Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 15 › Seite 113
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-03-01, Seite 113
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Abſolution 14 · Gebet 3 · Gebet 7 · Geſang 1 · Gottesdienſt 3 · Hausgottesdienſt · Hausgottesdienſt 3 · Hausgottesdienſt 5
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Redigirt von C. F. W. Walther.
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Jahrgang 4.
St. Louis, Mo. den A. Marz 1848.
No. 15.
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
(Eingeſandt von P. Keyl.)
Ueber die tägliche Hausandacht.
(Fortſetzung und Schluß.)
Bei den Gebeten für die Hausandacht iſt
dies ein Haupt⸗Erforderniß, daß der Hausvater
ſie recht vorbetet, und daß alle Hausgenoſſen mit
beten können; recht vorzubeten aber iſt keine ſo
leiichte Sache, und gerade diejenigen ſind dazu am
ungeſchickteſten, die ſich dazu am geſchickteſten zu
ſein dünken; wie oft fehlt es an der rechten Aus⸗
wahl und Ordnung deſſen, was zu erbitten iſt,
oder an dem rechten Ausdruck, wie oft iſt der
Vorbetende ſelbſt zerſtreut, ermüdet, oder ſonſt
nicht aufgelegt zum Gebet, wie oft iſt eben des⸗
halb das ſein ſollende Gebet nichts als ein kraft⸗
und ſaftloſes Geplapper, wobei kein Menſch
wirklich mitbeten kann. Viele gebrauchen bei
der Hausandacht gewiſſe Gebetbücher, die
vorzüglich deshalb manchem lieb ſind, weil ſie für
die verſchiedenſten Verhältniſſe, und namentlich
für jeden Wochentag, beſondere Gebete enthalten;
allein es möge ein jeder ſich ſelbſt prüfen, ob er
im Stande ſei, ſolche vorgeleſene Gebete immer
wirklich mit zu beten, er wird geſtehen müſſen,
daß er dabei, wenn ſie nicht ſtehende ſind, die
täglich gebraucht und auf ſolche Weiſe faſt aus⸗
wendig gelernt werden, zwar manche gute Ge⸗
danken dabei habe, aber nie wirklich mit beten
könne, und zwar deshalb, weil ſowohl das münd⸗
liche, als das vorgeleſene Gebet, allzuſchnell bei
den Ohren vorbei rauſcht, ſo daß, ehe die erſten
Worte ins Herz fallen, um die Andacht zum Ge—
bet zu entzünden, ſchon die andern Worte folgen
und die erſten gleichſam wieder verdrängen; je
länger aber das Gebetsformular iſt, deſto fühl⸗
barer wird dieſer Uebelſtand. O, wenn wir doch
hierbei dem Rathe Sirachs folgten: „Sehet an
die Exempel der Alten und folget ihnen“; denn
es iſt eine eben ſo merkwürdige als den meiſten
unbekannte Wahrnehmung, daß z. B. Dr. Luther,
Jder doch den Geiſt des Gebets in ſo reichem
. Maaße beſaß, in keiner ſeiner vielen Predigten
imgend ein ähnliches Gebet angebracht hat, wie
es ſpäter immer häufiger gebraucht wurde; ja
ſelbſt von den allgemein üblichen Kirchengebeten,
welche in die Geſangbücher zum Nachleſen und
Mitbeten aufgenommen wurden, findet ſich in Dr.
Luthers Schriften keine Spur, wohl aber iſt am
Ende ſeiner Hauspoſtille „ein gemeine Form,
wie zum Schluß der Predigt das Volk zum all⸗
gemeinen Gebet ſoll vermahnet werden“, welche
nicht nur mit den oben angeführten Grundſätzen
übereinſtimmt, ſondern auch dem Vater Un ſer vor
allen andern Gebeten den Vorzug giebt, wenn es
am Schluſſe heißt: „Solches alles zu erwerben,
betet mit Andacht und im Glauben ein Vater
Unſer.“ ü
Was aber die Collecten oder kurzen Altargebete
anlangt, ſo hat es die alte Kirche wohlweislich
alſo angeordnet und die lutheriſche Kirche hat es
eben ſo weislich beibehalten, daß dieſelbigen von
dem Prediger nach vorausgegangener Ermah⸗
nung: laßt uns beten, langſam abgeſungen wer⸗
den, wodurch es jedem möglich wird, mit zu be⸗
ten und das kurze Gebet mit ſeinem Amen zu
verſiegeln. Was nun nach dem Bisherigen von
dem öffentlichen Gottesdienſte gilt, das gilt auch
von dem Hausgottesdienſte, daher ſind auch für
dieſen weder mündliche noch vorgeleſene Gebete,
ſondern vor allen ſelbſt das heilige Vater Unſer
anzurathen, wollte man aber außer dem noch an⸗
dere Gebete brauchen, ſo weiß ich dazu bis jetzt
keine beſſern vorzuſchlagen, als den unübertreffli⸗
chen Morgen⸗ und Abendſegen in Dr. Luthers
kleinem Katechismus, denn ſie löſen die ſchwie⸗
rige Aufgabe, die Kürze mit der Reichhaltigkeit
zu verbinden, auf eine ſolche Weiſe, daß man in
ähnlichen noch ſo langen Gebeten nicht leicht
etwas auffinden wird, was nicht ſchon in jenem
enthalten wäre, denn was in andern Gebeten
weitläuftig aufgezählt und mit vielen Worten
umſchrieben wird, das faßt Dr. Luther kurz und
mit dem oft wiederholten Wörtlein alles zu⸗
ſammen; ſo beim Morgenſegen: „Ich danke Dir,
mein himmliſcher Vater, durch IEſum Chriſtum,
deinen lieben Sohn, daß du mich dieſe Nacht für
allem Schaden und Fahr behütet haſt; und bitte
dich, du wolleſt mich dieſen Tag auch behüten
für Sünden und allem Uebel, daß dir alle mein
Thun und Leben gefalle; denn ich befehle mich,
meinen Leib und Seele, und alles in deine Hände,
dein heiliger Engel ſei mit mir, daß der böſe
Feind keine Macht an mir ſinde, Amen.“ Eben
ſo auch im Abendſegen: „Ich danke dir, mein
himmliſcher Vater, durch IEſum Chriſtum, dei⸗
nen lieben Sohn, daß du mich dieſen Tag gnä⸗
diglich behütet haſt: und bitte Dich, Du wolleſt
mir vergeben alle meine Sünde, wo ich unrecht
gethan habe, und mich dieſe Nacht gnädiglich be⸗
hüten; denn ich befehle mich, meinen Leib und
Seele, und alles in deine Hände, dein heiliger
Engel ſei mit mir, daß der böſe Feind keine
Macht an mir finde, Amen.“
Dieſe kurzen Gebete, welche leider nicht ſo all⸗
gemein bekannt und geſchätzt ſind, wie ſie es ver⸗
dienen, können von allen Hausgenoſſen leicht
auswendig gelernt und mit gebetet werden, auch
findet jeder darin Gelegenheit, ſein beſonderes
Anliegen bei dem Wörtlein „alles“ einzuſchließen
und vor Gott zu bringen. ö
Das Singen geiſtlicher Lieder endlich,
ob es gleich löblich und zur Andacht ermunternd
iſt, beſonders weil man bei dem Singen den
Worten eher folgen und ihnen nachdenken kann,
ſo iſt es doch oft deshalb nicht allgemein anwend⸗
bar, weil in unſerer Zeit manchem Hausvater die
Kenntniß der Melodien ermangelt, weshalb ein
ſolcher beſſer thut, wenn er ein Lied oder einige
Verſe daraus langſam und andächtig vorlieſ't, als
wenn er den Geſang durch unrichtiges Vorſingen
verwirrt und ſo die Andacht hindert, kann aber
ein Hausvater richtig vorſingen, ſo findet er in
den unverfälſchten Geſangbüchern einen reichen
Vorrath von Liedern, beſonders auch für die
Morgen⸗ und Abendzeit, von denen er inſonder⸗
heit die älteſten, einfachſten und kürzeſten, oder
einige zuſammenhängende Verſe derſelben wählen
mag.
So viel davon überhaupt, was in der täglichen
Hausandacht getrieben werden ſoll, nemlich, die
heilige Schrift, der kleine und große Katechismus
Dr. Luthers, der Morgen⸗ und Abendſegen des⸗
ſelben, oder auch das Singen geiſtlicher Lieder.
Wie nöthig es aber jedem Chriſten ſei, dies
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English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall never pass away, now nor evermore."
Edited by C. F. W. Walther.
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.
Volume 4.
St. Louis, Mo., the [illegible] of March, 1848.
No. 15.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the annual subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who are to pay it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters containing contributions for the paper are to be sent to the editor; all others, however, containing business matters, orders, cancellations, moneys, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Submitted by P. Keyl.)
On Daily Family Devotion.
(Continuation and Conclusion.)
With regard to the prayers used in family devotion, this is a chief requirement: that the father of the household lead them rightly, and that all members of the household be able to join in the prayer; but to lead prayer rightly is no such easy matter, and it is precisely those who consider themselves most skilled at it who are the most unskilled. How often there is a lack of the right selection and order of what is to be asked for, or of the right expression; how often the one leading the prayer is himself distracted, wearied, or otherwise indisposed to prayer; how often, for this very reason, what ought to be prayer becomes nothing but a powerless, sapless babbling, in which no one can truly join. Many use certain prayer books for family devotion, which are especially dear to some because they contain particular prayers for the most varied circumstances, and especially for every day of the week; yet let each one examine himself as to whether he is able always truly to pray along with such prayers read aloud. He will have to confess that, unless they are fixed prayers used daily and thus learned almost by heart, he may indeed have many good thoughts while they are read, but can never truly pray along — and this for the reason that both spoken and read-aloud prayer rushes past the ears all too quickly, so that before the first words fall into the heart to kindle devotion to prayer, the next words already follow and, as it were, crowd out the first; and the longer the prayer formula is, the more noticeable this drawback becomes.
Oh, if only in this matter we followed the counsel of Sirach: "Look at the examples of the ancients, and follow them"; for it is an observation as remarkable as it is unknown to most, that, for example, Dr. Luther, who indeed possessed the spirit of prayer in such rich measure, never once introduced any similar set prayer in any of his many sermons, of the kind that later came to be used ever more frequently; indeed, not even a trace is to be found in Dr. Luther's writings of the commonly used church prayers that were later taken up into the hymnals for reading along and praying along. Rather, at the end of his House Postil there stands "a general form for how, at the close of the sermon, the people are to be exhorted to common prayer," which not only agrees with the principles set forth above, but also gives the Our Father precedence over all other prayers, when it says at the close: "To obtain all this, pray with devotion and in faith an Our Father."
As for the collects, or short altar prayers, however, the ancient Church wisely so ordained, and the Lutheran Church has just as wisely retained, that these are sung slowly by the minister following the preceding exhortation, "Let us pray," whereby it becomes possible for everyone to pray along and to seal the short prayer with his own Amen. Now, what has been said thus far concerning public worship holds also for family worship; therefore for the latter, too, neither spoken nor read-aloud prayers are to be recommended, but above all the holy Our Father itself. But should one wish to use other prayers besides this, I know of none better to suggest, thus far, than the incomparable morning and evening blessing in Dr. Luther's Small Catechism, for these solve the difficult task of uniting brevity with richness of content in such a way that in similarly long prayers one will not easily find anything that is not already contained in that one; for what in other prayers is enumerated at length and paraphrased with many words, Dr. Luther gathers briefly together with the often-repeated little word "all." Thus in the morning blessing:
"I thank you, my heavenly Father, through Jesus Christ, your dear Son, that you have protected me this night from all harm and danger; and I ask you that you would also protect me this day from sin and from all evil, so that all my doing and living may please you; for into your hands I commend myself, my body and soul, and all things. Let your holy angel be with me, that the wicked foe may have no power over me. Amen."
Likewise also in the evening blessing: "I thank you, my heavenly Father, through Jesus Christ, your dear Son, that you have graciously protected me this day; and I ask you that you would forgive me all my sins, wherever I have done wrong, and graciously protect me this night; for into your hands I commend myself, my body and soul, and all things. Let your holy angel be with me, that the wicked foe may find no power over me. Amen."
These short prayers, which unfortunately are not as generally known and valued as they deserve to be, can easily be learned by heart by all members of the household and prayed along with; and each one also finds in them an opportunity to include his own particular concern under the little word "all" and to bring it before God.
The singing of spiritual hymns, finally — although it is commendable and conducive to devotion, especially because in singing one can more easily follow the words and reflect upon them — is nevertheless often not generally practicable, because in our time many a father of the household lacks knowledge of the melodies. In such a case it is better for him to read a hymn, or a few verses of one, slowly and devoutly, than to confuse the singing through an incorrect leading of the tune and thereby hinder devotion. But if a father of the household can lead the singing correctly, he will find in the unadulterated hymnals a rich store of hymns, especially also for the morning and evening hours, from which he may choose above all the oldest, simplest, and shortest, or a few connected verses from them.
So much, then, in general, for what ought to be practiced in daily family devotion — namely, Holy Scripture, Dr. Luther's Small and Large Catechism, his morning and evening blessing, or also the singing of spiritual hymns.
As to how necessary it is for every Christian to practice all this daily, this question shall be answered with the following pointed words of Dr. Luther: