Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 66
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 66
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche · Kirche 13
Denn das iſt auch ein öffentlich Zeichen und
köſtlich Heiligthum, dadurch Gottes Volk gehei⸗
liget wird. Denn es iſt ein heiliges Bad der
neuen Geburt durch den Heiligen Geiſt, Tit. 3, 5.,
darinnen wir baden, und vom Heiligen Geiſt ge⸗
waſchen werden von Sünden und Tod, als in
dem unſchuldigen, heiligen Blut des Lämmleins
Gottes. Wo du ſolch Zeichen ſieheſt, da wiſſe,
daß gewißlich die Kirche oder das heilige, chriſtliche
Volk da ſein muß, unangeſehen, ob dich der Pabſt
nicht täufet, oder du nichts von ſeiner Heiligkeit
und Gewalt wiſſeſt, gleichwie die jungen Kind⸗
lein nichts davon wiſſen, ohne das, wenn ſie
erwachſen, werden ſie leider von ihrer Taufe ver⸗
führet, wie St. Petrus klagt, 2 Petr. 2, 18.:
„reizen durch Unzucht diejenigen, ſo recht entrun⸗
nen waren und nun im Irrthum wandeln“ ꝛc.
Ja, es ſoll dich auch nicht irren, wer der Täufer
ſei. Denn die Taufe iſt nicht des Täufers, noch
ihm gegeben, ſondern des Täuflings, der getauft
wird, dem ſie von Gott geſtiftet und gegeben iſt;
gleich wie das Wort Gottes iſt nicht des Predi⸗
gers (er wolle denn ſelbſt auch mit hören und
gläuben), ſondern des Jüngers, der es höret und
gläubet; demſelben iſt's gegeben.
Zum dritten kennet man Gottes Volk, oder
ein chriſtlich, heilig Volk, an dem heiligen Sacra⸗
ment des Altars, wo es recht nach Chriſti Ein⸗
ſetzung gereicht, gegläubt und empfaugen wird.
Denn es iſt auch ein öffentlich Zeichen und theuer
Heiligthum, von Chriſto hinter ſich gelaſſen, da⸗
durch ſein Volk geheiliget wird, damit es ſich auch
übet und öffentlich bekennet, daß es Chriſten ſei,
wie es thut mit dem Wort und mit der Taufe.
Und darfſt hie auch nichts achten, ob der Pabſt
nicht für dich Meſſe hält, dich weihet, firmelt oder
ſalbet, oder Meßgewand anzeucht. Du kannſt's
wohl ohne alle Kleider (wie in einem Bette krank)
empfahen, ohue daß die äußerliche Zucht zwinget,
ſich züchtig und ehrlich zu decken; darfeſt auch
hierin nichts fragen, ob du eine Platten haſt oder
gechreſemet ſeiſt; dazu nicht disputiren, ob du
Mannsbilde oder Weibsbilde, jung oder alt ſeiſt,
ſo wenig du nach ſolchem allen frageſt in der
Taufe und Predigt; iſt genug, daß du geweihet
und gechreſemet ſeiſt mit dem hochheiligen Chre⸗
ſem Gottes, des Wortes Gottes und der Taufe,
auch dieſes Sacraments; da biſt du hoch und
herrlich genug geſalbet und prieſterlich gekleidet.
Irre dich auch nicht, wie heilig der Mann,
oder ob er zweiweibig ſei oder nicht, der dir's
reicht. Denn das Sacrament iſt nicht deß, der
es reichet, ſondern deß, dem es gereicht wird, ehe
daß er es ſelbſt auch mitnimmt. Alsdann iſt er
der einer, die es empfahen, und wird damit auch
ihm gegeben. Wo du nun ſolch Sacrament
ſieheſt im rechten Brauch gereicht, da wiſſe gewiß,
daß Gottes Volk ſei. Denn wie droben vom
Wort geſagt: Wo Gottes Wort iſt, da muß die
Kirche ſein; alſo auch, wo die Taufe und Sacra⸗
mente ſind, muß Gottes Volk ſein; und wiederum.
Denn ſolche Stücke Heiligthums hat, gibt, übet,
brauchet, bekennet Niemand, denn allein Gottes
Volk, obgleich etliche falſche ungläubige Chriſten
heimlich drunter ſind: denn die offenbarliche lei⸗
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det nicht unter ſich die Kirche und Gottes Volk,
ſondern ſtrafet und heiliget ſie auch, oder, wo ſie
nicht wollen, ſtößer ſie aus durch den Bann von
dem Heiligthum, und hält ſie für Heiden, Matih.
am 18, 17.
Zum vierten kennet man das Gottes Volk
oder heilig Chriſten an den Schlüſſeln, die ſie
öffentlich brauchen, das iſt, wie Chriſtus Matth.
18, 15. 16. ſetzet, wo ein Chriſt ſündiget, daß
derſelbe ſolle geſtrafet werden, und ſo er ſich nicht
beſſert, ſoll er gebunden und verſtoßen werden;
beſſert er ſich, ſo ſoll er losgeſprochen werden.
Das ſind die Schlüſſel. Nun iſt der Schlüſſel
Brauch zweieilei, öffentlich und ſonderlich. Denn
es ſind etliche ſo blöde und verzagt im Gewiſſen,
wenn ſie ſchon nicht öffentlich verdammt ſind, daß
ſie dennoch nicht können ſich tröſten, bis ſie in⸗
ſonderheit vom Pfarrherr eine Abſolution kriegen.
Wiederum auch etliche ſo hart, daß ſie auch im
Herzen und vor dem Pfarrherrn in geheim nicht
wollen vergeben, noch ablaſſen von Sünden.
Darum muß der Schlüſſel Brauch gehen auf
allerlei Weiſe, öffentlich und ſonderlich. Wo du
nun ſieheſt, daß man Sünde vergibt oder ſtraft in
etlichen Perſonen, es ſei öffentlich oder ſonderlich,
da wiſſe, daß Gottes Volk da ſei. Denn wo nicht
Gottes Volk iſt, da ſind die Schlüſſel nicht, und
wo die Schlüſſel nicht ſind, da iſt Gottes Volk
nicht. Denn Chriſtus hat ſie darum hinter ſich
gelaſſen, daß ein öffentlich Zeichen und Heilig⸗
thum ſein ſollt, dadurch der Heilige Geiſt (aus
Chriſti Sterben erworben) die gefallenen Sünder
wieder heiliget, und die Chriſten damit bekenneten,
daß ſie heilig Volk ſind unter Chriſto in dieſer
Welt. Und welche ſich nicht wollen bekehren und
wieder heiligen laſſen, daß dieſelbigen ausgeſtoßen
würden von ſolchem heiligen Volk, das iſt, gebun⸗
den und durch den Schlüſſel ausgeſchloſſen wür—
den, wie den unbußfertigen Antinomern geſchehen
wird.
Hie mußt du dich nicht kehren an die zween
Schlüſſel des Pabſts, die er gemacht hat zu
zween Dietrichen zu aller Könige Kaſten und
Kronen. Denn wo er nicht binden oder ſtrafen
will die Sünde, ſie ſei öffentlich oder ſonderlich
(wie er denn thut), ſo laſſe ſie geſtraft und gebun⸗
den ſein in deiner Pfarr. Wenn er ſie nicht
löſen noch vergeben will, ſo laß ſie in deiner
Pfarre los und vergeben ſein. Denn ſein Re⸗
ſerviren oder Binden, ſein Laxiren oder Erlauben
entheiliget noch heiliget dich nicht, weil er nicht
kann die Schlüſſel haben, ſondern hat eitel Diet⸗
riche. Die Schlüſſel ſind nicht des Pabſts (wie
er leuget), ſondern der Kirchen, das iſt, des Volks
Chriſti, des Volks Gottes, oder des heiligen
chriſtlichen Volks, ſo weit die ganze Welt iſt, oder
wo Chriſten ſind. Denn ſie können nicht alle zu
Rom ſein, es wäre zuvor die ganze Welt zu Rom,
das noch lange nicht geſchehen wird. Gleichwie
die Taufe, Sacrament, Gottes Wort nicht des
Pabſts, ſondern des Volkes Chriſti ſind, und
heißen auch claves Ecclesiae, nicht claves
Papae.“)
Zum fünften kennet man die Kirche äußer⸗
) d. i. Schlüſſel ver Kirche, nicht Schlüſſel des Pabſtes.
lich dabei, daß ſie Kirchendiener weihet oder be
ruft, oder Aemter hat, die ſie beſtellen ſoll. Denn
man muß Biſchöfe, Pfarrherrn oder Prediget
haben, die öffentlich und ſonderlich die obgenann⸗
ten vier Stück oder Heiligthum geben, reichen und
üben, von wegen und im Namen der Kirchen,
vielmehr aber aus Einſetzung Chriſti, wie St.
Paulus Epheſ. 4, 11. ſagt: Accepit dona in
hominibus: Er hat gegeben etliche zu Apoſteln,
Propheten, Evangeliſten, Lehrer, Regierer n.
Denn der Haufe ganz kann ſolches nicht thun,
ſondern müſſen's einem befehlen und laſſen be⸗
fohlen ſein. Was wollte ſonſt werden, wenn ein
jeglicher reden oder reichen wollt und keiner dem
andern weichen. Es muß einem allein befohlen
werden, und ihn allein laſſen predigen, täufen,
abſolviren und Sacrament reichen, die andern alle
deß zufrieden ſein und drein willigen. Wo du
nun ſolches ſieheſt, da ſei gewiß, daß da Gottes
Volk und das chriſtliche, heilige Volk ſei.
Wahr iſt's aber, daß in dieſem Stück der Hei⸗
lige Geiſt ausgenommen hat Weiber, Kinder und
untüchtige Leute, ſondern allein tüchtige Manns⸗
perſonen hiezu erwählet (ausgenommen die Noth),
wie man das lieſet in St. Pauli Epiſteln hin und
wieder, daß ein Biſchof ſoll lehrhaftig, fromm
und eines Weibes Mann ſein, 1 Tim. 3, 2., und
1 Cor. 14, 34.: „Ein Weib ſoll nicht lehren im
Volk“; Summa, es ſoll ein geſchickter, auserwähl⸗
ter Mann ſein, dahingegen Kinder, Weiber und
andre Perſonen nicht tüchtig, ob ſie wohl tüchtig
ſind, Gottes Wort zu hören, Taufe, Sacrament,
Abſolution zu empfahen, und rechte heilige Chii⸗
ſten mit ſind, wie St. Petrus 1. Epiſt. 3, 7. ſagt.
Denn ſolchen Unterſchied auch die Natur und
Gottes Creatur gibt, daß Weiber (vielweniger
Kinder oder Narren) kein Regiment haben kön⸗
nen noch ſollen, wie die Erfahrung gibt, und
Moſes, 1 Moſ. 3, 15., ſpricht: „Du ſollſt dem
Manne unterthan ſein.“ Das Evangelium aber
ſolch natürlich Recht nicht aufhebt, ſondern beſtä⸗
tiget als Gottes Ordnung und Geſchöpfe.
Hier wird der Pabſt mir einreden durch ſeine
Schreimäuler und Reißteufel (Teufelsreißer):
St. Paulus ſagt nicht allein von Pfarrherin und
Predigern, ſondern auch von Apoſteln, Evange⸗
liſten, Propheten und andern hohen geiſtlichen
Ständen; darum müſſen ja höhere Stände in
der Kirche ſein, weder die Pfarrherrn und Prediger
ſind. Wohin nun, Domine Luther? Wo ſoll
ich hin? Da will ich hin: Wenn ſie nun ſelbſt
Apoſtel, Evangeliſten, Propheten werden, oder mir
einen zeigen, ach, was narre ich! wenn ſie mir
einen zeigen unter ihnen, der eines Schülers werth
iſt in den Schulen, oder ſo viel könne in der
chriſtlichen Lehre und heiligen Schrift, als ein
Mägdlein von ſieben Jahren, ſo will ich mich
gefangen geben. Nun weiß ich fürwahr, daß
ein Apoſtel, Evangeliſt, Prophet mehr, oder ja
ſo viel kann, als ein Mägdlein von ſieben Jahren
(ich rede von der heiligen Schrift und vom Glau⸗
ben). Denn daß ſie mehr Menſchenlehre, auch
mehr Schalkheit können, das glaube ich ſehr wohl,
und ſtärker, denn ich an Goti gläube, weil ſit vor
Augen mit der That mich überweiſen. Darum,
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