Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 65

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 65

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche · Kirche 13

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Der Lutheraner.

„Gottes Mort und Authers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.

Belligirt von C. F. W. Walther.

Hahrgang 5.

Ht. Louis, Mo., den 26. December 1848.

Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint allt zwei Wochen einmal für den jäbrlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
wrauszubezablen und das Poſigeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkau
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber,

enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

ft.
welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.

ö

Bon den Kennzeichen der wahren Kirche

oder
woran ein einfältiger Chriſt erkennen könne, was,
wo und wer die heilige chriſtliche Kirche, vas
iſt, das heilige, chriſtliche Volk Gottes ſei.
(Aus Luthers großer, köſtlicher und vortrefflicher Schrift:
„Von den Conciliis und Kirchen, vom Jahre 1539. Siehe
Luihers Werkt, Hall. Ausg. Band XVI, Seite 2784. ff.)

Der Kinderglaube lehret uns, daß ein chriſtlich
heilig Volk auf Erden ſein und bleiben müſſe, bis
an der Welt Ende. Denn es iſt ein Artikel des
Glaubens, der nicht kann aufhören, bis da
kömmt, das er gläubet, wie Chriſtus verheißt
Matth. 28, 20.: „Ich bin bei euch bis zur
Welt Ende.“ Wobei will oder kann doch ein
armer irriger Menſch merken, wo ſolch chriſtlich
heilig Volk in der Welt iſt? Es ſoll ja in dieſem
Leben und auf Erden ſein; denn es gläubt wohl,
daß ein himmliſch Weſen und ewiges Leben kom⸗
men werde, es hat's aber noch nicht; darum muß
es noch in dieſem Leben und in dieſer Welt ſein
und bleiben, bis zur Welt Ende. Denn es
ſpricht: Ich gläube ein ander Leben; damit be⸗
kennet es, daß es noch nicht ſei in demſelben
Leben, ſondern gläubt, hofft, und liebet's, als ſein
recht Vaterland und Leben, muß dieweil im
Elende bleiben und harren, wie man ſinget im
Liede vom Heiligen Geiſt: Wenn wir heimfahren
aus dieſem Elende, Kyrieleis. Davon iſt zu
reden.

Erſtlich iſt dies chriſtliche, heilige Volk dabei
zu erkennen, wo es hat das heilige Gottes Wort.
Wie wohl dasſelbe ungleich zugehet, wie St.
Paulus ſagt 1 Cor. 3, 12, 13. Etliche haben's
ganz rein, etliche nicht ganz rein. Die, ſo es rein
haben, heißen die, ſo Gold, Silber, Edelſteine auf
den Grund bauen; die es unrein haben, heißen
die, ſo Heu, Stroh, Holz auf den Grund bauen,
doch durchs Feuer ſelig werden. Dies iſt das
Haupiſtück und das hohe Hauptheiligthum, da⸗
von das chriſtliche Volk heilig heißet. Denn Got⸗
tes Wort iſt heilig und heiliget alles, was es
rühret; ja, es iſt Gottes Heiligkeit ſelbſt, Röm.
1, 16.: „Es iſt Gottes Kraft, die ſelig machet

wird alles heilig durchs Wort und Gebet.“ Denn
der Heilige Geiſt führet es ſelbſt, und ſalbet und
heiliget die Kirche, das iſt, das chriſtliche, heilige
Volk, damit, und nicht mit dem Chreſem*) des
Pabſts, damit er Finger, Kleider, Röcke, Kelch
und Steine ſalbet oder heiliget. Denn dieſelben
Stücke lernen nimmermehr Gott lieben, gläuben,
loben, fromm ſein. Schmücken mögen ſie den
Madenſack, darnach zerreißen und verfaulen, mit
Chreſem und Heiligkeit, ſoviel dran iſt, ſammt
dem Madenſack.

Aber dies Heiligthum iſt das rechte Heiligthum,
die rechte Salbe, ſo zum ewigen Leben ſalbet,
wenn du ſchon keine Pabſtskrone noch Biſchofs⸗
hut haben kannſt, ſondern bloß nacketes Leibes
leben und ſterben müſſeſt, gleichwie die Kindlein
(und wir alle) nacket und ohne allen Schmuck ge⸗
tauft werden. Wir reden aber von dem äußer⸗
lichen Wort, durch Menſchen, als durch dich und
mich, mündlich geprediget. Denn ſolches hat
Chriſtus hinter ſich gelaſſen, als ein äußerlich
Zeichen, dabei man ſollte erkennen ſeine Kirchen,
oder ſein heilig chriſtlich Volk in der Welt. Auch
reden wir von ſolchem mündlichen Wort, da es
mit Ernſt gegläubet, und öffentlich bekannt wird
vor der Welt, wie er ſpricht Matth. 10, 32. 33.
Marc. 8, 9.: „Wer mich bekennet vor den Leuten,
den will ich bekennen vor meinem Vater und ſei⸗
nen Engeln.“ Denn viel ſind, die es wohl wiſ⸗
ſen heimlich, aber wollen's nicht bekennen. Viel
haben's, die aber nicht dran gläuben oder darnach
thun. Denn wenig ſind ihr, die dran gläuben
und darnach tbun. Wie die Gleichniß von dem
Samen Matth. 13, 4. ſagt, daß es drei Theil
des Ackers wohl kriege und habe, aber allein das
vieite Theil, der feine gute Acker, Frucht bringet
in Geduld.

Wo du nun ſolch Wort höreſt oder ſieheſt pre⸗
digen, gläuben, bekennen und darnach thun, da
habe keinen Zweifel, daß gewißlich daſelbſt ſein
muß eine rechte Eeclesia sancta catholica, und
chriſtlich heilig Volk, 1 Petr. 2, 9., wenn ihrer

gleich ſehr wenig ſind. Denn Gottes Wort gehet

nicht ledig ab, Jeſ. 55, 11., ſondern muß zum

alle, die daran gläuben“; und 1 Tim. 4, 5.: „ESs Satböl.

wenigſten ein Viertheil oder Stück vom Acker
haben. Und wenn ſonſt kein Zeichen wäre, denn
dies allein, ſo wäre es genugſam zu weiſen, daß
daſelbſt müßte ſein ein chriſtlich heilig Volk. Denn
Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk ſein.
Wiederum, Gottes Volk kann nicht ohne Gottes
Wort ſein. Wer wollte es ſonſt predigen oder
predigen hören, wo kein Volk Gottes da wäre?
Und was könnte oder wollte Gottes Volk gläu⸗
ben, wo Gottes Wort nicht da wäre?

Und dies iſt das Stück, ſo alle Wunder thut,
alles zu rechte bringet, alles erhält, alles aus⸗
richtet, alles thut, alle Teufel austreibet, als
Wallfahrtsteufel, Ablaßteufel, Bullenteufel, Brü⸗
derſchaftsteufel, Heiligenteufel, Meſſeteufel, Feg⸗
feuerteufel, Klöſterteufel, Pfaffenteufel, Rotten⸗
teufel, Aufruhrteufel, Ketzerteufel, alle Pabſtteufel,
auch Antinomerteufel,“) doch nicht ohne Geſchrei
und Gezerre, wie er in den armen Menſchen
zeigt, Marc. 1, 23. 26. C. 9, 5. Nein, er muß
ein Geſchrei und Reißen hinter ſich laſſen, wenn
er ausfahren ſoll, wie man ſiehet an Emſer, Ecke,
Rotzlöffel, Schmid, Wetzel, Tölpel, Knebel, Filtz,
Rültz, Säu, Eſel und dergleichen ſeinen Schreiern
und Schreibern, die ſind alle des Teufels Maul
und Glieder, durch welche er ſo ſchreiet und reihet;
hilft ihnen aber nicht, er muß heraus und kann
die Kraft des Worts nicht leiden. Denn ſie
ſelbſt bekennen, daß es wohl Gottes Wort und die
heilige Schrift ſei, aber aus den Vätern und Con⸗
cilien kann man's beſſer haben. Die laß fahren,
iſt genug, daß wir wiſſen, wie das Hauptſtück,
Hauptheiligthum heget, hält, nähret, ſtärket und
ſchützet die Kirche, wie St. Auguſtinus auch
ſaget: Eeclesia verbo Dei generatur, alitur,
nutritur, roboratur.“) Wer aber die ſind, ſo
es verfolgen und verdammen, die nennen ſich
ſelbſt durch ihre eigne Früchte.

Zum andern, kennet man Gottes Volk,
oder das chriſtliche, heilige Volk, an dem heiligen
Sacrament der Taufe, wo es recht nach Chriſti
Oidnung gelehret, gegläubt und gebraucht wird.

*) Antinomer waren Ketzer, welche das Geſetz verwarfen.
*½) d. i. die Kirche Gottes wird durch das Wort gebo⸗
ren, genährt, geſtärkt.,

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