Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 68

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 68

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche

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Chriſto. Und das nach der erſten Tafel Moſis,
die erfüllen wir hierdurch, wie wohl nicht ſo reich—
lich als Chriſtus gethan hat, wir folgen aber im⸗
mer nach, unter ſeiner Erlöſung oder der Verge⸗
bung der Sünden, bis wir auch einmal ganz hei⸗
lig werden, und keine Vergebung mehr bedürfen;
denn dahin iſt alles gericht. Ich wollte ſie auch
wohl die ſieben Sacramente nennen, aber weil dies
Wort „Sacrament“ in Mißbrauch kommen iſt
durch die Papiſten, und anders in der Schrift ge⸗
braucht wird, laſſe ich ſie ſieben Hauptſtücke chriſt—
licher Heiligung oder ſieben Heiligthum bleiben.

Ueber dieſe ſieben Hauptſtücke ſind noch mehr
äußerliche Zeichen, dabei man die heilige chriſtliche
Kirche kennet, nemlich, da uns der Heilige Geiſt
auch nach der andern Tafel Moſis heiliget, wenn
er uns hilft, daß wir Vater und Mutter herzlich
ehren, und ſie wiedrum Kinder chriſtlich erziehen
und ehrlich leben. Wenn wir uuſern Fürſten und
Herrn treulich, gehorſamlich dienen und unterthan
ſind, und ſie wiederum ihre Unterthanen lieb haben,
ſchützen und ſchirmen. Item, wenn wir Niemand
gram ſind, keinen Zorn, Haß, Neid noch Rach⸗
gier gegen unſern Nächſten tragen, ſondern gerne
vergeben, gerne leihen, helfen und rathen. Wenn
wir nicht unzüchtig und Säufer, ſtolz, hoffärtig,
prächtig, ſondern keuſch, züchtig, nüchtern, freund⸗
lich, gelinde, ſanft- und demüthig ſind; nicht ſteh⸗
len, rauben, wuchern, geizen, übertheuren, ſondern
milde, gütig, gnügig, mittheilig; nicht falſch, ver⸗
logen, meineidig, ſondern wahrhaftig, und was
noch mehr von ſolchen Geboten gelehret wird, wie
das Alles St. Paulus hin und wieder reichlich
lehret. Denn darum müſſen wir auch den
Dekalogum“) haben, nicht allein darum, daß er
uns geſetzweiſe ſage, was wir zu thun ſchuldig
ſind, ſondern auch, daß wir drinnen ſehen, wie
weit uns der Heilige Geiſt mit ſeinem Heiligen
gebracht hat, und wie fern es noch fehlet; auf
daß wir nicht ſicher werden und denken, wir
haben's nun alles gethan. Und alſo immerfort
wachſen in der Heiligung, und ſtets je mehr eine
neue Creatur werden in Chriſto; es heißt erescite
und abundetis magis (Daß ihr immer völliger
werdet) 1 Theſſ. 4, 1. 5.

Wie wohl aber ſolch Zeichen nicht ſo gewiß an—
geſeben mag werden, als die droben, weil auch
etliche Heiden ſich in ſolchen Werken geübt, und
wohl zuweilen heiliger ſcheinen, weder die Chri—
ſten; ſo gehet doch ihr Ding nicht ſo rein und ein—
fältig aus dem Herzen, um Gottes willen, ſon
dern ſuchen etwas andres drinnen, weil ſie keinen
rechten Glauben noch Erkenntniß Gottes, haben.
Hie aber der Heilige Geiſt iſt, der das Herz hei⸗
liget, und ſolche Frucht aus guten feinen Herzen
bringet, wie Chriſtus ſagt in der Parabel Matth.
13, 23. Und weil gleichwohl die erſte Tafel höl er
iſt, und größer Heiligthum da ſein muß, habe ichs
in der andern Tafel Alles wollen zuſammen faſ—
ſen. Sonſt hätte ichs auch wohl können in ſieben

Heiligthum oder Hauptſtücke theilen, nach den

ſitben Geboten.
Da haben wir nun gewiß, was, wo und wer
ſie ſei, die heilige chriſtliche Kirche, das iſt, das
—0 Die heiligen zehen Gebote.

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heilige chriſtliche Volk Gottes; und es kann uns
nicht fehlen, des ſind wir wohl ſicher. Alles Andre
außer dieſen Stücken kann fehlen und fehlet ge—
wiß, wie wir zum Theil hören werden. Aus
ſolchem Volk ſollte man Leute nehmen zum Con⸗
cilio; das möchte ein Concilium ſein, das vom
Heiligen Geiſt regiert würde. Alſo ſchreibt auch
Lyra, daß die Kirche nicht zu rechnen ſei nach den
hohen oder geiſtlichen Ständen, ſondern nach den
Leuten, ſo recht glänben. Wundert mich, wie er
nicht um ſolches Worts willen verbrennet iſt, daß
er Päbſte, Cardinäle, Biſchöfe, Prälaten nicht will
laſſen die Kirche ſein, daraus gar greuliche Ketze⸗
reien folgen, der heiligen römiſchen Kirchen un⸗
leidlich und viel zu nahe. Davon anderswo.
Da nun der Teufel ſahe, daß Gott eine ſolche
heilige Kirche bauete, feierte er nicht, und bauete
ſeine Kapelle dabei, größer denn Gottes Kirche iſt,
und thät ihm alſo: Er ſahe, daß Gott äußerliche
Dinge nahm, als Taufe, Wort, Sacrament,
Schlüſſel ꝛc., dadurch er ſeine Kirche heiligte; (wie
er denn allezeit Gottes Affe iſt, und will alle Dinge
Gottnachthun und ein beſſers machen) nahm er
auch äußerlich Ding vor ſich, die ſollten auch hei—
ligen; gleichwie er thut bei den Wettermachern,
Zäubern, Teufelsbanner, ꝛc. Da läßt er auch
wohl das Vater unſer beten, und Evangelium
überleſen, auf daß es groß Heiligthum ſei.
hat er durch die Päbſte und Papiſten laſſen weihen
oder heiligen: Waſſer, Salz, Kerzen, Kräuter,
Glocken, Bilder, Agnus Dei, Pallia, Altar, Ca⸗

erzählen? Zuletzt die Mönchskappen ſo heiligen,

daß viele Leute drinn geſtorben und begraben ſind,

als wollten ſie dadurch ſelig werden. Nun wäre
das wohl fein, wenn man Gottes Wort, Segen
oder Gebet über die Creatur ſpräche, wie die Kin⸗—
der über Tiſche thun, und über ſich ſelbſt, wenn
ſie ſchlafen gehen und aufſtehen, davon St. Pau⸗
lus ſagt 1 Tim. 4, 5.: „Alle Creatur iſt gut und
wird geheikiget durchs Wort und Gebet.“
daraus kriegt die Creatur keine neue Kraft, ſon—
dern wird beſtätiget in ihrer vorigen Kraft.

Aber der Teufel ſucht ein anders, ſondern will,
daß durch ſein Affenſpiel die Creatur eine neue
Kraft und Macht kriege. Gleichwie das Waſſer
durch Gottes Wort eine Taufe wird, ein Bad zum
erigen Leben, die Sünde abwäſchet und ſelig
macht, welches iſt nicht des Waſſers Natur noch
Macht; und Brod und Wein Leib und Blut
Chriſti wird; durch Auflegen der Hände die Sünde
vergeben werden, nach Gottes Einſetzung: alſo
will der Teufel auch, daß ſein Gaukelwerk und
Affenſpiel kräftig ſei, und über die Natur etwas
thue. Weihwaſſer ſoll Sünde tilgen, es ſoll Teu—

fel austreiben, ſoll den Poltergeiſtern wehren, ſoll

die Kindbetterin ſchirmen, wie uns der Pabſt leh—
ret ꝛc. Aquam salé, ſo ſoll Weihſalz auch thun;
Agnus Dei, vom Pabſt geweihet, ſoll mehr thun,
weder Gott ſelber zu ihun vermag. Wie ſolches
in Verſen beſchrieben, die ich ſollte einmal gloſſiret
auslaſſen. Glocken ſollen die Teufel im Wetter

verjagen; Antoni Meſſer ſtechen den Teufel; die

geſegneten Kräuter treiben die giftigen Würme
weg; etliche Segen heilen die Kühe, wehren den

Denn

Milchdieben, löſchen Feuer; etliche Briefe machen
ſicher im Kriege und auch ſonſt, wider Eiſen,
Feuer, Waſſer, Thier ꝛc. Möncherei, Meſſe und
dergleichen ſollen mehr denn gemeine Seligkeit
geben. Und wer kann es alles erzählen? Iſt
doch keine Noth ſo geringe geweſt, der Teufel hat
ein Sacrament oder Heiligthum drauf geſtiftet,
dadurch man Rath und Hülfe finde. Darüber
hat er auch Propheten, Wahrſager und weiſe
Männer gehabt, die heimliche Dinge haben können
offenbaren, und geſtohlen Gut wiederbringen.

O er iſt weit über Gott, mit Sacramenten,
Propheten, Apoſteln, Evangeliſten gerüſtet, und
ſeine Kapellen weit größer, denn Gottes Kirche;
hat auch weit ein größer Volk in ſeiner Heiligkeit,
denn Gott. Man gläubt ihm auch leichter und
lieber in ſeinem Verheißen, in ſeinen Sacramen⸗
ten, in ſeinen Propheten, weder Chriſto. Er iſt
der große Gott in der Welt, wie ihn Chriſtus nen⸗
net Joh. 12, 14. „Fürſt der Welt“, und Paulus
2 Cor. 4, 4. „Gott dieſer Welt.“
Affenſpiel zeucht er die Leute vom Glauben Chriſt,
und macht das Wort und die Sacramente ver⸗
acht, dazu faſt unkennilich, weil man kann näher
erzeugen, als: Sünde tilgen, aus Nöthen helfen,
und ſelig werden durch des Teufels Sacrament,
weder durch Chriſti Sacrament. Denn derſelbe
will durch ſeinen Heiligen Geiſt die Leute heilig
und fromm machen, an Leib und Seel, und nicht
laſſen im Unglauben und Sünde bleiben. Solches

iſt zu ſchwer denen, ſo nicht gern fromm ſein oder
ſeln, Platten, Finger, Hände; wer wills Alles

Sünde laſſen wollen. Die können ſolches Werks
des Heiligen Geiſtes leichtlich gerathen,
nachdem ſie gelernt, wie ſie ohne des Heiligen
Geiſtes Werk wohl leichter, als: durch Weihwaſ⸗
ſer, durch Agnus Dei, durch Bullen und Briefe,
durch Meſſen und Mönchskappen können ſelig
werden, darum nicht noth iſt, etwas anders zu
ſuchen noch zu achten.

Nicht allein das, ſondern der Teufel hat ſich
damit alſo gerüſtet, daß er dadurch wollte das

Wort und Sacrament Gottes gar aufheben, und

gedachte alſo: wird Jemand auftreten, der meine
Kirche, Sacrament und Biſchöfe wird angreifen,
als ſollte äußerlich Ding nicht ſelig machen, ſo
ſollen Gottes Wort und Sacrament auch mit zu
Grunde gehen. Denn es ſind auch äußerliche
Zeichen, und ſeine Biſchöfe und Kirche ſind auch
leibliche Menſchen. Soll meins nicht gelten, ſo
muß ſeines viel weniger gelten. Zuvoraus weil
meine Kirche, Biſchöfe und Sacrament flugs wir⸗
ken und helfen in dieſem Leben und gegenwärtig⸗
lich, daß man's ſchon ſehen und greifen muß.
Denn ich bin dabei und helfe bald, wie man be—
gehrt. Aber Chriſti Sacrament wirken aufs
künftige und unſichtbarliche Weſen, im Geiſt, daß
man ſeine Kirchen und Biſchöfe kaum von ferne
ein wenig riechen kann, und der Heilige Geiſt ſich
ſo ſtellet, als ſei er nicht da, läßt ſie alles Unglück
leiden und für meine Kirche, als Ketzer gehalten
müſſen werren. Indeß iſt meine Kirche nicht
allein ſo nahe, daß man ſie recht greifen mag,
ſondern meine Werke folgen auch bald, daß Jeder⸗
mann denkt, ſie ſei die rechte Gottes-Kirche.
Solch Vortheil habe und kenn ich.

Mit ſolchem

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