Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 71
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 71
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erziehung 2
1593 wurde ihr das Urtheil geſprochen, welches
dahin lautete, daß ſie auf einem Schaffot vor dem
Rathhauſe zu Valencin ihre Bibel eigenhändig
verbrennen, ſie ſelbſt hernach an einem Pfahle er⸗
würgt, ihr Leichnam aber aufs Galgenfeld außer⸗
halb der Stadt unbeerdigt hingeworfen werden
ſolle.
Als ſie das Schaffot erſtiegen, betete ſie laut
vernehmlich mit großer Andacht das Vater Unſer
und als ſie ihre Bibel verbrennen ſahe, rief ſie
mit heller Stimme: „Ihr Leute verbrennet das
heilige Wort Gottes, welches Ihr zuvor für gut
und heilig erklärt habt.“ Drauf, als ſie noch ein
Mal laut und inbrünſtig das Vater Unſer ge⸗
ſprochen, ward ſie erwürgt, und hat auch nach
ihrem Tode — ſo erzählt die alte Chronik — ihre
Farbe im Angeſicht ſo wenig als ihren Glauben
im Herzen verändert.
Lehre b1 Beiſpiel.
Ein Bauer erzählte von von ſeiner Belehrung alſo.
„Eines Tages hörte ich meine beiden Jungen ſich
ſchelten und dabei ſchrecklich auf einander fluchen.
Ich nehme die Buben — von 12 und 14 Jahren —
beiſeits, ſtelle ihnen die große Sünde des Fluchens
vor und gebe ihnen dazu einen tüchtigen Denk⸗
zettel auf den Rücken. Die Jungen verkriechen
ſich nun auf den Stall, um ihren Schmerz ge⸗
meinſchaftlich auszuweinen. Ich ſchleiche ſtill
nach. Da höre ich. Der Kleine ſagt zu dem
Großen: „Fritz, dat is unrecht, dat üs de Va⸗
der darum ſchleit, und hei fluchet ſül⸗
ben“, (das iſt Unrecht, daß uns der Vater
darum ſchlägt, und er fluchet ſelbſt.) — Ich be⸗
ſann mich. Ja, die Jungen hatten Recht. Ich
ſchämte mich, ſchämte mich vor meinen Kindern!
Und ich bekehrte mich.“
(Aus: Grobe, Werth und Weiſe der chriſtl. Kinderzucht.)
2—
Schreiben des Prufeſſor Harleß an die in dieſem
Jahre zu Gnadenberg in Schleſien verſammelt
geweſenen aus der Union zurückkehrenden luthe⸗
riſchen Prediger.)
In Chriſto geliebte Herren und Brüder! Es iſt
mir von mehreren Amtsbrüdern Ihres Landes
geſchrieben worden, daß am 17ten Juli in Gna⸗
denberg viele Geiſtliche zuſammentreten würden,
die Angelegenheiten der deutſchen lutheriſchen Kirche
zu berathen. Ich brauche nicht zu ſagen, mit
welcher Bewegung des Herzens ich davon gehört
habe. Denn deſſen bin ich gewiß: wenn es dem
HErrn gefällt, noch einmal unter dem deuiſchen
Volke zu bauen, ſtatt es mit dem Hammer wohl⸗
verdienten Gerichts zu zerſcheitern, ſo wird aus
dem Schutt der zerfreſſenen Staatskirchen ſich die
einige deutſche Kirche der Bekenner erheben, der
Bekenner, die unter dem Banner ihrer Väter ſtrei⸗
ten und kämpfen und denen Gott auch wohl ein
neues Lied wird zur Verherrlichung Seines Na⸗
mens in den Mund geben. Dennoch habe ich
ſchon jetzt eine Sorge, und dieſe Sorge treibt mich zu
ſchreiben und ich hoffe, die Brüder werden dies
*) Es iſt dies der bereits Seite 47 dieſes Jahrgangs
erwähnte Brief.
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mein unberufenes Wort mit meiner Sorge ent⸗
ſchuldigen. Sie gründet ſich aber auf Thatſachen.
Und da will ich nur das Eine anführen, was be⸗
kannt iſt, die Art nämlich, wie man in Pommern
jetzt anhebt an den Neubau der lutheriſchen Kirche
Hand anzulegen und thut, als wären die, welche
um des Bekenntniſſes willen früher ausgetreten
ſind und gelitten haben, gar nicht vorhanden. So
wenigſtens hat es den Anſchein und ſo lautet die
Klage. Wenn dem ſo wäre, wahrlich! das wäre
übel gethan. Wer jetzt bauen will, der muß vor
Allem gelernt haben, nicht nur vergeben und ver⸗
geſſen, ſondern an die eigene Bruſt zu ſchlagen und
Buße zu thun. Und wem das Herz ſchwillt bei
dem Gedanken an eine freie deutſche lutheriſche
Kirche, der muß auch vor dem Kleinſten ſich hüten,
was etwa zu dem Aergerniß führen könnte, da
man dem armen und verführten Volke, das man
ſammeln will, zuletzt nichts bietet, als zwei luthe⸗
riſche Kirchen in Einem Lande. Daher bitte ich
Euch, geliebte Brüder! um des HErrn willen,
Ihr wollet Hand anlegen, daß dies anders und
beſſer werde. Wenn Euch nicht Alles gut dünkt,
was Ihr etwa an den bereits zuſammengetretenen
Gliedern der lutheriſchen Kirche in Eurem Lande
bemerkt, ſo wollet Erſtens bedenken, wie es dann
habe kommen können und ſollen, wo man Jahre
lang nichts gewußt hat, als zu verfolgen und zu
zertreten, und dann fügt das Zweite hinzu und
reicht denen, mit welchen Ihr eins ſeid im Be⸗
kenntniß, die Hand und verſtändigt Euch mit
ihnen und bittet, man möge gemeinſam berathen,
wie denn etwa ein großer Neubau mit vereinten
Kräften erwachſen möge. Geſchieht das nicht, iſt
in Preußen keine Einigung auf Grund des Be⸗
fenntniſſes zu erzielen, ſo haben wir nicht blos eine
preußiſche, ſondern eine deutſche Spaltung des
Lutherthums fertig. Denn obwohl die Lutheraner
in Baiern, Sachſen, Hannover, Holſtein ꝛc. bis
jetzt noch nicht zum Handeln kommen konnten und
durften, ſo werde ich doch wohl nicht ohne Grund
verſichern, daß, wenn für dieſe Lande die Stunde
kömmt, die treuen Glieder der Kirche, welche ſich
um das Bekenntniß ſammeln, die Sache der rück⸗
getretenen Lutheraner Preußens als eine Sache
des eigenen Hauſes anſehen werden, wie ſie ſie
längſt als Brüder begrüßt haben.
Möglich, daß viele Mißſtimmungen und
Schwierigkeiten auszugleichen ſind. Aber nur
Geduld und brüderliches Entgegenkommen! Und
wenn zwei Brüder mit einander uneins ſind und
nicht zurecht kbommen, ſo haben ſie ja wohl noch
einen dritten gemeinſamen Freund, daß er die
Sache ins Gleiche bringt. Ich wollte, mir gäbe
Gott dazu Geſchick und Befugniß. Aber das,
was ich kann, wollte ich wenigſtens thun: bitten
und dringend bitten, daß die verſammelten Brü⸗
der dieſer Wunde mit allem Anliegen und Gebet
eingedenk ſein möchten, wenn da oder dort ver⸗
ſucht werden ſollte, die Wunde aufzureißen, ſtatt
zu ſehen, ob nicht Heilung möglich und Her⸗
ſtellung eines geſunden Leibes denkbar ſei. Ver⸗
gebt mir das Schreiben. Es iſt etwas Elendes
um ein eckiges, kaltes, kahles, geſchriebenes Wort.
Hätte ich gekonnt, ich wäre als ein Unberufener
gekommen und hätte mündlich Auge in Auge ge⸗
beten. Iſt aber all mein Thun überflüſſig und
die Verſammlung hat dieſer meiner Bitte gar
nicht bedurſt, ſo ſchicke man mich mit der Lection
nach Hauſe: die Schleſier fänden ſchon ohne mich
das Rechte, und ich will Gott auf den Knieen
dafür danken.
Der HErr JEſus Chriſtus ſei mit Euch und
ſtärke Euch in dieſer furchtbar ernſten Zeit und
verherrliche an Euch Seinen heiligen Namen.
Eine feſte Burg iſt unſer Gott. Ihm ſei die
Ehre jetzt und immerdar. Amen. In Iĩm
der Eurige ö
A. Harleß.
Oregon.
Die Deutſche Tribüne von St. Louis meldet
unter dem 5. December d. J. Folgendes: „In
Oregon wurde die Armee um 300 Mann ver⸗
ſtärkt; die Indianer hatten ſich nach den Gebirgen
zurückgezogen. Sie waren indeſſen Willens,
Frieden zu ſchließen, aber die Weißen wollten ſich
auf keine Bedingungen einlaſſen, wenn nicht zuvor
die Mörder des Dr. Whitman und ſeiner Familie
ausgeliefert würden. Dies verweigern die In⸗
dianer, weil ja auch von ihrem Stamme bereits
eine Anzahl getödtet worden, und dieſes ein ge⸗
nügendes Equivalent (Vergeltung) ſei.“
So ſcheinen die Indianer bereits gedemüthigt
zu ſein. Möge der Kampf gegen ſie bald beendet
ſein, damit unter ihnen, ſo Gott will, das Werk
des Friedens, nämlich die Predigt von Chriſto,
demnächſt beginnen könne. Fick.
Vergleichung der beiden göttlichen Werke,
der Schöpfung und der Erlöſung.
Im erſten Werke gab Gott mir mich, im
zweiten ſich; und da er mir ſich gab, ſchenkte
er mir mich wieder. Bernhardus.
Gleichwie im Reiche der Gnade keine Sünde ſo
groß iſt, die nicht vergeben werde, alſo iſt außer
der Gnade kein Werk ſo gut, kein Leben ſo heilig,
das nicht verdammlich ſei. Luther VI. 2609.
4*
Paul Gerhard.
Zu Brandenburg einſt waltet
Der Kurfürſt weit und breit;
Doch neue Lehre ſpaltet
Des Glaubens Einigkeit.
Es ſteuern wohl Geſetze
Verbotenem Geſchwäße,
Wie das Edikt es nennt;
Doch wird es ihm gelingen,
Den freien Geiſt zu zwingen
Des Sängers, der die Furcht nicht kennt?
Er ſtand an heil'ger Stätte,
Der Kirche heller Stern,
Durch Lehren und Gebete
Verkündigend den HErrn:
„Und laß dir nimmer grauen,
Mußt droben dem verkrauen,
Deß Name Zebaoth!
Und ob des Himmels Schranken
Und alle Feſten wanken,
Ein' feſte Burg iſt unſer Gott!“
Der Kurfürſt aber ſandte,
Da kam der fromme Mannz
Des Fürſten Auge brannte,
Und zürnend hob er an:
„Wer nur den eignen Grillen,
Nicht des Geſetzes Willen
3⁴ foigen, weiſe fand,
Der hat — es ſei geſprochen! —
Hat Ehr' und Amt verbrochen,
Und meidet fortan Stadt und Land *
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