Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 72

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 72

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge 3

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Der Greis verſetzt beſcheiden:
„Mir ziemis, das ſtrenge Recht,
Gebieter, zu erleiden,

Mir, dem geringen Knecht.

Wie mag ich anders lehren,

Das Reich des HErrn zu mehren,
Als wie geſchrieben ſteht?

Es bleibt gerecht ſein Wille,

Ich will ihm halien ſtille.“
Und drauf verneigier ſich und geht;

Und wehrt daheim dem Jammer,
Und alles legt er ab
Und nimmt aus ſeiner Kammer
Die Bibel und den Stab.
Die Mutter, blaß vor Harme,
Das jüngſte Kind im Arme,
Das zweite bei der Hand —.
So iritt er an die Schwelle
Und blickt hinauf ins Helle
Und meidet fröhlich Stadt und Land.

Wer geht im fernen Thalt

Den müden Pilgergang,

Im heißen Sonnenurahle

Die flache Hald' enuang? —

Sie wallen froh im Glauben,

Als blühten ihnen Lauben,
Der fremden Er de zu.

Und als der Tag verfloſſen,

So beut, im Wald verſchloſſen,
Ein gaſtlich Dach dem Hauflein Ruh.

O ſchau den ſüßen Schlummer
Der Kleinen auf der Bank!
Ins Mutierherz der Kummer,
So viel es kampfte, ſank:
„Wer wird ſich doch der Armen
Im fremden Land erbarmen
Und ihr Verireter ſein?
Wer wird das Herz erweichen?
Die harten Menſchen reichen
Den Hungrigen für Brot den Stein.

Der fronime Dichter lächelt:
„Sie ſteyn in Gortes Hut!“
Des Giaubens Palme fächelt
Iym Freudigkeir und Muth;
Und wo ſich ſolche Blüthe
Entfaltet im Gemuthe,
Iſt nimmer jern das Gluck.

Er geht hinaus in Eile

Und vrirgt nach kieiner Weile
Des Troſtes goldnes Lied zurück:

„Befiehl du deine Wege

Und was das Herze krankt,

Der allertreuten Pflege

Deß, der den Himmel lenkt.“

Da däucht es ihren Sinnen,

Als od die Furcht von hinnen
Und alle Sorge floh'.

Denn, kaum das Lied vernommen,

Int uver ne gekommen
Der Friede Goties aus der Höh'.

Sie ſchwören ſtill und ſchauen
Hinaus in Wald und Nacht,
Und uber dunken Auen
Der Sierne goldne Pracht;

Sie ſchwören, ob die Wellen
Bis an die Seele ſchwellen,
Zu trauen fur und fur.
Und als der Schwur vollzogen
Und himmelan geſlogen,
Da ſteht die Hulfe vor der Thür.

Denn draußen ſcharrt im Sandt

Bereus des Roſſes guß,

Es briugt aus Sachmnlande

Der Boie dieſen Gruß:

„Dem Sanger Heu und Frieden!

Ich vin hierher beſchieden
Durch Kurſurſt Chriſtian;

Er wul den Dulder eyren,

Ten, ireu im Tyun und Lehren,
Die Cugel Gones wandein ſahn.

Er hat dich auserkoren,

Zu weiden eine Herrd';

Und was du dort veiloren,

Silndreifach dir gewahrt!

Wohlauf! es grautder Morgen,

Tahnnten laß die Sorgen,
Gotmhat die Noth gewandt!

Es winten uns die Grenzen,

Eh wieder Sterne glanzen,
Umfangidich Freund und Baterland.“

Schmidtv. Lübeck.

72
Mittheilung von Welthändeln.“)

Die frühern Nachrichten lenkten unſre Blicke
auf den Oſten Europas und ſonderlich auf Wien
hin, in welcher Stadt am 6. October ein blutiger
Kampf des Volks gegen die kaiſerliche Partei ent⸗
brannt war, der eine zweite Flucht des Kaiſers
und Hofes von Wien nach Olmütz in Mähren
zur Folge hatte. Ein bedeutendes Heer unter
Anführung des Fürſten Windiſchgrätz, desſelbi⸗
gen, der ſich ſchon den Pragern ſo furchtbar ge⸗
zeigt hatte, rückte gegen die rebelliſche Kaiſerſtadt
an, auch der berüchtigte Jellachich mit ſeinen
Kroaten fand ſich ein. Mehrere Wochen lang
blieb es zweifelhaft, welchen Ausgang der un⸗
vermeidliche Kampf nehmen würde, bis endlich die
Nachrichten von der Eroberung Wiens durch die
kaiſerlichen Truppen eingetroffen ſind. Das
Wiener Volk, auf den Beiſtand der Ungarn hof⸗
fend, weigerte ſich hartnäckig, ſich zu ergeben, und
machte ſogar gebieteriſche Forderungen einer all⸗
gemeinen Amneſtie, der Einſetzung eines volks⸗
thümlichen Miniſteriums und der Entfernung
alles Militairs aus der Nähe Wiens.

Darauf fing der kaiſerliche Feldherr am 25.
October an, die unglückliche Stadt zu beſchießen,
bis ſie am 31. October in die Hände des Siegers
fiel, nachtem auch am 30. die Ungarn, welche
zum Entſatze der Stadt herbeigeeilt waren, zurück⸗
geſchlagen worden waren. Das Volk ſoll ſich mit
großer Hartnäckigkeit. was man Heldenmuth zu
nennen beliebt, gewehrt haben, ſonderlich auch die
Studenten, von denen ein Theil niedergehauen
oder gehenkt ſein ſoll. Gegen 1500 Wiener ſol⸗
len gefallen, mehrere Vorſtädte verbrannt und
eine Anzahl Paläſte zerſtört worden ſein. Seit
der Belagerung durch die Türken im Jahre 1683
iſt Wien wohl noch nie wieder ſo geängſtiget wor⸗
den. Der Sieger läßt natürlich Wien ſeinen harten
Arm fühlen, übt bereits ein ſtrenges Regiment
aus und wird an den Führern des Volks blutige
Rache nehmen.

Die Zeitungen ſind voll von Klagen über die

vereitelten Frriheitsbeſtrebungen, die, wenn ſie
gegluckt wären, wahrſchein lich für ganz Deutſch⸗
land das Signal des Aufſtandes würden geweſen
ſein. Chriſten beklagen nicht dieſes Mißlingen,
ſie beklagen aber die Unglücklichen, die gefallen
und, weil als Rebellen, beides Leib und Seele
verloren haben; ſie denken dabei mit Furcht und
Zittern an das Wort ihres HErrn: wer das
Schwerdt nimmt, ſoll durchs Schwerdt umkom⸗
men. Der Kaiſer ſei mit ſeiner Partei, wer und
wie er wolle, ſo bleibt dennoch die Empörung
wider ihn ein verdammliches Widerſtrer en wider
Gottes Ordnung. Ob in Folge dieſer beklagens⸗
werthen Ereigniſſe das Rad ins alte Gleis kom⸗
men wird, das wird die nächſte Zukunft lehren.
Auffallend hierbei iſt die Schwäche der deutſchen
Centralgewalt. Der Reichsverweſer ſandte bald
nach Ausbruch der Wiener Revolution Commiſ⸗
ſäre nach Oeſtreich mit dem Auftrage, eine un⸗
blutige Beilegung der Feindſeligkeiten zu vermit—
teln. Während dieſe Friedensboten vom Kaiſer
in Olmütz ſehr gaſtfreundlich empfangen wurden,
verſetzte umerdeſſen der kaiſerriche Feldherr, um
ihre Sendung ſich wenig kümmernd, den Wienern
den tödtlichen Schlag.

In Berlin kam unlängſt ein ſogenannter
Demokratencongreß zuſammen, lief aber bald un⸗
verrichteter Sache auseinander. Dagegen hat ſich
zwiſchen dem Koͤnig und dem preußiſchen Reichs⸗
tag wegen der Wahl eines reactionären Miniſte⸗

*) Dieſe Mittheilungen ſind durch den jetzt im Lande
durch dit unfreundliche Witterung gehemmten Poſtenlauf
leider bedeutend verſpäter worden. D. R.

riums, das man befürchtete, ein bedenklicher Zwie⸗
ſpalt erhoben.

Was in Italien, wo ſich die Feinde Oeſtreichs
von Neuem regen, und was in Frankreich, wo
ſſichs um die Wahl eines Präſidenten der neuen
Republik handelt, ſich zutragen wird, davon wer⸗
den die nächſten Zeitungen Kunde geben.

Kirchliche Nachrichten kommen höchſt ſpärlich
herüber; man hört von Verſammlungen und Con⸗
ferenzen, aber wenig von ihren Ergebniſſen; man
ſcheint viel zu reden von Verfaſſungen und Orga⸗
niſationen der Kirche, aber wenig von der uner⸗
läßlichen Rückkehr zu Luthers Reformation und
Lehre; man iſt mit Plänen ſchwanger von einer
großen deutſchen Nationalkirche, aber auf der brei⸗
ten Grundlage des kirchlichen Indifferentismus;
man will nicht mehr eine erzwungene, wohl aber
eine freiwillige Union; man ſtellt Theſen auf über
das Weſen der Kirche und ihre Stellung zum
Staate, welche eben ſo wenig ernſtliches Bewußt⸗
ſein von dem Bedürfniß der Gegenwart verrathen,
eaß ſie vielmehr abſtracten Buchſtabenrechnungen
ähnlich ſehen.

——

Folgende Bücher

ſind bei dem Unterzeichneten zu den beigefügten Preiſen in
größern oder kleinern Parthien gegen Baarzahlung zu haben.

Concordienbuch..... 51.25

D. Luthers Hauspoſtille.....
Katechismus

Starks Gebetbuch
Life of Lurbern... ͤ

. 7.

English Luth. Catechism
Catechism of Distinetive Doctrines. 0.124
Indianapolis, Ind., December 1848.
J. G. Kunz, luth. Paſtor.

Empfangen
zu dem Bau der (am 20. p. Trinit. 1848 ein⸗
geweihten) Kirche der lutheriſchen Gemeinde
in Kosciusko County, Ind.
1) von der Gemeinde des Hrn. Paſtor Sihler zu Fort
Wayne 59.00.
2) von der deutſch ev.⸗lutheriſchen Gemeinde in Pomerop,
Meigs County, O., 7.00.
Den freundlichen Gebern ſage ich im Namen meiner Ge⸗
meinde herzlichen Dank und wünſche ihnen Gottes reichen

Segen. G. K. Schuſter, luth. Paſtor.
Erhalten

für die lutheriſche Miſſion am Fluſſe Cass in
Michigan:

51.50 durch Hrn. P. Heid. 52.00 von Hrn. Peterſeim.
zur Synodal-Miſſions-Caſſe:
51.70 von verſchiedenen Gemeindegliedern in Altenburg.

Bezahlt.

Den 4. Jahrg. Hr. Roßwag.

Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Hr. C. G. Cruſe.

Den 5. Jahrg. Die HH. Birner, Gebr. Bergt, Burt·
hardt, G. Bippus, P. Bippus, Ch. Bippus, P. Crämer
(2 Er.), Denius, Doldt, Adam Dielmann, Eggers und
Joh. Popp, Dietr. Hellwege, Höhne sen. und Grebing,
Heddrich, P. Heid, Kühnert, Klügel, Jacob Kunz, Ludwig
Mayer 32.00 bis mit No. 16, Johannes Neſſel PI.,
desgl. Paliſch, P. Saupert, Staiger, Settlage, W. Schuur,
Chr. Sauer, P. Schuſter (3 Ex.), P. Schliepſiek.

Gedruckt bei Arthur Olshauſen,

perausgeber des Auzeiger des Weſten 3.

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