Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 67

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 67

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche · Kirche 13

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vie ſie Kirchen ſind, ſo ſind ſie auch Apoſtel, Evan⸗
geliſten und Propheten, das iſt, ſie ſind des Teufels
Apoſtel, Evangeliſten und Propheten. Denn die
rechten Apoſtel, Evangeliſten und Propheten pre⸗
digen Gottes Wort, und nicht wider Gottes Wort.

Haben nun die Apoſtel, Evangeliſten und Pro⸗
pheten aufgehöret, ſo müſſen andre an ihre Statt
lommen ſein, und noch kommen bis zu Ende der
Welt. Denn die Kirche ſoll nicht aufhören, bis
an der Welt Ende; darum müſſen Apoſtel, Evan⸗
geliſten, Propheten bleiben, ſie heißen auch wie ſie
vpollen oder können, die Gottes Wort und Werk
treiben. Denn der Pabſt mit den Seinen, ſo
Gottes Wort verfolgen und⸗Doch ſelbſt bekennen,
es ſei wahr, die müſſen ſehr ſchlechte Apoſtel,
Evangeliſten und Propheten ſein, wie der Teufel

nit ſeinen Engeln. Aber wie komm ich doch auf
das ſchändliche, unfläthige Volk des Pabſtes;
laß ſie fahren abermal, und heiße ſie nicht wieder
kommen, oder ꝛc.

Gleichwie droben geſagt von den andern vier
Stücken des großen göttlichen Heiligthums, da⸗
durch die heilige Kirche wird geheiliget, daß du
nicht ſollt achten, wer und wie die ſind, von denen
man ſolches empfähet: ſo ſollſt du auch hierin
nichts fragen, wer und wie der iſt, der es dir gibt
oder das Amt hat. Denn es iſt alles gegeben,
nicht dem, der's hat, ſondern dem, der's durch ſein
Amt kriegen ſoll, ohn daß er's auch kann mit dir
kriegen, wo er will. Laß ihn ſein, was er will
und wie er kann, weil er im Amt iſt, und vom
Haufen geduldet wird, ſo laß du es auch gehen,
ſeine Perſon macht dir Gottes Wort und Sacra⸗
ment weder ärger noch beſſer. Denn es iſt nicht
ſein, was er redet oder thut, ſondern Chriſtus,
dein HErr, und der Heilige Geiſt redet und thut
alles, ſo fern er bleibet in der rechten Weiſe zu
lehren und zu thun; ohn daß die Kirche öffent⸗
liche Laſter nicht leiden ſoll noch leiden kann. Aber
du allein ſei zufrieden und laß gehen, weil du
einzelner nicht ſein kannſt der ganze Haufe oder
das chriſtliche heilige Volk.

Aber an den Pabſt mußt du dich nicht kehren.
Der verbeut, daß kein Ehemann könne zu ſolchem
Amt berufen werden, ſondern ſollen allzumal keuſche
Jungfrauen ſein, nach der neſtorianiſchen Conſe⸗
quenz, das iſt viel, alle Geiſtliche ſollen keuſch
ſein, aber ſie ſelbſt mögen wohl unkeuſch ſein.

herein, und ich wollte dich nicht mehr haben.
Wohlan, ſo ſei mir übel und unwohlkommen, ich
will dich auf lutheriſch empfahen.

Der Pabſt verdammt das eheliche Leben der
Biſchöfe oder Pfarrherrn, das iſt nun offenbar ge⸗
nug. Daran hat er nicht genug, verdammt noch
viel härter die Digamiam, und daß ich's ja klär⸗
lich ſage, macht er viererlei Digamos, wo nicht
fünferlei. Ich will jetzt Digamum heißen zwei⸗
weibig, der zweimal freiet, oder eines andern Witt—
we nimmt. Der erſt Zweiweibige iſt, der zwo
Jungfrauen nacheinander zur Ehe nimmt, der
andere, ſo eine Wittfrau nimmt, der dritte, ſo eine
Braut nimmt, vom todten Bräutigam Jungfrau
gelaſſen, der vierte kömmt ja ſchändlich dazu.
daß er muß auch ein zweiweibiger Mann heißen

Siehe du, noch kömmſt du mir mit dem Pabſt

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darum, daß er unwiſſend, unwillens eine Jung⸗
frau nimmt und hernach ſie nicht rein noch Jung⸗
frau findet; aber kurzum, er muß bei dem Pabſt
ein Zweiweibiger ſein, vielmehr denn der Dritte,
der die Braut Jungfrau genommen hat. Dieſe
Alle ſtinken und riechen übel im geiſtlichen Recht,
dürfen nicht predigen, taufen, Sacrament reichen
oder einiges Amt der Kirchen üben, wenn ſie gleich
heiliger wären, denn St. Johannes, und ihre
Weiber heiliger denn Gottes Mutter. So treff⸗
lich heilig iſt der Pabſt in ſeinen Decreten.

Aber wenn einer hätte hundert Jungfrauen ge⸗
ſchwächt, hundert ehrliche Wittfrauen geſchändet,
und noch hundert Huren hinter dem Rücken hätte
liegen gehabt, der mag nicht allein Prediger oder
Pfarrherr, ſondern auch Biſchof oder Pabſt wer⸗
den, und wenn er's noch immer thäte, würde er
dennoch jetzt geduldet in ſolchen Aemtern. Aber
wo er eine Braut Jungfrau, oder eine falſche
Jungfrau kriegt, ſo kann er Gottes Diener nicht
ſein. Hilft nichts, daß er ein rechter Chriſt, ge⸗
lehrt, fromm, nützlich ſei, er iſt ein Zweiweibiger;
er muß vom Amt und nimmermehr nicht dazu
kommen. Wie dünket dich? Iſt dies nicht eine
neue, höbere Heiligkeit, weder Chriſtus ſelbſt iſt,
beide mit dem Heiligen Geiſt und ſeiner Kirchen?
Chriſtus verſchmähet nicht, weder einweibige,
zweiweibige“) Männer, noch einmännige, zwei⸗
männige Weiber, wenn ſie an ihn glauben, läßt
ſie bleiben Glieder ſeines heiligen chriſtlichen
Volks, braucht ihr auch, wozu ſie nütze ſind oder
ſein können. Wie wohl nach der heiligen Schrift
heißt zweiweibig, der zugleich einmal zwei leben⸗
dige Weiber hat, wie Lamech. Aber der Pabſt iſt
gelehrter und heißt zweiweibig, wer zwei Weiber
nach einander hat; ſo auch von Weibern. Denn
er iſt viel gelehrter, weder Gott ſelbſt. . ...

Wo du nun ſolche Aemter oder Amtleute ſieheſt,
da wiſſe, daß gewißlich das heilige chriſtliche Volk
ſein muß. Denn die Kirche kann ohne ſolche Bi⸗
ſchöfe, Pfarrherrn, Prediger, Prieſter' nicht ſein;
und wiederum ſie auch nicht ohne die Kirche, ſie
müſſen bei einander ſein.

Zum ſechsten, erkennet man äußerlich das
heilige chriſtliche Volk am Gebet, Gott loben und
danken öffentlich. Denn wo du ſieheſt und höreſt,
daß man das Vater unſer betet und beten lernet,
auch Pſalmen oder geiſtliche Lieder ſinget, nach dem
Wort Gottes und rechtem Glauben; item den
Glauben, zehn Gebote und Catechismum treibet
öffentlich; da wiſſe gewiß, daß da ein heilig chriſt⸗
lich Volk Gottes ſei. Denn das Gebet iſt auch
der iheuren Heiligthum eines, dadurch Alles hei⸗
lig wird, wie Sanet Paulus ſagt, 1 Tim. 4, 5.
So ſind die Pſalmen auch eitel Gebet, darin man
Gott lobet, danket und ehret. Und der Glaube
und zehen Gebot auch Gottes Wort und Alles eitel
Heiligthum, dadurch der Heilige Geiſt das heilige
Volk Chriſti heiliget. Aber wir reden vom Gebet
und Geſänge, das verſtändlich iſt, daraus man
lernen und ſich beſſern kann. Denn der Mönche,

Nonnen, Pfaffen Löhren 1) iſt kein Gebet, aus“.

*) Das iſt, wie Luther oben erklärt, Männer,
zweite Frau nach dem Tode der erſten geheirath⸗
+1) Geplerr.

kein Gottes Lob. Denn ſie verſtehens nicht und
lernen nichts daraus, thuns alſo hin, wie eine
Eſelsarbeit, um des Bauchs willen, und wird gar
keine Beſſerung, noch Heiligung, noch Gottes
Wille darin geſucht.

Zum ſiebenten, erkennet man äußerlich das
heilige, chriſtliche Volk bei dem Heiligthum des
heiligen Kreuzes, daß es muß alles Unglück und
Verfolgung, allerlei Anfechtung und Uebel (wie
das Vater unſer betet) vom Teufel, Welt und
Fleiſch, inwendig trauern, blöde ſein, erſchrecken,
auswendig arm, veracht, krank, ſchwach ſein, lei⸗
den, damit es ſeinem Haupt, Chriſto, gleich werde.
Und muß die Urſache auch allein dieſe ſein, daß es
feſt an Chriſto und Gottes Wort hält, und alſo
um Chriſti willen leide, Matth. 5, 10.: „Selig
ſind die, ſo um meinetwillen Verfolgung leiden.“
Sie müſſen fromm, ſtille, gehorſam ſein, bereit
mit Leib und Gut zu dienen der Oberkeit und
Jedermann, Niemand kein Leid thun. Aber kein
Volk auf Erden muß ſolchen bittern Haß leiden.
Sie müſſen ärger denn Jüden, Heiden, Türken;
Summa, ſie müſſen Ketzer, Buben, Teufel, ver⸗
flucht und die ſchändlichſten Leute auf Erden
heißen, daß auch die einen Gottesdienſt thun,
von welchen ſie erhenkt, ertränkt, ermordet, ge⸗
martert, verjagt, zerplagt werden, und ſich Nie⸗
mand über ſie erbarme, ſondern auch mit Myrthen
und Gallen dazu tränken, wo ſie durſtet, und doch
nicht darum, daß ſie Ehebrecher, Mörder, Diebe
oder Schälke ſind, ſondern daß ſie Chriſtum allein
und keinen andern Gott haben wollen. Wo du
nun ſolches ſieheſt oder höreſt, da wiſſe, daß die
heilige chriſtliche Kirche ſei, wie er ſpricht Matth.
5, 11, 12.: „Selig ſeid ihr, wenn euch die Leute
fluchen, und euren Namen verwerfen, als ein
ſchädlich und bös Ding, und das um meinet willen;
ſeid fröhlich und freuet euch, euer Lohn iſt im
Himmel groß.“. Denn mit dieſem Heiligthum
macht der Heilige Geiſt dies Volk nicht allein hei⸗
lig, ſondern auch ſelig. ö

Und kehr dich dieweil nicht an der Papiſten
Heiligthum von todten Heiligen, vom Holz des
heiligen Kreuzes. Denn es ſind ſo ſchier Kno⸗
chen vom Schindeleich“), als Heiligenbeine, und
ſo ſchier vom Galgenholz, als vom heiligen Kreuze.
Und iſt eitel Trügerei darunter, damit der Pabſt
die Leute ums Geld närret und verführet von
Chriſto. Und ob's ſchon recht Heiligthum wäre,
ſo machts doch Niemand heilig. Aber wenn
dich um Chriſti willen verdammt, verflu
läſtert, plagt, das macht dich heili

Leiden fröhlich ſein.
Heiligen Geiſt geheilj

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