Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 80
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 80
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
In der freudigen Hoffnung, daß der HErr die
Worte ſeines treuen Knechtes mit Segen krönen
werde, ſchließen wir mit dem Spruch Sirachs: Laß
dich nicht klüger dünken, denn die Alten; denn ſie
haben es auch von ihren Vätern gelernt. Denn
von ihnen kannſt du lernen, wie du ſollſt antwor⸗
ten, wenn es Noth iſt. Sir. 8, 11. 12.
Der Bruder Redner.
Auch in das Steinthal im Elſaß, wo damals
der ſelige Oberlin als Pfarrer in vollem Segen
wirkte, kam in den Schreckenszeiten der franzöſi⸗
ſchen Revolution der Befehl der Regierung: Die
gewöhnliche gottesdienſtliche Feier ſolle aufhören,
die Steinthaler ſollten ſich einen Präſidenten wäh⸗
len, dieſer einen Bruder Redner ernennen und dann
ſollten zu gewiſſen Tagen Verſammlungen gehal⸗
ten werden, bei denen der Bruder Redner gegen
die Tyrannen ſprechen und mit der Gemeinde ſich
über die Mittel berathen ſolle, die Tyrannen ab⸗
zuſchaffen. Selbſt im Steinthale fehlte es nun
wohl damals nicht an einzelnen ſolchen, denen
dieſe neue Sache gar verführeriſch, neu und an⸗
lockend vorkam und die auch gerne das mit⸗ und
nachgemacht hätten, was die große Nation ihnen
vormachte.
Der Pfarrer Oberlin ließ mithin ſeine Gemeinde
unter der Linde zuſammenkommen. Er las ihr
das eingegangene Schreiben vor und fügte hinzu,
das ſei Befehl ihrer Welſchen (ſo nannte man im
Steinthal die Franzoſen) Regierung, und da es
die Obrigkeit geböte, müſſe man auch gehorchen.
Er hielte es für gut, noch heute gleich zu den
nöthigen vorläufigen Berathungen zu ſchreiten.
Zuerſt müſſe ein Präſident erwählt werden, und
da er als der bisherige geweſene Pfarrer des Ortes
für heute wohl noch einmal ſich das Recht nehmen
dürfe, ſeine Meinung zuerſt zu ſagen, ſo gebe er
ſeine Stimme dem bisherigen Schulmeiſter des
Ortes und ſchlage dieſen zum Präſidenten vor.
Der Schulmeiſter ſträubte ſich zwar etwas gegen
dieſe Wahl, aber Oberlin beſtimmte ihn bald, ſie
anzunehmen, und ſo wurde denn die Wahl des
Bruder Schulmeiſters zum Bruder Präſidenten
einſtimmig von den Bauern beſtätigt. Jetzt war
nun die Reihe an dem Präſidenten, aus der Mitte
der Verſammlung Jemand zum Bruder Redner
zu ernennen. Wer paßte ſich aber dazu beſſer,
als der bisherige Pfarrer Oberlin! Die Wahl
wurde mit lautem Beifallrufen der Verſammlung
beſtätigt.
„Jetzt iſt nun die Frage“, ſagte Oberlin, „wel⸗
ches Haus und welchen Tag wir zu unſeren Ver⸗
ſammlungen (Clubbs) wählen wollen? Das
Haus des Bruder Präſidenten hat nur eine große
Stube: die Schulſtube. Da geht aber kaum die
Hälfte von uns hinein, beſonders da auch die
Weiber gern werden zuhören wollen; im bis⸗
herigen Pfarrhauſe iſt auch der Raum gering, und
ſo wüßte ich eben doch im ganzen Steinthal kein
ſchicklicheres Haus zu unſeren Clubbs, als die
bisherige, geweſene Kirche.“ — Die Bauern gaben
hierzu allgemein ihren Beifall. —„Was nun den
Tag der Verſammlung betrifft“, ſagte Oberlin,
„ſo iſt der Montag unſchicklich, weil da Viele
nach Straßburg zu Markte fahren, eben ſo Mitt⸗
woch und Freitag. Ich dächte aber doch, der
ſchicklichſte und bequemſte Tag zu unſeren Ver—
ſammlungen wäre der bisherige und geweſene
Sonntag und zwar vorzüglich die Vormittagszeit
von neun Uhr an.“ — Die Bauern gaben auch
hierzu ihren allgemeinen Beifall.
Als nun die Bauern am Sonntage in die Kirche
kamen, ſtand der Bruder Redner in der Nähe des
Altars auf der ebenen Erde. „Was dünkt euch“,
ſagte er zu den ſich Verſammelnden, „ſollte es
8ͤ0
nicht beſſer ſein, ich ſtellte mich auf die bisherige
Kanzel; wir ſind hier zu arm, uns einen beſon⸗
deren Rednerſtuhl machen zu laſſen, und da oben
könnt ihr mich beſſer ſehen und hören.“ Die
Bauern billigten das.
Der neue Bruder Redner trat jetzt auf die
Kanzel. Er zog abermals den Befehl der Regie⸗
rung aus der Taſche und las ihn vor. „Die Wel⸗
ſchen“, ſagte er, „wollen alſo, wir ſollen gegen
die Tyrannen reden und über ihre Abſchaffung
uns berathen. Tyrannen ſind nun in der alten
Zeit ſolche und ſolche geweſen und die haben dies
und dies gethan. Hier in unſerem ſtillen Stein⸗
thal haben wir nun freilich keinen ſolchen Tyran⸗
nen, es wäre alſo vergeblich, gegen einen ſolchen
zu ſprechen. Ich wüßte euch aber dennoch Tyran⸗
nen zu nennen und zu beſchreiben, die nicht bloß
im Steinthal und in euern Häuſern, ſondern ſo⸗
gar in eueren Herzen wohnen. Und gegen dieſe
Tyrannen (Mord, Ehebruch, Hurerei, Fleiſches⸗
luſt und alles gottloſe Weſen) will ich alſo hier
reden, ſo wie ich euch denn auch das beſte Mittel
nennen und beſchreiben will, dieſe Tyrannen ab⸗
zuſchaffen, welches kein anderes iſt, als das dar⸗
gebotene Heil in IEſu Chriſto.“
Als der Pfarrer eine Zeit lang fortgeſprochen
hatte, ſagte er: „Sollte es nicht beſſer ſein für
mich und euch, dazwiſchen auch eins zu ſingen?
Und zwar, da wir keine anderen Lieder können,
aus unſerem bisherigen Geſangbuch den und den
euch Allen wohlbekannten Pſalm?“
So ſangen und beteten die Bauern friedlich
und in Gott vergnügt mit ihrem Pfarrer, und
viele gute Seelen aus der Umgegend, denen dieſe
Art der Verſammlungen und das, was da ge⸗
ſprochen wurde, beſſer gefiel, als jene Clubbs,
die man an anderen Orten hielt, ſammelten ſich
um Oberlin und ſeine Steinthaler und fanden
da Erquickung und Troſt in der Zeit jener großen
äußeren und inneren Noth.
G. H. v. Schubert (Altes und Neues).
Lied für das Feſt der heiligen drei Känige.
Wir haben ein feſtes prophetiſches Wort;
und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als
auf ein Licht, das da ſcheinet in einem dun⸗
keln Ort, bis der Tag anbreche und der Mor-
genſtern aufgehe in euren Herzen. 2 Petri
I
Der Du in der Nacht des Todes,
Chriſt, erſchienſt, ein helles Licht,
Im Palaſte des Herodes
Sucht ich Dich und fand Dich nicht.
Fand nur Glanz und eitles Prangen,
Augenluſt und Fleiſchesluſt,
Doch nach Dir blieb mein Verlangen
Ungeſtillt und leer die Bruſt.
Weiter zu den Schriftgelehrten
Ging ich ſuchend meinen HErrn,
Doch den Klugen und Verkehrten
War verborgen Jakobs Stern.
Zwar ſie ſprachen gleich den Blinden
Von dem aufgegangnen Licht,
Aber unter ihnen finden
Konnt ich den Erlöſer nicht.
Aus dem Tempel ſah ich ſcheinen
Opferfeu'r und Pracht und Licht,
Ahnen konnt ich hier den Einen,
Doch ihn ſelber fand ich nicht.
Und als ich den HErrn des Lebens
So in dir, Jeruſalem,
Hin und her geſucht vergebens,
Zog ich fort uach Bethlehem.
Ging dit Straße einſam weiter,
Denn ſie war ſo ſtill und leer,
Keinen Wanderer zum Leiter
Fand ich weit und breit um her.
Aber über meinem Haupte
Sah ich eines Sternes Schein;
Weil ich ſuchte, weil ich glaubte,
Ward zuletzt der Heiland mein.
Suche nur, ſo wirſt du finden,
Werde nur nicht müd und matt,
Laß durch nichts die Sehnſucht binden,
Welche Gott erwecket hat.
Folg' nur ohne Widerſtreiten
Glaubensvoll dem Wort des HErrn;
Licht von oben wird dich leiten,
Licht von oben giebt der Stern. Spitta.
*
Prediger geſucht.
Da mit dem 1ſten Januar kommenden Jahrs
die hieſige deutſch evangeliſch-lutheriſche St. Jo⸗
hannis⸗Gemeinde predigerlos iſt, ſo werden die
darum anſuchenden Geiſtlichen hiermit in Kennt⸗
niß geſetzt, daß ſie zwiſchen dem 21. December
und Mitte Februar k. J. ihre Probepredigten zu
machen haben mit der Bedingung, daß der Can⸗
didat gute Zeugniſſe als ev.⸗lutheriſcher Prediger
vorlegt, und auch zu einer lutheriſchen Synode
gehören muß, oder ſich anzuſchließen verſpricht,
und ſich annimmt Schule zu halten. Reiſekoſten
werden nicht vergütet.
Der Gehalt war früher §200 ohne Accidenzen
und Schulgeld. Reflectirende wollen ſich an die
Unterzeichneten wenden.
Richmond, Wayne County, Ind.,
den 21. December 1848.
F. Wilhelm Deuker
H. Heinrich Schowe
Vor⸗
ſitzer.
Empfangen
für den Bau einer Kirche der „Erſten deut⸗
ſchen Ev.-Lutheriſchen St. Paulus⸗Gemeinde“
in Chicago, Ill.
Durch P. Röbbelen von Lutheranern in Medina Co., O.
8.00. Durch P. E. Brauer von der Ev.-Lutheriſchen
Gemeinde zu Addiſon 57.00. Durch P. Crämer von Lu⸗
theranern in Saginaw Co., Mich., 854.79 und 32.21.
Durch P. J. Seidel von der deutſch Ev.-Lutheriſchen St.
Johannis-Gemeindt U. A. C. zu Neudettelsau, O. B4.00.
A. Selle, Paſtor.
Empfangen für das Seminar zu Fort Wayne:
Von der deutſchen ev.-lutheriſchen Gemeinde U. A. C. zu
Lancaſter, O..... ——.— 83.19
Von der luth. Dreieinigkeits⸗Gemeinde in Fairfield
County, O....—.—...— 2.38
Von der St. Jakobs⸗Gemeinde. 1.51
Von Herrn P. Richmann ...... 0.92
Summa 38.00
D. W. Sihler, P.
Erhalten
für die lutheriſche Miſſion am Fluſſe Cass in
Michigan:
83.80 Unbekannter. P1.00 N. in St. Louis.
für die Synodal-Miſſions⸗-Caſſe:
81.50 von Hrn. Schaap. 81.00 Ungenannt. 51.00
Buttermann. FI.45 Ungenannte. 32.00 von der luthe⸗
riſchen Gemeinde in Pomeroy und Cheſter Townſhip,
Meigs Countp, O., durch Hrn. P. Habel. 5103.80 von
Gemeindeglitdern in St. Louis.
Bezahlt.
Den 3. und 4. Jahrg. Hr. P. H. JIſenſet.
Den 5. Jahrg. Die HH. Adam Ambroſius, Mich. Benz,
Ellinger, Georg Eckert, Dan. Göglein, Herrling, Chriſtoph
Hamm, P. J. F. Iſenſee (2 Ex.), Georg Rasp, Wendel
Scharf, Mich. Weſſa.
Gedruckt bei Arthur Olshauſen,
Herausgeber des Anzeiger des Weſent.
English translation
Not yet translated.