# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S52 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) heit entdecken, daß die Perſönlichkeit des Dieners der Kirche hierin zurück- und der Geſammtglaube der Kirche, als der Gemeinde der Heiligen, nach allen Seiten hervortritt, ſie möge nun durch den Mund ihres Dieners und zum Theil auch im lauten Mitbekenntniß des eigenen Mundes, reu⸗ müthig, gläubig, bittend und fürbittend zum HErm nahen, oder vom HErrn auf dieſelbe Weiſe Gnade und Segen empfangen. Und ſol⸗ cher Augen⸗ und Ohrenzeuge würde hoffentlich dieſe Weiſe des Gottesdienſtes, da die ganze Gemeinde in leiblicher und geziemender Ordnung zu ihrem HErrn und Gotte tritt und wiederum Er, voll Gnade und Liebe, ſich zu ihr thut, bei Weitem erbaulicher finden, als wenn dieſer und jener einzelne geiſtliche Redner und Beter mit ſeiner Perſon in den ſogenannten freien Herzens⸗ gebeten ſich gleichſam hervordrängt, ſich zwiſchen den HErrn und die Gemeinde ſchiebt und mit ſeiner Perſönlichkeit, Gedanken und Worten, die Gemüther und Herzen der Hörer mehr oder minder beherrſcht und an ſich feſſelt. Dieſe letztere Weiſe aber iſt, ſelbſt wo ſie auf dem Grunde der reinen Lehre ruhte, unleugbar eine krankhafte und unkirchliche, da eben der Ein⸗ zelne übermächtig hervor- und die Gemeinde und ihr Geſammtglaube unſcheinbar zurücktritt, und ſodann die Gefahr entſteht, daß im Falle beſon⸗ derer Begabung des betenden Predigers die mei⸗ ſten Gemeindeglieder ſich fleiſchlich und abgöttiſch an ſeine Perſon hängen, im Falle geringerer Ausrüſtung aber ihn mindeſtens heimlich gering⸗ ſchätzen und kalt und theilnahmlos bleiben; durch beides aber wird ihr Herz und Sinn von der hei⸗ ligen Sache abgelenkt und alſo auch im gemein⸗ ſamen öffentlichen Gottesdienſte jenes elende menſchelnde Weſen erzeugt, deſſen auch das Kir⸗ chenweſen Amerika's voll iſt.) (Schluß folgt.) Luthers Leben von M. Meurer, in engliſcher Ueberſetzung. Es gereicht uns zum innigſten Vergnügen, un⸗ ſeren lieben Leſern hiermit melden zu können, daß ein uns wohl bekannter, mit der deutſchen und engliſchen Sprache gleich wohl vertrauter und für den Bau des Reiches Chriſti eifrig thätiger Ar⸗ beiter es unternommen hat, das von M. Meu⸗ rer, lutheriſchem Pfarrer zu Callenberg in Sach⸗ ſen, in deutſcher Sprache herausgegebene Leben Luthers in die engliſche Sprache zu über⸗ ſetzen, und daß unſer unermüdlicher Herr Ludwig in New York ſich entſchloſſen hat, den Verlag dieſes Werkes zu übernehmen. Dasſelbe, 5 — 600 Seiten in 8 umfaſſend, ſoll ſtereotypirt und mindeſtens acht Lithographien ihm beigegeben werden, enthaltend die Bildniſſe Luthers, ſeines Weibes, Melanchthons, Friedrichs des Weiſen *) Wenn z. B. engliſchredende Amerikaner und Deutſche, die ihnen nachäffen, im friſchen Eindrucke einer ſo eben ge⸗ hörten Predigt, davon reden, ſo wird man faſt nie hören, daß ſie auf den Inhalt der Predigt oder das: Was hat er gepredigt? näher eingehen, ſondern meiſt bei der Form und dem: Wie hat er gepredigt? ſtehen bleiben, zumal wenn der Prediger ein redefertiger speech-maker geweſen iſt. 52 und Anderer, auch einige Facſimile's. Der Preis iſt auf nur $2.00 für ein Exemplar, gut in Le⸗ der gebunden, geſtellt. So bald ſich 1000 Sub⸗ ſeribenten gefunden haben, ſoll mit dem Stereo⸗ typiren und Steinzeichnen begonnen werden. Der Verleger hofft, mit dem 1. December d. J. den Anfang machen und das Werk mit dem 1. März kommenden Jahres, ſo der HErr will, vollenden zu können. Wir freuen uns über dieſes Unterehmen dar⸗ um ſo herzlich, weil wir hoffen, daß durch die Meurer'ſche Biographie manchem unſerer engliſch⸗ redenden Brüder erſt Luther in ſeiner wahren Geſtalt aufgeſchloſſen und dadurch das Werk d'Aubigne's über die Reformation, das hier un⸗ glücklicher Weiſe eine ſo große Verbreitung ge⸗ funden hat, unſchädlich gemacht werden wird. D'Aubigne iſt nemlich in ſeiner Reformations⸗ geſchichte, wie bereits nachgewieſen worden, höchſt partheilich zu Werke gegangen und hat in ſeiner Feindſchaft gegen Luthern ſich ſelbſt die gröbſten Verfälſchungen der Geſchichte erlaubt. Da nun hier ſo Wenigen die Quellen der Geſchichte zu⸗ gänglich ſind, ſo benutzen hier die Feinde der lutheriſchen Kirche, gegenwärtig vor allen die Methodiſten, ſein Buch ohne Scham und Scheu dazu, die böſeſten Vorurtheile gegen Luthern und ſein Werk oder vielmehr gegen das durch ihn aus⸗ geführte Werk Gottes zu erwecken und die falſche⸗ ſten Vorſtellungen davon zu verbreiten. Warum wir hoffen, daß die Lebensbeſchreibung von Meurer ſich als ein wirkſames Gegengift ge⸗ gen die giftigen Verleumdungen d'Aubigne's er⸗ weiſen werde, dies möge die Erklärung zeigen, welche der Herr Verfaſſer, der uns als ein treuer Lutheraner perſönlich bekannt iſt, ſelbſt über ſein Werk gegeben hat. Er ſchreibt nemlich darüber Folgendes: „1.) Das Weſentliche des Buches beſteht dar⸗ in, daß es mit gänzlicher Ausſchließung alles eigenen Dareinredens Luthers Leben lediglich aus den Quellen und zwar mit ſeinen und ſeiner Zeitgenoſſen eigenen Wor⸗ ten erzählt. Dieſer Plan iſt aufs ſtrengſte durchgeführt worden. Der Verfaſſer hat ſich alles eignen Urtheils enthalten“), es findet ſich durch⸗ aus keine eigne Zuthat in dem ganzen Werke: er hat ſich darauf beſchränkt, ſeine Quellen genau kennen zu lernen, zu prüfen, zu vergleichen und ſo zuſammen zu ſtellen, wie es ihm am paſſend⸗ ſten ſchien, um ein anſchauliches Bild zu geben. Natürlich mußte manchmal abgekürzt, kurz zu⸗ ſammen gezogen, die directe Rede in die indirecte verwandelt, oder auch ſonſt eine andere Wendung genommen, auch mußten wohl zwei Berichte mit⸗ unter in Einen verſchmolzen werden; aber eine weſentliche Veränderung hat ſich der Verfaſſer eben ſo wenig, als eine weſentliche Zuthat er⸗ laubt. Seine ganze Zuthat beſchränkt ſich auf die, zur Verbindung und Aneinanderfügung der *) Wo ja ein ſolches nöthig ſchien, iſt es in Anmerkun⸗ gen am Ende des Kapitels verwieſen worden, welche An⸗ merkungen jedoch meiſten Theils geſchichtliche Notizen ent⸗ halten, für welche im Texte kein angemeſſener Platz war. D. V. verſchiedenen Quellen entlehnten Sätze nöthigen ſprachlichen Einſchiebſel und Wendungen, und iſt, wenn's hoch kommt, nur etwa dem Faden zu ver⸗ gleichen, an dem die Perlen aufgereiht ſind, oder dem Mörtel, welcher die Bauſteine verbindet. Wer ſich die Mühe nehmen will, die am Schluſſe eines jeden Kapitels angeführten Quellen zu ver⸗ gleichen, wird dieſe Behauptung beſtätiget finden. Dieſe Darſtellungsweiſe führt nothwendig ihre Mängel mit ſich: natürlich kann die Rede nicht ſo fließen, als wenn ſie aus einer Feder hin⸗ gegoſſen wäre. Aber wenn die Arbeit ſonſt ge lungen iſt, — was Andre beurtheilen mögen — ſo wird der Gewinn dabei für den Leſer größer ſein, als der Verluſt. Hier hat er einen Luther, wie er ſich ſelbſt gegeben hat, wie er Denen er⸗ ſchienen iſt, die ihm nahe geſtanden haben, kein Ideal und kein Zerrbild, das erſt Einer zurecht gemacht hat. Das Urtheil muß ſich der Leſer freilich ſelbſt bilden, aber das Material dazu iſt ihm mit aller Treue vorgelegt worden, und was die Sprache betrifft, ſo wird die Friſche, Ur⸗ ſprünglichkeit und Mannigfaltigkeit derſelben ihn für den Mangel der Glätte und Ebenmäßigkeit entſchädigen. Sonach iſt erſichtlich, daß dieſe Lebensbeſchrei⸗ bung Luthers in einem ſchnurgeraden Gegenſatze zu denen ſteht, welche Luthern „„im Lichte un⸗ ſerer Zeit““ darſtellen, oder ihn nach dem beſon⸗ dern Zwecke, der etwa verfolgt wird, in dieſes oder jenes Gewand einkleiden. 2.) Was die Auswahl betrifft, welche aus dem reichen Schatze, der einem Biographen Lu⸗ thers zu Gebote ſteht, gegeben worden iſt, ſo er⸗ wartet der Verfaſſer nicht, hier Alle befriedigt und immer das Rechte getroffen zu haben. Doch muß er auch in dieſer Hinſicht zu Verſtändigung Eini⸗ ger erinnern, worin ſein Werk ſich, wenn nicht von allen, doch von vielen ſeines Gleichen unter⸗ ſcheidet. a.) Während in vielen Biographien Luthers die ganze Reformationsgeſchichte im Auszug mit enthalten iſt, ſo hat der Verfaſſer dagegen ſich x‚ ſtreng daran gehalten, daß er nur Luthers Leben ſchreiben wollte, und die Vorgänge der Reformation nur ſoweit berührt, als Luther dabei ſelbſt betheiligt war.“) b.) Seine beſondere Aufmerkſamkeit hat der Verfaſſer auf Luthers Schriften gerichtet; was nur einiger Maßen wichtig iſt, findet ſich wenig⸗ ſtens dem Inhalte nach erwähnt, von den wich⸗ tigern werden ausführlichere Auszüge oder doch Proben gegeben. Ein beſonderes Regiſter am Schluſſe giebt darüber Nachweis. — Der Ver⸗ faſſer hoffte, es könne auf dieſe Weiſe ſein Werk den mit Luthers Schriften noch weniger Vertrau⸗ ten als eine Art Einleitung in dieſelben dienen. c.) Manche in faſt allen Biographien gang⸗ bare Geſchichtchen wird der Leſer vergeblich ſuchen. Dieß kommt daher, daß ſich in Luthers Geſchichte manches Sagenhafte mit eingeſchlichen *) Auf dieſe Weiſe iſt es möglich geweſen, auf dem ver⸗ hältnißmäßig engen Raume eine ungleich größere Menge Details zu geben, als man in den meiſten Biographien Luthers finden wird. D. V.