſchimpflichſte mit ſeinem methodiſtiſchen „Ge—
ſchwätze“ aus dem Felde geſchlagen, demüthig
habe die Waffen ſtrecken müſſen. Herr Naſt ſucht
zwar ſeiner kläglichen Retirade, eines Santa
Anna (glorreicher Erinnerung) würdig, lächerlich
genug das Anſehen eines Triumphzuges dadurch
zu geben, daß er über die ſchreckenerregende ganz
ſchauderhafte Länge unſerer Widerlegung mit⸗
leiderweckende Klaglieder anſtimmt und ſpricht!:
„Wir können von unſeren urſprünglichen und
ausdrücklichen Bedingungen nicht abgehen“; dieſe
gewiß nicht übel ausgeſonnene Ausflucht wird
aber dem armen Manne nicht viel helfen, ſeinem
nun nur zu ſehr befleckten Ruhm als eines Doc⸗
toris Theologiæ den alten Glanz wieder zu ver⸗

ſchaffen, da es ſich ja nicht eigentlich darum han⸗

delt, daß Herr Naſt unſern Aufſatz nicht ganz,
ſondern daß er davon nichts, nemlich nicht ein⸗

mal ſo viel in ſein Blatt aufgenommen hat, als

wir in unſerer lutheriſchen Ehrlichkeit in gutem
Glauben von dem ſeinigen in unſer Blatt auf⸗
genommen hatten. Herr Naſt entſcheide ſelbſt:
A. iſt B. 10 Thaler ſchuldig, B. aber fordert 100
Thaler, was wäre nun wohl A., wenn er zu B.
ſpräche: weil du 100 Thaler forderſt, ſo gebe ich
dir gar nichts? — A. wäre dann offenbar ein
Betrüger. — Herr Naſt inag ſich daher drehen
und wenden, wie er will, ſeine lieben Schafe
mögen wohl von ihm gewöhnt ſein, alles, was er
ihnen vorlegt, für baare Münze anzuſehen, be⸗
treffs der Lutheraner ſetzt er vergeblich ſeinen Troſt
auf ſolchen blinden Glauben an die Ausſprüche
eines Menſchen, und wäre es ein Doctor Theo-
logiee rite promotus, denn die Lutheraner werden
von Jugend an dazu angeleitet, alles nach Got⸗
tes Wort zu prüfen, und ſich durch kein Men⸗
ſchenanſehen binden oder blenden zu laſſen.,

Herr Naſt tritt übrigens nicht bloß mit
Schimpf und Schande, ſondern auch, wie alle
das Haſenpanier ergreifende Feiglinge, mit
Schimpfen und Schänden ſeinen unglücklichen
Rückzug an. Er wirft nemlich mit: „lutheriſche
Schulweisheit, Jeſuitismus, römiſch-lutheriſche
Schriftgelehrte, papiſtiſche und jüdiſche Amts⸗—
brüder, endloſer Wortſchwall“, und mit ähnlichen
Ergießungen einer gereizten Galle um ſich herum.
Nach unſerm wenigen Ermeſſen wäre es klüger
geweſen, Herr Naſt hätte ſich in aller Stille, und
nicht ſo murrend und ſcheltend aus dem Staube
gemacht, denn dadurch hat er nur um ſo mehr
verrathen, in welche deſperate Stimmung ihn die
Vorhaltung der Wahrheit geſetzt hat.

Charakteriſtiſch iſt endlich noch Ein Schlag,
den Herr Naſt bei ſeinem heldenmüthigen Reiß⸗
aus zum chriſtlichen Abſchied nach uns thut. Er
erinnert ſich nemlich aus ſeinem eigenen Leben,
wie wehe es ihm immer that, wenn man ſeinen
Stolz beleidigte. Das bewegt ihn denn zu der
Bemerkung: „Fehlt es dem Herrn Walther an
Geſchicklichkeit (nemlich die lutheriſche Lehre vom
heiligen Abendmahl kurz darzuſtellen), ſo muß er
dieſe Arbeit eben einem begabteren Amtsbruder
übergeben.“ Hierauf müſſen wir erwidern, daß
Herr Naſt total fehlgeſchoſſen hat. Erſtlich wiſſen
wir recht wohl, welchen verkehrten Streich unſere
Brüder gemacht haben, einen ſo ungeſchickten
Menſchen, wie wir ſind, zum Redacteur ihres
Blattes zu machen, aber Sie, Herr Naſt, ſoll⸗
ten gerade darüber ſich freuen und am wenigſten
davon etwas laut werden laſſen; denn haben
Sie ſchon, da meine Wenigkeit auf dem Felde
erſchien, ſo eilends Ferſengeld gegeben, was würde
vollends geſchehen ſein, wenn ein Dr. Sihler
oder ein F. Wyneken, dieſe alten Ihnen wohl⸗
bekannten Haudegen, oder auch mancher andere
aus unſerm Heerlager hervorgetreten wäre.

Das Concordienbuch.

Soeben erfahren wir aus einem Briefe Herrn
Ludwigs, daß er mit dem Setzen des deutſchen
Concordienbuches nächſtens beginnen will und
dasſelbe Ende März 1848 verkaufen zu können
gedenkt. Subſcriptionsliſten ſind noch nicht ein⸗
gegangen. Möge Herr Ludwig ſich in dem guten
Vertrauen nicht getäuſcht finden, daß alle recht⸗
gläubig⸗lutheriſche Prediger alles thun werden,
um dem von ihm aufzulegenden Concordienbuche
die möglichſt größte Abnahme zu verſchaffen!

— —72——

Die hochmüthige Demuth.

Ein Weib hatte ſich, um nach papiſtiſcher Art
mit einem ſtrengen Leben für ihre Sünden zu
büßen, einſperren laſſen, und ihre Magd durfte
ihr blos durch ein kleines Fenſter, das in der
Thür war, ihre tägliche Nothdurft zureichen. Es
beſuchten ſie viele Leute, theils aus Neugierde,
theils aus falſcher Andacht, theils aus Mitleid.
Sie ſaß indeß in ihrer Klauſe mit niedergeſchla⸗
genen Augen und ſagte mit leiſer und kläglicher
Stimme, wie ſie eine ſo große Sünderin, und

um ihrer vielen Sünden willen nicht werth wäre,
das Licht des Himmels zu ſehen u. ſ. w. Die
Magd hörte dies öfter von ihr. Als nun auch einſt
Leute kamen und fragten, was ihre Frau drinnen
machte, antwortete die Magd, ſie hielte dafür, daß
ſie jetzt ein wenig ruhe; als ſie nun weiter frag⸗
ten, ob ſie nicht wüßte, warum ihre Frau ein
ſolch elendes und ſtrenges Leben führte, antwortete
ſie: „Ich halte dafür, ſie muß eine der größten
Sünderinnen ſein, die die Erde jemals getragen
hat.“ Wie dies die Frau, welche nicht ſchlief,
hörete, ſprang ſie wie raſend hervor und ſchrie:
„Das lügſt du, du Beſtie, ich bin ein ehrlich und
frommes Weib.“ „Ach!“ ſprach die Magd, „liebe
Frau, entrüſtet euch nicht, ich meinte, daß, weil
ihr ſo oft über eure großen und ſchweren Sünden
klagt, es auch Wahrheit damit ſein müſſe, und
iſts, daß ich etwas Unrechtes damit geſagt, ſo iſts
eure eigene Schuld.“ — Möchte dies heuchleriſche
Weib nicht nur zu viel Schweſtern und Brüder
haben! Aber wie viele gibt es nicht, die es gerade
ſo machen! Sie ſprechen wohl, ich bin auch ein
großer Sünder, aber wenn man ihnen darin
Recht gibt, ſo ſieht man, wie ernſt das Sünden⸗
bekenntniß gemeint geweſen ſei. Man redet de⸗
müthig, nicht weil man ſeine Nichtswürdigkeit
wirklich fühlte, ſondern damit man als demüthig
bewundert und gerühmt werde.
Der Geizhals.

Darum kann ein Geiziger nichts nützer und
beſſeres thun, denn wenn er ſtirbt; denn im Leben
iſt er weder Gott noch andern Menſchen, ja ihm
ſelbſt kein nütz. Er kann ſonſt nichts anderes,
denn ſündigen wider Gott, wider Menſchen, und
auch wider ſich ſelbſt; denn er thut auch ſeinem
eignen Leibe nimmer nichts zu gute.“

Luther.

*

Ein verdächtiger Handel.

Während Jacob v. Moſer, der durch ſeine
merkwürdigen Schickſale und durch ſeine Fröm⸗
migkeit berühmte Staatsmann, in Wien weilte,
verkehrte er auch mit dem Benediktiner-Abte
Gottfried von Göttweig, der nichts Geringeres
zur Abſicht hatte, als Moſern zum Katholicismus
zu verführen. Der Reichskanzler, ſprach der Abt,
wünſche ihm gerne eine anſehnliche Bedienung zu
geben; aber der Kaiſer nehme keinen in Dienſt,
der mit der lutheriſchen Erbſünde behaftet ſei.
Könne Moſer glauben, die katholiſche Religion
ſei ſo gut, als die lutheriſche, ſo ſei die Sache
ſchon in Richtigkeit. Lächelnd antwortete Moſer
dem Prälaten: „Euer Handel kommt mir ver⸗
dächtig vor; Ihr bietet mir gleichbald freiwillig
auf meinen Luther ſo viel auf. Hättet Ihr ge⸗
ſagt: Ob ich nicht tauſchen wolle? ſo hätte ich es
in Ueberlegung ziehen können; da Ihr mir aber,
gegen Vertauſchung meiner Religion mit der Euri⸗
gen, zu der Eurigen ſo viel zuleget, muß Eure
Waare offenbar ſchlechter ſein, als die meinige.“

„Halte, was du haſt, daß niemand deine Krone
nehme.“ Offenb. 3, 11.

Von der großen Liebe, die die Schwärmer
unter einander haben.
(Von Luther.)
„Unſre Rottengeiſter rühmen jetzt von großer
Liebe, die ſie unter einander haben, daß man dar⸗
aus müſſe ſpüren, daß der Heilige Geiſt bei ihnen

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the letter of the law on his side. We were also willing to let this stand gladly, for we might well expect that among those Methodists for whom alone we had written — namely, those who are honestly concerned about the truth — the desire would be awakened to hear more from us on the subject raised.

What has now happened? — In No. 462 of the Apologist, Dr. Nast declares to us that he does not wish to print our essay in his paper.

So we have had to come to the belief that the Methodists themselves are capable of the most dishonorable acts, of which even the godless world would be ashamed. Thus the Methodists in our day again give an example that true fanatics, like the "holy" fathers of the Council of Constance of old, follow the principle that one need not keep one's word to "heretics." We can well be content with this. We lose nothing by it except the last remnant of our trust in the honesty and integrity of the Methodist leaders. Great, however, is our gain in this. Mr. Nast could not have declared more clearly, publicly, that he, convinced against his will of the good cause of Lutheran doctrine on the point of the Holy Supper, and driven from the field in the most disgraceful manner by his Methodist "chatter," has had to humbly lay down his arms. Mr. Nast does indeed seek, worthy of a Santa Anna (of glorious memory), to give his pitiful retreat the ridiculous appearance of a triumphal procession, by striking up pity-arousing laments over the terrifying, altogether dreadful length of our refutation, and saying: "We cannot depart from our original and express conditions"; but this certainly not badly devised excuse will not help the poor man much to restore the old luster to his now all too tarnished reputation as a Doctor of Theology, since the issue is not really that Mr. Nast has printed our essay not in full, but that he has printed none of it — not even as much in his paper as we, in our Lutheran honesty and in good faith, had printed of his in our paper. Let Mr. Nast decide for himself: A owes B 10 Thaler, but B demands 100 Thaler; what then would A be, if he said to B: because you demand 100 Thaler, I will give you nothing at all? — A would then plainly be a swindler. — Mr. Nast may therefore twist and turn as he will; his dear sheep may well be accustomed by him to regard everything he sets before them as ready cash, but as regards the Lutherans, he places his hope in vain on such blind faith in the pronouncements of a man, even were he a Doctor of Theology duly promoted, for Lutherans are trained from youth to test everything according to God's Word, and to let themselves be bound or blinded by no regard for persons.

Mr. Nast, moreover, begins his unfortunate retreat not merely with disgrace and shame, but also, like all cowards who take to their heels, with reviling and defaming. For he flings about him such terms as "Lutheran school-wisdom, Jesuitism, Roman-Lutheran scribes, papist and Jewish colleagues, endless flood of words," and similar outpourings of an irritated bile. In our humble estimation it would have been wiser for Mr. Nast to have slipped away quietly, and not so grumbling and railing, for by this he has only betrayed all the more into what a desperate mood the confrontation with the truth has put him.

Characteristic, finally, is one more blow which Mr. Nast delivers at us as a Christian farewell in his heroic flight. He recalls, namely, from his own life, how it always pained him when his pride was injured. This moves him to the remark: "If Mr. Walther lacks the skill" (namely, to briefly set forth the Lutheran doctrine of the Holy Supper), "then he must hand this task over to a more gifted colleague." To this we must reply that Mr. Nast has completely missed the mark. In the first place, we know quite well what a perverse trick our brethren played in making so unskilled a person as we are the editor of their paper, but you, Mr. Nast, ought rather to rejoice over that very fact and say the least about it; for if you have already taken to your heels so hastily when my humble self appeared on the field, what would have happened altogether had a Dr. Sihler or an F. Wyneken — those old, seasoned warriors well known to you — or indeed many another from our camp, come forward instead.

The Book of Concord.

We have just learned from a letter of Mr. Ludwig's that he intends shortly to begin typesetting the German Book of Concord, and expects to be able to offer it for sale by the end of March 1848. Subscription lists have not yet come in. May Mr. Ludwig not find himself disappointed in the good confidence that all orthodox Lutheran pastors will do everything to secure the greatest possible sales for the Book of Concord to be published by him!

Proud Humility.

A woman had had herself shut up, in order to atone for her sins in the papist manner with a strict life, and her maidservant was permitted to pass her her daily necessities only through a small window that was in the door. Many people visited her, some out of curiosity, some out of false devotion, some out of pity. She sat, meanwhile, in her cell with downcast eyes and said, in a soft and plaintive voice, how she was so great a sinner, and on account of her many sins unworthy to see the light of heaven, and so forth. The maid heard this from her often. Now when some people once came and asked what her mistress was doing inside, the maid answered that she supposed she was resting a little just now; when they asked further whether she did not know why her mistress led such a wretched and strict life, she answered: "I suppose she must be one of the greatest sinners the earth has ever borne." When the woman, who was not asleep, heard this, she sprang forth as if enraged and cried: "You lie, you beast, I am an honest and pious woman." "Ah," said the maid, "dear mistress, do not be indignant; I supposed that, since you so often lament your great and grievous sins, there must also be truth in it, and if I have said something wrong thereby, it is your own fault." — Would that this hypocritical woman did not have all too many sisters and brothers! But how many are there who do exactly the same! They indeed say, I too am a great sinner, but if one agrees with them in this, one sees how seriously the confession of sin was meant. One speaks humbly, not because one truly felt one's own worthlessness, but so that one may be admired and praised as humble.

The Miser.

"Therefore a miser can do nothing more useful or better than to die; for in life he is of no use either to God or to other men, indeed not even to himself. He can do nothing else but sin against God, against men, and also against himself; for he never does even his own body any good."
Luther.

A Suspicious Bargain.

While Jacob von Moser, the statesman famous for his remarkable fortunes and for his piety, was staying in Vienna, he also had dealings with the Benedictine abbot Gottfried of Göttweig, whose intention was nothing less than to seduce Moser to Catholicism. The Imperial Chancellor, said the abbot, would gladly wish to give him a considerable position; but the Emperor took into service no one tainted with the Lutheran original sin. If Moser could believe that the Catholic religion was as good as the Lutheran, then the matter would already be settled. Smiling, Moser answered the prelate: "Your bargain seems suspicious to me; you are at once voluntarily offering me so much on top for my Luther. Had you said: would I not like to trade? I could have taken it into consideration; but since you, in exchange for my swapping my religion for yours, add so much to yours, your merchandise must evidently be worse than mine."

"Hold fast what thou hast, that no man take thy crown." Revelation 3:11.

On the Great Love that the Enthusiasts Have Among One Another.
(By Luther.)

"Our sectarian spirits now boast of the great love which they have among one another, so that one must perceive from it that the Holy Spirit is with