# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S55 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) den Buchſtaben für ſich. Wir wollten uns auch dies gern gefallen laſſen, denn wir durften wohl erwarten, daß in denjenigen unter den Methodi⸗ ſten, für die wir allein geſchrieben hatten, denen es nemlich redlich um Wahrheit zu thun iſt, das Verlangen werde erweckt werden, uns über den angeregten Gegenſtand weiter zu hören. Was iſt nun geſchehen? — In No. 462 des Apologeten erklärt uns Herr Dr. Naſt: daß er unſeren Aufſatz in ſein Blattnicht auf⸗ nehmen wolle. So hat uns denn der Glaube in die Hände kommen müſſen, daß die Methodiſten ſelbſt der ehrloſeſten Handlungen, deren ſich auch die gottloſe Welt ſchämen würde, fähig ſind. So geben denn die Methodiſten in unſern Tagen aufs neue ein Beiſpiel, daß rechte Fanatiker, wie weiland die „heiligen“ Väter des Conſtanzer Concils, den Grundſatz befolgen, daß man „Ketzern“ ſein Wort nicht zu halten brauche. Wir können uns dabei wohl zufrieden geben. Wir verlieren dabei nichts, als das letzte Ueberbleibſel unſeres Zutrauens zu der Ehrlichkeit und Rechtlichkeit der Methodiſten⸗ häupter. Groß iſt aber hierbei unſer Gewinn. Herr Naſt hat durch nichts deutlicher öffentlich er⸗ klären können, daß er, von der guten Sache der lutheriſchen Lehre in dem Punkte des heiligen Abendmahls wider Willen überzeugt und auf das ſchimpflichſte mit ſeinem methodiſtiſchen „Ge— ſchwätze“ aus dem Felde geſchlagen, demüthig habe die Waffen ſtrecken müſſen. Herr Naſt ſucht zwar ſeiner kläglichen Retirade, eines Santa Anna (glorreicher Erinnerung) würdig, lächerlich genug das Anſehen eines Triumphzuges dadurch zu geben, daß er über die ſchreckenerregende ganz ſchauderhafte Länge unſerer Widerlegung mit⸗ leiderweckende Klaglieder anſtimmt und ſpricht!: „Wir können von unſeren urſprünglichen und ausdrücklichen Bedingungen nicht abgehen“; dieſe gewiß nicht übel ausgeſonnene Ausflucht wird aber dem armen Manne nicht viel helfen, ſeinem nun nur zu ſehr befleckten Ruhm als eines Doc⸗ toris Theologiæ den alten Glanz wieder zu ver⸗ ſchaffen, da es ſich ja nicht eigentlich darum han⸗ delt, daß Herr Naſt unſern Aufſatz nicht ganz, ſondern daß er davon nichts, nemlich nicht ein⸗ mal ſo viel in ſein Blatt aufgenommen hat, als wir in unſerer lutheriſchen Ehrlichkeit in gutem Glauben von dem ſeinigen in unſer Blatt auf⸗ genommen hatten. Herr Naſt entſcheide ſelbſt: A. iſt B. 10 Thaler ſchuldig, B. aber fordert 100 Thaler, was wäre nun wohl A., wenn er zu B. ſpräche: weil du 100 Thaler forderſt, ſo gebe ich dir gar nichts? — A. wäre dann offenbar ein Betrüger. — Herr Naſt inag ſich daher drehen und wenden, wie er will, ſeine lieben Schafe mögen wohl von ihm gewöhnt ſein, alles, was er ihnen vorlegt, für baare Münze anzuſehen, be⸗ treffs der Lutheraner ſetzt er vergeblich ſeinen Troſt auf ſolchen blinden Glauben an die Ausſprüche eines Menſchen, und wäre es ein Doctor Theo- logiee rite promotus, denn die Lutheraner werden von Jugend an dazu angeleitet, alles nach Got⸗ tes Wort zu prüfen, und ſich durch kein Men⸗ ſchenanſehen binden oder blenden zu laſſen., Herr Naſt tritt übrigens nicht bloß mit Schimpf und Schande, ſondern auch, wie alle das Haſenpanier ergreifende Feiglinge, mit Schimpfen und Schänden ſeinen unglücklichen Rückzug an. Er wirft nemlich mit: „lutheriſche Schulweisheit, Jeſuitismus, römiſch-lutheriſche Schriftgelehrte, papiſtiſche und jüdiſche Amts⸗— brüder, endloſer Wortſchwall“, und mit ähnlichen Ergießungen einer gereizten Galle um ſich herum. Nach unſerm wenigen Ermeſſen wäre es klüger geweſen, Herr Naſt hätte ſich in aller Stille, und nicht ſo murrend und ſcheltend aus dem Staube gemacht, denn dadurch hat er nur um ſo mehr verrathen, in welche deſperate Stimmung ihn die Vorhaltung der Wahrheit geſetzt hat. Charakteriſtiſch iſt endlich noch Ein Schlag, den Herr Naſt bei ſeinem heldenmüthigen Reiß⸗ aus zum chriſtlichen Abſchied nach uns thut. Er erinnert ſich nemlich aus ſeinem eigenen Leben, wie wehe es ihm immer that, wenn man ſeinen Stolz beleidigte. Das bewegt ihn denn zu der Bemerkung: „Fehlt es dem Herrn Walther an Geſchicklichkeit (nemlich die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahl kurz darzuſtellen), ſo muß er dieſe Arbeit eben einem begabteren Amtsbruder übergeben.“ Hierauf müſſen wir erwidern, daß Herr Naſt total fehlgeſchoſſen hat. Erſtlich wiſſen wir recht wohl, welchen verkehrten Streich unſere Brüder gemacht haben, einen ſo ungeſchickten Menſchen, wie wir ſind, zum Redacteur ihres Blattes zu machen, aber Sie, Herr Naſt, ſoll⸗ ten gerade darüber ſich freuen und am wenigſten davon etwas laut werden laſſen; denn haben Sie ſchon, da meine Wenigkeit auf dem Felde erſchien, ſo eilends Ferſengeld gegeben, was würde vollends geſchehen ſein, wenn ein Dr. Sihler oder ein F. Wyneken, dieſe alten Ihnen wohl⸗ bekannten Haudegen, oder auch mancher andere aus unſerm Heerlager hervorgetreten wäre. Das Concordienbuch. Soeben erfahren wir aus einem Briefe Herrn Ludwigs, daß er mit dem Setzen des deutſchen Concordienbuches nächſtens beginnen will und dasſelbe Ende März 1848 verkaufen zu können gedenkt. Subſcriptionsliſten ſind noch nicht ein⸗ gegangen. Möge Herr Ludwig ſich in dem guten Vertrauen nicht getäuſcht finden, daß alle recht⸗ gläubig⸗lutheriſche Prediger alles thun werden, um dem von ihm aufzulegenden Concordienbuche die möglichſt größte Abnahme zu verſchaffen! — —72—— Die hochmüthige Demuth. Ein Weib hatte ſich, um nach papiſtiſcher Art mit einem ſtrengen Leben für ihre Sünden zu büßen, einſperren laſſen, und ihre Magd durfte ihr blos durch ein kleines Fenſter, das in der Thür war, ihre tägliche Nothdurft zureichen. Es beſuchten ſie viele Leute, theils aus Neugierde, theils aus falſcher Andacht, theils aus Mitleid. Sie ſaß indeß in ihrer Klauſe mit niedergeſchla⸗ genen Augen und ſagte mit leiſer und kläglicher Stimme, wie ſie eine ſo große Sünderin, und um ihrer vielen Sünden willen nicht werth wäre, das Licht des Himmels zu ſehen u. ſ. w. Die Magd hörte dies öfter von ihr. Als nun auch einſt Leute kamen und fragten, was ihre Frau drinnen machte, antwortete die Magd, ſie hielte dafür, daß ſie jetzt ein wenig ruhe; als ſie nun weiter frag⸗ ten, ob ſie nicht wüßte, warum ihre Frau ein ſolch elendes und ſtrenges Leben führte, antwortete ſie: „Ich halte dafür, ſie muß eine der größten Sünderinnen ſein, die die Erde jemals getragen hat.“ Wie dies die Frau, welche nicht ſchlief, hörete, ſprang ſie wie raſend hervor und ſchrie: „Das lügſt du, du Beſtie, ich bin ein ehrlich und frommes Weib.“ „Ach!“ ſprach die Magd, „liebe Frau, entrüſtet euch nicht, ich meinte, daß, weil ihr ſo oft über eure großen und ſchweren Sünden klagt, es auch Wahrheit damit ſein müſſe, und iſts, daß ich etwas Unrechtes damit geſagt, ſo iſts eure eigene Schuld.“ — Möchte dies heuchleriſche Weib nicht nur zu viel Schweſtern und Brüder haben! Aber wie viele gibt es nicht, die es gerade ſo machen! Sie ſprechen wohl, ich bin auch ein großer Sünder, aber wenn man ihnen darin Recht gibt, ſo ſieht man, wie ernſt das Sünden⸗ bekenntniß gemeint geweſen ſei. Man redet de⸗ müthig, nicht weil man ſeine Nichtswürdigkeit wirklich fühlte, ſondern damit man als demüthig bewundert und gerühmt werde. Der Geizhals. Darum kann ein Geiziger nichts nützer und beſſeres thun, denn wenn er ſtirbt; denn im Leben iſt er weder Gott noch andern Menſchen, ja ihm ſelbſt kein nütz. Er kann ſonſt nichts anderes, denn ſündigen wider Gott, wider Menſchen, und auch wider ſich ſelbſt; denn er thut auch ſeinem eignen Leibe nimmer nichts zu gute.“ Luther. * Ein verdächtiger Handel. Während Jacob v. Moſer, der durch ſeine merkwürdigen Schickſale und durch ſeine Fröm⸗ migkeit berühmte Staatsmann, in Wien weilte, verkehrte er auch mit dem Benediktiner-Abte Gottfried von Göttweig, der nichts Geringeres zur Abſicht hatte, als Moſern zum Katholicismus zu verführen. Der Reichskanzler, ſprach der Abt, wünſche ihm gerne eine anſehnliche Bedienung zu geben; aber der Kaiſer nehme keinen in Dienſt, der mit der lutheriſchen Erbſünde behaftet ſei. Könne Moſer glauben, die katholiſche Religion ſei ſo gut, als die lutheriſche, ſo ſei die Sache ſchon in Richtigkeit. Lächelnd antwortete Moſer dem Prälaten: „Euer Handel kommt mir ver⸗ dächtig vor; Ihr bietet mir gleichbald freiwillig auf meinen Luther ſo viel auf. Hättet Ihr ge⸗ ſagt: Ob ich nicht tauſchen wolle? ſo hätte ich es in Ueberlegung ziehen können; da Ihr mir aber, gegen Vertauſchung meiner Religion mit der Euri⸗ gen, zu der Eurigen ſo viel zuleget, muß Eure Waare offenbar ſchlechter ſein, als die meinige.“ „Halte, was du haſt, daß niemand deine Krone nehme.“ Offenb. 3, 11. Von der großen Liebe, die die Schwärmer unter einander haben. (Von Luther.) „Unſre Rottengeiſter rühmen jetzt von großer Liebe, die ſie unter einander haben, daß man dar⸗ aus müſſe ſpüren, daß der Heilige Geiſt bei ihnen