Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 6 › Seite 50
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-11-16, Seite 50
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Bekenntnisſchriften 2 · Bekenntnisſchriften 9
Seligkeit gefunden zu haben ſich rühmen, halten
ſie nicht für Fortſchritte, ſondern für Rückſchritte,
nicht für Bauen, ſondern für Niederreißen und
Zerſtören.
Ein anderer Vorwurf iſt's, wenn man das
Concordienbuch eine Menſchenſatzung
und die Verpflichtung auf dasſelbe
ein Gewiſſensjoch nennt. Menſchenſatzun⸗
gen, im übeln Sinn, ſind Gebote, von Menſchen
erſonnen, die den Geboten Gottes an die Seite
geſetzt werden. Dieſer Begriff von Menſchen⸗
ſatzungen aber trifft das Concordienbuch nicht im
entfernteſten, denn obwohl es, ſeiner äußeren
Form nach, von Menſchen verfaßt iſt, ſo iſt doch
ſein Inhalt nicht von Menſchen erſonnen, ſondern
aus der Quelle der ewigen Wahrheit, der heiligen
Schrift, genommen und ſomit iſt ſein Inhalt
Gottes Wort ſelbſt. Gleichwie nun ein jeder
Chriſt Gottes Wort anzunehmen ſchuldig iſt, ſo
macht es die lutheriſche Kirche ihren Gliedern, und
insbeſondere ihren Lehrern, zur Pflicht, ſich zu
dem im Concordienbuch niedergelegten und be⸗
kannten Glauben zu bekennen, weil ſie von deſſen
Schriftmäßigkeit überzeugt iſt. Niemand wird zu
dieſem Glauben gezwungen, jeder hat vollkommene
Freiheit. Wer aber das Concordienbuch und
deſſen Inhalt verwirft, der kann nicht Anſpruch
machen auf Gliedſchaft dieſer Kirche, noch als ein
Lehrer dieſer Kirche geduldet werden. Ebenſo
unerheblich iſt der Einwand, man brauche
keine Bekenntnißſchriften, man habe
an der Bibel genug; an ſie allein ſei das
Gewiſſen zu binden. Gleich als wollte die luthe⸗
riſche Kirche ihr Concordienbuch der Bibel an die
Seite ſtellen, oder ihr dadurch eine Stütze geben.
Das ſei ferne! Die Bibel iſt hinreichend, beides,
zur Seligkeit und zum Weſen und Beſtehen der
Kirche. Nur die Umſtände haben kirchliche Be⸗
kenntniſſe nöthig gemacht. Weil nemlich viele
den Namen und Ruhm der Kirche ſich zueignen,
auf die heilige Schrift ſich berufen, und doch un⸗
ter dem Deckmantel der Schrift und Kirche ge⸗
fährliche Irrthümer verbreiten, ſo iſt die recht⸗
gläubige Kirche genöthiget worden, Bekenntniſſe
des wahren Glaubens zu ſtellen, theils um ſich
von falſchgläubigen Kirchen gemeinſchaftlich zu
unterſcheiden, theils um ein Merkmal zu haben,
dadurch ſich ihre Glieder gegenſeitig kennen. Wer
dies im Auge behält, wird im Concordienbuch
weder eine Menſchenſatzung noch eine unnöthige
Sache finden.
Wir kommen zu einem dritten Vorwurf; das
Concordienbuch ſoll ein Buch todter Ortho—
doxie, von todten Orthodoxen verfaßt, und
einem lebendigen Chriſtenthum hinder⸗
lich ſein. Die dieſe Behauptung thun, wiſſen
ſicherlich nicht, was Orthodorie iſt. Orthodorie
heißt ſo viel als reine, ſchriftgemäße Lehre. So
wenig nun die heilige Schrift ohne große Gottes⸗
läſterung ein todter Buchſtabe genannt werden
kann, ebenſo wenig auch Orthodoxie. Wohl kann
es todte Orthodoxe geben, die zwar die reine
Lehre kennen, aber ihre Kraft in ſich hindern und
im geiſtlichen Tode liegen; wohl iſt Heterodoxie,
d. i. falſche Lehre, ein todtes, ja ein tödtendes
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Wort; aber Orthodorie iſt niemals todt, ſie iſt
vielmehr die Quelle des geiſtlichen Lebens. Die
Verfaſſer des Concordienbuchs aber als todte Or⸗
thodore zu ſchmähen, beweiſ't zum mindeſten eine
gänzliche Unkenntniß des wahren lebendigen Chri⸗
ſtenthums, oder daß man ein verkrüppeltes Ge⸗
fühlschriſtenthum mit dem wahren Chriſtenthum
verwechſelt. Wir berufen uns auf alle, die das
Concordienbuch mit wahrheits⸗ und heilsbegieri⸗
gem Herzen leſen; ſie werden bekennen, daß es
vom inneren Leben des Glaubens gerade ſo redet,
wie es alle wahre Chriſten in ſich erfahren.
Ferner beſchuldigt man das Concordienbuch,
es herrſche ein liebloſer ver dammungs⸗
ſüchtiger Geiſt in ihm und ſei eine Urſache,
daß der traurige Riß, der zwiſchen den Luthera⸗
nern und Reformirten entſtanden iſt, immer noch
fortdaure. Sonderlich iſt heutigen Tages, wo
Union, Vereinigung das dritte Wort iſt, der
Theil des Concordienbuchs, den man die Concor⸗
dienformel nennt, allen Unionsfreunden ein ver⸗
haßtes Buch. Da über dieſen Gegenſtand im
„Lutheraner“ ſchon oft ausführlich gehandelt wor⸗
den iſt, ſo faſſen wir zur Antwort auf dieſe Be⸗
ſchuldigung das Geſagte nur nochmals ſumma⸗
riſch zuſammen. Das Concordienbuch iſt kein
Feind der Eintracht; ſein ganzer Zweck, wie auch
ſchon ſein Titel beſagt, geht dahin, wahre Ein⸗
tracht unter den Chriſten herzuſtellen. Der zwi⸗
ſchen Lutheranern und Reformirten entſtandene
Riß iſt nicht durchs Concordienbuch verſchuldet
worden, ſondern durch diejenigen, welche durch
hartnäckiges Vertheidigen gefährlicher Irrthümer
die Einigkeit des Glaubens zertrennt haben. Das
Concordienbuch iſt nur einer falſchen, d. i. auf
Gleichgültigkeit gegen die himmliſche Wahrheit,
auf Ueberſehen gefährlicher Irrthümer beruhenden
Vereinigung oder Union feind; dies gereicht ihm
aber nicht zum Vorwurf, ſondern iſt ein großes
Verdienſt. Was die Verwerfungs⸗ und Ver⸗
dammungsurtheile betrifft, die das Concordien⸗
buch, und namentlich die Concordienformel, über
Irrlehrer ausſpricht, ſo iſt es nicht die Meinung,
einfältige, aus Schwachheit irrende Perſonen, oder
ganze irrgläubige Kirchen, darin dennoch Kinder
Gottes ſich befinden, zu verdammen; ſondern nur
der Irrthum und deſſen hartnäckige Lehrer und
Vertheidiger werden verdammt. Dieß Letztere
aber thut es dem Befehle und Vorbilde Chriſti
und ſeiner Apoſtel gemäß. So groß endlich auch
der Riß ſein mag, ſo macht doch das Concordien⸗
buch eine Heilung desſelben und eine Vereinigung
der getrennten Kirchen nicht unmöglich, aber ſtellt
die Bedingungen auf, unter welchen allein ſie
geſchehen kann, aufrichtige Losſagung von den
bisher behaupteten Irrthümern und ungeheuchelte,
herzliche, rückhaltsloſe Einigung unter Einem Be⸗
kenntniß des Glaubens, eben desjen igen, welches
im Concordienbuch niedergelegt iſt. Nach dieſer
Erklärung, wer möchte in jene Beſchuldigung ein⸗
ſtimmen?
Endlich hat man das Concordienbuch allerlei
Irrthümer beſchuldigt; dieß haben gethan die
Papiſten, die Reformirten, (und das kann uns
nicht Wunder nehmen), ſo wie auch etliche an⸗
dere zankſüchtige Leute, die einzelne Worte aus
ihrem Zuſammenhang geriſſen haben und dann
aus ihnen einen Irrthum haben ſchmieden wollen.
Gegen dieſe Anklagen laſſen wir das Concordien⸗
buch ſich ſelbſt rechtfertigen und ſind gewiß, daß
es ſich im Gewiſſen jedes wahrheitsliebenden
Chriſten als ein lauteres Zeugniß der ſeligmachen⸗
den Wahrheit bewähren wird. Man leſe das
Buch nur mit einem aufmerkſamen Gemüthe,
man prüfe die darin vorgeſtellten Wahrheiten nach
Gottes Wort, man gehe ſelbſt den Weg zur Se⸗
ligkeit, den es anweiſet, den Weg der Buße und
des Glaubens, man laſſe den Heiligen Geiſt, der
in alle Wahrheit leitet, in ſich wirken, ſo wird
man nie ohne Lob und Preis des Allerhöchſten es
aus der Hand legen und der Heilige Geiſt wird
im Herzen ſelbſt zeugen, daß Geiſt Wahrheit iſt.
So empfehlen wir denn nochmals den lieben Le⸗
ſern dieß koſtbare Buch und bitten diejenigen, die
es noch nicht beſitzen, die Gelegenheit, welche
ihnen Herr Ludwig in New Rork zur Erlangung
dieſes Schatzes anbietet, nicht unbenutzt vorüber⸗
gehen zu laſſen. Je lebhaftere Theilnahme der
Herausgeber für ſein rühmliches Unternehmen
finden wird, deſto mehr wird er ſich beeilen, es
in Ausführung zu bringen.
(Fortſetzung folgt.)
(Eingeſandt von Dr. Sihler.)
Der Lutheran Observer über unſere
Synode.
In No. 1 des 15. Jahrgangs des Lutheran
Observer, bekanntlich die Zeitſchrift der ſo⸗
genannten lutheriſchen Generalſynode, iſt auch
unſerer Synode und ihrer diesjährigen erſten Ver⸗
ſammlung Erwähnung gethan. Da aber nicht
nur einige kurze Auszüge aus dem geſchichtlichen
Thatbeſtande ſowohl unſerer Synodalconſtitution
als auch unſres erſten Synodalberichts geliefert,
ſondern auch einige Anſichten geäußert ſind, dit
von einer ſchiefen und irrigen Auffaſſung, theils
unſerer Geſinnung überhaupt, theils einzelner
unſerer Synodaleinrichtungen, zeugen: ſo wird
es hoffentlich nicht am unrechten Orte ſein, dieſe
Anſichten, ob Gott will, berichtigen zu helfen.
Dieſer Unterricht aber geſchieht auch vornehm⸗
lich um der Unſeren und der näheren Leſer des
„Lutheraners“ willen, da mehrfach zu beſorgen iſt,
daß dieſer und jener entweder jene Auffaſſung
theilt oder über den fraglichen Gegenſtand ſich
noch in ziemlicher Unkunde befindet.
1. Der Einſender des erwähnten Aufſatzes in
dem Lutheran Observer, Namens Hermann,
leitet ihn mit folgenden Worten ein:
„Dieſe neue Synode iſt aus echten „Alt⸗Luthe⸗
ranern“ zuſammengeſetzt — den wahrhafrigen
fleckenloſen Orthodoxen, deren Theologie ſo ſtrac
und gerade (straight) iſt, als die ſymboliſchen
Bücher ſie machen können, und deren gottesdienſ⸗
liche Bräuche ſo ſteif ſind, als ſolche durch und
durch gebildete (thorough-bred) Altſchulleute
ſie nur wünſchen können.“
Hiebei müſſen wir nun zunächſt wiederum ge⸗
gen die uns aufgedrungene Bezeichn ung: „Alt⸗
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salvation, they consider not to be progress but regression, not building but tearing down and destroying.
It is another reproach when the Book of Concord is called a human ordinance, and subscription to it a yoke upon the conscience. Human ordinances, in the bad sense, are commandments devised by men that are set alongside the commandments of God. But this concept of human ordinances does not apply to the Book of Concord in the least, for although in its outward form it was composed by men, its content was not devised by men but taken from the source of eternal truth, Holy Scripture, and thus its content is God's Word itself. Just as every Christian is obligated to accept God's Word, so the Lutheran Church makes it the duty of its members, and especially of its teachers, to confess the faith set down and made known in the Book of Concord, because she is convinced of its accord with Scripture. No one is compelled to this faith; everyone has complete freedom. But whoever rejects the Book of Concord and its content can lay no claim to membership in this church, nor be tolerated as a teacher of this church.
Equally without weight is the objection that one needs no confessional writings, that the Bible alone suffices, and that the conscience should be bound to it alone — as though the Lutheran Church wished to place her Book of Concord alongside the Bible, or thereby give the Bible a prop. Far from it! The Bible is sufficient, both for salvation and for the essence and continued existence of the church. Only the circumstances have made ecclesiastical confessions necessary. For because many appropriate to themselves the name and reputation of the church, appeal to Holy Scripture, and yet, under the cloak of Scripture and church, spread dangerous errors, the orthodox church has been compelled to draw up confessions of the true faith, partly in order to distinguish herself as a body from falsely believing churches, and partly in order to have a mark by which her members may know one another. Whoever keeps this in mind will find in the Book of Concord neither a human ordinance nor an unnecessary thing.
We come to a third reproach: the Book of Concord is said to be a book of dead orthodoxy, written by dead orthodox believers, and an obstacle to living Christianity. Those who make this claim certainly do not know what orthodoxy is. Orthodoxy means as much as pure, scriptural doctrine. Just as Holy Scripture cannot, without great blasphemy against God, be called a dead letter, just as little can orthodoxy be so called. There can indeed be dead orthodox believers, who know the pure doctrine but stifle its power within themselves and lie in spiritual death; heterodoxy, that is, false doctrine, is indeed a dead, even a deadly word; but orthodoxy is never dead — it is, rather, the source of spiritual life. But to revile the authors of the Book of Concord as dead orthodox believers proves, at the very least, a total ignorance of true, living Christianity, or that one confuses a crippled Christianity of mere feeling with true Christianity. We appeal to all who read the Book of Concord with a heart desirous of truth and salvation; they will confess that it speaks of the inner life of faith exactly as all true Christians experience it within themselves.
Furthermore, the Book of Concord is accused of harboring a loveless, condemnation-hungry spirit, and of being a cause why the sad rift that has arisen between the Lutherans and the Reformed still continues. Especially in these days, when "union" and "unification" are on everyone's lips, that part of the Book of Concord called the Formula of Concord is a hated book to all friends of union. Since this subject has already often been treated at length in the "Lutheraner," we shall, in answer to this accusation, only summarize once more what has been said. The Book of Concord is no enemy of harmony; its whole purpose, as its very title indicates, is to establish true concord among Christians. The rift that arose between Lutherans and Reformed was not caused by the Book of Concord, but by those who, through the stubborn defense of dangerous errors, tore apart the unity of the faith. The Book of Concord is hostile only to a false union or unification — one resting on indifference toward heavenly truth, on overlooking dangerous errors; but this is no reproach to it, rather it is a great merit. As for the judgments of rejection and condemnation which the Book of Concord, and particularly the Formula of Concord, pronounces upon false teachers, it is by no means the intention to condemn simple persons who err out of weakness, or whole erring churches in which children of God are nevertheless found; rather, only the error itself and its stubborn teachers and defenders are condemned. In doing this latter, however, it acts in accordance with the command and example of Christ and his apostles. However great, finally, the rift may be, the Book of Concord does not make its healing and a reunion of the separated churches impossible, but it sets forth the conditions under which alone this can happen: a sincere renunciation of the errors hitherto maintained, and an unfeigned, heartfelt, unreserved union under one confession of faith — namely, that very one which is set down in the Book of Concord. After this explanation, who would wish to join in that accusation?
Finally, the Book of Concord has been accused of all sorts of errors; this has been done by the papists, by the Reformed (which cannot surprise us), as well as by certain other quarrelsome people who have torn individual words out of their context and then sought to forge an error out of them. Against these charges we let the Book of Concord justify itself, and we are certain that it will prove itself, in the conscience of every truth-loving Christian, to be a pure testimony of the truth that leads to salvation. Let one only read the book with an attentive mind, test the truths presented in it against God's Word, walk oneself the way to salvation which it points out — the way of repentance and faith — let the Holy Spirit, who guides into all truth, work within oneself, and one will never lay it down without praise and thanks to the Most High, and the Holy Spirit will himself bear witness in the heart that the Spirit is truth. We therefore once again commend this precious book to our dear readers, and we ask those who do not yet possess it not to let pass unused the opportunity which Mr. Ludwig in New York offers them of obtaining this treasure. The more lively an interest the publisher finds for his praiseworthy undertaking, the more he will hasten to carry it out.
(To be continued.)
(Submitted by Dr. Sihler.)
The Lutheran Observer on Our Synod.
In No. 1 of the 15th volume of the Lutheran Observer — known to be the periodical of the so-called Lutheran General Synod — mention is also made of our synod and its first convention this year. Since, however, not only a few brief excerpts from the historical facts of both our synodical constitution and our first synodical report are given, but also certain views are expressed which betray a distorted and erroneous conception, partly of our disposition in general, partly of individual arrangements of our synod, it will hopefully not be out of place to help correct these views, God willing.
This instruction, however, is given chiefly for the sake of our own people and the closer readers of the "Lutheraner," since it is to be feared in more than one instance that this or that person either shares that conception or is still in considerable ignorance regarding the subject in question.
1. The contributor of the aforementioned article in the Lutheran Observer, named Hermann, introduces it with the following words:
"This new synod is composed of genuine 'Old Lutherans' — the truly spotless orthodox, whose theology is as straight and direct (straight) as the symbolical books can make it, and whose religious customs are as stiff as such thoroughly trained (thorough-bred) old-school people could only wish them to be."
In view of this, we must first of all again protest against the designation forced upon us, "Old