Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 77
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Dinge nachſagen, durch dieſes ihr Lärmblaſen das
Gegentheil von dem bewirken, was ſie damit be⸗
zwecken. Schon manchen hat die Neugierde in
die Kirche eines treuen Evangeliſten geführt, von
dem die Feinde Grauſenerregendes auspoſaunt
hatten, und ſiehe! — er hörte, was er nicht ge⸗
Rahnt hatte, und wurde für die Wahrheit gewon⸗
nen. Aehnlich iſts vor kurzein dem lieben Herrn
Weyl in Baltimore gegangen. Dieſer ſtets
wache Wächter auf den Zinnen des lutheriſchen
Zions hat es nämlich vor kurzem erſpähet, daß
unſer „Lutheraner“ ein verkappter Jeſuit ſei, und
daher eilends Zeter und Mordio hierüber in die
Velt hinausgerufen. Die Folge hiervon iſt gewe⸗
ſen, daß wir einen neuen Subſcribenten erhalten
haben an einem lieben, uns bis dato völlig unbe⸗
kannten Herrn Amtsbruder. Zum Belege theilen
wir hierdurch folgenden Brief mit:
„Ehrwürdiger Herr! ö
Durch einen Artikel im „„Lutheriſchen Kirchen⸗
boten““ aus Baltimore in Nro. 22. vom 20.
Oktober d. J., wo der „„Lutheraner““ von St.
Louis des geheimen Jeſuitismus beſchuldigt wird,
iſt es mir beſonders wünſchenswerth geworden,
die Bekanntſchaft dieſes Jeſuiten zu machen, der
wahrſcheinlich den Namen eines Jeſuiten ebenſo
zu verdienen ſucht, wie Valerius Herberger zu
Frauſtadt in Großpolen. Belieben Sie demnach
mir mit nächſtem Jahre den „„Lutheraner““ zu
ſenden ꝛc. ꝛc. ꝛc.
C. A. Schröer,
luth. Paſtor zu Verona, Oneida Co., N. N.“
*
(Eingeſandt.)
Du ſollſt nicht falſch Zeugniß reden wider
deinen Nächſten. (Achtes Gebot.)“*)
Einem mit R. unterzeichneten Correſpondenten
des in Cineinnati erſcheinenden, und von der
„Deutſchen vereinigt⸗evangeliſchen Synode in Ame⸗
rika herausgegebenen „Chriſtlichen Hausfreundes“
hat es beliebt, in einem der Union und genannter
unirter Synode das Wort redenden Artikel in
Nummer 8 dieſes Blattes ſich durch einige giftige
Ergießungen über die „ſogenannte altlutheriſche
Richtung“ Luft zu machen, und demſelben eine
nich und meine ſeitherige Amtsführung in Chi⸗
cago betreffende Mittheilung einzuverleiben. Ob⸗
wohl weder ein Baier noch ein Sachſe, möchte ich
mir dennoch die Freiheit nehmen, Herrn R. vor⸗
erſt zu bemerken, daß er ſehr im Irrthum iſt, wenn
er glaubt, mein und einiger mit mir Verbundenen
Austritt aus der Allgemeinen Synode von Ohio
im Jahre 1845 ſei „mit größter Eile“ erfolgt.
Aus Nummer 21 des 7ten Jahrgangs der Pitts⸗
burger Kirchenzeitung kann er und jeder, dem es
darum zu thun iſt, unſere Beweisgründe zu die⸗
ſem Schritte näher kennen zu lernen, erſehen, daß
) Durch mehrere Umſtände, welche wir hier nicht alle
namhaft machen können, iſt die Aufnahme dieſes Aufſatzes,
der uns ſchon vor mehreren Monaten zugeſandt war, bis
jetzt verſchoben worden. Hoffentlich kommt derſelbe doch
nicht zu ſpät, um wieder einiges Licht zu verbreiten über die
Wege, welche ſogenannte „evangeliſche“ Prediger gehen,
um die ihnen verhaßte lutheriſche Kirche dem Volke verhaßt
und ſich ſelbſt beliebt zu machen. D. R.
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unſere Beſchwerden bereits über Jahr und Tag
ganz unberückſichtigt geblieben und die Synode
ſodann beſchloß, nochmals drei weitere Jahre die⸗
ſelben unberückſichtigt zu laſſen, ohne ſich auch
nur im Geringſten die Gewiſſensnoth der Be⸗
ſchwerdeſteller zu Herzen gehen zu laſſen, ſondern
vielmehr mit Spott und Hohn ſie abweiſend.
Auch iſt mir kein Fall bekannt, wo einer von uns
ein Arbeitsfeld „mißmuthig wieder aufgegeben“
hat, ſo lan ge nur noch einiger Maßen Hoffnung
war, zur Ehre des HErrn wirken zu können.
Doch will ich' bei derlei Entſtellungen mich nicht
länger aufhalten: es ſteht oder fällt ja jeder ſei⸗
nem Richter; und will ich nur den beſonders
mich betreffenden Theil der Einſendung noch
etwas näher beleuchten, um ſo, ob Gott will, zu
verhüten, daß durch die falſche Darſtellung nicht
noch redliche, aber ſchwache Seelen geärgert wer⸗
den. Herr R. ſcheint ſeinen Berichterſtatter, den
Secretär der hier neuconſtituirten Gemeinde,
Herrn Jacob Letz“) ſehr genau, oder vielmehr
ganz und gar nicht zu kennen, da er ohne weitere
Beweiſe deſſen Bericht als „getreu und aufrich⸗
tig“ bezeichnet. Ehe ich auf die fragliche Mit⸗
theilung näher eingehe, möchte ich nur noch er⸗
wähnen, daß meine Gemeinde dahier nicht 5,
ſondern erſt 22 Jahre, zur Zeit des Abfalls aber
erſt 2 Jahre alt, und zugleich Herrn R. erſuchen,
mir gütigſt die Namen der mir gänzlich unbe⸗
kannten Prediger zu nennen, bei denen ich „erſt
hier zu Lande theologiſche Privatſtudien“ gemacht,
damit ich doch dieſen Herren für die mir erzeigten
Wohlthaten danken kann! Doch zur Sache.
Herrn Letz' erſter Anklagepunkt gegen mich beſagt,
daß ich mir gleich im Anfange vorbehalten habe,
zuweilen ein Lied aus einem „uralten“ Geſang⸗
buche vorzuſagen, da das Nordamerikan iſche (ſoll
heißen „Gemeinſchaftliche“) Geſangbuch nicht
rechtgläubige Lieder genug enthalte. Dieß iſt
vollkommen gegründet und bedarf bei einfältigen
Lutheranern keiner Rechtfertigung, ſondern wohl
eher, daß ich bei dem damaligen Mangel an guten
Geſangbüchern, obwohl mit dieſem Vorbehalte,
überhaupt in die Einführung dieſes Geſang⸗
buches willigte. Doch möchte es wohl nicht un⸗
geeignet ſein, Herrn L. zu erinnern, wie ich ſchon
vor „Anfang“, nämlich ehe ich noch Chicago ge⸗
ſehen, es zur Bedingung der Annahme des Berufes
machte, die Gemeinde als eine uralte apoſtoliſche,
oder was dasſelbe iſt, als eine rein lutheriſche,
bedienen zu können, daß Herr Letz mir darauf
antwortete, ich ſolle nur kommen, ſo werde alles
nach Wunſch geordnet werden, und daß er darauf
bei meiner Ankunft ſelbſt am meiſten der Grün⸗
dung einer unirten Gemeinde das Wort redete
(obwohl nur Ein nominell Reformirter zur Ge⸗
meinde gehören wollte), jene Worte ſeines Briefes
dahin deutend, daß er dabei nur ſeinen, nicht
aber meinen Wunſch im Auge gehabt! Erſt als
er ſich überzeugte, daß. ich feſt entſchloſſen, lieber
nie wieder eine Kanzel zu beſteigen, als in ſein
Anſinnen einzugehen und Menſchen mehr zu ge⸗
*) Bei dergleichen Dingen bin ich kein ſo großer Freund
von bloßen Anfangsbuchſtaben für Perſonen und Orts-
namen, als Herr R. es wohl ſein niag.
horchen als dem HErrn, wurde er ſcheinbar nach⸗
giebiger. Wenn nun Herr Letz und ſeine Geiſtes⸗
verwandten wirklich, nachdem doch vorher über
die Unterſcheidungslehren war gepredigt worden,
auch noch in theilweiſer Unwiſſenheit die rein⸗
lutheriſche Gemeindeordnung unterſchrieb, ſo wäre
es doch wohl ehrlicher geweſen, wenn er ſpäter
ſeinen Namen aus der Gemeindeliſte hätte ſtrei⸗
chen laſſen, als daß er wartete, bis er ſich einer
Mehrheit der Glieder für ſeine Plane geſichert hatte,
um ſo das Kirchengebäude ꝛc. der lutheriſchen
Gemeinde zu entwenden und ſich und ſeinen ratio⸗
naliſtiſch- und unirt-geſinnten Anhängern zu
ſichern. — Ferner beſchuldigt mich Herr Letz, ich
habe beim Altardienſt Ceremonien eingeführt, ohne
die Gemeinde jemals darum zu fragen. Im An⸗
fange ſtand in der noch bei weitem nicht voll⸗
endeten Kirche nur eine proviſoriſche Rednerbühne,
und konnte deßhalb gar kein Altardienſt ſtattfinden.
Als nun ein Altar beſchafft war, konnte ich ohne
Ceremonien doch nicht wohl an demſelben handeln,
und als Diener der lutheriſchen Kirche wählte
ich natürlich, obwohl nur die allgemein gebräuch⸗
lichſten, lutheriſchen Ceremonien. Oder hätte
ich wohl aufrichtig und ehrlich mich reformirter ꝛc.
bedienen können? Bei Erwähnung des Kruzi⸗
fixes verſchweigt Herr Letz klüglich, daß dasſelbe
nur einen Tag in der Kirche geweſen, und zwar
auch ohne mein Wiſſen aufgeſtellt wurde, ſowie
daß ich noch vor Beginn des Gottesdienſtes die
Vorſteher aufforderte, es zu entfernen, was jedoch
dieſen nicht rathſam erſchien. Wenn ich auch
aus innerſter Ueberzeugung in Privatgeſprächen
Manches, das katholiſche Kirchen in der äußeren
Ausſtattung mit den lutheriſchen Kirchen unſrer
Vorfahren gemein haben, als feierlich und er⸗
hebend bezeichnet habe, ſo irrt ſich doch ſicher Herr
Letz, daß ich mich auch des Ausdruckes „rüh⸗
rend“ bedient hätte, da ich durch Gottes Gnade
ſchon lange davon abgekommen, meine eigne Ehre
in künſtlich erzeugter Rührung meiner Gemein de⸗
glieder zu ſuchen, ſondern all mein Wirken und
Bitten dahin zu richten trachte, daß die Seelen
als lebendige Steine auf den einigen Eckſtein,
Chriſtus IEſus, im wahren, einigen Glauben
erbaut werden mögen. Daß ich aber nach ge⸗
höriger Belehrung aus dem Worte Gottes bei Ab⸗
ſtimmungen ermahnte, Jeder möge bedenken, daß
er, möge er nun ſtimmen wie er wolle, ſein Ja
oder Nein am Jüngſten Tage verantworten müſſe,
mag wohl Herrn Letz befremdet haben, da er ſich
mehr als einmal geäußert: er zweifle, ob ſich
Gott um unſere Kleinigkeiten bekümmere (); es
mag dieß auch einem Herrn R. gar zu ſcharf
erſcheinen: aber wahrlich keinem gläubigen Luthe⸗
raner, der da weiß, daß wir dereinſt auch von
jedem unnützen Worte müſſen Rechenſchaft geben
(Matth. 12, 36.).
Eine harte Anſchuldigung in den Augen des
Herrn R. muß es ferner ſein, daß ich in Predigten
Zwingli und Calvin als Abtrünnige bezeichnet
habe: aber einer durch göttliche Gnade erleuchteten
Vernunft kann es nur als große Unvernunft er⸗
ſcheinen, daß nicht nur Luther, ſondern auch
Zwingli und Calvin bei ſo großen Abweichungen
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