# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S72 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Greis verſetzt beſcheiden: „Mir ziemis, das ſtrenge Recht, Gebieter, zu erleiden, Mir, dem geringen Knecht. Wie mag ich anders lehren, Das Reich des HErrn zu mehren, Als wie geſchrieben ſteht? Es bleibt gerecht ſein Wille, Ich will ihm halien ſtille.“ Und drauf verneigier ſich und geht; Und wehrt daheim dem Jammer, Und alles legt er ab Und nimmt aus ſeiner Kammer Die Bibel und den Stab. Die Mutter, blaß vor Harme, Das jüngſte Kind im Arme, Das zweite bei der Hand —. So iritt er an die Schwelle Und blickt hinauf ins Helle Und meidet fröhlich Stadt und Land. Wer geht im fernen Thalt Den müden Pilgergang, Im heißen Sonnenurahle Die flache Hald' enuang? — Sie wallen froh im Glauben, Als blühten ihnen Lauben, Der fremden Er de zu. Und als der Tag verfloſſen, So beut, im Wald verſchloſſen, Ein gaſtlich Dach dem Hauflein Ruh. O ſchau den ſüßen Schlummer Der Kleinen auf der Bank! Ins Mutierherz der Kummer, So viel es kampfte, ſank: „Wer wird ſich doch der Armen Im fremden Land erbarmen Und ihr Verireter ſein? Wer wird das Herz erweichen? Die harten Menſchen reichen Den Hungrigen für Brot den Stein. Der fronime Dichter lächelt: „Sie ſteyn in Gortes Hut!“ Des Giaubens Palme fächelt Iym Freudigkeir und Muth; Und wo ſich ſolche Blüthe Entfaltet im Gemuthe, Iſt nimmer jern das Gluck. Er geht hinaus in Eile Und vrirgt nach kieiner Weile Des Troſtes goldnes Lied zurück: „Befiehl du deine Wege Und was das Herze krankt, Der allertreuten Pflege Deß, der den Himmel lenkt.“ Da däucht es ihren Sinnen, Als od die Furcht von hinnen Und alle Sorge floh'. Denn, kaum das Lied vernommen, Int uver ne gekommen Der Friede Goties aus der Höh'. Sie ſchwören ſtill und ſchauen Hinaus in Wald und Nacht, Und uber dunken Auen Der Sierne goldne Pracht; Sie ſchwören, ob die Wellen Bis an die Seele ſchwellen, Zu trauen fur und fur. Und als der Schwur vollzogen Und himmelan geſlogen, Da ſteht die Hulfe vor der Thür. Denn draußen ſcharrt im Sandt Bereus des Roſſes guß, Es briugt aus Sachmnlande Der Boie dieſen Gruß: „Dem Sanger Heu und Frieden! Ich vin hierher beſchieden Durch Kurſurſt Chriſtian; Er wul den Dulder eyren, Ten, ireu im Tyun und Lehren, Die Cugel Gones wandein ſahn. Er hat dich auserkoren, Zu weiden eine Herrd'; Und was du dort veiloren, Silndreifach dir gewahrt! Wohlauf! es grautder Morgen, Tahnnten laß die Sorgen, Gotmhat die Noth gewandt! Es winten uns die Grenzen, Eh wieder Sterne glanzen, Umfangidich Freund und Baterland.“ Schmidtv. Lübeck. 72 Mittheilung von Welthändeln.“) Die frühern Nachrichten lenkten unſre Blicke auf den Oſten Europas und ſonderlich auf Wien hin, in welcher Stadt am 6. October ein blutiger Kampf des Volks gegen die kaiſerliche Partei ent⸗ brannt war, der eine zweite Flucht des Kaiſers und Hofes von Wien nach Olmütz in Mähren zur Folge hatte. Ein bedeutendes Heer unter Anführung des Fürſten Windiſchgrätz, desſelbi⸗ gen, der ſich ſchon den Pragern ſo furchtbar ge⸗ zeigt hatte, rückte gegen die rebelliſche Kaiſerſtadt an, auch der berüchtigte Jellachich mit ſeinen Kroaten fand ſich ein. Mehrere Wochen lang blieb es zweifelhaft, welchen Ausgang der un⸗ vermeidliche Kampf nehmen würde, bis endlich die Nachrichten von der Eroberung Wiens durch die kaiſerlichen Truppen eingetroffen ſind. Das Wiener Volk, auf den Beiſtand der Ungarn hof⸗ fend, weigerte ſich hartnäckig, ſich zu ergeben, und machte ſogar gebieteriſche Forderungen einer all⸗ gemeinen Amneſtie, der Einſetzung eines volks⸗ thümlichen Miniſteriums und der Entfernung alles Militairs aus der Nähe Wiens. Darauf fing der kaiſerliche Feldherr am 25. October an, die unglückliche Stadt zu beſchießen, bis ſie am 31. October in die Hände des Siegers fiel, nachtem auch am 30. die Ungarn, welche zum Entſatze der Stadt herbeigeeilt waren, zurück⸗ geſchlagen worden waren. Das Volk ſoll ſich mit großer Hartnäckigkeit. was man Heldenmuth zu nennen beliebt, gewehrt haben, ſonderlich auch die Studenten, von denen ein Theil niedergehauen oder gehenkt ſein ſoll. Gegen 1500 Wiener ſol⸗ len gefallen, mehrere Vorſtädte verbrannt und eine Anzahl Paläſte zerſtört worden ſein. Seit der Belagerung durch die Türken im Jahre 1683 iſt Wien wohl noch nie wieder ſo geängſtiget wor⸗ den. Der Sieger läßt natürlich Wien ſeinen harten Arm fühlen, übt bereits ein ſtrenges Regiment aus und wird an den Führern des Volks blutige Rache nehmen. Die Zeitungen ſind voll von Klagen über die vereitelten Frriheitsbeſtrebungen, die, wenn ſie gegluckt wären, wahrſchein lich für ganz Deutſch⸗ land das Signal des Aufſtandes würden geweſen ſein. Chriſten beklagen nicht dieſes Mißlingen, ſie beklagen aber die Unglücklichen, die gefallen und, weil als Rebellen, beides Leib und Seele verloren haben; ſie denken dabei mit Furcht und Zittern an das Wort ihres HErrn: wer das Schwerdt nimmt, ſoll durchs Schwerdt umkom⸗ men. Der Kaiſer ſei mit ſeiner Partei, wer und wie er wolle, ſo bleibt dennoch die Empörung wider ihn ein verdammliches Widerſtrer en wider Gottes Ordnung. Ob in Folge dieſer beklagens⸗ werthen Ereigniſſe das Rad ins alte Gleis kom⸗ men wird, das wird die nächſte Zukunft lehren. Auffallend hierbei iſt die Schwäche der deutſchen Centralgewalt. Der Reichsverweſer ſandte bald nach Ausbruch der Wiener Revolution Commiſ⸗ ſäre nach Oeſtreich mit dem Auftrage, eine un⸗ blutige Beilegung der Feindſeligkeiten zu vermit— teln. Während dieſe Friedensboten vom Kaiſer in Olmütz ſehr gaſtfreundlich empfangen wurden, verſetzte umerdeſſen der kaiſerriche Feldherr, um ihre Sendung ſich wenig kümmernd, den Wienern den tödtlichen Schlag. In Berlin kam unlängſt ein ſogenannter Demokratencongreß zuſammen, lief aber bald un⸗ verrichteter Sache auseinander. Dagegen hat ſich zwiſchen dem Koͤnig und dem preußiſchen Reichs⸗ tag wegen der Wahl eines reactionären Miniſte⸗ *) Dieſe Mittheilungen ſind durch den jetzt im Lande durch dit unfreundliche Witterung gehemmten Poſtenlauf leider bedeutend verſpäter worden. D. R. riums, das man befürchtete, ein bedenklicher Zwie⸗ ſpalt erhoben. Was in Italien, wo ſich die Feinde Oeſtreichs von Neuem regen, und was in Frankreich, wo ſſichs um die Wahl eines Präſidenten der neuen Republik handelt, ſich zutragen wird, davon wer⸗ den die nächſten Zeitungen Kunde geben. Kirchliche Nachrichten kommen höchſt ſpärlich herüber; man hört von Verſammlungen und Con⸗ ferenzen, aber wenig von ihren Ergebniſſen; man ſcheint viel zu reden von Verfaſſungen und Orga⸗ niſationen der Kirche, aber wenig von der uner⸗ läßlichen Rückkehr zu Luthers Reformation und Lehre; man iſt mit Plänen ſchwanger von einer großen deutſchen Nationalkirche, aber auf der brei⸗ ten Grundlage des kirchlichen Indifferentismus; man will nicht mehr eine erzwungene, wohl aber eine freiwillige Union; man ſtellt Theſen auf über das Weſen der Kirche und ihre Stellung zum Staate, welche eben ſo wenig ernſtliches Bewußt⸗ ſein von dem Bedürfniß der Gegenwart verrathen, eaß ſie vielmehr abſtracten Buchſtabenrechnungen ähnlich ſehen. —— Folgende Bücher ſind bei dem Unterzeichneten zu den beigefügten Preiſen in größern oder kleinern Parthien gegen Baarzahlung zu haben. Concordienbuch..... 51.25 D. Luthers Hauspoſtille..... Katechismus Starks Gebetbuch Life of Lurbern... ͤ . 7. English Luth. Catechism Catechism of Distinetive Doctrines. 0.124 Indianapolis, Ind., December 1848. J. G. Kunz, luth. Paſtor. Empfangen zu dem Bau der (am 20. p. Trinit. 1848 ein⸗ geweihten) Kirche der lutheriſchen Gemeinde in Kosciusko County, Ind. 1) von der Gemeinde des Hrn. Paſtor Sihler zu Fort Wayne 59.00. 2) von der deutſch ev.⸗lutheriſchen Gemeinde in Pomerop, Meigs County, O., 7.00. Den freundlichen Gebern ſage ich im Namen meiner Ge⸗ meinde herzlichen Dank und wünſche ihnen Gottes reichen Segen. G. K. Schuſter, luth. Paſtor. Erhalten für die lutheriſche Miſſion am Fluſſe Cass in Michigan: 51.50 durch Hrn. P. Heid. 52.00 von Hrn. Peterſeim. zur Synodal-Miſſions-Caſſe: 51.70 von verſchiedenen Gemeindegliedern in Altenburg. Bezahlt. Den 4. Jahrg. Hr. Roßwag. Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Hr. C. G. Cruſe. Den 5. Jahrg. Die HH. Birner, Gebr. Bergt, Burt· hardt, G. Bippus, P. Bippus, Ch. Bippus, P. Crämer (2 Er.), Denius, Doldt, Adam Dielmann, Eggers und Joh. Popp, Dietr. Hellwege, Höhne sen. und Grebing, Heddrich, P. Heid, Kühnert, Klügel, Jacob Kunz, Ludwig Mayer 32.00 bis mit No. 16, Johannes Neſſel PI., desgl. Paliſch, P. Saupert, Staiger, Settlage, W. Schuur, Chr. Sauer, P. Schuſter (3 Ex.), P. Schliepſiek. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, perausgeber des Auzeiger des Weſten 3.