Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 6 › Seite 52
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-11-16, Seite 52
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Gottesdienſt 1 · Kirchengemeinſchaften 3 · Luther 1
heit entdecken, daß die Perſönlichkeit des Dieners
der Kirche hierin zurück- und der Geſammtglaube
der Kirche, als der Gemeinde der Heiligen, nach
allen Seiten hervortritt, ſie möge nun durch den
Mund ihres Dieners und zum Theil auch im
lauten Mitbekenntniß des eigenen Mundes, reu⸗
müthig, gläubig, bittend und fürbittend zum
HErm nahen, oder vom HErrn auf dieſelbe
Weiſe Gnade und Segen empfangen. Und ſol⸗
cher Augen⸗ und Ohrenzeuge würde hoffentlich
dieſe Weiſe des Gottesdienſtes, da die ganze
Gemeinde in leiblicher und geziemender Ordnung
zu ihrem HErrn und Gotte tritt und wiederum
Er, voll Gnade und Liebe, ſich zu ihr thut, bei
Weitem erbaulicher finden, als wenn dieſer und
jener einzelne geiſtliche Redner und Beter mit
ſeiner Perſon in den ſogenannten freien Herzens⸗
gebeten ſich gleichſam hervordrängt, ſich zwiſchen
den HErrn und die Gemeinde ſchiebt und mit
ſeiner Perſönlichkeit, Gedanken und Worten,
die Gemüther und Herzen der Hörer mehr oder
minder beherrſcht und an ſich feſſelt.
Dieſe letztere Weiſe aber iſt, ſelbſt wo ſie auf
dem Grunde der reinen Lehre ruhte, unleugbar
eine krankhafte und unkirchliche, da eben der Ein⸗
zelne übermächtig hervor- und die Gemeinde und
ihr Geſammtglaube unſcheinbar zurücktritt, und
ſodann die Gefahr entſteht, daß im Falle beſon⸗
derer Begabung des betenden Predigers die mei⸗
ſten Gemeindeglieder ſich fleiſchlich und abgöttiſch
an ſeine Perſon hängen, im Falle geringerer
Ausrüſtung aber ihn mindeſtens heimlich gering⸗
ſchätzen und kalt und theilnahmlos bleiben; durch
beides aber wird ihr Herz und Sinn von der hei⸗
ligen Sache abgelenkt und alſo auch im gemein⸗
ſamen öffentlichen Gottesdienſte jenes elende
menſchelnde Weſen erzeugt, deſſen auch das Kir⸗
chenweſen Amerika's voll iſt.)
(Schluß folgt.)
Luthers Leben von M. Meurer, in engliſcher
Ueberſetzung.
Es gereicht uns zum innigſten Vergnügen, un⸗
ſeren lieben Leſern hiermit melden zu können, daß
ein uns wohl bekannter, mit der deutſchen und
engliſchen Sprache gleich wohl vertrauter und für
den Bau des Reiches Chriſti eifrig thätiger Ar⸗
beiter es unternommen hat, das von M. Meu⸗
rer, lutheriſchem Pfarrer zu Callenberg in Sach⸗
ſen, in deutſcher Sprache herausgegebene Leben
Luthers in die engliſche Sprache zu über⸗
ſetzen, und daß unſer unermüdlicher Herr Ludwig
in New York ſich entſchloſſen hat, den Verlag
dieſes Werkes zu übernehmen. Dasſelbe, 5 — 600
Seiten in 8 umfaſſend, ſoll ſtereotypirt und
mindeſtens acht Lithographien ihm beigegeben
werden, enthaltend die Bildniſſe Luthers, ſeines
Weibes, Melanchthons, Friedrichs des Weiſen
*) Wenn z. B. engliſchredende Amerikaner und Deutſche,
die ihnen nachäffen, im friſchen Eindrucke einer ſo eben ge⸗
hörten Predigt, davon reden, ſo wird man faſt nie hören,
daß ſie auf den Inhalt der Predigt oder das: Was hat er
gepredigt? näher eingehen, ſondern meiſt bei der Form und
dem: Wie hat er gepredigt? ſtehen bleiben, zumal wenn
der Prediger ein redefertiger speech-maker geweſen iſt.
52
und Anderer, auch einige Facſimile's. Der Preis iſt auf nur $2.00 für ein Exemplar, gut in Le⸗
der gebunden, geſtellt. So bald ſich 1000 Sub⸗
ſeribenten gefunden haben, ſoll mit dem Stereo⸗
typiren und Steinzeichnen begonnen werden.
Der Verleger hofft, mit dem 1. December d. J.
den Anfang machen und das Werk mit dem
1. März kommenden Jahres, ſo der HErr will,
vollenden zu können.
Wir freuen uns über dieſes Unterehmen dar⸗
um ſo herzlich, weil wir hoffen, daß durch die
Meurer'ſche Biographie manchem unſerer engliſch⸗
redenden Brüder erſt Luther in ſeiner wahren
Geſtalt aufgeſchloſſen und dadurch das Werk d'Aubigne's über die Reformation, das hier un⸗
glücklicher Weiſe eine ſo große Verbreitung ge⸗
funden hat, unſchädlich gemacht werden wird.
D'Aubigne iſt nemlich in ſeiner Reformations⸗
geſchichte, wie bereits nachgewieſen worden, höchſt
partheilich zu Werke gegangen und hat in ſeiner
Feindſchaft gegen Luthern ſich ſelbſt die gröbſten
Verfälſchungen der Geſchichte erlaubt. Da nun
hier ſo Wenigen die Quellen der Geſchichte zu⸗
gänglich ſind, ſo benutzen hier die Feinde der
lutheriſchen Kirche, gegenwärtig vor allen die
Methodiſten, ſein Buch ohne Scham und Scheu
dazu, die böſeſten Vorurtheile gegen Luthern und
ſein Werk oder vielmehr gegen das durch ihn aus⸗
geführte Werk Gottes zu erwecken und die falſche⸗
ſten Vorſtellungen davon zu verbreiten.
Warum wir hoffen, daß die Lebensbeſchreibung
von Meurer ſich als ein wirkſames Gegengift ge⸗
gen die giftigen Verleumdungen d'Aubigne's er⸗
weiſen werde, dies möge die Erklärung zeigen,
welche der Herr Verfaſſer, der uns als ein treuer
Lutheraner perſönlich bekannt iſt, ſelbſt über ſein
Werk gegeben hat. Er ſchreibt nemlich darüber
Folgendes:
„1.) Das Weſentliche des Buches beſteht dar⸗
in, daß es mit gänzlicher Ausſchließung alles
eigenen Dareinredens Luthers Leben lediglich
aus den Quellen und zwar mit ſeinen
und ſeiner Zeitgenoſſen eigenen Wor⸗
ten erzählt. Dieſer Plan iſt aufs ſtrengſte
durchgeführt worden. Der Verfaſſer hat ſich alles
eignen Urtheils enthalten“), es findet ſich durch⸗
aus keine eigne Zuthat in dem ganzen Werke:
er hat ſich darauf beſchränkt, ſeine Quellen genau
kennen zu lernen, zu prüfen, zu vergleichen und
ſo zuſammen zu ſtellen, wie es ihm am paſſend⸗
ſten ſchien, um ein anſchauliches Bild zu geben.
Natürlich mußte manchmal abgekürzt, kurz zu⸗
ſammen gezogen, die directe Rede in die indirecte
verwandelt, oder auch ſonſt eine andere Wendung
genommen, auch mußten wohl zwei Berichte mit⸗
unter in Einen verſchmolzen werden; aber eine
weſentliche Veränderung hat ſich der Verfaſſer
eben ſo wenig, als eine weſentliche Zuthat er⸗
laubt. Seine ganze Zuthat beſchränkt ſich auf
die, zur Verbindung und Aneinanderfügung der
*) Wo ja ein ſolches nöthig ſchien, iſt es in Anmerkun⸗
gen am Ende des Kapitels verwieſen worden, welche An⸗
merkungen jedoch meiſten Theils geſchichtliche Notizen ent⸗
halten, für welche im Texte kein angemeſſener Platz war.
D. V.
verſchiedenen Quellen entlehnten Sätze nöthigen
ſprachlichen Einſchiebſel und Wendungen, und iſt,
wenn's hoch kommt, nur etwa dem Faden zu ver⸗
gleichen, an dem die Perlen aufgereiht ſind, oder
dem Mörtel, welcher die Bauſteine verbindet.
Wer ſich die Mühe nehmen will, die am Schluſſe
eines jeden Kapitels angeführten Quellen zu ver⸗
gleichen, wird dieſe Behauptung beſtätiget finden.
Dieſe Darſtellungsweiſe führt nothwendig ihre
Mängel mit ſich: natürlich kann die Rede nicht
ſo fließen, als wenn ſie aus einer Feder hin⸗
gegoſſen wäre. Aber wenn die Arbeit ſonſt ge
lungen iſt, — was Andre beurtheilen mögen —
ſo wird der Gewinn dabei für den Leſer größer
ſein, als der Verluſt. Hier hat er einen Luther,
wie er ſich ſelbſt gegeben hat, wie er Denen er⸗
ſchienen iſt, die ihm nahe geſtanden haben, kein
Ideal und kein Zerrbild, das erſt Einer zurecht
gemacht hat. Das Urtheil muß ſich der Leſer
freilich ſelbſt bilden, aber das Material dazu iſt
ihm mit aller Treue vorgelegt worden, und was
die Sprache betrifft, ſo wird die Friſche, Ur⸗
ſprünglichkeit und Mannigfaltigkeit derſelben ihn
für den Mangel der Glätte und Ebenmäßigkeit
entſchädigen.
Sonach iſt erſichtlich, daß dieſe Lebensbeſchrei⸗
bung Luthers in einem ſchnurgeraden Gegenſatze
zu denen ſteht, welche Luthern „„im Lichte un⸗
ſerer Zeit““ darſtellen, oder ihn nach dem beſon⸗
dern Zwecke, der etwa verfolgt wird, in dieſes oder
jenes Gewand einkleiden.
2.) Was die Auswahl betrifft, welche aus
dem reichen Schatze, der einem Biographen Lu⸗
thers zu Gebote ſteht, gegeben worden iſt, ſo er⸗
wartet der Verfaſſer nicht, hier Alle befriedigt und
immer das Rechte getroffen zu haben. Doch muß
er auch in dieſer Hinſicht zu Verſtändigung Eini⸗
ger erinnern, worin ſein Werk ſich, wenn nicht
von allen, doch von vielen ſeines Gleichen unter⸗
ſcheidet.
a.) Während in vielen Biographien Luthers
die ganze Reformationsgeſchichte im Auszug mit
enthalten iſt, ſo hat der Verfaſſer dagegen ſich x‚
ſtreng daran gehalten, daß er nur Luthers
Leben ſchreiben wollte, und die Vorgänge der
Reformation nur ſoweit berührt, als Luther dabei
ſelbſt betheiligt war.“)
b.) Seine beſondere Aufmerkſamkeit hat der
Verfaſſer auf Luthers Schriften gerichtet; was
nur einiger Maßen wichtig iſt, findet ſich wenig⸗
ſtens dem Inhalte nach erwähnt, von den wich⸗
tigern werden ausführlichere Auszüge oder doch
Proben gegeben. Ein beſonderes Regiſter am
Schluſſe giebt darüber Nachweis. — Der Ver⸗
faſſer hoffte, es könne auf dieſe Weiſe ſein Werk
den mit Luthers Schriften noch weniger Vertrau⸗
ten als eine Art Einleitung in dieſelben dienen.
c.) Manche in faſt allen Biographien gang⸗
bare Geſchichtchen wird der Leſer vergeblich
ſuchen. Dieß kommt daher, daß ſich in Luthers
Geſchichte manches Sagenhafte mit eingeſchlichen
*) Auf dieſe Weiſe iſt es möglich geweſen, auf dem ver⸗
hältnißmäßig engen Raume eine ungleich größere Menge
Details zu geben, als man in den meiſten Biographien
Luthers finden wird. D. V.
English translation AI translation
unity — namely, that the personality of the church's servant recedes into the background, while the overall faith of the church, as the congregation of the saints, comes forward on every side, whether it approaches the Lord, penitent, believing, praying, and interceding, through the mouth of its servant and in part also in the loud joint confession of its own mouth, or receives grace and blessing from the Lord in the same manner. And such an eyewitness and earwitness would, we hope, find this manner of worship — in which the whole congregation approaches its Lord and God in bodily and fitting order, and He, in turn, full of grace and love, draws near to it — far more edifying than when this or that individual spiritual speaker and pray-er, with his own person, thrusts himself forward, as it were, in the so-called free prayers of the heart, pushes himself between the Lord and the congregation, and, with his personality, thoughts, and words, more or less dominates and captivates the minds and hearts of the hearers.
This latter manner, however, even where it rests upon the foundation of pure doctrine, is undeniably a morbid and unchurchly one, since the individual comes forward overpoweringly while the congregation and its collective faith recede into insignificance, and then the danger arises that, in the case of a particularly gifted praying preacher, most members of the congregation cling to his person in a carnal and idolatrous manner, while in the case of a less gifted one they at least secretly despise him and remain cold and indifferent; through either, however, their heart and mind are diverted from the holy matter, and thus, even in the common public worship service, that wretched, man-centered character is produced with which the church life of America is also filled.)
(Conclusion to follow.)
* If, for example, English-speaking Americans, and Germans who imitate them, speak — fresh from the impression of a sermon just heard — of that sermon, one will almost never hear them go into its content, or the question "What did he preach?", but they mostly dwell on the form, and the question "How did he preach?", especially when the preacher has been a fluent speech-maker.
Luther's Life by M. Meurer, in English Translation.
It gives us the most heartfelt pleasure to be able to announce to our dear readers that a worker well known to us, equally well versed in the German and English languages, and zealously active in building the kingdom of Christ, has undertaken to translate into English the Life of Luther published in German by M. Meurer, Lutheran pastor at Callenberg in Saxony, and that our indefatigable Mr. Ludwig in New York has resolved to undertake the publishing of this work. The work, comprising five to six hundred pages in octavo, is to be stereotyped, and at least eight lithographs are to be added to it, containing the portraits of Luther, his wife, Melanchthon, Frederick the Wise, and others, as well as several facsimiles. The price is set at only $2.00 per copy, well bound in leather. As soon as 1,000 subscribers have been found, work on the stereotyping and lithography is to begin. The publisher hopes to be able to make a start on December 1 of this year and, the Lord willing, to complete the work by March 1 of next year.
We rejoice so heartily over this undertaking because we hope that through Meurer's biography, Luther in his true form will first be disclosed to many of our English-speaking brethren, and that thereby d'Aubigne's work on the Reformation — which has unfortunately found so wide a circulation here — will be rendered harmless. D'Aubigne, namely, in his History of the Reformation, as has already been demonstrated, proceeded in a highly partisan manner and, in his hostility toward Luther, permitted himself the grossest falsifications of history. Since here so few have access to the sources of history, the enemies of the Lutheran Church — at present, above all, the Methodists — use his book here without shame or scruple to arouse the worst prejudices against Luther and his work, or rather against the work of God carried out through him, and to spread the most false conceptions of it.
Why we hope that Meurer's biography will prove an effective antidote to d'Aubigne's poisonous slanders may be shown by the explanation which the author himself — who is personally known to us as a faithful Lutheran — has given concerning his own work. He writes the following about it:
"1.) The essential character of the book consists in this: that, with the complete exclusion of all interjection of its own, it narrates Luther's life solely from the sources, and indeed in his own words and those of his contemporaries. This plan has been carried out in the strictest manner. The author has refrained from all judgment of his own,* there is absolutely no contribution of his own to be found in the whole work: he has limited himself to becoming exactly acquainted with his sources, examining them, comparing them, and arranging them together in whatever way seemed to him most fitting, so as to give a vivid picture. Naturally, it was sometimes necessary to abridge, to condense briefly, to change direct speech into indirect, or otherwise to give it a different turn; two accounts, too, occasionally had to be merged into one; but the author has permitted himself neither an essential alteration nor an essential addition. His entire contribution is limited to the linguistic insertions and turns of phrase necessary for connecting and joining together the sentences borrowed from the various sources, and is, at most, comparable only to the thread on which the pearls are strung, or to the mortar that binds the building stones together. Whoever will take the trouble to compare the sources cited at the end of each chapter will find this claim confirmed.
* Where such a thing indeed seemed necessary, it has been relegated to notes at the end of the chapter, which notes, however, for the most part contain historical particulars for which there was no suitable place in the text. — The Author.
This manner of presentation necessarily brings its own shortcomings with it: naturally the narrative cannot flow as smoothly as if it had been poured out from a single pen. But if the work has otherwise succeeded — which others may judge — the gain for the reader will be greater than the loss. Here he has a Luther as he showed himself, as he appeared to those who stood close to him — no ideal and no caricature first fashioned by someone else. The reader must, of course, form his own judgment, but the material for it has been laid before him with complete faithfulness, and as for the language, its freshness, originality, and variety will compensate him for the lack of polish and evenness.
It is thus evident that this biography of Luther stands in direct opposition to those which portray Luther "in the light of our time," or which clothe him in this or that garb according to whatever particular purpose may be pursued.
2.) As for the selection made from the rich treasury at the disposal of any biographer of Luther, the author does not expect to have satisfied everyone here or always to have hit upon the right choice. Yet, for the understanding of some, he must also note in this respect in what way his work differs, if not from all, then at least from many of its kind.
a.) Whereas in many biographies of Luther the entire history of the Reformation is included in outline, the author, by contrast, has strictly adhered to the intention of writing only Luther's life, and has touched upon the events of the Reformation only insofar as Luther himself was personally involved in them.*
* In this way it has been possible, within a relatively narrow space, to give a far greater quantity of detail than is to be found in most biographies of Luther. — The Author.
b.) The author has directed his particular attention to Luther's writings; whatever is of even some importance is mentioned, at least as to its content, and from the more important ones fuller excerpts, or at least samples, are given. A special index at the end gives an account of this. The author hoped that in this way his work might serve those still less familiar with Luther's writings as a kind of introduction to them.
c.) Many an anecdote current in almost all biographies the reader will seek in vain. This is because a good deal of the legendary has crept in among Luther's history